Mitterkirchen im Machland ist eine an der Donau liegende Marktgemeinde im Machland im Bezirk Perg im Unteren Mühlviertel in Oberösterreich mit Einwohnern (Stand ).
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Perg mit dem zuständigen Bezirksgericht in der Bezirkshauptstadt Perg.
Bedingt durch die Lage an der Donau befand sich in der mehrmals auf Grund von Katastrophenhochwässern umgesiedelten Ortschaft Hütting einer der ältesten Märkte Oberösterreichs. Die Markterhebung von Mitterkirchen am 10. Oktober 1977 (Beschluss der Oberösterreichischen Landesregierung) erfolgte unter Bezugnahme auf dieses Marktrecht. Das Wappen von Mitterkirchen enthält Teile des Hüttinger Wappens. Die Markterhebungsfeier mit Überreichung der Urkunde fand am 18. Juni 1978 statt.
Die Errichtung des Kraftwerks Wallsee-Mitterkirchen in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre auf dem Gemeindegebiet prägt seither die Landschaft und den Verlauf der Gewässer. Der Machlanddamm hat das Ziel die Gefahr von Hochwasserkatastrophen nachhaltig zu verringern.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde auf dem Gemeindegebiet ein hallstattzeitliches keltisches Hügelgräberfeld freigelegt und in diesem Zusammenhang 1991 das Keltendorf Mitterkirchen eröffnet. Von touristischer Bedeutung ist auch die Lage am Donauradweg und am Donausteig.
Geografie mini|Ortschaften von Mitterkirchen mit den Flüssen Naarn und Donau in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Das Ortszentrum befindet sich etwa zehn Kilometer südöstlich der Bezirkshauptstadt Perg und etwa zwei Kilometer nördlich der Donau auf Das Gemeindegebiet hat eine Ausdehnung von Norden nach Süden von 8,7 Kilometern und von West nach von Ost 7,1 Kilometern. Die Gesamtfläche beträgt 28,6 Quadratkilometer. 21 % der Fläche sind bewaldet, 59,2 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Aus geologischer und geomorphologischer Sicht gehört Mitterkirchen zur oberösterreichischen Raumeinheit Machland.
Mitterkirchen liegt in der Machlandebene, sodass der Unterschied zwischen niedrigstem und höchsten Punkt der Gemeinde nur elf Meter beträgt. Der höchste Punkt liegt beim Gehöft Hans in der Haid auf und der niedrigste Punkt auf den Äckern am Gries bei . Weitere Höhenangaben im Gemeindegebiet betreffen Hart, Kirchstetten, Hofstetten, Wagra, Stadlbauer auf der Leithn mit je , Loa , Fuchsluger , Inzing und Gang , Pfarrkirche , Hütting (vor Umsiedelung) .
Gewässer In Mitterkirchen wird mit dem Machlanddamm in der Zeit von 2009 bis 2013 ein Schutz gegen ein Jahrhundert-Hochwasser errichtet, nachdem die Ortschaft Hütting ganz ausgesiedelt und in Neu-Hütting neu aufgebaut worden ist.
Wesentliche Fließgewässer sind neben der Donau der teilweise von der Erla gespeiste, beim Kraftwerksbau in den 1960er-Jahren verbliebene Donau-Altarm Wallsee und der Hüttinger Arm, ein bei früheren Donauregulierungen verbliebener Altarm der Donau.
Sowohl der Aist-Mühlbach als auch die Naarn münden in den Hüttinger Arm, wobei kurz vor der Mündung der Naarn die Schwemmnaarn ausgeleitet wird. Dabei handelt es sich um den nach der Naarnregulierung in den 1960er-Jahren verbliebenen, weiterhin bei Dornach in die Donau mündenden Altarm der Naarn. Der Holzplatz Kaindlau war einer der Endpunkte der Scheiterschwemme auf der Naarn (siehe auch Hauptartikel Perger Schwemmplatz), lag zunächst direkt am Donauufer und nach der Donauregulierung Anfang des 19. Jahrhunderts am Ufer des Hüttinger Arms (Donaualtarm, Grieswasser). Vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Holz mittels Feldeisenbahn mit Pferdeantrieb zum Tauchplatz beim Kohlbühel zur Verladung in Wasserfahrzeuge gebracht. 1922 war eine Verlegung des Tauchplatzes erforderlich und die Feldeisenbahn musste ebenfalls verlegt werden, wobei sie so verstärkt und auf 3 km verlängert wurde, dass der Betrieb mit Benzinmotoren erfolgen konnte. Im Nordosten bildet der Tobrabach teilweise die Grenze des Gemeindegebietes zur Gemeinde Arbing.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Mitterkirchen besteht aus nachstehenden Katastralgemeinden (KG) mit den angeführten insgesamt neunzehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Pfarrkirche und Friedhof Einzelfunde aus der Jungsteinzeit geben Anlass zu der Vermutung, dass bereits 2500 Jahre vor Christus Menschen in der Gegend um Mitterkirchen lebten. Ab etwa 800 vor Christus besiedelten die Kelten den Donauraum. Rund um die Ausgrabung des Gräberfeldes Mitterkirchen entstand das Keltendorf Mitterkirchen zur Konservierung der Fundstelle und zur Darstellung keltischen Lebens. Es wurden 50 Hügelgräber mit rund 80 Bestattungen aus der frühen Eisenzeit (Hallstattkultur, 800 bis 450 vor Christus) freigelegt. Rund 900 Gefäße mit wertvollen Grabbeigaben lassen auf Bestattungen hochgestellter Persönlichkeiten schließen. Zu den Fundstücken zählt auch der Mitterkirchner Prunkwagen.
Während der Römerzeit lag Mitterkirchen direkt an der Grenze der Provinz Noricum, die in diesem Bereich vom Limes beziehungsweise von der Donau gebildet wurde, innerhalb der 7,5 Kilometer breiten Pufferzone zwischen Römern und Barbaren. Das römische Kastell Adiuvense (Wallsee) lag in Sichtweite, auch das um 170 nach Christus errichtete Legionslager Albing in der heutigen Gemeinde Sankt Pantaleon-Erla lag nur wenige Kilometer entfernt am Südufer der Donau. Siedlungsspuren aus dieser Zeit sind auf dem Gebiet von Mitterkirchen nicht nachweisbar. Ebenso fehlen Spuren von Aktivitäten der Hunnen und der Rugier in dieser Gegend. Bei den bereits erwähnten Grabungen fand man die Überreste einer slawischen Wohnsiedlung mit einem angeschlossenen Werkstattbezirk aus dem 8. Jahrhundert. Der Fundort liegt östlich von Labing. U.a. wurden Reste einer Töpferei und Brennerei, von Backöfen und Grubenmeilern gefunden. Es wurde Eisen in sogenannten Reduktionsgruben hergestellt und in Schmiedewerkstätten weiterverarbeitet. Slawisch-bairische Mischbegriffe und Ortsnamen deuten auf eine friedliche Koexistenz der beiden Völker hin.
Im frühen Mittelalter zählte das südliche Machland zum Herzogtum Bayern und ab dem 9. Jahrhundert gehörte es zur Awarenmark. Grenzgraf Wilhelm I. schenkte am 18. Jänner 853 dem Kloster Sankt Emmeram in Regensburg seine Besitzungen zwischen den Flüssen Aist und Naarn, den sogenannten Regensburger Luß. An der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert erhielten die Magyaren nach dem Sieg über die Bayern bei Pressburg ab 907 das Gebiet östlich der Enns, erst nach dem Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 rückten die Grenzmarken wieder nach Osten. Die Turmhügelburg Wasenberg kann zeitlich nicht genau eingeordnet werden.
Zur Zeit der Babenberger lagen die späteren Katastralgemeinden Hofstetten, Langacker und Mitterkirchen in der Markgrafschaft beziehungsweise später im Herzogtum Österreich im Machland auf dem Gebiet der Herren von Machland. Die ältesten urkundlichen Erwähnung Mitterkirchens erfolgten 1111 als mittrinchirchin. Weitere Schreibweisen im 12. und 13. Jahrhundert waren mittirchirchen, mitterchirchen, mitternkirchen, mitterenchirchen, mitterchirchen und mitterkirchen. Übersetzt wurde der Ortsname meist mit bei der mittleren Kirche (Lage zwischen Saxen und Naarn), könnte aber auch von der Lage auf einem Mitterfeld herrühren. 1156 wurde in Mitterkirchen erstmals eine landwirtschaftliche Ansiedelung, der Wörthbauer, erwähnt. In Hütting befand sich im Mittelalter einer der ältesten Märkte Oberösterreichs, der auch als Gerichtsort von Bedeutung war. Der Ort dürfte in der Karolingerzeit hochwasserfrei gewesen sein und war damit auch für die Schifffahrt und den Handel bedeutsam.
Nach dem Aussterben der Herren von Perg und Machland unterstand das Machland direkt den Landesherren, den Babenbergern, Mitterkirchen gehörte zum Einflussbereich des Landgerichts Machland mit Sitz auf der Burg Mitterberg und später auf der Greinburg. In Hütting dürfte sich eine Absplitterung dieses Gerichts befunden haben. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Landgericht Machland an die Herren von Walsee verpfändet und blieb bis ins 15. Jahrhundert in deren Händen. Zum niederen Adel zählten aus dem Bereich von Mitterkirchen die Inzinger (urkundliche Erwähnung von 1240 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Sitz in Inzing), die Steiner (Besitzer von Außernstein und Innernstein, 13. Jahrhundert), die Pieber (verwandt mit den Steinern, begütert in Weinberg und im Machland, 14. Jahrhundert) und die Mitterkirchner (13. und 14. Jahrhundert, zu den vorgenannten vergleichsweise unbedeutend).
Ob die Pfarre Mitterkirchen ursprünglich zur Altpfarre Naarn oder Saxen gehörte, ist unklar. Die Kirche in Mitterkirchen wurde 1147 von Otto von Machland zur Stiftung des Klosters Säbnich bzw. Waldhausen gewidmet und die Pfarre wurde 1256 dem Kloster Waldhausen einverleibt und verblieb dort bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1785. Die Pfarrkirche wurde 1482 erbaut, nachdem sie zuvor wahrscheinlich durch die Hussiten einmal oder mehrmals zerstört worden war. 1586 wurde die Pfarre Mitterkirchen durch das Kloster Baumgartenberg betreut. 1606 bis 1626 gehörte Mitterkirchen wie zahlreiche andere Pfarren der Region zur Pfarre Naarn, während gleichzeitig protestantische Priester vor Ort waren. Geschätzt 75 % der Stadt- und Marktbewohner und rund 50 % der Landbevölkerung dürften evangelisch gewesen sein. Seit 1785 gehört die Pfarre Mitterkirchen zur Diözese Linz.
1501 gab es die größte Überschwemmung des Jahrtausends im Machland. Rund 6000 Leute starben bei dieser Naturkatastrophe. Die Hochwassermarke bei Wallsee lag um rund zwei Meter höher als bei jenem von 1954. Im 16. und 17. Jahrhundert gab es in der Gegend mehrere Bauernaufstände wegen sozialer und wirtschaftlicher Unzufriedenheit. 1624 und 1625 gab es in Mitterkirchen zahlreiche Pesttote. 1676 wurde erstmals eine Pfarrschule erwähnt. 1817 wurde eine neue Schule gebaut, die bis 1968 als solche diente. Ab 1755 bestand ein kaiserliches Privileg zur Holzschwemme auf der Naarn. In Labing wurde ein Rechen gebaut und das Holz von dort zum Kaindlauer Schwemmplatz geleitet, aufgespießt und gelagert. Das Holz wurde zu Flößen zusammengebaut oder auf Schiffe verladen und donauabwärts bis Wien und Budapest verfrachtet. Die Letzte Holztrift auf der Naarn fand 1938 statt.
Für die letztlich erfolglose Entsumpfung der Perger Au wurde ab 1776 ein kleiner und ein großer Naarnkanal errichtet. Letzterer hieß Maria-Theresien-Kanal. Die Naarn und ihre Zubringer wurden gegen den Widerstand der Mühlenbesitzer in ihrem Verlauf tiefer gelegt, eingefasst und begradigt. Da neuerlich Wehranlagen errichtet wurden und die Scheiterschwemme fortgesetzt wurde, war bald der Zustand der Versumpfung wie vor der Regulierung wieder erreicht. Erst in den 1960er-Jahren konnte im Zusammenhang mit dem Bau des Donaukraftwerks eine dauerhafte Lösung herbeigeführt werden.
1785 wurde das Josephinische Lagebuch angelegt. In diesem Zusammenhang wurden die Katastralgemeinden Langacker, Hofstetten und Mitterkirchen gebildet.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. 1805 lagerten zwischen Naarn und Au 5000 Mann, die Plünderungen erstreckten sich auch auf Mitterkirchen. Die Donauregulierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts betrifft auch den Bereich zwischen Mauthausen und Ardagger und verändert in diesem Bereich den Verlauf der Donau grundlegend. Das ursprüngliche Hauptgerinne der Donau verblieb nach der Regulierung als Hüttinger Altarm.
1841 brannte der Pfarrhof ab.
1848 entstanden auf den Gebieten der gleichnamigen Katastralgemeinden die Gemeinden Hofstetten, Langacker und Mitterkirchen, die ab 1918 zu Gemeinden im Bundesland Oberösterreich wurden.
Der Ausbau der Infrastruktur begann mit dem Bau eines Post- und Telegraphenamtes und wurde unterbrochen durch die Kriegsjahre im Einklang mit der Entwicklung im ganzen Land fortgeführt. Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es erste Pläne für ein Wasserkraftwerk.