mini|hochkant=1.5|Fünf Alpen um Tierfehd in der Sonne; links im hinteren Talverlauf Vorder Sand, , im Vordergrund links Mättli und rechts Baumgarten ; auf der gegenüberliegenden Talseite links Altstafel und Chäsboden . mini|hochkant=1.5|Die Seiser Alm in Südtirol, ausgedehnteste Hochalm Europas auf einer Höhe von bis , vor der Langkofelgruppe mini|Weidende Rinder auf einer Hochalm

Eine Alm (bairisch), Alp, Alpe oder Alb (alemannisch) ist das Sömmerungsgebiet – die während der Sommermonate benutzten Bergweiden, Wirtschaftsgebäude und sonstige Infrastruktur mit eingeschlossen – als Flurform. Daneben bezeichnet bairisch Alm (alemannisch aber Matte) die zum Weiden und Heuen genutzten Bergweiden und -wiesen als Vegetationsgesellschaft (in der Bergwaldstufe durch Rodung angelegt, in der subalpinen Vegetationsstufe durch Rodung und Viehverbiss, in der baumfreien Alpinstufe als pastorale Naturweide). Im Zuge des Rückgangs der Almwirtschaft und einer stärkeren touristischen Nutzung wird als „Alm“ oder „Alp“ oft nur das Gebäude, die Almhütte bzw. Alphütte oder der Bergweidhof, wahrgenommen.

Im weiteren Sinne bezeichnet Almwirtschaft oder Alpbetrieb sowohl die Sennerei (auch Senntum, alpine Milchwirtschaft), Bergweidewirtschaft (die sommerliche Viehwirtschaft, Sennwirtschaft beim Rind und Transhumanz von Pferd, Ziege, Schaf) als auch Acker- und Feldbau der Bergräume (Berglandwirtschaft als Ganzes). Die Almwirtschaft ist als „Immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ anerkannt.

Wortherkunft Das Wort Alm ist die verschliffene Form von mittelhochdeutsch alben, dem ursprünglichen Dativ Singular des Wortes albe, dessen Nominativform als Alp(e) (mittelhochdeutsch alpe) in den alemannischen Dialekten weiterlebt und sich auch in den Namen der Alpen, der Schwäbischen Alb und Fränkischen Alb findet.

Alb(e), Alp(e) geht auf ein vorindogermanisches Wort zurück, als dessen Bedeutung „(hoher) Berg“ vermutet wird. Die spätere Wortentwicklung wurde womöglich durch eine Anlehnung an lateinisch alba „weiß“ beeinflusst.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 22. Auflage. Völlig neu bearbeitet von Elmar Seebold. De Gruyter, Berlin / New York 1989, S. 21.

In Bayern (ausgenommen Allgäu) und Österreich (ausgenommen Vorarlberg und westliches Tirol, bis etwa Imst und Pitztal) ist Alp nicht gebräuchlich, dort wird Alm benutzt. Davon abgeleitet sind die geographischen Bezeichnungen von Fluren, Tälern, Pässen und Gebirgen (meist im Plural). Im Südostalpenraum findet sich Alm für die Einrichtung nicht mehr in der Regionalsprache, dort steht Schwaig(e) (zu mittelhochdeutsch sweige „Sennerei“) für den milchverarbeitenden Almbetrieb (Schwaighof, bzw. dessen Melkalm), Ortsnamen der Form finden sich aber auch dort.

Wird Alm mit Allmende in Beziehung gebracht, bezieht sich das auf eine regional verbreitete gemeinschaftliche Bewirtschaftungsform, ein etymologischer Zusammenhang besteht nicht.

Geschichte Archäologische Forschungen der ANISA weisen auf dem Dachsteingebirge (Österreich) eine bronzezeitliche Almwirtschaft von 1700 bis 900 v. Chr. nach. Eine Reihe von Radiokohlenstoff- und AMS-Datierungen belegen dieses Alter. Diese Almen wurden auf Urwiesen in Gruben mit eigenem Kleinklima und über der Waldgrenze zwischen 1.500 Meter und 2.100 Meter gegründet. Die Hüttenreste erkennt man zum Teil noch an den Steinkränzen, die als Fundamente für Blockbauten dienten. Bisher konnten 28 Almen aus dieser Zeit nachgewiesen werden. Diese Almen dienten der Nahrungsversorgung des bronzezeitlichen Salzbergbaues in Hallstatt. Ohne Almwirtschaft wäre der expandierende Bergbau nicht möglich gewesen. Dies gilt für alle prähistorischen Bergbaugebiete in den Alpen.

mini|Kårebolssäter in Värmland (ca. 360 m), einer der besterhaltenen Almbetriebe Schwedens, wird von einem Verein fortgeführt mini|Wiederkäuende Rinder auf der Alm bei Latzfons/Südtirol Aus der antiken Literatur ist die Existenz römerzeitlicher Almwirtschaft bekannt. Auch aus dieser Zeit konnten mehrere Almen auf dem Dachsteingebirge und den Steiner Alpen in Slowenien archäologisch erforscht werden. Eine nennenswerte inneralpine Besiedlung ab dem Neolithikum bis zu den wirtschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts hätte ohne Almwirtschaft nicht stattgefunden. „Die Almwirtschaft entlastete die Talweiden und ermöglichte eine Vorratswirtschaft für den Winter“.

Als Folge des Strukturwandels in der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Almen aufgegeben und verbuschten vor allem in Grenzertragslagen. Ein Gegentrend ist auszumachen in vielfältigen Bemühungen, Almen wieder zu aktivieren.

Almwirtschaft Die Almwirtschaft (auch Alp-, Hoch- oder Bergweidewirtschaft) prägt das Landschaftsbild großer Teile der Hochgebirge in Europa, der Alpen, Karpaten und Pyrenäen, sowie des Skandinavischen Gebirges. Die nordischen Almen werden zumeist als Seter bezeichnet, wurden jedoch fast alle aufgegeben.

Der überwiegende Teil der Nordalpen und westlichen französischen Pyrenäen wäre ohne Almwirtschaft bis auf ca. 1.500 Meter durchgehend bewaldet. Das Weidevieh hält die Almflächen waldfrei und fördert damit Pflanzengesellschaften, die ansonsten nur auf Sonderstandorten wie Felsköpfen, flachgründigen Humusauflagen oder in Lawinenstrichen sowie in der alpinen Höhenstufe vorkommen. Historisch kam die Almwirtschaft auch in Mittelgebirgen wie im Riesengebirge, im Schwarzwald oder in den Vogesen vor.Corina Knipper: Die räumliche Organisation der linearbandkeramischen Rinderhaltung: naturwissenschaftliche und archäologische Untersuchungen. Geowissenschaftliche Fakultät der Eberhard‐Karls‐Universität Tübingen, Tübingen 2009, S. 104. Im Ostalpenraum war historisch die Form der Schwaighofwirtschaft in der montanen Höhenstufe besonders stark verbreitet.

Nach dem Alpaufzug in der Sommersaison wird von zusätzlich angestellten Hirten Weidewirtschaft betrieben. Im Herbst erfolgt der Abtrieb ins Tal, wo das Vieh den Winter zumeist in Stallungen verbringt. Während der Almwirtschaft muss im Sommer für das Winterfutter gesorgt werden.

Wurden in der Vergangenheit Almen mit dem Hochgebirge angepassten Rindersorten bewirtschaftet, sind es heute Hochleistungszuchtformen. Diese sind wesentlich schwerer als ihre Vorgänger, so dass sie die Bodendecke stärker stören. Die traditionellen Viehgangeln, horizontale Pfadspuren am Hang, werden tiefer ausgetreten und können daher leichter aufreißen, was zur Bodenerosion führt. Der Viehbesatz einer Alm/Alp wird als Bestoßung bezeichnet, und in Stößen angegeben. An vielen Orten ist die höchstzulässige Bestoßung einer Alm vorgeschrieben. Die Almweiden im Bayerischen Wald heißen Schachten. Während früher für die Schaffung neuer Weidefläche viel und unkontrolliert gerodet wurde, ist die Pflege vorhandener Almflächen wie auch die Rodung von Bergwald in den gesamten Alpen streng reglementiert.

Die Almbewirtschaftung, das Betreiben einer Alp, diente ursprünglich ausschließlich der Erzeugung von Nahrungsmitteln für den Eigenbedarf und für die Versorgung der Feudalherren, an die ein Teil der Erzeugnisse abgeben werden musste. Später kam die Versorgung der städtischen Bevölkerung hinzu. Die Almen dienen auch der Landschaftspflege, und die Gemeinden können Einnahmen über den Tourismus erzielen (Bergwandern, Erholung, Wintersportgebiete). Bei ausreichender Schneebedeckung auf den Weideflächen und Mähwiesen, die im Winter als Skipisten genutzt werden, entstehen keine Bodenschäden durch das Skifahren. Wenn jedoch die Pisten planiert werden,Pistenpräparation verfestigt sich der Schnee, sodass er im Frühjahr später abtaut. Daher verkürzt sich an diesen Stellen die Vegetationsperiode; die an das örtliche Mikroklima angepasste Pflanzendecke wird beeinträchtigt, es kommt wegen verringerter Durchwurzelung zur Bodenerosion. Maschinelle Bearbeitung steiler Pisten kann mechanische Bodenschäden verursachen.

Der (amtliche) Naturschutz hat großes Interesse am Erhalt von Almflächen, da diese eine überdurchschnittlich hohe Biodiversität besitzen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele für den Naturschutz wertvolle Almflächen aufgegeben. Werden Almen nicht mehr durch extensive Beweidung genutzt, dominieren zunehmend monotone Grasfluren statt artenreicher, schützenswerter Vegetationsbestände. In einem späteren Stadium setzt die (Wieder)Bewaldung ein, dadurch gehen wertvolle Kulturlandschaften und ein Teil der Biodiversität verloren,Alpwirtschaft fördert Artenvielfalt denn sie verganden und verbuschen innerhalb von ein bis zwei Generationen (30–60 Jahre), so dass zur Erhaltung der Fernsicht eine künstliche Offenhaltung (Rodung) erforderlich wäre.

Einordnung in den Formen der Viehwirtschaft Die Almwirtschaft – genauer: die Phase des sommerlichen Weideganges (Sömmerung) – gehört zur extensiven Tierhaltung, da die kargen Böden der Hochgebirge nur eine Landnutzung mit geringem Viehbesatz von 50 bis 80 Großvieheinheiten auf 100 ha zulassen.M. Bunzel-Drüke, C. Böhm, G. Finck, R. Kämmer, E. Luick, E. Reisinger, U. Riecken, J. Riedl, M. Scharf, O. Zimball: Wilde Weiden – Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung. Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e. V. (Hrsg.), Sassendorf-Lohne 2008.

Da Almen überwiegend anthropogen geschaffenes Grünland sind, handelt es sich nicht um eine Form der Naturweidewirtschaft (Pastoralismus), sondern überdies um extensive Grünlandwirtschaft.

Almwirtschaft als Fern- oder Wanderweidewirtschaft? Strittig ist die Zuordnung zu den Formen der Fernweidewirtschaft. Die Sommerweiden liegen zwar auf einer anderen Höhenstufe, ansonsten aber überwiegend nicht allzu weit vom Heimathof entfernt, so dass der Almbetrieb zumeist nicht als Fernweidewirtschaft angesehen wird.

Die Almwirtschaft wird in der Regel nicht als eine Form der Transhumanz – der „saisonalen Wanderweidewirtschaft“ – betrachtet, obwohl auf Englisch und in den romanischen Sprachen eine Zuordnung als alpine transhumance vorgenommen wird. Abgesehen von den zurückgelegten Entfernungen können bei der echten Wanderweidewirtschaft sowohl die Sommer- als auch die Winterweiden nur extensiv bewirtschaftet werden und der regelmäßige Weidewechsel macht die Viehwirtschaft in diesen Gebieten überhaupt erst möglich. Die Almwirtschaft dient demgegenüber überwiegend zur Erweiterung der genutzten Flächen und erlaubt dem Bauern auf diese Weise, mehr Vieh zu halten. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Talwiesen wird also durch eine saisonale, extensive Nutzung der Bergwiesen ergänzt. Hinzu kommt häufig ein wirtschaftlicher Austausch zwischen Alm- und Talbetrieb (siehe Sennerei), sowie eine klimabedingte Stallhaltung im Winter. Beides kommt bei der Wanderhütehaltung nicht vor.Burkhard Hofmeister: Wesen und Erscheinungsformen der Transhumance. In: Erdkunde: archive for scientific geography. Nr. 15/2, 1961, S. 121–135.

Der Almsommer: Niederleger und Hochalm Man unterscheidet in der Dreistufenwirtschaft den Niederleger (die unteren Almen, Maiensäss oder Unterstafel) und Oberleger (Hochalm) oder Oberstafel. Erstere ist die Alm der Montanzone, meist zwischen 1.300 und 1.500 Meter, die als Viehweide für den Früh- und Spätsommer brauchbar ist, zweitere die Hochweide der Subalpinzone über etwa 1.500 Meter, die nur im Hochsommer begrast wird. Nach dem Abweiden der Hochalm belegt man nochmal einige Wochen die Niederleger, wo man besser vor frühen Wintereinbrüchen geschützt ist.