mini|Wilhelm I. von England (Teppich von Bayeux)

Wilhelm der Eroberer (, normannisch Williame II, ; vor der Eroberung Englands Wilhelm der Bastard genannt; * 1027/28 in Falaise, Normandie, Frankreich; † 9. September 1087 im Kloster Saint-Gervais bei Rouen, Normandie, Frankreich) war ab 1035 als Wilhelm II. Herzog der Normandie bekannt und regierte von 1066 bis 1087 als Wilhelm (später Wilhelm I.) auch das Königreich England.

Der romanisierte Normanne war der Stammvater der kurzlebigen normannischen Dynastie in England, die in männlicher Linie bereits 1135 mit seinem Sohn Heinrich I. (genannt „Beauclerc“) erlosch.

Leben Herkunft mini|hochkant|Das Wappen der Normandie, teilweise schon Wilhelm zugeschrieben, seit dem 12. Jh. überliefert Wilhelm stammt aus der Dynastie der Rolloniden, die skandinavischer Herkunft war und seit 911 die Normandie beherrschte. Er war der Sohn des normannischen Herzogs Robert I. aus seiner Beziehung mit Herleva, der Tochter eines normannischen Lohgerbers namens Fulbert und dessen Frau Doda aus Falaise. Er stammte aus einer unter Wikingern gängigen (polygamen) Ehe „more danico“ (nach dänischer Sitte), wobei die Nachkommen als legitim angesehen wurden. Da diese Ehe ohne kirchlichen Segen zustande gekommen war, wurde Wilhelm anfangs auch als „Wilhelm der Bastard“ („Guillaume le Bâtard“) bezeichnet.Vgl. Jörg Peltzer: 1066. Der Kampf um Englands Krone. München 2016, S. 94–96.

Nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Adelheid wurde Herleva um 1031 mit Roberts Freund und Gefolgsmann Vicomte Herluin de Conteville verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Töchter und zwei Söhne hervor: Robert, späterer Graf von Mortain, und Odo, später Bischof von Bayeux.

Unmündigkeit 1034 beschloss Robert I., nach Jerusalem zu wallen. Er überredete die Feudalherren, Wilhelm als legitimen Nachkommen anzuerkennen. Sie schworen Wilhelm Lehnstreue und Gehorsam. „Wilhelm der Bastard“ (‚le Bâtard‘) begann so seine Herrschaft. Während der Abwesenheit seines Vaters übernahmen Getreue Roberts I. die Vormundschaft für Wilhelm. Dies waren Robert, Erzbischof von Rouen, ferner Graf Alan III. von Bretagne, Osborn, der Haushofmeister, sowie Turchetil, der paedagogus (Erzieher) des jungen Herzogs. Der bedeutendste unter ihnen war Erzbischof Robert, der als jüngerer Bruder von Herzog Richard II. – und damit Onkel von Robert I. – das Amt hätte beanspruchen können, es aber nicht tat. Kurz vor der Abreise Roberts I. hatte der französische König Heinrich I. der Nachfolgeregelung zugestimmt; vermutlich war Wilhelm an seinen Hof gereist, um den Lehnseid zu leisten. Trotzdem blieb Wilhelms Position unsicher; fast alle seine Beschützer kamen gewaltsam ums Leben.

1040 starb Alan III. unerwartet, worauf Gilbert Hauptvormund wurde, aber einige Monate später umgebracht wurde. Fast gleichzeitig wurde Turchetil getötet. Osborn wurde in Vaudreuil bei einem Kampf im Schlafzimmer Wilhelms ermordet. Herlevas Bruder Walter schlief gewöhnlich bei seinem Neffen und musste oft mit dem Jungen fliehen. In der Normandie herrschte Aufruhr. Dass Wilhelm seine Minderjährigkeit überlebte, war zum großen Teil dem französischen König zu verdanken. Heinrich I. forderte bei Wilhelms Regierungsantritt seine Lehnsherrnrechte auf das Herzogtum ein, wofür er Roberts Nachfolgeregelung anerkannte. Der König konnte das Vormundsrecht für das Kind eines verstorbenen Lehnsmannes fordern, womit er die Verantwortung für dessen Sicherheit übernahm. Während der Minderjährigkeit übte der König unmittelbare Rechte auf die Normandie aus.

Heirat Um 1049 wurde eine Heirat zwischen Wilhelm und Mathilde, der Tochter Balduins V., Graf von Flandern, und Enkelin Roberts II. von Frankreich, geplant. Leo IX. untersagte diese Verbindung auf dem Konzil zu Reims im Oktober 1049, vermutlich wegen zu naher Verwandtschaft. Wilhelm und Mathilde waren Vetter und Base 4. Grades, da beide in direkter Linie von Rollo dem Wikinger abstammten. Trotzdem heirateten sie 1051 in Eu. Wilhelm brachte seine Frau sofort nach Rouen. Der Papst verhängte den Kirchenbann. Genehmigt wurde die Verbindung 1059 durch Papst Nikolaus II., nachdem dieser ein Bündnis mit Wilhelms Verwandten, den süditalienischen Normannen Richard von Capua und Robert Guiskard geschlossen hatte. Aus Dankbarkeit, oder auch, um den Papst günstig zu stimmen, stifteten die Eheleute je ein Kloster östlich und westlich der Burg in Caen: die Damen-Abtei Sainte Trinité (Abbaye-aux-Dames) und die Herren-Abtei Saint Étienne (Abbaye-aux-hommes). Baubeginn für beide Abteien war 1066. Mathilde wurde später in St.-Trinité in der Abbaye-aux-Dames bestattet.

Wilhelms Heirat mit Mathilde von Flandern schien dem König von Frankreich so bedrohlich, dass er seinen bisherigen Verbündeten fallen ließ und sich mit Gottfried von Anjou, Theobald III. von Blois (Theobald I. von Champagne) sowie aufständischen normannischen Baronen gegen ihn verbündete.

Herzog der Normandie Die Jahre 1047 bis 1060 waren von größter Bedeutung für die Geschichte der Normandie. Ein Aufstand im Jahr 1047 hätte den Herzog fast gestürzt. Zwischen 1052 und 1054 sah sich Wilhelm nicht nur einem feindlichen Bündnis seiner eigenen Vasallen, sondern auch einem Bund der französischen Lehnsleute unter der Führung ihres Königs konfrontiert. In diesen 14 Jahren führte der Herzog fast ununterbrochen Krieg. Nach 1054 entspannte sich die Lage. Wilhelm hatte sich aus der Abhängigkeit des französischen Königs befreit und den gemeinsamen Angriff von Paris und Anjou abgewehrt (Mortemer 1054, Varaville 1057). Er hatte sich als entschlusskräftig erwiesen; seine Autorität war großteils auf die Erweiterung seiner Macht in der Niedernormandie zurückzuführen. Auch der Aufstieg und die dadurch gesteigerte Konkurrenz zum Hause Anjou waren ein neuer Faktor in der normannischen Politik.

Die Stärke der Normandie unter Wilhelm war vor allem dem Aufstieg einer neuen Aristokratie zu verdanken, deren Interessen mit denen des Herzogs übereinstimmten. Aber in großem Maße sollte sein Erfolg auch von der kirchlichen Erneuerung der Provinz abhängen, die er mit seinem Nachfolgeantritt begonnen hatte und die immer mehr Bedeutung erlangte. Eine klösterliche Erneuerung begann unter herzoglicher Gönnerschaft und setzte sich selbständig fort, ebenso wie eine Reorganisation der normannischen Kirche, die von einer Gruppe mächtiger Bischöfe ausging. Während der Jahrzehnte vor der normannischen Eroberung war das Hauptziel, aristokratische und kirchliche Entwicklungen in unmittelbare Beziehungen zu setzen. Ein großer Vorteil waren die Rechte, die dem herzoglichen Amt durch Überlieferungen zukamen. So konnte Wilhelm im ganzen Herzogtum Gesetze erlassen und innerhalb gewisser Grenzen Recht sprechen. Er konnte Münzen prägen, bestimmte Steuern erheben, und als „Herrscher über die Normandie“ hatte er – wenigstens theoretisch – eine Streitmacht zur Verfügung.

Mit zunehmendem Alter versuchte Wilhelm vor allem, inmitten einer sich wandelnden Gesellschaft die Rechte seiner Dynastie geltend zu machen und die Feudalaristokratie so weit wie möglich in die Verwaltungsmacht miteinzubeziehen. Hauptinstitutionen waren die Grafschaften und Vicomtés, die im 11. Jahrhundert unmittelbar mit dem Feudaladel zusammenhingen und für die herzogliche Verwaltung wesentlich waren.

Normannische Grafen traten erst Anfang des 11. Jahrhunderts auf den Plan, ihre Einsetzung war eine Erweiterung der herzoglichen Macht. Diese Männer entstammten dem herzoglichen Geschlecht, die Grafschaften befanden sich an strategischen Punkten, die einzige Gefahr bestand in der persönlichen Untreue eines Mitglieds der regierenden Familien gegen deren Oberhaupt. Problematischer waren dagegen die Vicomtés, die Erbbesitz der neuen Feudalgeschlechter geworden waren. Sie sollten als Stellvertreter des Grafen von Rouen Pflichten erfüllen, die zuvor in die Zuständigkeit des vizegräflichen Amtes fielen. Dies sollte zum Großteil den Erfolg von Wilhelms Verwaltung ausmachen. So gehörten zu ihren Aufgaben die Eintreibung und Entrichtung herzoglicher Gelder sowie die Vollstreckung der herzoglichen Gerichtsbarkeit, und ihre größte Verantwortung lag auf dem militärischen Gebiet.

Nach 1057, besonders aber zwischen 1060 und 1066, wurde das Herzogtum unter Wilhelm so stark, dass er einen Einfall in ein fremdes Land wagen konnte. Zudem waren seine beiden gefährlichsten Gegner in Frankreich – Graf Gottfried und König Heinrich – verstorben. 1066 befand sich der Hof im Wandel. Viele mächtige Beamte (z. B. der Haushofmeister, der Kellermeister und der Kämmerer) waren fest etabliert und von weniger bedeutenden Beamten (Zeremonienmeister, zahlreichen Gerichtsdienern) umgeben. Es war ein Feudalhof, dessen Aufgabe es war, seinen Lehnsherrn in jeder Weise zu unterstützen. Die Eroberung Englands wurde durch das Wachsen der normannischen Macht und durch die Festigung des Herzogtums unter der Herrschaft Wilhelms vorbereitet und ermöglicht. Eine enge politische Bindung zwischen der Normandie und England bildete einen Teil des Erbes.

England vor der normannischen Eroberung Nachdem Æthelred II. im Jahre 1002 in zweiter Ehe Emma, die Tochter Herzog Richards I. von der Normandie, geheiratet hatte, kamen die Normannen ins Spiel, die seit 911 rechtmäßig belehnt in Nord-Frankreich saßen, dort in kurzer Zeit christianisiert und in Sitte und Sprache romanisiert worden waren. Der abgesetzte Æthelred starb 1016. Eine dänische Flotte unter Knut dem Großen, dem zweiten Sohn des dänischen Königs Sven Gabelbart, der 1014 schon vom Witan – einer Zusammenkunft der mächtigsten geistlichen und weltlichen Würdenträger – zum englischen König ausgerufen worden war, drang die Themse aufwärts gegen London vor. Æthelreds Sohn Edmund Ironside konnte das uneinige englische Heer angesichts des Feindes nicht zusammenzuhalten. Als auch er im November des Jahres starb, beugte sich England dem – nun vom Witan gewählten – König Knut, welcher nun bis 1035 über ein Nordseereich herrschte.

Ansprüche auf den englischen Thron mini|Harold Godwinson – Darstellung auf dem Teppich von Bayeux

Seit 1042 herrschte der angelsächsische König Eduard der Bekenner über England. Vor seiner Krönung verbrachte er mehrere Jahre im Herzogtum Normandie, dessen Strukturen er als Vorbild ansah. Um England eine ähnliche Verwaltung zu geben, errichtete er eine Zentralverwaltung und besetzte zahlreiche wichtige Positionen mit Normannen. Im Jahr 1050 kam es deswegen zu einem Aufstand der angelsächsischen Adligen unter der Führung Godwins von Wessex, seines Schwiegervaters. Eduard konnte den Aufstand niederschlagen und verwies 1051 die Rädelsführer des Landes.

In diese Zeit fällt der Besuch Wilhelms bei Eduard, einem Cousin seines Vaters. Da Eduard keine Kinder hatte, soll ihm dieser bei dieser Gelegenheit versprochen haben, dass Wilhelm sein Nachfolger auf dem Thron von England werde. 1052 kehrte die Familie Godwins mit Armeen zurück, und Eduard musste sie wieder in den alten Stand einsetzen. Als 1053 Godwin bei einem Essen mit Eduard starb, folgte ihm sein Sohn Harold Godwinson als nach dem König mächtigster englischer Adliger nach.

Im Jahr 1064 wurde Harold von Eduard über den Kanal zu Wilhelm geschickt und erlitt dabei einen Schiffbruch, bei dem fünf seiner Männer starben. Er wurde in Beaurain von Graf Guy de Ponthieu gefangen genommen. Als Wilhelm davon erfuhr, befreite er Harold aus den Händen des Grafen, nahm ihm den Treueeid ab und zog mit ihm in einen siegreichen Feldzug. Wilhelm sicherte sich so nicht nur die Zusage des aktuellen Herrschers zur Thronfolge, sondern verpflichtete auch seinen wichtigsten Konkurrenten um den Thron zum Gehorsam. Harold freilich sah diesen Eid als nicht bindend, war er doch seiner Ansicht nach in Gefangenschaft unter Zwang abgegeben worden.

Die normannische Zeit in England Tod des letzten angelsächsischen Königs