mini|290px|Heiligenbeil in der Nähe des Ostufers des Frischen Haffs, nordöstlich von Elbing und südwestlich von Königsberg i. Pr. auf einer Landkarte von 1910. Mamonowo (), deutsch Heiligenbeil ( oder Święta Siekierka, ), ist eine Stadt in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie hat Einwohner (Stand ).

Die Stadt ist Verwaltungssitz des Stadtkreises Mamonowo.

Geographische Lage Die Stadt liegt im Westen der historischen Region Ostpreußen, im Ermland, 3,6 Kilometer vom Frischen Haff, an der Mündung der Jarft () in die Bahnau (), etwa 50 Kilometer südwestlich von Königsberg (russisch Kaliningrad) und 13 Kilometer nordöstlich von Braunsberg (polnisch Braniewo).

Ortsname Dem Wortteil „-beil“ im deutschen Ortsnamen Heiligenbeil liegt das prußische Wort bila („Sprache“) zugrunde und nicht, wie das Wappen vermuten lässt, der Begriff bile, byle („Beil“). Der litauische Ortsname Šventapilė, der das litauische Wort pile („Burg“) enthält, ließe die Interpretation ‚heilige Burg‘ zu, doch ist eine solche nicht nachgewiesen.

Wappen

Historisches Wappen

Geschichte Mittelalter Bis 1272 befand sich hier eine Ansiedlung der Prussen namens Swento mest (prußisch swentas, swints: heilig/ mestan: Stadt), deren Name als „heilige Stadt“ und heidnische Verkündigungsstätte (prußisch bila: Sprache) gedeutet werden kann. Nach 1272 unterstand die Gegend dem Deutschen Orden. Die Stadt wurde 1301 unter dem Namen Heiligenstadt vom Deutschen Ritterorden mit kulmischem Recht in der Nähe der prußischen Kultstätte Swentomest gegründet. 1344 wurde der Name in Heiligenbil umgewandelt und 1349 eine Kirche eingeweiht. Die Endung „Beil“ stammt vom altpreußischen Begriff „bila“: Sprache, Predigt.

Die ersten Ordensritter waren per Schiff über das Frische Haff bereits 1238 am Ufer bei Balga gelandet. Heiligenbeil selbst lag nicht am Frischen Haff, doch entwickelte sich hier unterhalb der Stadt der Hafenplatz Rosenberg.

mini|290px|Historische Ansicht von Heiligenbeil

Neuzeit In den Jahren 1463, 1519, 1520, 1571, 1677 und auch im 19. Jahrhundert war die Stadt durch Feuersbrünste in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Einwohner ernährten sich hauptsächlich von bürgerlichen Gewerben oder Ackerbau. Bereits im 18. Jahrhundert gab es in der Stadt eine Lateinschule, an der drei Lehrer unterrichteten. Als die Große Pest in Ostpreußen wütete, blieb auch Heiligenbeil nicht verschont, obwohl die Soldaten des Herzogs von Holstein den Zugang streng reglementierten. Im Jahr 1710 fielen ihr über 1.100 Einwohner zum Opfer, fast zwei Drittel der Stadtbevölkerung. Mehrere Familien starben ganz aus.

Jahrhundertelang war Heiligenbeil ein geschätzter Produktionsstandort für Bier, das sogar bis nach Westpreußen, Danzig, Pommern und Polen exportiert wurde. Um 1700 gab es 150 Braustellen in der Stadt, bis 1900 verblieben noch die „Pennersche Klosterbrauerei“ und die „St. Georgsbrauerei“. Die Bäcker verfügten über Mehl von hoher Qualität, das für erstklassige Backwaren Verwendung fand: Heiligenbeiler Weißbrot war weithin – bis an den Hof in Berlin – bekannt.Geschichte von Mamonowo - Heiligenbeil

Von 1819 bis 1945 war Heiligenbeil die Kreisstadt des gleichnamigen Kreises.

20. Jahrhundert Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Heiligenbeil eine evangelische Kirche, eine römisch-katholische Kirche, eine Landwirtschaftsschule, ein Amtsgericht, eine Maschinenfabrik, einen Obstverwertungsbetrieb und Mühlenwerke. 1939 zählte Heiligenbeil 12.100 Einwohner.

Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erreichten die NSDAP und die mit ihr verbundene DNVP im Landkreis Heiligenbeil einen Anteil von 70 % (Reichsdurchschnitt 52 %). Von 1936 bis 1945 befand sich östlich von Heiligenbeil der Fliegerhorst Heiligenbeil. Nach 1939 wurde ein Außenarbeitslager des KZ Stutthof errichtet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kreisgebiet im Februar und März 1945 Kriegsschauplatz. Die nationalsozialistische Gauleitung unter Gauleiter Erich Koch unterließ die rechtzeitige Evakuierung der Bevölkerung und stellte selbständige Fluchtbewegungen unter schwere Strafe. In den Winterwochen zuvor flüchteten Hunderttausende völlig ungeordnet (unter anderem behindert durch die Wehrmacht) aus allen Teilen Ostpreußens – darunter auch der größte Teil der Bevölkerung des Kreises Heiligenbeil – über das Eis des Haffs auf die Frische Nehrung und von dort auf die rettenden Schiffe in Pillau oder auf dem Landweg der Nehrung nach Danzig.„Schickt Schiffe“. Zeit Online, 3/2005 Bei den Kriegshandlungen bildete sich der Heiligenbeiler Kessel. Nach wochenlangen Abwehrkämpfen der deutschen 4. Armee gegen mehrere sowjetische Armeen fiel Heiligenbeil. Am 29. März 1945 schifften sich die letzten deutschen Soldaten vom Haffufer unterhalb der Burgruine Balga in Richtung Pillau ein. Die fast symmetrisch angelegte Altstadt wurde vollständig zerstört.

Von den rund 53.000 Bewohnern des Kreises Heiligenbeil verloren ca. 20 Prozent ihr Leben durch Krieg, Flucht, Vertreibung, Deportation, Vergewaltigungen, Hunger, Krankheiten oder unmenschliche Behandlungen in nationalsozialistischen bzw. später sowjetischen Zwangslagern.

Nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde der Kreis, entgegen der ursprünglichen Planung, doch aufgeteilt. Die Sowjetunion nahm die nördliche Hälfte Ostpreußens, zu der auch die Stadt Heiligenbeil gehörte, in eigene Verwaltung, während die südliche Hälfte mit Ausnahme militärischer Sperrgebiete der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen wurde. Diese vorläufige Aufteilung in zwei Besatzungszonen wurde durch das Potsdamer Abkommen nicht verändert und am 17. Oktober 1945 bestätigt. Die Demarkationslinie zwischen diesen beiden Besatzungszonen verlief südlich einer horizontalen Linie von Leisuhnen, Heiligenbeil, Deutsch Thierau, Hermsdorf-Pellen, Zinten, Schwengels und Robitten. Alles, was nördlich davon lag, kam unter sowjetische Verwaltung. Die letzten noch im sowjetischen Teil verbliebenen Deutschen wurden 1948 ausgewiesen. Zahlreiche Dörfer wurden gänzlich aufgelöst, Häuser und Straßen sind verschwunden. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind Stadt und Region Teil Russlands.

Die Stadt Heiligenbeil wie auch viele Nachbarorte war bei Kriegsende fast vollständig zerstört. Nur Heiligenbeil selbst, das seit 1947 nach dem sowjetischen Oberstleutnant Nikolai Wassiljewitsch Mamonow (1919–26. Oktober 1944 in der Nähe von Pułtusk) Mamonowo heißt, erreichte wieder eine gewisse Größe und wird heute von rund 8000 Menschen bewohnt. Das neue Zentrum der Stadt liegt nordwestlich der alten im Bereich der allerdings nicht erhaltenen früheren katholischen Kirche, während die Altstadt Brachgelände ist. Fundamente und Straßenzüge sind kaum noch zu erkennen, Teile der evangelischen Kirche ragen neben einem Spielplatz hoch, ein paar Wohnblocks aus den 1960er oder 1970er Jahren wurden auf dem Gelände der Altstadt gebaut. Einzig erhaltenes Gebäude auf dem Gebiet der früheren Altstadt ist das der Heiligenbeiler Brauerei. Die Ruine befindet sich im südwestlichen Teil des Areals. Andere Kommunen in der Nachbarschaft von Mamonowo sind völlig unbedeutend geworden. Wegen seiner strategischen Bedeutung wurde der Ort ebenso wie Laduschkin vom Flottenstützpunkt Baltijsk aus verwaltet.Quelle?

Im Süden des alten Stadtgebiets befindet sich ein deutscher Soldatenfriedhof, der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wiederhergestellt und 2002 eingeweiht worden ist. Auf ihm liegen 4700 Gefallene (Stand 2002) vor allem der Kämpfe um den Kessel von Heiligenbeil.

Verwaltungsgeschichte in der sowjetischen Zeit Der Dorfsowjet Mamonowski selski Sowet (ru. Мамоновский сельский Совет) wurde im Juni 1947 im Rajon Laduschkin eingerichtet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Mit der (erneuten) Verleihung der Stadtrechte an Mamonowo im Jahr 1951 wurde daraus der Stadtsowjet Mamonowski gorodskoi Sowet (ru. Мамоновский городской Совет).Man findet allerdings die Bezeichnung Dorfsowjet auch noch in späteren Jahren. Nach der Auflösung des Rajons Laduschkin im Jahr 1962 gelangte der Stadtsowjet in den Rajon Bagrationowsk. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde der Stadtsowjet aufgelöst und im Jahr 1992 die städtische Administration Administrazija goroda Mamonowo eingerichtet (ru. Администрация города Мамоново). Im Jahr 2004 wurde der Bereich der Administration der Stadt Mamonowo in den Stadtkreis Mamonowo umgewandelt.

Zugehörige Orte: Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Baltijskoje (Балтийское) Deutsch Bahnaubis 1920 Polnisch Bahnau Der Ort wurde 1950 umbenannt und verlor (offenbar) 2004 seine Eigenständigkeit. Bogdanowka (Богдановка) Gnadenthal und Jürkendorfumbenannt wurde nur Jürkendorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pjatidoroschny eingeordnet. Krasnodonskoje (Краснодонское) Auerswalde und Keimkallen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Krasnoflotskoje (Краснофлотское) Rosenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 in die Stadt Mamonowo eingemeindet. Lipowka (Липовка) Gallingen, Grünwalde und Rosocken Die Orte wurden 1950 umbenannt. Mamonowo (Мамоново) Heiligenbeil Verwaltungssitz Pokrowskoje (Покровское) Steindorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Potjomkino (Потёмкино) Schirten Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Prigorkino (Пригоркино) Karben Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen Schtschukino (Щукино) Leisuhnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen. Selenodolskoje (Зеленодольское) Preußisch Bahnau Der Ort wurde 1947 umbenannt. Wawilowo (Вавилово) Bregden Der Ort wurde 1950 umbenannt.

Die drei im Jahr 1947 umbenannten Orte Kahlholz, Follendorf und Balga wurden zunächst ebenfalls in den Mamonowski selski Sowet eingeordnet, kamen dann (vor 1975) aber zum Pjatidoroschny selski Sowet. Auf einer Karte von 1972 sind in dem Bereich außerdem die Orte Sapadny (Schettnienen) und Warmity (Wermten) eingezeichnet, für die es bislang aber keine amtlichen Quellen gibt.

Demographie