mini|Furtwangen von Norden
Furtwangen im Schwarzwald ist eine Stadt im Schwarzwald-Baar-Kreis in Baden-Württemberg. Prägend für die kleine Stadt sind die dort ansässigen Unternehmen, die Hochschule Furtwangen und aus historischer Sicht die Uhrenindustrie.
Geographie
Lage mini|Furtwangen (rechts unten) und der Kandel mini|Furtwangen vom Meisterberg aus aufgenommen
Furtwangen liegt im Naturpark Südschwarzwald im Naturraum Südöstlicher Schwarzwald, rund 25 Kilometer westlich der Kreisstadt Villingen-Schwenningen und rund 27 Kilometer nordöstlich von Freiburg.
Die Stadt liegt zwischen 850 und 1150 m ü. NN und bezeichnet sich als „höchstgelegene Stadt Baden-Württembergs“. Die Stadt Meßstetten auf der Schwäbischen Alb, welche zwischen 737 und 989 m ü. NN liegt, ist – gemessen an den Höhenlagen der jeweiligen Pfarrkirchen – höher als Furtwangen gelegen. Meßstetten beansprucht jedoch nur „eine der höchstgelegenen Städte der Bundesrepublik Deutschland“ zu sein. Der Brend ist mit 1149 m ü. NN die höchste Erhebung in Furtwangen und liegt nordwestlich der Stadt. Die Stadt liegt landschaftlich reizvoll in einer Kreuzung von drei Tälern und ist von dicht bewaldeten Bergen umgeben.
Auf dem Schwarzwald-Höhenrücken durch Furtwangen verläuft die Europäische Hauptwasserscheide. Der Ortsteil Neukirch entwässert Richtung Rhein und Nordsee, das Stadtgebiet und die übrigen Ortsteile entwässern Richtung Donau und Schwarzem Meer.
Am Rande von Furtwangen entspringt die Breg, sie ist der längste Quellfluss der Donau und fließt in Donaueschingen mit der Brigach zusammen. Deshalb beansprucht Furtwangen im „Donauquellenstreit“ den Donauursprung für sich, eine Quelle der Donau gibt es nicht (auch wenn die „Donauquelle“ im Schlosspark Donaueschingen so genannt wird). Nach Genehmigung des Innenministeriums dürfen beide Städte seit 1. Januar 2022 die Zusatzbezeichnung „Donauquellstadt“ tragen.
Der „staatlich anerkannte Luftkurort“ (das Siegel gilt eigentlich nur für den Teilort Neukirch) ist industriell geprägt, spielt aber auch als Wander- und Wintersportgebiet für Touristen eine Rolle. Von großer Bedeutung ist auch die Hochschule Furtwangen University mit 4338 Studierenden, davon 2352 am Standort Furtwangen (Stand April 2025Website der HFU abgerufen am 16. November 2025).
Stadtgliederung Die Stadt Furtwangen umfasst neben der Kernstadt noch vier weitere Ortsteile und 151 weitere Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuser.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 568–572
Ortsteil Eingemeindung Einwohner Ref. Linach 1. Oktober 1972 115 Neukirch 1. Juli 1971 1.806 Rohrbach 1. Oktober 1973 448 Jahr 2009 www.furtwangen.de Schönenbach 1. Juli 1971 998
Nachbargemeinden Furtwangen grenzt im Norden an Schönwald im Schwarzwald und Triberg, im Osten an St. Georgen im Schwarzwald und Vöhrenbach (alle Schwarzwald-Baar-Kreis), im Süden an St. Märgen und Titisee-Neustadt (beide Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) und im Westen an Gütenbach (Schwarzwald-Baar-Kreis) und Simonswald (Landkreis Emmendingen).
Klima
Mit jährlich rund 1870 Litern Niederschlag pro Quadratmeter (Mittel 1979 bis 2006) gehört Furtwangen zu den regen- und schneereichsten Orten Deutschlands. Andererseits liegt die Stadt mit einer jährlichen Sonneneinstrahlung von 1110 Kilowattstunden pro Quadratmeter in einer der sonnigsten Regionen des Landes. Die Mitteltemperatur beträgt 5,7 Grad Celsius. Seit Anfang 1979 werden die Daten von einer privaten Wetterstation aufgezeichnet, die auf dem Kussenhof in 956 Metern über dem Meeresspiegel eingerichtet worden war.Südkurier online vom 5. Juli 2008 Hier wird gemessenBernward Janzing: Sonne, Wind und Schneerekorde – Wetter und Klima in Furtwangen im Schwarzwald. Zum 25-jährigen Bestehen der Wetterstation. Freiburg, Eigenverlag, 2004
Schutzgebiete
In Furtwangen liegen die Naturschutzgebiete Briglirain und Günterfelsen und Umgebung sowie das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Rohrhardsberg-Obere Elz. Darüber hinaus hat Furtwangen Anteil am Landschaftsschutzgebiet Simonswälder Tal. Zudem hat die Gemeinde Anteil an den FFH-Gebieten Schönwälder Hochflächen und Rohrhardsberg, Obere Elz und Wilde Gutach sowie am Vogelschutzgebiet Mittlerer Schwarzwald. Furtwangen liegt im Naturpark Südschwarzwald.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|links|Furtwanger Tracht Bis zum 18. Jahrhundert Die erste Erwähnung findet sich in einer Bulle von Papst Alexander III. im Jahr 1179. Hier wird dem Kloster St. Georgen der Besitz der Gemeinde Furtwangen samt Kirche bestätigt. Der Ort muss (wegen der eigenen Kirche) schon damals eine beachtliche Größe gehabt haben, ist aber trotzdem wohl erst wenige Jahre zuvor gegründet worden.
mini|Furtwangen im Jahr 1808 mini|Furtwangen um 1900 in gleicher Blickrichtung Die wirtschaftliche Bedeutung Furtwangens nahm zu. Regelmäßig wurden in Furtwangen mindestens seit Anfang des 17. Jahrhunderts – sehr zum Ärger der Nachbarstädte – auch Märkte abgehalten. Erst Kaiserin Maria Theresia gab zu der Zeit, als Furtwangen zu Vorderösterreich gehörte, im Jahre 1761 dem Ort ein offizielles Marktrecht.
Die geschichtliche Entwicklung unterscheidet sich in vielen Punkten (z. B. Herrschafts- und Eigentumsverhältnisse) deutlich von der Geschichte von Furtwangen selbst.
19. Jahrhundert Das Stadtrecht erhielt Furtwangen erst im Jahr 1873. Frühere Versuche, das Stadtrecht zu erhalten, scheiterten daran, dass Furtwangen damals kein Rathaus besaß.
Nach einer Brandserie im Jahr 1857, darunter einem besonders verheerenden Feuer, gründeten Bürger der Stadt im August desselben Jahres die Freiwillige Feuerwehr Furtwangen (Pompier Corps) nach Villinger Vorbild.
1889 wurde die Badische Uhrenfabrik AG (Baduf) gegründet; sie bestand bis ins Jahr 1984.
20. Jahrhundert Wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung war neben dem erhaltenen Stadtrecht auch die Bregtalbahn (seit 1892, stillgelegt 1972) von Donaueschingen nach Furtwangen. Die Uhrmacherei prägte die handwerkliche und industrielle Geschichte der Stadt. Aufschwung brachte hier 1850 die Gründung der ersten deutschen Uhrmacherschule durch die badische Landesregierung. Erster Schulleiter war der bekannte Ingenieur Robert Gerwig. Aus der Uhrmacherschule entwickelte sich eine Berufsfachschule sowie die Hochschule Furtwangen. Dadurch wurde die Uhrenherstellung in Furtwangen und Umgebung professionalisiert. Zahlreiche Uhrenfabriken wurden gegründet. Die Uhrenfabrikation ging aber nach dem Ersten Weltkrieg kontinuierlich zurück. Überlebt haben nur Firmen, die sich von der Uhren- und Zulieferindustrie weiterentwickelt haben. So entstand eine moderne Industrie der Metallverarbeitung, Feinwerktechnik und Elektronik, deren Firmen Weltruf haben. mini|Blick über die Kernstadt
Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden am 1. Juli 1971 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Neukirch und Schönenbach eingemeindet. Am 1. Oktober 1972 folgte die Eingemeindung von Linach. Rohrbach wurde am 1. Oktober 1973 eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl beläuft sich auf etwa 9.100 und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten insgesamt rückläufig entwickelt: Die meisten Einwohner – 11.128 – wurden 1974 verzeichnet., Südkurier online vom 27. September 2008
Bevölkerungsentwicklung Datum 1961 (6. Juni) 1970 (27. Mai) 1974 (31. Dez.) 1991 (31. Dez.) 1995 (31. Dez.) 2005 (31. Dez.) 2010 (31. Dez.) 2015 (31. Dez.) 2020 (31. Dez.) Einwohner 7.404 8.592 11.128 10.623 10.055 9.622 9.249 9.091 8.960
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis:Wahlergebnis Gemeinderat 2019 Furtwangen, abgerufen am 23. Juni 2019 mini|Rathaus Furtwangen
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 Freie Wähler 28,0 % 5 27,0 %, 5 Sitze CDU 26,9 % 5 30,8 %, 5 Sitze Unabhängige Liste 19,7 % 4 21,8 %, 4 Sitze SPD 17,3 % 3 20,4 %, 4 SitzeInitiative für Furtwangen8,1 %1– Die Wahlbeteiligung betrug 61,2 % (2019: 59,5 %)
Bürgermeister Amtszeit Name 1903–1919 Alois Herth 1919–1932 Albert Wild 1932–1945 Jakob Miltner Amtszeit Name 1945–1948 Ludwig Zier 1948–1957 August Hug 1957–1977 Hans Frank Amtszeit Name 1977–1993 Adolf Herb 1994–2009 Richard Krieg 2010–2025 Josef Herdner Seit 2026 Florian Merz
Wappen
Wappen der Ortsteile
Städtepartnerschaften Mit der ukrainischen Stadt Wylkowe am Donaudelta besteht eine Städtefreundschaft. Auf Verwaltungsebene existiert eine Partnerschaft mit Hirschfelde in Sachsen.
Öffentliche Einrichtungen Bildungseinrichtungen mini|Hauptgebäude der HFU am Campus Furtwangen Die Hochschule Furtwangen, eine Hochschule für Gesundheitswissenschaften, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Internationale Wirtschaft, Digitale Medien, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen Das Otto-Hahn-Gymnasium mit Realschule hat drei Züge: einen sprachlichen, einen mathematisch-naturwissenschaftlichen und einen Sport-Zug Die Robert-Gerwig-Schule als berufliche Schule mit einer Staatlichen Berufsfachschule (dazu gehört auch die von Robert Gerwig gegründete Uhrmacherschule), einer Gewerbeschule, Berufskollegs und einem technischen und einem Wirtschafts-Gymnasium Eine Hauptschule (Hauptschule am Ilben mit Werkrealschule) Drei Grundschulen (Anne-Frank-Grundschule, Friedrichschule und Grundschule Neukirch) Eine Förderschule (Anne-Frank-Förderschule) Die Bregtalschule, eine private Sonderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder mit Schulkindergarten, Deutschlands höchstgelegenem Waldkindergarten und einer Frühberatungsstelle Sieben Kindergärten: Im Stadtgebiet zwei katholische und ein evangelischer Kindergarten sowie der Kindergarten der Bregtalschule, drei katholische Kindergärten in den Ortsteilen Eine Volkshochschule Die Jugendmusikschule St. Georgen-Furtwangen Das Skiinternat Furtwangen (SKIF) des Skiverbandes Schwarzwald. Hier erhalten junge Spitzensportler neben der Ausbildung an einer der Furtwanger Schulen zusätzlich die sportliche Ausbildung. Absolventen sind beispielsweise die Skispringer Martin Schmitt und Sven Hannawald, die Biathletinnen Simone Hauswald und Kathrin Hitzer oder der Behindertensportler Frank Höfle. Das SKIF erhielt zusammen mit der Robert-Gerwig-Schule und dem Otto-Hahn-Gymnasium (die Schulen, welche die Schüler des SKIF betreuen) die Auszeichnung Eliteschule des Sports. Gleichzeitig sind die Schulen auch offiziell Partner des Olympiastützpunkts Freiburg-Schwarzwald.
Ämter Notariat Außenstelle der Agentur für Arbeit
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Furtwanger Ortstafel (Vorderseite) Furtwangen lag an der Bregtalbahn, die die Stadt bis 1972 mit Donaueschingen verband. Die Strecke ist heute stillgelegt und zwischen Furtwangen und Bräunlingen ganz abgebaut, so dass Furtwangen über keinen Bahnanschluss mehr verfügt. Der nächstgelegene Bahnhof ist Triberg an der Schwarzwaldbahn.
Durch Furtwangen führen die B 500 (Schwarzwald-Hochstraße) von Norden (Triberg) nach Süden (Titisee-Neustadt) die Landesstraße 173 von Westen (Waldkirch–Gütenbach) nach Ost (Vöhrenbach–Villingen) Von Furtwangen-Schönenbach aus zweigt die Landesstraße 175 nordwärts von der L 173 Richtung St. Georgen ab.
ÖPNV Furtwangen ist über mehrere Buslinien der Südbadenbus im Rahmen des Verkehrsverbundes Schwarzwald-Baar an verschiedene Städte angeschlossen. Im Stadtgebiet Furtwangen (ohne Ortsteile) verkehrt werktags ein ehrenamtlich geführter Bürgerbus zur Anbindung der Wohngebiete.
Unternehmen Furtwangen hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Deutschland.
Bekannte Unternehmen sind unter anderem: S. Siedle & Söhne (Hauskommunikationssysteme) B. Ketterer Söhne (Getriebe)