mini|Adriaen Thomasz. Key, Wilhelm I., um 1579, Rijksmuseum Amsterdam rahmenlos|klasse=notpageimage skin-invert-image

Wilhelm I. (* 24. April 1533 in Dillenburg; † 10. Juli 1584 in Delft), Prinz von Oranien, Graf von Nassau-Dillenburg, genannt Wilhelm der Schweiger, volkstümlich Wilhelm von Oranien (), war ein niederländischer Staatsmann und Feldherr. Seine Erfolge im Niederländischen Aufstand und im Achtzigjährigen Krieg, die zur Befreiung von der spanischen Fremdherrschaft und zur Unabhängigkeit der nördlichen Provinzen der Niederlande (Republik der Sieben Vereinigten Provinzen) führten, brachten ihm den Ehrentitel „Vater des Vaterlandes“ ein.

Leben und Wirken mini|Dillenburg mit Schlossberg und Wilhelmsturm, um 1900 mini|Sofonisba Anguissola, Philipp II. von Spanien, 1573, Museo del Prado mini|Philipp II. von Spanien beschuldigt Wilhelm I. von Oranien, Gemälde von Cornelis Kruseman, 1832 mini|Historische Prinzenflagge mini|Karte der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande

Herkunft und Jugend Wilhelm von Nassau-Dillenburg wurde am 24. April 1533Der 24. April wird allgemein als Geburtsdatum angesehen, z. B. Hermann Romberg: Der Prinz von Oranien und der Freiheitskampf der Niederlande (= Telos-Paperback, Bd. 2344). Verlag der St.-Johannis-Druckerei Schweickhardt, Lahr-Dinglingen 1991, ISBN 3-501-00974-7. Der Artikel Zurückgeblättert … In: Siegener Zeitung, 30. April 2011, nennt den 14. April. in Dillenburg, Residenzstadt der Grafschaft Nassau-Dillenburg, als Sohn von Wilhelm von Nassau und Juliana zu Stolberg geboren. Sein Vetter, Renatus (René) von Nassau, Fürst von Oranien, starb am 18. Juli 1544 während eines Feldzuges in der Champagne. Noch vor der Schlacht hatte René, da er ohne männlichen Nachkommen war, seinen Cousin Wilhelm als Erben eingesetzt. Kaiser Karl V. machte seine Zustimmung zu der Erbfolge allerdings von der Bedingung abhängig, dass Wilhelm am kaiserlichen Hof katholisch erzogen würde.

Mit seinem Erbe, dem Fürstentum Oranien, sowie mit Besitzungen, die fast ein Viertel von Brabant, der Franche-Comté, der Dauphiné und der Grafschaft Charolais ausmachten,Cicely Veronica Wedgwood: Wege der Mächtigen: Wilhelm von Oranien, Richelieu, Cromwell. Paul List Verlag, München 1970, ISBN 3-471-79117-5, S. 14. wurde Wilhelm zu einem der am reichsten begüterten niederländischen Hochadeligen. Wilhelm besaß in Breda eine der schönsten Burgen nördlich der Alpen und der Nassauer Hof in Brüssel war weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Wilhelm wuchs mit Deutsch als Muttersprache auf; nach seiner Einführung am französischsprachigen Hof Karl V. kam es jedoch zu einem erheblichen Maß an Verlust seiner Erstsprache, sodass Französisch faktisch zu seiner primären Sprache wurde – einer Sprache, die er bekanntermaßen auch im Alltag, einschließlich im Umgang mit seinen Kindern, sprach. Zeitgenossen bemerkten, dass er als Erwachsener nur über begrenzte Deutschkenntnisse verfügte.Jelle Stegeman: Grote geschiedenis van de Nederlandse taal, Amsterdam University Press, 2021, S. 354–364 Trotz seiner umfangreichen niederländischen Besitzungen und des späteren Ehrentitels „Vater des Vaterlandes“ sprach Wilhelm von Oranien kein fließendes Niederländisch.

Am kaiserlichen Hof in Brüssel wuchs Wilhelm zu einem der engsten Vertrauten Karls V. heran. Empfing der Kaiser ausländische Gesandte, so hatte allein Wilhelm das Privileg, anwesend zu bleiben. Als Karl V. am 25. Oktober 1555 seinem Sohn Philipp die Herrschaft über die Niederlande übertrug, stützte er sich beim Einzug in den Thronsaal auf Wilhelms Schulter, eine Geste mit Symbolcharakter.Vetter, Wilhelm von Oranien, S. 7. Nach Karls Abdankung als Kaiser 1556 erhielt Wilhelm die Aufgabe, die Reichskleinodien nach Frankfurt zu bringen.

Diese Anerkennung rührte von den Erfolgen Wilhelms im fünften Krieg Karls gegen Frankreich her. Der junge Oranier wurde zum Oberbefehlshaber der Maas-Armee ernannt und trug einige bedeutende Siege davon. Im Zuge dessen wurde er in den Orden der Ritter vom Goldenen Vlies aufgenommen, einen elitären Kreis ranghoher Adliger, welche dem Regenten besonders nahe standen. In dieser Zeit zeigte sich zwar schon die persönliche Abneigung Wilhelms gegen Philipp II., jedoch stellte er seine Pflichten gegenüber dem Lehnsherren über persönliche Gefühle.Vetter, Wilhelm von Oranien, S. 29 ff.

Aufstieg zum Statthalter Am 8. Juli 1551 heiratete Wilhelm Anna von Egmond (* 1533; † 24. März 1558), Erbtochter des Grafen von Büren. Der Ehe entstammten drei Kinder, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichten. Unter Karls Sohn Philipp II. von Spanien wurde Wilhelm 1559 Statthalter des Königs in den Grafschaften Holland, Zeeland und Utrecht, während Philipp gleichzeitig seine Halbschwester Margarethe von Parma zur Statthalterin der übrigen niederländischen Provinzen ernannte. Als Statthalter war Wilhelm Befehlshaber der Truppen in den genannten Provinzen und verantwortlich für die Wahrung der Ordnung sowie für den Schutz des königlichen Besitzes und der kirchlichen Stellung. Außerdem konnte er die Provinzialstände einberufen und die Auswahl städtischer Amtsträger beeinflussen. Über sein Handeln hatte er regelmäßig am Hof in Brüssel Bericht zu erstatten, konnte dort aber auch beratend tätig sein.Friso Welenga: Geschichte der Niederlande. Reclam, Stuttgart 2012, S. 32.

Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau 1558 heiratete Wilhelm 1561 Anna von Sachsen (1544–1577), die als Tochter des Kurfürsten Moritz von Sachsen aus einer protestantischen und habsburgfeindlichen Familie stammte. Mit dieser Heirat wollte er sich den Rückhalt der protestantischen Fürsten sichern. Dabei zeigte sich zum ersten Mal Wilhelms diplomatisches Geschick, das ihm häufig als Opportunismus ausgelegt wird: Gegenüber Philipp II. bezeugte er, dass Anna bereit sei, zum Katholizismus überzutreten, während er seinen zukünftigen Schwiegereltern vor der Hochzeit versicherte, insgeheim Protestant zu sein.Rachfahl, Wilhelm von Oranien, S. 349. Der Ehe entstammten sechs Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten.

Wandel zum Gegner Philipps II. Im Jahr 1566 fand der Beeldenstorm (Bildersturm) statt, bei dem sowohl in Flandern wie in den nördlichen Provinzen der Niederlande Kirchen von Protestanten gestürmt und alle Heiligenfiguren, die sie fanden, zerstört wurden. Diese Aktion begründeten sie mit dem Verbot von Gottesbildern in den Zehn Geboten. Sie war der äußere Anlass für den Beginn des Achtzigjährigen Krieges mit Spanien zwei Jahre später.

Um die Rebellion niederzuschlagen, entsandte Philipp II. 1567 eine Armee unter dem Herzog von Alba in die Niederlande, der sogleich ein Schreckensregiment errichtete und die Protestanten unnachsichtig verfolgte. Wilhelm mochte sich deshalb nicht auf die Seite des Königs stellen. Da er aufgrund dieser Entscheidung um seine Sicherheit fürchten musste, floh er zurück nach Dillenburg, wobei er alles Hab und Gut, das zu Geld gemacht werden konnte, mitnahm. Seinen Sohn aus erster Ehe, Philipp Wilhelm, ließ er an der Universität Löwen zurück, da dieser dort durch die Universitätsprivilegien geschützt schien. Doch der Herzog von Alba entführte Philipp Wilhelm später als Geisel nach Spanien, dieser hat seinen Vater nie wiedergesehen.

Wilhelms Freunde und Mitanführer der Opposition, die Grafen von Egmont und Hoorn, blieben im Land. Beide wurden von Alba zu Gesprächen geladen, jedoch nach ihrer Ankunft gefangen genommen und enthauptet. Dies führte jedoch nicht zu einer Abschwächung der Revolte, sondern verstärkte den bereits vorhandenen revolutionären Geist der niederländischen Bevölkerung nur noch mehr. Der Blutrat beschuldigte den Oranier, ebenso wie er es zuvor mit Egmont und Hoorn getan hatte, des Hochverrats und konfiszierte dessen Güter Anfang 1568; darunter das Kastell in Breda, das 1544 durch Erbschaft an ihn übergegangen und für einige Jahre sein Wohnsitz gewesen war. Damit hatte Wilhelm – vorübergehend – den Stammsitz des Hauses Oranien-Nassau in den Niederlanden verloren.

Niederländischer Unabhängigkeitskrieg Nachdem Wilhelm von Oranien am 14. April 1568 eine holländische Bittgesandtschaft im Dillenburger Schloss empfangen hatte, sammelte er Truppen, um gegen Alba im April 1568 in der Schlacht bei Dahlen zu Felde zu ziehen. 1568 starb sein Bruder Adolf (1540–1568) bei dem Versuch einer weiteren Invasion im äußersten Norden des Landes in der Schlacht von Heiligerlee. Wilhelm, der zahlungsunfähig war, suchte vergeblich Hilfe bei den deutschen Lutheranern. Elisabeth I. von England verweigerte ihm ebenfalls ihre Hilfe. Die französischen Hugenotten versprachen zwar Unterstützung, waren aber nach der Bartholomäusnacht (1572), als 8.000 Hugenotten auf Veranlassung des französischen Königs ermordet wurden, nicht mehr dazu in der Lage. Am 1. April 1572 übernahm eine Gruppe Adliger um Wilhelm II. von der Mark und Willem Bloys van Treslong und Lenaert Jansz de Graeff, genannt die Geuzen (Bettler), die Stadt Den Briel, heute Brielle, und erklärten sich selbst zu „Prinzen“. Der Name Geuzen sollte damals abfällig wirken, wurde jedoch schon bald von den Aufständischen zu ihrem Propagandawerkzeug gemacht. Schon bald breitete sich der Aufstand über große Teile von Holland und Zeeland aus.

1572 zog Wilhelm selbst, ausgehend von der Ginsburg in der Nähe von Hilchenbach, mit einem Heer, das in den nassauischen Stammlanden ausgehoben worden war, über Freudenberg zur Befreiung der Niederlande aus.Adolf Müller: Meilensteine aus der Siegerländer Vergangenheit. In: Siegerländer Heimatkalender. 1966, , S. 96. Im selben Jahr verlegte Wilhelm seine Residenz nach Delft, da sich Breda immer noch in den Händen der Spanier befand. Delft dagegen hatte sich auf die Seite der Aufständischen geschlagen und schien als befestigte Stadt genügend Sicherheit zu bieten, so dass sich auch die Familie des Oraniers hierherbegab.

Viele Jahre blutiger Kämpfe folgten. Stadt um Stadt wurde von Alba belagert und eingenommen. In den Kämpfen für die Freiheit der Niederlande fielen in der Schlacht auf der Mooker Heide am 14. April 1574 die beiden Brüder Wilhelms, Ludwig und Heinrich. Sein Bruder Johann entging demselben Schicksal nur, weil er sich auf dem Weg nach Köln befand, um Soldgelder für die Landsknechte zu besorgen. Nach längerer Bedenkzeit trat Wilhelm 1573 zum calvinistischen Glauben über, bereits sein zweiter Konfessionswechsel.Rolf Becker: Wilhelm der Schweiger und seine drei Konfessionen. In: Horst G. Pöhlmann, Bartholomeus Vrijdaghs (Hrsg.): Das Wort und das Schweigen. Freundesgabe für Klaus Künkel zum 65. Geburtstag und zur Emeritierung. Universität Osnabrück – Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften, Osnabrück 1992, ISBN 3-923486-14-6, S. 1–12. 1571 wurde die Ehe mit Anna von Sachsen aufgelöst. Aus der 1575 geschlossenen Ehe mit Charlotte von Bourbon-Montpensier († 1582) stammten sechs Töchter.

Als Philipp II. 1576 seine Söldner nicht mehr bezahlen konnte, fanden überall Meutereien und Plünderungen statt. Am 8. November kam es schließlich zur „Genter Pazifikation“, dem Zusammenschluss aller niederländischen Provinzen gegen die Spanier. Obwohl dies ein Akt des Widerstandes aller siebzehn Provinzen war, hielt die Einheit nicht lange. Wilhelm erhielt Breda zurück, blieb aber in Delft, da bei Breda die Grenze zwischen dem protestantischen Norden und dem katholischen Süden verlief und die Stadt somit kein sicherer Ort war.Geschiedenis van het Kasteel auf kasteelvanbreda.nl; abgerufen am 23. Februar 2018. 1579 zerfiel dann auch die Union in eine nördliche, protestantische, genannt die „Utrechter Union“, und eine südliche, hauptsächlich katholische Union von Arras. Am 15. März 1580 wurde Wilhelm von Philipp II. geächtet; ein Jahr später eroberten die Spanier Breda zurück.