mini|Angehörige der ERP-Guerilla (FMLN) während des Bürgerkriegs in El Salvador, 1990 mini|Ein Kämpfer der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams (1973)
Guerilla ([], ; ältere Form: Guerrilla; Verkleinerungsform zu spanisch guerra „Krieg“; wörtlich etwa „Kleinkrieg“Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.) bezeichnet zum einen eine besondere Form des Krieges, die verdeutlichend als Guerillakrieg oder Guerillakampf bezeichnet wird.Helga Jung-Paarmann: Guerillakrieg in Lexikon der Politik, München 2003.Vgl. Duden online: Guerillakrieg und Guerillakampf, siehe jeweils unter „Synonyme“. Der Begriff (die) Guerilla steht heute jedoch meistens für aufständische Einheiten, die einen Guerillakrieg gegen Besatzungsmächte oder auch gegen die eigene Regierung führen.Vgl. Duden online: die Guerilla, Bedeutung 2 und Guerillakrieg
Daneben existiert (der) Guerilla als veraltende Bezeichnung für einen einzelnen aufständischen Kämpfer (im Plural die Guerillas), wobei heute meistens andere Begriffe verwendet werden, etwa Guerillakämpfer, Widerstandskämpfer oder Partisan.Duden online: der Guerilla und Guerillakämpfer, siehe dort auch weitere Synonyme. Die spanische Bezeichnung für einen Guerillakämpfer ist guerrillero beziehungsweise weiblich guerrillera. Im Deutschen beziehen sich die Bezeichnungen Guerillero bzw. Guerillera in der Regel auf Untergrundkämpfer in Lateinamerika.Duden online: Guerillero und Guerillera. Duden verzeichnet auch hier nur die leicht eingedeutschte Schreibweise Gueri…; die Schreibweise Guerrillero bzw. Guerrillera (mit Doppel-r wie im Spanischen) wird in der Fachliteratur jedoch ebenso häufig verwendet. Eine Sonderform der Guerilla ist die Stadtguerilla.
Kennzeichnend für den Guerillakrieg sind verschiedene Taktiken, die zusammenfassend als Guerillataktik bezeichnet werden. Die Wahl bestimmter Taktiken hängt unter anderem von den Kräfteverhältnissen und der Phase des Aufstandes ab. Die Aufstandsbekämpfung erfordert besondere Maßnahmen („Anti-Guerilla-Kriegsführung“). Auch eine reguläre Armee kann Taktiken der Guerilla anwenden, insbesondere beim verdeckten Einsatz kleinerer militärischer Einheiten hinter den Linien des Feindes (siehe dazu Jagdkampf). Der Kampf regulärer Truppen gegen irreguläre, aber auch reguläre Truppen, zumeist in Afrika, aber auch in anderen Gebieten mit geringer Infrastruktur, wird auch als Buschkrieg bezeichnet.
Begriff Wortherkunft Das Wort Guerilla wurde Anfang des 19. Jahrhunderts über das französische guérilla aus dem spanischen guerrilla, einem Diminutivum (Verkleinerungsform) des spanischen guerra („Krieg“) entlehnt.Duden «Etymologie» – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989. Das spanische guerra geht, wie das französische guerre, auf das germanische *werra („Streit“) zurück, mit dem auch das althochdeutsche wërra („Verwirrung“, „Streit“), das mittelniederländische warre und das neuenglische war verwandt sind.Diccionario de la lengua española: guerra (spanisch)
Historischer Hintergrund war der Spanische Unabhängigkeitskrieg von 1807 bis 1814 gegen die französische Fremdherrschaft unter Napoleon. Als Ausgangspunkt für den späteren Gebrauch des Wortes wird das spanische partida de guerrilla genannt, das ungefähr „Spähtrupp“ bedeutet. In Deutschland wollte Friedrich Ludwig Jahn, der Turnvater, seine Turner als Guerilla gegen Napoleon führen.Arnd Krüger: Sport und Politik. Vom Turnvater Jahn zum Staatsamateur. Hannover: Fackelträger 1975.
In Spanien hat das Wort guerrilla aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation von Befreiung, ähnlich wie in Deutschland die Befreiungskriege oder der Begriff „Volkskrieg“, wie er in den frühen Denkschriften von Gneisenau beschrieben ist.
Bedeutung erlangten die Begriffe Guerilla und Guerillakrieg insbesondere im 20. Jahrhundert als Bezeichnung für sozial oder national begründete Befreiungs- und Unabhängigkeitskriege in weniger entwickelten Ländern, insbesondere zur Befreiung von den damaligen Kolonialmächten im Zuge der Dekolonisation.
mini|Ernesto „Che“ Guevara, wurde als einer der wichtigsten Kommandeure im Guerillakrieg der Kubanischen Revolution international bekannt, scheiterte jedoch bei seinen späteren Versuchen, seine militärischen Erfolge im Kongo und in Bolivien zu wiederholen.
Bedeutungen Die Bedeutung des Wortes Guerilla hängt auch vom grammatischen Geschlecht ab: die Guerilla: Guerillakrieg oder Guerillakampf, eine spezielle Art des Krieges. Diese ursprüngliche Bedeutung ist heute eine Nebenbedeutung, das heißt, das Wort Guerilla wird selten mit dieser Bedeutung verwendet. die Guerilla: aufständische Kampfgruppen, die einen Guerillakrieg führen. Dies ist heute im Deutschen die Hauptbedeutung. der Guerilla: einzelner Guerillakämpfer, Widerstandskämpfer, Untergrundkämpfer. In Europa werden irreguläre Einheiten gewöhnlich als Partisanen bezeichnet, im Kontext von antikolonialen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel als Guerilla. Die Bezeichnung Guerillero ist vor allem mit Bezug auf Lateinamerika üblich.
Ableitungen Vom Begriff abgeleitet sind unter anderem das Guerilla-Marketing in der Wirtschaft sowie „Guerilla-Aktionen“ im politischen Bereich, wozu zum Beispiel Kommunikationsguerilla oder Guerilla Gardening zählen.
Guerillakrieg
Guerillakrieg bezeichnet eine Kampfform irregulärer einheimischer Truppen gegen eine feindliche Armee beziehungsweise Besatzungsmacht oder aber – im Zusammenhang mit einem Bürgerkrieg – gegen die eigene Regierung. Militärische Auseinandersetzungen unter Parteien, die politisch, strategisch und waffentechnisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind, werden auch als asymmetrische Kriege bzw. Konflikte bezeichnet.
Beim Guerillakampf handelt es sich um eine „Waffe der Schwachen“ gegen einen militärisch, vor allem militärtechnologisch überlegenen Gegner. Voraussetzung für einen Guerillakampf ist die fehlende Hoffnung der Bevölkerung, ihre politischen und sozialen Forderungen mit politischen und rechtlichen Mitteln erreichen zu können, wie dies in einer Diktatur oder einem von einer fremden Macht besetzten bzw. dominierten Land der Fall ist. Entscheidend für den Erfolg der Guerilla ist der gleichzeitige, dem militärischen Kampf gleichwertige politische Kampf. In einer offenen Feldschlacht müsste die Guerillatruppe notwendig unterliegen, weil ihr die Ausrüstung einer konventionellen Armee fehlt und ihre Kämpfer meist über keine ausreichende militärische Ausbildung verfügen.
Merkmale Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als „rechtmäßiger Kombattant“. Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abhängig, ob es ihnen gelingt, die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort, zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet. Die klassische Landguerillatruppe operiert meist aus den Bergen oder aus Dschungelgebieten heraus, welche beide optimales Rückzugsgebiet bilden.
Die Guerillabewegung ist typischerweise auf die Unterstützung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt. Wenn der Grund für den Kampf der Guerilla politische oder soziale Missstände sind, die einen großen Teil oder die Mehrheit der Bevölkerung betreffen, ist deren Unterstützung üblicherweise freiwillig. Mao Zedong beschrieb dies mit der Metapher „Der Revolutionär schwimmt im Volk wie ein Fisch im Wasser“. In den bekannteren Guerillakriegen des 20. Jahrhunderts war dies meistens der Fall – wo die Unterstützung der Bevölkerung nicht gegeben war, war auch der Versuch eines Guerillakampfs meist schnell zum Scheitern verurteilt. So fand Che Guevara bei dem Versuch, die Revolution 1966 auch nach Bolivien zu tragen, kaum Unterstützung durch die indigene Bevölkerung. Das Vorhaben endete mit der fast vollständigen Aufreibung der Guerilla und schließlich seiner Gefangennahme und Exekution durch Regierungstruppen. Ausnahmen bilden Guerillaarmeen, die starke Unterstützung aus einem anderen Land erfahren, etwa die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams („Vietcong“) durch Nordvietnam während des Vietnamkriegs oder die von den USA unterstützten Contra-Rebellen im Contra-Krieg gegen die linke Regierung Nicaraguas ab etwa 1980.
Als typische Merkmale gelten in der Politikwissenschaft: Die Einheit von Guerillas und Teilen der Zivilbevölkerung. Die Bevölkerung billigt den Guerillakrieg, unterstützt diesen oder nimmt aktiv daran teil. Die Beschaffung von Waffen vor allem aus den Beständen des militärischen Gegners. Die Basis und Hauptstützpunkte bilden meist ländliche Gebiete. Städte werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Guerillakrieges in Kampfhandlungen einbezogen. Traditionelle Kampfformen regulärer Streitkräfte bleiben weitgehend unwirksam. Daher können Guerillas auch einem zahlenmäßig und waffentechnisch überlegenen Feind gewachsen sein.
Typische Eskalationsstadien Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:
Der Guerillakampf beginnt als Aufstandsbewegung, also ohne oder mit nur schwacher eigener Bewaffnung. Typischerweise verfügen die Guerilleros in dieser Phase nur über Handfeuerwaffen wie Pistolen, Karabiner oder Sturmgewehre, Handgranaten und leichte Granatwerfer, also von Fußtruppen tragbare Infanterie-Waffen. Die Waffenbeschaffung erfolgt meist durch Überfälle auf gegnerische Militäreinheiten oder -einrichtungen, Waffenkauf von korrupten Funktionären der gegnerischen Regierungstruppen, oder in manchen Fällen auch durch Lieferungen aus dem Ausland – letzteres insbesondere, wenn die Guerilla von einem anderen Staat unterstützt wird, wie etwa die Contra-Rebellen in Nicaragua durch die USA, oder seit 2011 die Rebellen im Syrischen Bürgerkrieg. Die Kämpfer sind keine Soldaten und verfügen häufig nicht einmal über eine militärische Ausbildung. Sie sind Teil der Zivilbevölkerung und werden auf Grund ihrer politischen Ziele durch diese unterstützt. In dieser Phase können Guerilla-Einheiten keine strategischen Erfolge erringen, also etwa strategisch wichtige Gebiete dauerhaft besetzen, sondern müssen sich stets wieder zurückziehen. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung ist die Guerilla zum Scheitern verurteilt. Das unterscheidet die Guerilla vom Terrorismus, der auch ohne Unterstützung der Bevölkerung auskommt. Bei regionalen, dann aber nur stationären Erfolgen ist die Transformation zu einem Warlord-System möglich. Die offensive Phase des Guerillakampfes ist dadurch gekennzeichnet, dass die Mobilität des Gegners eingeschränkt ist. Die Regierungs- oder Besatzungstruppen verfügen nur noch über strategisch wichtige befestigte Stützpunkte und können sich außerhalb dieser nur noch eingeschränkt bewegen. In dieser Phase übernimmt die Guerilla-Bewegung die Initiative und organisiert sich typischerweise in größeren Kampfeinheiten mit fester Struktur. Zur Erreichung strategischer Ziele müssen die Guerilla-Einheiten die Form einer zentral gelenkten Armee annehmen. Sie treten damit aus der taktischen, defensiven Phase in eine strategisch offensive Phase ein. Es entsteht eine Revolutionsarmee.
Erfolgreiche Guerillakriege Der Guerillakrieg gilt als Kampfform von Befreiungsbewegungen. Als erfolgreiche Beispiele werden in der Politikwissenschaft genannt: Marokko (1921–1927, vgl. Rifkrieg) China (1927–1949, vgl. Chinesischer Bürgerkrieg) Indonesien (1945–1949, vgl. Indonesischer Unabhängigkeitskrieg) Algerien (1954–1962, vgl. Algerienkrieg) Kuba (1956–1959, vgl. Kubanische Revolution) Vietnam (1946–1975, vgl. Indochinakrieg und Vietnamkrieg) Nicaragua (1961–1979, vgl. Nicaraguanische Revolution) Afghanistan (1979–1988, vgl. Sowjetische Intervention in Afghanistan)