Die Schlacht auf dem Amselfeld (, ) fand am 15. Juni 1389 auf dem Amselfeld unweit Priština am Flusslauf des Lab im heutigen Kosovo statt. Das serbische Koalitionsheer unter der Führung des Fürsten Lazar Hrebeljanović sowie Vuk Brankovićs wurde durch eine Armee des mit Lazar verbündeten bosnischen Königs Tvrtko I. unter dem Woiwoden Vlatko Vuković, sowie ein Heer des albanischen Fürsten Theodor Muzaka verstärkt. Ihnen gegenüber stand das osmanische Heer unter Sultan Murad I. und dessen Söhnen Bayezid I. und Yakub.
Der Konflikt entstand aus dem offensiven Vorgehen der Osmanen gegen die verbliebenen unabhängigen christlichen Reiche auf der Balkanhalbinsel. Murad I. versuchte, die serbischen Fürstentümer der Oberhoheit des Osmanischen Reiches zu unterwerfen. Damit wäre das letzte Hindernis zur Übernahme des Byzantinischen Reiches mit dessen Hauptstadt Konstantinopel beseitigt gewesen.
Die Schlacht, in der die Anführer beider Streitmächte fielen, endete ohne eindeutigen Sieger. Im Ergebnis war aber der Widerstand der serbischen Fürsten gegen die osmanische Expansion in den nachfolgenden Jahren entscheidend geschwächt.Sima Ćirković 2005: The Serbs. The Peoples of Europe, Blackwell, Oxford, ISBN 0-631-20471-7, S. 85. Serbische Verbündete, wie das Fürstentum der Lazarevići, mussten die Oberhoheit und Vorherrschaft der Osmanen anerkennen, der sich einzig Vuk Branković als Fürst auf dem Territorium des heutigen Kosovo auch nach der Schlacht widersetzte. Bei den Verhandlungen einer Friedensregelung zwischen Fürstin Milica und Sultan Bayezid musste dadurch auch die jüngste Tochter Lazars, Olivera Despina, als Tribut in den Sultans-Harem nach Bursa übergeben werden.Sima Ćirković 2005, S. 85.Svetozar Koljević 1980: The Epic in the Making. Clarendon, Oxford, S. 154.
Obwohl das Byzantinische Reich nicht an der Schlacht beteiligt war, schied es durch die Schwächung der serbischen Verbündeten und deren Anerkennung der Oberhoheit der Osmanen endgültig als Machtfaktor in Südosteuropa aus. Byzanz wandte sich Rom zu, um mit der Unterstützung des christlichen Europas die endgültige Unterwerfung Konstantinopels abzuwenden.
Das Ereignis wurde in der Überlieferung schon bald durch Prozesse der Legendenbildung in Volksdichtung sowie insbesondere in der Rezeption der serbisch-orthodoxen Kirche im Amselfeld-Kult in einer stark mythologisierten Form weitergegeben. Im Genre der über Jahrhunderte von Guslaren in Begleitung der Gusle oral überlieferten Kosovo-Epen formten sich in der Abwandlung von zeitgenössischen Chroniken und Historiographien in den Volksüberlieferungen die Leitthemen des Martyriums Lazars, dem Verrat Vuk Brankovićs und der Heldentat Miloš Obilićs zum Nationalmythos Serbiens (Legende vom Amselfeld – Priča o boju kosovskom), in dem die Illusion eines türkischen Sieges, durch ökonomischen und militärischen Antrieb die Balkanhalbinsel dem Einfluss des Osmanischen Reiches zu unterwerfen, bald durch die historische Realität verwirklicht wurde. Svetozar Koljević 1980: The Epic in the Making. Clarendon, Oxford, S. 153. Jedoch ist die Meinung, das Serbische Reich wäre auf dem Amselfeld untergegangen, fundamental falsch, da der Staat auch danach für weitere sieben Jahrzehnte bestand und dabei sowohl ökonomisch wie auch kulturell wiederauflebte.
Der am in Serbien gefeierte Vidovdan ist der Gedenktag der Schlacht. Der in der Schlacht gefallene Fürst Lazar wurde schon 1390 oder 1391 heiliggesprochen und ist einer der wichtigsten Heiligen der serbisch-orthodoxen Kirche. Seine Gebeine befinden sich heute in seinem Mausoleum, dem Kloster Ravanica.
Vordringen der Osmanen mini|Das Fresko von Zar Stefan Uroš V. und König Vukašin Mrnjavčević in einer zeitgenössischen Darstellung zeigt die beiden zentralen Herrscherfiguren des serbischen Großreiches in Nachfolge von Stefan Uroš IV. Dušan. Der Aufstieg König Vukašins und die gleichzeitige Unterhöhlung der Macht des letzten Nemanjiden-Herrschers läuteten den Abstieg und letztlich den Untergang des serbischen Reiches ein. Kloster Psača, ca. 1365–1371.
Situation nach der Schlacht an der Mariza Nach der Schlacht an der Mariza 1371 im heutigen griechisch-türkischen Grenzgebiet zwischen einer serbischen Streitmacht unter König Vukašin Mrnjavčević und Despot Jovan Uglješa und dem osmanischen Heer unter dem Beylerbey Lala Şahin Paşa wurde die innere Einheit des serbischen Großreiches, das unter Stefan Uroš IV. Dušan die Vormachtstellung in Südosteuropa errungen hatte, sich aber in der Regierungszeit seines Sohnes Zar Stefan Uroš V. durch zentrifugal wirkende Kräfte immer weiter auflöste, zerstört. Nachdem Stefan Uroš V. 1371 kinderlos verstorben war, bildeten sich einzelne serbische Fürstentümer, die von den Lazarevići, Brankovići, Mrnjavčevići, Vojinovići und Balsići regiert wurden. Um die Vorherrschaft über die serbischen Fürstentümer griff jedoch auch der bosnische Ban Tvrtko ein, der über weitere verwandtschaftliche Bande mit dem ehemaligen serbischen Königshaus verbunden war.
Die früheren militärischen und kulturellen Erfolge im mittelalterlichen Serbien basierten auf einer florierenden und vielseitigen Ökonomie. Die Gebirge, Flachländer, Flüsse und das Meer stimulierten den Handelsverkehr wie auch die Landwirtschaft und Viehzucht. Da Serbien auf der Hauptverkehrsroute zwischen Ost und West lag, war die Bewegung und der Austausch von Menschen, Gütern und Ideen intensiv. Ausländische Bergleute, überwiegend Sachsen, bildeten ein gewöhnliches Bild in den serbischen Städten; allein die Ausfuhr von Silber, das 1422 aus Serbien und Bosnien über Dubrovnik exportiert wurde, machte in der Ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts 25 % der europäischen Silberproduktion aus.Sima Ćirković 1976: Dubrovačka kovnica i proizvodnja srebra u Srbiji i Bosni. Istorijski glasnik, vol. 1/2, S. 94. Als stärkste unter den Fürstentümern entwickelten sich solche, in denen die größten und ertragreichsten Silberminen lagen. Da der Silberpreis in Folge des Venezianisch-Genuesischen Handelskrieges (1378–1381) um ein Viertel gestiegen war, kam dem Metallhandel im ausgehenden 14. Jahrhundert auch eine wirtschaftlich immer weiter steigende Bedeutung zu. Im Fürstentum Lazars, Vuk Brankovićs und des bosnischen Bans Tvrtko lagen die erzreichen Metalllagerstätten (Kopaonik Gebirge, bei Srebrenica sowie im zentralbosnischen Basin).Sima Ćirković: Srbi u Srednjem Veku. Idea, Belgrad 1996, ISBN 86-7547-033-9, S. 167. Da für die Metallverarbeitung und den Bergbau arbeitsintensive Produktionsmittel Voraussetzung waren, nahm die Bedeutung der Handelsstädte zu. Städte, in denen Metalle überwiegende von Kaufleuten Dalmatiens gehandelt wurden, entwickelten sich zum neuentstandenen Stadttyp des Trg.Sima Ćirković 1996, S. 167. Aus dem ökonomischen und politischen Bedeutungszuwachs der zwei wichtigsten Fürstentümer, Lazars Morava-Serbien, und Tvrtkos Bosnien, entwickelte sich aus der ökonomischen Etablierung der Herrschaftshäuser im nachfolgenden auch zwischen den beiden prosperierenden Fürstentümern eine für die weiteren Jahrhunderte stabile Grenze, die sich zu den eigentlichen Territorien Bosniens und Serbiens ausformte. 1378 nahm Tvrtko den symbolischen Titel Stefan an und ließ sich damit als Nachfolger der Nemanjiden zum König der „Serben, Bosniens, des Küstenlandes und der Westlichen Länder“ krönen. Während Tvrtko damit die Aspiration der serbischen Krone zum Ziel hatte, so stellte sich Lazar als Beschützer der serbischen Kirche dar. Damit stand Lazar dem Serbischen Patriarchen in der Rolle des einstigen Zaren gegenüber und rief mit seinem Verbündeten Đurđe Balšić 1375 das Kirchenkonzil zur Wahl des neuen serbischen Patriarchen in Peć ein. In den beiden neuentstandenen politischen Zentren entwickelten sich aber parallel eine sowohl gegenüber den innerpolitischen Geschehnissen in Ungarn und dem offensiven Vorgehen des Osmanischen Reichs koordinierte Politik, in der sich Lazar und Tvrtko gegenseitig unterstützten.Sima Ćirković 1996, S. 185.
Erste osmanische Einfälle nach Serbien Mehrere osmanische Feldzüge führten nachfolgend über Bulgarien in die serbischen und bosnischen Fürstentümer, wodurch diese ihr Einflussgebiet sukzessive auch auf die altserbischen Länder des ehemaligen Serbischen Reiches auszuweiten vermochten. Diese osmanische Expansion erfolgte ab 1381, erlitt aber anfangs Rückschläge (1381 Niederlage bei Paraćin). 1385 folgte eine Expedition in das Herrschaftsgebiet der Balšići (Schlacht bei Berat, auch Schlacht von Savra, 18. September 1385), in welcher der Dux von Durrës, Balša II. fiel. Danach erreichten erste osmanische Abteilungen das dalmatinische Küstenland und im Oktober/November 1386 musste daraufhin in Dubrovnik ein allgemeiner Türken-Alarm ausgerufen werden, als diese das Hinterland des Ionischen und Adriatischen Meeres bis zur Umgebung Dubrovniks verwüsteten. 1386 erfolgte über die Unterwerfung bulgarischer Territorien die Eroberung von Niš. Erst der bosnische König Tvrtko konnte die Osmanen am 27. August 1388 in der Schlacht bei Bileća zurückschlagen.
Feldzug Murads 1387 Im ersten von Murad I. persönlich geleiteten Feldzug in das wirtschaftlich und politisch wichtige Fürstentum von Lazar Hrebeljanović 1387, der ergebnislos beendet wurde (in der Literatur wird der Feldzug fälschlich meist als sogenannte Schlacht bei Pločnik bezeichnet, obwohl sich Lazars- und Murads Heer während des Feldzuges nur aus sicherem Abstand beobachteten),Sima Ćirković, 1996: Kosovska bitka u medunarodnom kontekstu. Glasnik Srpske Akademije Nauka i Umetnosti, odeljene istorijskih nauka, 9, Belgrad, S. 58. war für Lazar, der sein Staatsgebiet um Morava-Serbien mit dem Besitz der wichtigsten Bergbauzentren um Novo Brdo, Rudnik und Srebrenica zum wichtigsten der serbischen Teilherrscher ausbauen konnte, die entscheidende Auseinandersetzung mit Murad nur noch eine Frage der Zeit. Im Feldzug von 1387 konnten die Osmanen, wie zahlreiche Quellen darstellen, jedoch schon zum Kloster Gračanica vordringen, das bei Murads erstem Eintreffen auf dem Amselfeld von brandschatzenden osmanischen Abteilungen heimgesucht wurde und so auch vorbereitend für ein späteres Aufeinandertreffen das Amselfeld erkunden.Sima Ćirković, 1996, S. 59.
Die Serbischen Fürstentümer Lazars Rolle Der Aufstieg Fürst Lazars zum dominanten Territorialherrscher und eigentlichem Erben der Nemanjiden-Dynastie unter den zahlreichen serbischen Fürsten vollzog sich bald nach der Schlacht an der Mariza 1371. Die Nemanjiden hatten in über zwei Jahrhunderten die bestimmende Staatsideologie, in der ein sakraler Charakter der Dynastie, da alle Herrscher bis auf Stefan Dušan heiliggesprochen wurden, ein wesentliches Element bildete.Sima Ćirković 1972: Moravska Srbija u istoriji srpskog naroda. Vojislav Đurić (Hrsg.) 1972: Moravska Škola i njeno doba. Filosofski Fakultet, Odeljenje za istoriju umetnosti, Belgrad, 101–110. Mit Zar Dušans ausgreifendem territorialem Erwerbungen wurde die einstige ethnische und kulturelle Einheit Serbiens, in der zwar serbische Fürsten die neuerworbenen Territorien leiteten, jedoch die universale Idee eines Kaiserreiches zumindest in seiner Idee auch ideologisch umgesetzt werden sollte, ausgehöhlt.Sima Ćirković 1972, S. 104. Als größtes Problem erwies sich der Zusammenstoß Dušans mit dem Konstantinopler Patriarchat, der zu einer ernstzunehmenden Krise im Ansehen der Nemanjiden als heiliger Dynastie beitrug. Die Staatskrise wurde aber erst unter Dušans Nachfolger Uroš V. und insbesondere nach dessen Tod 1371 offensichtlich. Im Jahr 1371 wurde die gesamte bis dahin erfolgte Entwicklung des serbischen Reiches in Frage gestellt: die Einheit des Reiches wurde praktisch durch den Aufstieg der Territorialfürsten aufgelöst und die Nemanjiden als Träger der Staatsdynastie waren als Autorität verschwunden. Der bis dahin einheitliche Fluss der serbischen Geschichte wurde so nach Sima Ćirković in verschiedene regionale Arme geteilt.