mini|Fahne des Demokratischen Kampuchea. Die Fahne mit den drei gelben Tempeltürmen wurde seit den 1950ern von verschiedenen Widerstandsgruppen verwendet. mini|Parteifahne der Kommunistischen Partei Kampucheas wurde von 1975 bis 1979 im Inland oft neben der Staatsflagge gehisst. Als Rote Khmer ( Khmêr-krâhâm; ) wurde neben anderen vor allem die Kommunistische Partei Kampucheas bezeichnet,United States Memorial Holocaust Museum: In 1960, a small group of Cambodians, led by Saloth Sar (later known as Pol Pot) and Nuon Chea, secretly formed the Communist Party of Kampuchea. This movement would become known as the Khmer Rouge, or “Red Khmers.” eine maoistisch-nationalistisch-rassistische Guerillabewegung, die 1975 unter Führung von Pol Pot in Kambodscha an die Macht kam und bis 1979 das Land totalitär als Staatspartei regierte.
Der Name leitet sich von der mehrheitlichen Ethnie Kambodschas, den Khmer, ab und wurde durch Prinz Sihanouk geprägt, der alle linksgerichteten Oppositionellen so nannte. In Kambodscha wurden die Mitglieder und Kämpfer der kommunistischen Partei nicht Rote Khmer genannt, sondern waren als Angka (Khmer: ausgesprochen ong ga) bekannt. Angka war die Frontorganisation der im Geheimen agierenden kommunistischen Partei.
Die kommunistische Partei wollte die Gesellschaft mit Gewalt in eine Art Agrarkommunismus überführen. Dieser Prozess umfasste auch die fast vollständige Vertreibung der Bevölkerung der Hauptstadt Phnom Penh und weiterer großer Städte und mündete im Genozid in Kambodscha, der weltweite Bekanntheit erlangte. Bis zum Ende ihrer Herrschaft 1979 fielen der kommunistischen Partei nach den verbreitetsten Schätzungen etwa 1,7 bis 2,2 Millionen Kambodschaner (Khmer und Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten) zum Opfer. Die kommunistische Partei („Zentrale“ genannt) übernahm schrittweise die Kontrolle über die anderen Organisationen der Roten Khmer. So wurden zum Beispiel die Führungspositionen der Streitkräfte der Khmer Rumdo (Östliche Zone) durch Vertreter der kommunistischen Partei um Ta Mok (Führer der kommunistischen Partei in der Südwestlichen Zone) ersetzt. Kommandeure, die sich weigerten, wurden von der kommunistischen Partei ermordet. Dies führte 1977 zu einem Bürgerkrieg zwischen den Zonen (siehe So Phim, Massaker in der östlichen Zone). Pol Pot sagte 1975 selber aus, dass nur vier der 15 Khmer-Rouge-Divisionen hinter der Partei stünden und die restlichen Divisionen auf Parteilinie gebracht werden müssten.The Guardian: It is unclear exactly how many cadres and innocents were rounded up in these operations, but at one point Pol Pot said he thought only four of the army’s 15 divisions were loyal and that the rest needed to be brought into line.
Nach ihrem gewaltsamen Sturz und der Zerschlagung ihres Regimes durch vietnamesische Invasionstruppen wurde die kommunistische Partei erneut zu einer Untergrundbewegung. Sie wurde bei ihrem Kampf gegen die vietnamesische Besatzungsmacht und die von ihr installierte Regierung der Volksrepublik Kampuchea von verschiedenen, auch westlichen Ländern unterstützt, bis sich die Nationalarmee des Demokratischen Kampuchea 1998 endgültig auflöste. Eine juristische Aufarbeitung hatte bis dato nicht stattgefunden. Die Vereinten Nationen (UN) begannen erst in den 1990er-Jahren, auf eine juristische Aufarbeitung zu drängen, und richtete das Rote-Khmer-Tribunal ein. Aufgrund eines Interessenkonflikts zwischen den UN und der Regierung Kambodschas fand der erste Prozess erst im Jahr 2007 statt.
Andere Rote Khmer beteiligten sich am Aufbau der von Vietnam geschaffenen Volksrepublik Kampuchea und Rote-Khmer-Kader besetzten bedeutende Positionen in der von Vietnam eingesetzten Regierung. Die von Rote-Khmer-Kadern wieder gegründete Kambodschanische Volkspartei berief sich auf die 1951 gegründete Partei gleichen Namens und distanzierte sich von der 1960 geschaffenen Arbeiterpartei um Pol Pot. Bis Juli 2023 wurde das Land von einem ehemaligen Rote-Khmer-Führer geprägt, dem Premierminister Hun Sen. Hun Sen konnte mit seiner Win-Win-Politik wesentliche Elemente der kommunistischen Partei in die kambodschanische Gesellschaft integrieren.
Abgrenzung und Unterteilung Die Verwendung des Begriffs Rote Khmer ist in der Geschichtswissenschaft uneinheitlich und umstritten, wobei die Roten Khmer in provietnamesische und prochinesische Gruppen unterteilt werden. Daneben gibt es Gruppierungen, die für oder gegen Prinz Sihanouk und seine Regierung kämpften.Ben Kiernan The American Bombardment of Kampuchea, 1969-1973, Seite 5: Further, a cease fire in Kampuchea would have prevented the Center consolidating what it called its “mastery over the revolutionary group(s) in every way”, which was far from complete. Sihanoukists. moderates, and pro-Vietnamese communists still predominated in the rural areas. Eine weitere Unterteilung kann zwischen Gruppierungen vorgenommen werden, die Pol Pot unterstützten, und solchen, die eher Sơn Ngọc Minh und damit Hanoi nahestanden.Dmitry Mosyakov The Khmer Rouge and the Vietnamese Communists, Institute of Oriental Studies, Russian Academy of Sciences, S. 51. Auch wird in der Literatur nicht zwischen Parteien wie der Kommunistischen Partei Kampucheas, der Pracheachon, der Revolutionären Volkspartei der Khmer, der Kambodschanischen Nationalen Einheitspartei oder der Partei des Demokratischen Kampuchea, Frontorganisationen wie der Angka, den bewaffneten Kräften wie der Kambodschanischen Revolutionsarmee, der Santebal oder der Nationalarmee des Demokratischen Kampuchea unterschieden. Meistens wird für diese und weitere Organisationen der Name Rote Khmer verwendet. Die Britannica z. B. definiert die Roten Khmer als den bewaffneten Arm der kommunistischen Partei, welcher 1967 gegründet wurde und welche das Land von 1975 bis 1978 regierte.Khmer Rouge, (French: “Red Khmer”) also called Khmers Rouges, radical communist movement that ruled Cambodia from 1975 to 1979 after winning power through a guerrilla war. It was purportedly set up in 1967 as the armed wing of the Communist Party of Kampuchea. Kelvin Rowley dagegen definiert die Roten Khmer als Democratic Cambodchia, welches bis 1999 existierte.Kelvin Rowley Second Life, Second Death: The Khmer Rouge After 1978
Ursprünge Historische Hintergründe mini|Der Tempelkomplex von Angkor Wat zeugt von der einstigen Macht der Khmer. Seine Silhouette wurde in die Fahne des Demokratischen Kampuchea aufgenommen. mini|Einflussgebiet des Khmer-Reiches und seiner Nachbarstaaten um 900. mini|Verwaltungszonen Demokratisches KampucheaRussell R. Ross (Hrsg.): Cambodia. A Country Study. Federal Research Division, 1990
Über Jahrhunderte war das Khmer-Reich eine führende Macht in Südostasien und erstreckte sich von China bis nach Malaysia und dem heutigen Myanmar. Doch die aus China immigrierten Tai-Völker und die Vietnamesen verdrängten schließlich die Khmer aus großen Teilen von Südostasien. 1860 war das Reich der Khmer auf ein kleines Gebiet des heutigen Kambodscha zurückgedrängt. Dieses Land stand kurz davor, zwischen den rivalisierenden Mächten Siam, dem heutigen Thailand, und Vietnam aufgeteilt zu werden. Nur die Intervention Frankreichs verhinderte, dass das Land von der Landkarte verschwand. Doch die französische Kolonialverwaltung sprach das Mekongdelta und Cochinchina Vietnam zu. Grenzverträge mit Siam schnitten khmersprachige Thai vom Land der Khmer ab.
Die französische Kolonialverwaltung benötigte ab 1908 große Gebiete im Mekong-Delta für die Errichtung von Kautschukplantagen. Sie versuchte, die geeigneten Gebiete unter französische Kontrolle zu bringen.Mark Cleary: Land codes and the state in French Cochinchina c. 1900–1940 Die ehemaligen Eigentümer der Ländereien wurden mit Grundstücken in Kambodscha entschädigt oder legten im Auftrag der Kolonialherren Plantagen im Osten Kambodschas an. Durch diese Maßnahme erhöhte sich die Zahl der landlosen Kambodschaner, da sie im Gegensatz zu den zugezogenen Vietnamesen über keine geeigneten Papiere für ihre Ländereien verfügten und damit ihr Eigentum aufgeben mussten. Unter anderem führten Spannungen um Land zwischen den zugewanderten Vietnamesen und Kambodschanern zum Samlaut-Aufstand.
Der Anteil der Landbevölkerung ohne Grundbesitz war in Kambodscha in den Jahren 1950 bis 1970 von 4 % auf 20 % gestiegen und erhöhte sich im Verlauf des Kambodschanischen Bürgerkriegs weiter. Vor allem aus dieser Gruppe, und hier insbesondere den Jugendlichen ohne Bindung an Dorfgemeinschaft oder Landeigentum, rekrutierten sich die Roten Khmer.Kiernan: The Pol Pot Regime. 2002, S. 7. Andererseits waren durch Grenzverschiebungen unter der Kolonialherrschaft von Französisch-Indochina im bis dahin ethnisch relativ homogenen Kambodscha bedeutende Minderheiten wie zum Beispiel Vietnamesen und muslimische Cham entstanden, die schlecht integriert waren und während des späteren Genozids aus nationalistischen Gründen besonders stark verfolgt wurden.Kiernan: The Pol Pot Regime. 2002, S. 5, 6. Die ersten vietnamesischen Siedler waren 1813 ins Land gekommen, nachdem der vietnamesische Herrscher Gia Long 10.000 Soldaten nach Phnom Penh entsandt hatte. Der Herrscher ermutigte Vietnamesen, sich in Kambodscha niederzulassen.Corfield: The History of Cambodia 2009, S. 17,18 Eine große Immigrationswelle startete jedoch unter der französischen Herrschaft nach 1880. Die vietnamesische Bevölkerung stieg von 4.500 im Jahr 1860 auf annähernd 200.000 im Jahr 1930.Schlesinger: Ethnic Groups of Cambodia, Volume 2: Profile of Austro Asiastic Speaking People 2014, S. 259 Da es vor der französischen Herrschaft kaum Verwaltungsstrukturen im Land gab, musste die Kolonialmacht einen neuen administrativen Apparat aufbauen und setzte dafür primär Vietnamesen ein. Dies schürte in Teilen der Bevölkerung Angst davor, von den Annamiten verdrängt zu werden, zumal diese auch im Militär dominierten. Der König der Khmer hatte wenig Einfluss auf das Land und keinerlei Einfluss auf die Verwaltung. Die Gegensätze zwischen der von China beeinflussten vietnamesischen Kultur und der von Indien beeinflussten Khmer-Kultur waren enorm. Die meisten Khmer lehnten eine indochinesische Föderation unter der Leitung einer vietnamesischen, kommunistischen Partei ebenso ab wie eine Union mit Vietnam während der französischen Kolonialzeit. Die meisten Khmer schauten eher nach Thailand, das ihnen kulturell näherstand.Henri Locard: State Violence in Democratic Kampuchea (1975–1979) and Retribution (1979–2004), Revue europe’enne d’Histoire, Ausgabe März 2005, S. 128 ff. Zwischen 1964 und 1975 beherrschten die Vietkong und nordvietnamesische Truppen einen großen Teil des Landes östlich des Mekongs. Sie benötigten Rückzugsgebiete im Kampf gegen das südvietnamesische Regime und die USA. Vietnamesische Truppen beherrschten Angkor Wat. Die Bombardierung dieser Gebiete durch die amerikanische Luftwaffe erzeugte einen Hass gegen die Vietnamesen. 1970 waren 65.000 vietnamesische Soldaten im Land stationiert. Die Bevölkerung bezahlte mit Flächenbombardements in einem Krieg, den sie nicht führen wollte.
Neben einer starken Armee hatte das Khmer-Reich auf einer effektiven Landwirtschaft basiert. Es waren gewaltige Bewässerungssysteme entstanden, um mehrere Ernten im Jahr zu ermöglichen. Mit dem Niedergang des Khmer-Reiches wurden die Bauern auf die Subsistenzwirtschaft zurückgeworfen und die Bewässerungssysteme verfielen. Dies interpretierten die Führer der Roten-Khmer dahingehend, dass die Khmer faul geworden seien. Die vietnamesischen, chinesischen, siamesischen und französischen Händler dominierten das wirtschaftliche Geschehen im Lande. Ziel der Rote-Khmer-Führer war das Wiedererstarken der Khmer-Nation im Sinne von Angkor. Es ist kein Zufall, dass die Khmer-Führer die Silhouette der alten Tempelanlage von Angkor Wat in ihre Fahne aufnahmen.
Entstehung der Roten Khmer