mini|Friedrich Gottlieb Klopstock, Gemälde von Jens Juel, 1779 (Gleimhaus, Halberstadt) rahmenlos
Friedrich Gottlieb Klopstock (* 2. Juli 1724 in Quedlinburg; † 14. März 1803 in Hamburg) war ein deutscher Dichter. Er gilt als wichtiger Vertreter der Empfindsamkeit.
Leben Friedrich Gottlieb Klopstock wuchs als ältestes von 17 Kindern in einer pietistischen Familie auf. Sein Vater, Gottlieb Heinrich, der Sohn eines Rechtsanwalts, war fürstlich-mansfeldischer Kommissionsrat und hatte die Herrschaft Friedeburg in der Grafschaft Mansfeld gepachtet, sodass von 1732 bis zur Aufgabe der Pacht 1736 Friedrich Gottlieb hier seine Kindheit verlebte. Seine Mutter Anna Maria hatte den Langensalzaer Ratskämmerer und Großkaufmann Johann Christoph Schmidt (* 19. Oktober 1659 in Mühlhausen; † 28. November 1711 in Langensalza) zum Vater.Bernd Feicke: Friedrich Gottlieb Klopstock und das Mansfelder Land. In: Mansfelder Heimatblätter. 5 (1986), S. 40–42.Bernd Feicke: Friedeburg – ein prägender Aufenthaltsort des jungen Klopstock. In: Quedlinburger Annalen. 12 (2009), S. 102–107.
Nach dem Besuch des Quedlinburger Gymnasiums kam Friedrich Gottlieb Klopstock im Alter von 15 Jahren auf die Fürstenschule in Schulpforte, in der er eine gründliche humanistische Schulausbildung erhielt. Klopstock las die griechischen und lateinischen Klassiker: Homer, Pindar, Vergil und Horaz. Hier machte er außerdem die ersten eigenen dichterischen Versuche und verfasste einen ersten Plan zum Messias, einem religiösen Epos.
mini|Klopstocks Geburtshaus 2018. 1745 begann er ein Studium der evangelischen Theologie in Jena und verfasste dort auch die ersten drei Gesänge des Messias, die er zunächst in Prosa anlegte. Nach der Übersiedlung nach Leipzig arbeitete er im folgenden Jahr das Werk in Hexameter um. Das Erscheinen der ersten Teile 1748 in den Bremer Beiträgen erregte großes Aufsehen und wurde zum Vorbild der Messiaden-Literatur seiner Epoche. In Leipzig schuf Klopstock auch die ersten Oden. Nach beendetem Theologiestudium nahm er (nach der Sitte aller Theologiekandidaten) in Langensalza eine Hauslehrerstelle an. In den zwei Jahren seines Aufenthaltes in Langensalza erlebte Klopstock die leidenschaftliche Liebe zu dem Mädchen Maria-Sophia Schmidt, den Rausch der Hoffnung, die Enttäuschung und schließlich die Elegie der Entsagung. Das führte dazu, dass er in diesen zwei Jahren die schönsten seiner früheren Oden für die unnahbare Geliebte dichtete.
Die Veröffentlichung der Oden entfachte einen Begeisterungssturm unter den Gegnern der bis dahin vorherrschenden „vernünftigen“ Poetik Johann Christoph Gottscheds. Es war die Geburtsstunde der reinen Dichtung.
Es wurden Kontakte zu Johann Jakob Bodmer geknüpft, der Klopstock nach Zürich einlud, wohin dieser 1750 reiste.Zweyte Ode von der Fahrt auf der Zürcher See. In: Friedrich Gottlieb Klopstock: Oden von Klopstock. Zürich 1750, S. 369ff. Nach acht Monaten ging er auf Einladung König Friedrichs V. nach Dänemark. Durch Friedrichs Unterstützung konnte er sein Werk vollenden. Dieser gewährte ihm eine Lebensrente von jährlich 400 (später 800) Talern. Drei Jahre seines Lebens verbrachte er in Dänemark.
Am 10. Juni 1754 heiratete Klopstock Margareta (Meta) Moller, die er 1751 in Hamburg auf der Durchreise nach Kopenhagen kennengelernt hatte. Sie starb am 28. November 1758 bei einer Totgeburt. Dreißig Jahre hindurch konnte Klopstock sie nicht vergessen und besang sie in seinen Elegien. Erst im hohen Alter (1791) heiratete er die Hamburgerin Johanna Elisabeth Dimpfel verw. von Winthem (1747–1821), welche eine Nichte von Meta Moller war.
mini|Das Grab Klopstocks an der Christianskirche in Hamburg-Ottensen
1759 bis 1762 lebte Klopstock in Quedlinburg, Braunschweig und Halberstadt, reiste dann nach Kopenhagen, wo er bis 1771 blieb und einen großen Einfluss auf das kulturelle Leben in Dänemark ausübte. Neben dem Messias, der endlich 1773 vollständig erschien, schrieb er Dramen, darunter die Hermanns Schlacht (1769). Er wandte sich dann nach Hamburg. 1776 zog er auf Einladung Markgraf Karl Friedrichs von Baden vorübergehend nach Karlsruhe. Nach seinem Tod am 14. März 1803 im Alter von 78 Jahren wurde er am 22. März 1803 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung neben Meta auf dem Friedhof der Christianskirche in Ottensen beigesetzt.
Klopstock war Mitglied der Hamburger Freimaurerloge Zu den drei Rosen. Seit 1802 war er auswärtiges Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres.
In Quedlinburg informiert das Klopstockhaus über den Dichter. 1831 wurde in der dortigen Parkanlage Brühl ein auf eine Bürgerinitiative von 1824 zurückgehendes DenkmalBernd Feicke: 175 Jahre Klopstockdenkmal im Quedlinburger Brühl. In: Quedlinburger Annalen. (9) 2006, S. 101–105.Klopstock’s Denkmal im Brühl bei Quedlinburg () von Schinkel und Tieck eingeweiht.
Werk Ideen und Motive mini|Titelblatt der Erstausgabe der ersten drei Gesänge des Messias (1749) Als ein Vater des deutschen Nationalstaatsgedankens war Klopstock ein Befürworter der Französischen Revolution, welche er in dem Gedicht von 1789 Kennet euch selbst als „edelste Tat des Jahrhunderts“ bezeichnete; die Deutschen rief Klopstock ebenfalls zur Revolution auf. 1792 nahm ihn die französische Nationalversammlung als Ehrenbürger auf.Siehe den Ehrenbürgerbrief der französischen Republik für Klopstock 1792. Später geißelte er jedoch die Auswüchse der Revolution in dem Gedicht Die Jakobiner von 1793. Hier kritisierte er das Jakobinerregime, das aus der Französischen Revolution hervorgegangen war, als Schlange, die sich durch ganz Frankreich windet.
Klopstocks aufgeklärte Utopie Die deutsche Gelehrtenrepublik (1774) ist ein Konzept, das für die als regierungsunfähig angesehene Fürstenherrschaft eine gebildete Elite in die Macht einsetzt. Die Republik soll von „Aldermännern“, „Zünften“ und „dem Volke“ regiert werden, wobei den ersteren – als den gelehrtesten – die größten Befugnisse zukommen sollte, Zünften und Volk entsprechend weniger. Der „Pöbel“ hingegen bekäme höchstens einen „Schreier“ auf dem Landtage, denn Klopstock traute dem Volk keine Volkssouveränität zu. Bildung ist in dieser Republik das höchste Gut und qualifiziert ihren Träger zu höheren Ämtern. Entsprechend dem gelehrsamen Umgang geht es in dieser Republik äußerst pazifistisch zu: Als Strafen zwischen den Gelehrten veranschlagt Klopstock Naserümpfen, Hohngelächter und Stirnrunzeln. Dies stellte besondere Erfordernisse an die Vollstrecker:
mini|Originalhandschrift von Klopstocks David, ein Trauerspiel (1772). Klopstocks Himmelsvorstellung, geprägt durch die wissenschaftlichen Leistungen Kopernikus’ und Keplers, ist nicht die eines in sich ruhenden antiken Himmels, dessen Gestirne Götter und Heroen sind. Seine Himmelssphäre ist vielmehr eine Weltharmonie, ein Rhythmus und Symmetrie der Sphären. So heißt es im ersten Gesang des Messias: Mitten in dieser Versammlung der Sonnen erhebt sich der Himmel, Rund, unermeßlich, das Urbild der Welten, die Fülle Aller sichtbaren Schönheit, die sich, gleich flüchtigen Bächen, Um ihn, durch den unendlichen Raum nachahmend, ergiesset. Also dreht er sich, unter dem Ewigen, um sich selber.
Indem er wandelt, ertönen von ihm, auf Flügeln der Winde, An die Gestade der Sonnen die sphärischen Harmonien Hoch hinüber. Die Lieder der göttlichen Harfenspieler Schallen mit Macht, wie beseelend, darein. Dieß vereinbarte Tönen Führt vorm unsterblichen Hörer manch hohes Loblied vorüber.
Goethe wird dieses Bild im Faust wieder aufgreifen. Der „Prolog im Himmel“ beginnt so: Die Sonne tönt nach alter Weise In Brudersphären Wettgesang, Und ihre vorgeschriebne Reise Vollendet sie mit Donnergang.
Bedeutung und Rezeption mini|Klopstock-Gedenkstein an der Landesschule Pforta. Klopstock gab der deutschen Sprache neue Impulse und kann als Wegbereiter für die ihm folgende Generation angesehen werden. Er war der Erste, der mit seinem Messias Hexameter in der deutschen Dichtung verwendete, und seine Auseinandersetzung mit dem „deutschen Hexameter“, wie er es nannte, führte ihn zu seiner Lehre vom Wortfuß. Dies bereitete den Weg für freie Rhythmen, wie sie dann beispielsweise Goethe und Hölderlin nutzten. Klopstock kämpfte außerdem gegen den strengen Gebrauch des Reims nach Opitzscher Schule. Er verschaffte dem Dichterberuf neue Würde, indem er die künstlerische Autonomie des Dichters vorlebte, und befreite so die Dichtung aus den didaktischen Lehrgedichten der Versifikateure.abwertend Verseschmied
Klopstock gilt als Begründer der Erlebnisdichtung und des deutschen Irrationalismus. Sein Wirken erstreckte sich über große Teile der Epoche der Aufklärung. Er war aber nicht wie die meisten Aufklärer der Vernunft verpflichtet, sondern wird der sogenannten Empfindsamkeit zugerechnet. 1779 prägte er den Begriff der Innerlichkeit, die er als eines von neun Elementen poetischer Darstellung bezeichnete: „Innerlichkeit, oder Heraushebung der eigentlichen innersten Beschaffenheit der Sache.“Von der Darstellung. Drittes Fragment. In: Ueber Sprache und Dichtkunst. Fragmente. Hamburg (Heroldsche Buchhandlung) 1779, (); Des Weiteren gilt er als ein bedeutender Wegbereiter für die Bewegung des Sturm und Drang. Im Werther zeigt sich Klopstocks Wirkung auf Goethe:
Trotz alledem registriert der junge Lessing:
Lessing bringt auf den Punkt, was Klopstocks Werk widerfuhr: Zwar wurde ihm große gesellschaftliche Anerkennung zuteil, aber das wirkliche literarische Interesse an seinem Werk blieb dahinter zurück. Dies bestätigt sich auch darin, dass Christian Dietrich Grabbe jenen Aspekt später ironisch in seinem Theaterstück Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung weiterspinnt, indem er der Figur des Teufels Klopstocks Messias als unfehlbares Schlafmittelchen zur Hand gibt.
Musikalische Rezeption Auch auf Komponisten und Musiker wie Georg Philipp Telemann, Christoph Willibald Gluck, Carl Philipp Emanuel BachCPE Bach: Klopstocks Morgengesang am Schöpfungsfeste (1783) für 2 Soprane, Chor, Bläser, Streicher und Bass, Wq 239 (Teil 1, Teil 2 bei YouTube; Text bei zeno.org)., Andreas Romberg und Christian Friedrich Daniel Schubart machte Klopstock Eindruck. Schubart kannte große Teile des Messias auswendig und einmal, als er auf dem Rhein fuhr – er las den Messias auf einem Brett, das er über den Kahn gelegt hatte –, begeisterte ihn eine Stelle so sehr, dass er auffuhr und Brett und Buch in den Rhein flogen: „Wie angedonnert stand ich da und sah bleich und starräugig meiner lieben Messiade nach, die wie eine geschossene Ente auf dem Wasser fluderte und untersank.“Schubart’s Leben und Gesinnungen. Von ihm selbst im Kerker aufgesetzt. Erster Theil, 1791. In: Christian Friedrich Daniel Schubart: Gesammelte Schriften und Schicksale. Scheible, Stuttgart 1839 (online bei S. 137 books.google).
Auch nach der Zeit ihrer unmittelbaren Wirkung und bis in die Gegenwart wurden Klopstocks Werke von Komponisten vertont. Gustav Mahler vertonte das Gedicht Die Auferstehung mit eigenen Ergänzungen im fünften Satz seiner zweiten Sinfonie (entstanden 1888–1894, UA 1895). Weitere Vertonungen umfassen:
Giacomo Meyerbeer: Sieben Geistiche Gesänge, für Chor (1812, revised 1841) Richard Strauss: Das Rosenband, Lied, op. 36/1 (1897) Manfred Trojahn: … stiller Gefährt der Nacht (1978), Vertonung des Gedichts „Die frühen Gräber“ (1764) für Sopran, Flöte, Violoncello, Celesta und Schlagzeug Heinz Holliger: Schlafgewölk (1984) für Altflöte Juliane Klein: Drei Lieder nach Klopstock (2004) für Sopran und Klavier Jörg-Peter Mittmann: Dem Unendlichen (2009), freie Vertonung des gleichnamigen Gedichts (1764) für Sopran, Flöte, Oboe, Klarinette, Viola, Violoncello und Schlagzeug Martin Christoph Redel: Bleib, Gedankenfreund (2011), Klanggedicht zu „Die frühen Gräber“ (1764) für Flöte, Klarinette, Viola, Violoncello und Schlagzeug, op. 70 (Komposition für das Ensemble Horizonte)