Die 76. Eishockey-Weltmeisterschaften der Herren der Internationalen Eishockey-Föderation IIHF waren die Eishockey-Weltmeisterschaften des Jahres 2012. Insgesamt nahmen zwischen 2. April und dem 20. Mai 2012 46 Nationalmannschaften an den sechs Turnieren der Top-Division sowie der Divisionen I bis III teil.

Der Weltmeister wurde zum 26. Mal insgesamt und zum vierten Mal nach dem Zerfall der Sowjetunion die Mannschaft Russlands, die im Finale den Außenseiter Slowakei mit 6:2 bezwang. Nach 2008 und 2009 war es der dritte Weltmeisterschaftsgewinn der Russen in den letzten fünf Jahren. Die deutsche Nationalmannschaft erreichte nach zuletzt einer Halbfinal-Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2010 und der Viertelfinal-Qualifikation bei der WM im Vorjahr den zwölften Rang und verpasste somit durch das Abrutschen in der IIHF-Weltrangliste die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Die Schweiz belegte den elften Platz in der Top-Division und konnte damit das Viertelfinale abermals nicht erreichen. Österreich wurde in der neu geschaffenen Division IA Zweiter hinter Slowenien und stieg somit direkt wieder in die Top-Division auf.

Weitere Aufsteiger in den vier Divisionen waren die Mannschaften aus Südkorea, Estland, Belgien und der Türkei.

+ Übersicht Herren-Weltmeisterschaften Turnier Ort Datum Teil-nehmer Zuschauerinsgesamt Spiele ø Top-Division HelsinkiStockholm 4. Mai 2012 – 20. Mai 2012 16 451.054 64 7.047 Division I A Ljubljana 15. April 2012 – 21. April 2012 6 61.551 15 4.103 Division I B Krynica-Zdrój 15. April 2012 – 21. April 2012 6 13.415 15 894 Division II A Reykjavík 12. April 2012 – 18. April 2012 6 5.708 15 380 Division II B Sofia 2. April 2012 – 8. April 2012 6 8.410 15 560 Division III Erzurum 15. April 2012 – 21. April 2012 6 2.301 15 153

Teilnehmer, Austragungsorte und -zeiträume

Top-Division: 4. bis 20. Mai 2012 in Helsinki, Finnland und Stockholm, Schweden Teilnehmer: , , , (Titelverteidiger), , (Aufsteiger), , (Aufsteiger), , , , , , , ,

Division I Gruppe A: 15. bis 21. April 2012 in Ljubljana, Slowenien Teilnehmer: , (erste Teilnahme seit 2010), (Absteiger), (Absteiger), , Gruppe B: 15. bis 21. April 2012 in Krynica-Zdrój, Polen Teilnehmer: (Aufsteiger), , , , (Aufsteiger),

Division II Gruppe A: 12. bis 18. April 2012 in Reykjavík, Island Teilnehmer: (Absteiger), , , , , (Absteiger) Gruppe B: 2. bis 8. April 2012 in Sofia, Bulgarien Teilnehmer: , , , (Aufsteiger), , (Aufsteiger)

Division III: 15. bis 21. April in Erzurum, Türkei Teilnehmer: , (Absteiger), , (erste Teilnahme seit 2010), (Absteiger; erste Teilnahme seit 2010),

Modusänderungen mini|Vergleich des bisherigen Formats (links) mit der neuen Regelung (rechts) anhand der Turniere der Herren-Weltmeisterschaft Erstmals seit den Herren-Weltmeisterschaften des Jahres 2001 wurden die Wettbewerbe einer weitreichenden Reform unterzogen. Zwar behalten die jeweiligen Divisionen ihre Teilnehmerstärke – die Top-Division spielt weiterhin mit 16 Mannschaften, die Divisionen I und II weiterhin mit zwölf und die Division III mit sechs –, jedoch ändern sich die Wettbewerbsformate grundlegend. Der Grund für die Reform, die auch im Bereich der U20- und U18-Junioren Einzug erhält, liegt darin, dass nach einer Studie der Internationalen Eishockey-Föderation IIHF zwischen 49 und 68 Prozent aller Spiele der Saison 2010/11 mit fünf oder mehr Toren Unterschied endeten.

In der Top-Division wurden die Zwischen- und Abstiegsrunde ersatzlos gestrichen. Statt wie bisher in vier Vorrundengruppen à vier Teams spielen die Mannschaften ab diesem Jahr in zwei Gruppen à acht Mannschaften. Die vier besten Mannschaften jeder Gruppe qualifizieren sich direkt für das Viertelfinale, das jeweils schlechteste Team jeder Gruppe tritt den Abstieg in die Division I an. Durch den Modus sollen die Teams, die im Verlauf der Vorrunde am konstantesten spielen, bevorzugt werden. Die Qualifikation für die Zwischenrunde kann dadurch ebenso nicht mehr von nur einem Spiel abhängig sein. Die Gesamtanzahl der Spiele erhöht sich von 56 auf 64 Partien.

In den Divisionen I und II werden die jeweils zwölf Mannschaften weiterhin in je zwei Gruppen zu sechs Teams aufgeteilt. Dies geschieht jedoch nicht mehr auf Grundlage der Weltrangliste, sodass beide Gruppen möglichst ausgeglichen aufgestellt sind, sondern einmalig auf Basis der Abschlussplatzierungen der Weltmeisterschaften des Jahres 2011. So spielen in der Gruppe A der Divisionen im ersten Jahr die sechs besser platzierten Teams, während sich in der Gruppe B die schlechter platzierten wiederfinden. In den folgenden Jahren erklärt sich die Gruppenzusammensetzung aufgrund der Auf- und Abstiegsregelungen von selbst.

Die Division III wird weiterhin in einer Gruppe mit sechs Mannschaften spielen, wobei je nach Anzahl der gemeldeten Teilnehmer eine optionale Qualifikation veranstaltet wird.

Durch die Modusänderungen betroffen sind auch die Auf- und Abstiegsregelungen der einzelnen Divisionen. Aus der Top-Division steigen die beiden Letzten der zwei Vorrundengruppen in die Division I A ab. Aus selbiger steigen die beiden Erstplatzierten zum nächsten Jahr in die Top-Division auf, während der Sechstplatzierte in die Division I B absteigt. Im Gegenzug steigt der Gewinner der Division I B in die Division I A auf. Aus der Division IB steigt ebenfalls der Letzte in die Division II A ab. Die Aufstiegsregelung der Division I B mit einem Auf- und Absteiger gilt genauso für die Divisionen II A und II B. Einen direkten Absteiger aus der Division III gibt es nicht. In Abhängigkeit von der Anmeldung neuer Nationalmannschaften müssen die zwei letztplatzierten Teams der Division III des Vorjahres mit den neu gemeldeten Nationen in der Qualifikation antreten, um die dann zwei freien Plätze auszuspielen.

Top-Division WM 2012 der Herren zentriert|150px|Logo der Weltmeisterschaft Anzahl Nationen 16 Weltmeister Silber Bronze Absteiger   Austragungsort(e) Helsinki, Finnland & Stockholm, Schweden Eröffnung 4. Mai 2012 Endspiel 20. Mai 2012 Zuschauer 451.054 (7.047 pro Spiel) Tore 376 (5,88 pro Spiel)  Bester Torhüter Ján Laco Bester Verteidiger Zdeno Chára Bester Stürmer Jewgeni Malkin MVP Jewgeni Malkin Topscorer Jewgeni Malkin (19 Punkte)

Die Weltmeisterschaft der Top-Division wurde vom 4. bis zum 20. Mai 2012 in der finnischen Hauptstadt Helsinki und der schwedischen Hauptstadt Stockholm ausgetragen. Gespielt wurde in der Hartwall Areena (13.349 Plätze) in Helsinki sowie dem Globen in Stockholm mit 13.850 Plätzen.

Die Weltmeisterschaft, aus deren Ergebnissen die letzte IIHF-Weltrangliste vor Beginn der Qualifikation zu den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi hervorging, war die abschließende Möglichkeit, sich als eine der neun besten Mannschaften nach Abschluss der WM direkt über die Weltranglistenplatzierung für die Winterspiele zu qualifizieren.

Vergabe Für die Austragung der Weltmeisterschaft des Jahres 2012 bewarben sich fünf Nationen – Finnland, Schweden, Tschechien, Ungarn und Dänemark. Die drei letzteren zogen ihre Bewerbung vor der Abstimmung bei der Jahrestagung des Eishockey-Weltverbandes IIHF am 11. Mai 2007 in Moskau zurück. Bewerber Stimmen Anteil (in %) 64 64,6 35 35,4 – – – – – –

Mit 64 zu 35 Stimmen wurde die Weltmeisterschaft an Finnland vergeben. Bei der IIHF-Jahrestagung 2009 gaben IIHF, Finnland und Schweden bekannt, dass die beiden Länder die Turniere der Jahre 2012 und 2013 jeweils gemeinsam veranstalten werden, da Schweden den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2013 erhalten hatte.

Finnland, der Weltmeister der Jahre 1995 und 2011, veranstaltet das Turnier erstmals seit 2003 wieder. Die Schweden, zuletzt Weltmeister und Olympiasieger im Jahr 2006, sind erstmals seit 2002 Gastgeber der Titelkämpfe. Die Spielorte sind die Hauptstädte Helsinki und Stockholm. Helsinki hat bereits fünf WM-Turniere veranstaltet. Stockholm war bereits achtmal Austragungsort der Welttitelkämpfe, zuletzt beim ersten finnischen Titelgewinn 1995. Erstmals seit 1930 wird die Weltmeisterschaft wieder in mehr als einem Land ausgetragen.

Teilnehmer Am Turnier nahmen die besten 14 Mannschaften der Vorjahres-Weltmeisterschaft sowie die Sieger der beiden Turniere der Division I des Vorjahres teil:

1 aus Asien Kasachstan(Aufsteiger aus der Division I) 13 aus Europa Belarus Dänemark Deutschland Finnland(Gastgeber; Titelverteidiger) Frankreich Italien(Aufsteiger aus der Division I) Lettland Norwegen Russland Schweden(Gastgeber) Schweiz Slowakei Tschechien 2 aus Nordamerika Kanada USA

Gruppeneinteilung Die Gruppeneinteilung der Vorrunde wurde auf Basis der nach Abschluss der Weltmeisterschaft 2011 aktuellen IIHF-Weltrangliste festgelegt. Aufgrund der Problematik, dass gemäß der Weltrangliste beide Gastgeber in der gleichen Gruppe gespielt hätten und eines der Teams somit die Vorrunde nicht in seinem Heimatland bestritten hätte, wurde die Gruppeneinteilung dementsprechend und gemäß der IIHF-Sportregularien angepasst:

Gruppe H (Helsinki) Gruppe S (Stockholm) Finnland (2) Russland (1) Kanada (4) Schweden (3) USA (6) Tschechien (5) Schweiz (7) Deutschland (8) Slowakei (10) Norwegen (9) Belarus (11) Lettland (12) Frankreich (14) Dänemark (13) Kasachstan (16) Italien (17) * In Klammern ist der jeweilige Weltranglistenplatz angegeben.

Modus Das 16-tägige Weltmeisterschaftsturnier war in zwei Phasen – Vorrunde und Finalrunde – gegliedert.

Die 16 Teams spielten nach ihrer Weltranglistenplatzierung zunächst in zwei Gruppen à acht Teams eine Vorrunde (Preliminary Round). Dabei wurden für einen Sieg nach regulärer Spielzeit von 60 Minuten drei, für einen Sieg in der maximal fünfminütigen Verlängerung oder im Penaltyschießen zwei und für eine Niederlage in der Verlängerung oder im Penaltyschießen ein Punkt vergeben. Bei einer Niederlage nach regulärer Spielzeit gab es keinen Punkt. Bei Punktgleichheit zwischen zwei Teams entschied der direkte Vergleich. Waren mehr als zwei Mannschaften punktgleich, entschieden folgende Kriterien. Waren nach einem dieser Kriterien nur noch zwei Mannschaften punktgleich, entscheidet wieder der direkte Vergleich: Anzahl Punkte aus den Spielen der punktgleichen Mannschaften gegeneinander, bessere Tordifferenz aus den Spielen gegeneinander, Anzahl Tore aus den Spielen gegeneinander Punkte, Tordifferenz und Tore gegen die nächstbessere, nicht punktgleiche Mannschaft (wenn möglich), Ergebnisse gegen die übernächstbessere, nicht punktgleiche Mannschaft (wenn möglich), Platzierung in der IIHF-Weltrangliste des Jahres 2011.

Die vier besten Mannschaften jeder Vorrundengruppe qualifizierten sich für das Viertelfinale und spielten im K.-o.-System mit folgendem Halbfinale und Finale die Medaillengewinner aus (Playoff Round). Die Nationen auf dem letzten Rang der jeweiligen Gruppe stiegen in die Division I ab.

Austragungsorte Helsinki, Finnland Stockholm, Schweden Hartwall AreenaKapazität: 13.665 GlobenKapazität: 14.119 x150px|Hartwall Areena x150px|Globen

Vorrunde Die Vorrunde der Weltmeisterschaft startete am 4. Mai in Helsinki mit der Partie zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich. Am Eröffnungstag folgten noch fünf weitere Spiele. Beendet wurde die Vorrunde am 15. Mai mit der Begegnung zwischen Gastgeber und Vizeweltmeister Schweden und Lettland in Stockholm. Am Schlusstag der Vorrunde wurden ebenfalls insgesamt sechs Partien ausgetragen. Dazwischen wurden an jedem Turniertag mindestens vier Partien ausgetragen.

Gruppe H