alternativtext=Flagge Vorpommerns|mini|Flagge Vorpommerns mini|Vorpommern im Jahr 1934 und Landkreise bis 2011Vorpommern ist der Name einer Region im Nordosten Deutschlands und im Nordwesten Polens.

Die Region ist als Lebensort und Urlaubsziel für ihren Wasserreichtum bekannt. An der Ostseeküste gibt es zahlreiche Seebäder, vor allem auf den beiden Inseln Rügen und Usedom, sowie die artenreichen Lagunen z. B. im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit reichhaltiger Natur.

Lage Im südlichen Ostseeraum gelegen, grenzt Vorpommern im Osten an Hinterpommern, im Westen an Mecklenburg und im Südosten an Brandenburg. Bedeutende Städte Vorpommerns sind Stralsund, Greifswald, Stettin (Szczecin) und Swinemünde (Świnoujście). Der größte Teil der Region Vorpommern ist Bestandteil des Landes Mecklenburg-Vorpommern und bildet in etwa dessen östliches Drittel. Ein kleiner Teil Vorpommerns, das Amt Gartz (Oder) sowie das nördlich von Welse gelegene Teilgebiet der Stadt Schwedt/Oder (d. h. die ehemalige Stadt Vierraden und die ehemalige Gemeinde Hohenfelde), liegt im Land Brandenburg. Der dritte Teil Vorpommerns gehört zur polnischen Woiwodschaft Westpommern; er umfasst den sogenannten Stettiner Zipfel (Kreis Pölitz (Powiat Police) und kreisfreie Stadt Stettin (Szczecin)), den polnischen Abschnitt der Insel Usedom (Uznam), die Insel Wollin (Wolin) mit der kreisfreien Stadt Swinemünde (Świnoujście) sowie die Stadt und Gemeinde Gollnow (Goleniów).

Begriff und Grenzen Unter Vorpommern, bis zum 19. Jahrhundert teils auch Vorderpommern genannt,Zeitschrift für Schul-Geographie, Bände 13–14, 1892, S. 67, verstand man (im Gegensatz zu Hinterpommern) spätestens seit dem Westfälischen Frieden 1648 den Teil Pommerns, der westlich der Oder liegt, also – anders als heute – inklusive der Hauptstadt Stettin. Durch die nach dem Zweiten Weltkrieg gezogene und 1950 vereinbarte Grenze, die ab Mescherin die Oder verlässt und weiter westlich führt, kam das Gebiet zwischen ihr und der Oder einschließlich der Insel Wollin, der Stadt Swinemünde auf Usedom und Stettin sowie des sogenannten Stettiner Zipfels zu Polen, das auf diese Weise die Kontrolle über die wirtschaftlich und strategisch bedeutende Odermündung erhielt. Der Stettiner Zipfel wurde von der von dort stammenden deutschen Bevölkerung so genannt, um zu verdeutlichen, dass dieser Teil von Vorpommern historisch nicht zu Hinterpommern gehörte, obwohl er seit dem Krieg zu Polen gehört. Der Begriff Vorpommern wird heute allgemein für den deutschen Teil Pommerns verwendet.

Die einstige Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern ist seit der Verwaltungsreform von 1952 in der DDR weitgehend verloren gegangen. Mit der Kreisgebietsreform 2011 hat man sich dem einstigen Grenzverlauf nur teilweise wieder angenähert. In ihrem Verlauf lebt sie als Grenze zwischen den evangelischen Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern in der Nordkirche sowie zwischen den katholischen Erzdiözesen Hamburg und Berlin bis heute fort.

Der Originalverlauf der historischen Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern, die in weiten Teilen durch das Mecklenburgisch-Vorpommersche Grenztal verläuft, ist im Folgenden beschrieben:

Bis 1937 gehörte zudem noch die Exklave Zettemin bei Stavenhagen zur Provinz Pommern. Durch das von der Reichsregierung Hitler erlassene Groß-Hamburg-Gesetz gehört sie seit dem 1. April 1937 aber zu Mecklenburg. Auch sonst ist die bereits seit dem Spätmittelalter faktisch festliegende Grenze im Detail erst durch Staatsverträge zwischen Mecklenburg und Preußen im 19. Jahrhundert endgültig festgelegt worden. So verlief in Wolde bei Altentreptow die Grenze bis 1873 mitten durch den Ort.

Heutige Landkreisgrenzen Für die Kreisreform Mecklenburg-Vorpommern 1994 gab es Entwürfe, die Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern mit den neuen Landkreisen wiederaufleben zu lassen. Diese wurden aber nicht umgesetzt. Mit der Kreisgebietsreform Mecklenburg-Vorpommern 2011 näherte man sich wieder etwas stärker den historischen Grenzen an, ohne jedoch den genauen Verlauf nachzubilden. Der Name des Landesteils Vorpommern findet sich nunmehr in zwei Landkreisen wieder: Vorpommern-Rügen Vorpommern-Greifswald

So verläuft die alte Landesgrenze heute durch den Landkreis Vorpommern-Rügen, dessen westlicher kleinerer Teil inklusive des Stadtteils Ribnitz von Ribnitz-Damgarten eigentlich zu Mecklenburg gehört, und durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, dessen nordöstlicher Teil zwischen Demmin und Altentreptow – das sogenannte Demminer Land – historisch betrachtet zu Vorpommern gehört, sowie auch kurz durch den Landkreis Vorpommern-Greifswald, wo ein kleines Gebiet im Südwesten – die Friedländer Große Wiese und Gehren (heute Ortsteil von Strasburg) – eigentlich ein Teil Mecklenburgs war. Außerdem, ein weiterer Teil dieses Landkreises – das Gebiet um Löcknitz – ist historisch ein Teil der Mark Brandenburg. Ein kleiner Teil Vorpommerns (das Amt Garz (Oder) sowie das nördlich von Welse gelegene Teilgebiet der Stadt Schwedt/Oder d. h. die ehemalige Stadt Vierraden und die ehemalige Gemeinde Hohenfelde) gehört hingegen heute zum Landkreis Uckermark des Landes Brandenburg.

Geografie hochkant=1.4|mini|Vorpommersche Landschaft bei Velgast Die Landschaft Vorpommerns wird vor allem durch Küsten, Inseln und Bodden geprägt. Sie nehmen den größten Teil der Küste von Mecklenburg-Vorpommern ein. Typisch ist eine ausgeprägte „Doppelküste“, bei der vorgelagerte Inseln sogenannte Bodden vom offenen Meer trennen, die in dieser Form eine einmalige Landschaft darstellen. Mit Rügen und Usedom gehören die beiden größten deutschen Inseln zu Vorpommern.

Größte Städte in Vorpommern sind die rund 35 km voneinander entfernten und etwa gleich großen Hansestädte Stralsund und Greifswald. Stralsund ist auch heute noch die wirtschaftlich bedeutendste Stadt, Greifswald hingegen geistiges und gerichtliches Oberzentrum mit vielen Landesgerichtsbarkeiten und einer Universität.

Die Städte Stralsund und Greifswald bilden zusammen nach Rostock das nach Einwohnern zweitgrößte Oberzentrum Mecklenburg-Vorpommerns. Außerdem hat das Gebiet die zweitgrößte Bevölkerungsdichte der vier Planungsregionen des Landes.mini|Berliner Nordbahn (1873)In Vorpommern liegen drei Nationalparks und drei Naturparks: Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft Nationalpark Jasmund Nationalpark Wolin Naturpark Am Stettiner Haff Naturpark Flusslandschaft Peenetal Naturpark Insel Usedom

Die östliche Uferregion des Kummerower Sees gehört zum Naturpark Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See.

Geschichte

mini|Pommersches Landesmuseum in Greifswald – Geschichte, Kunst und Archäologie Der Name Pommern ist die eingedeutschte Form von PomorjePommersche Landschaft.de und ist slawischer Herkunft: po more – „am Meer“.Oswald Jannermann: Slawische Orts- und Gewässernamen in Deutschland. 2009, S. 56.

Der Name Vorpommern geht auf die zweite Teilung Pommerns in die Herzogtümer Pommern-Wolgast (Vorpommern) und Pommern-Stettin (Hinterpommern) 1532 zurück. Während 1295 noch eine Teilung in ein nördliches (Pommern-Wolgast) und ein südliches Herzogtum (Pommern-Stettin) erfolgte, entstanden 1532 erstmals ein westlicher und ein östlicher Landesteil. Nach dem Westfälischen Frieden (1648) umfasste Vorpommern den zum Königreich Schweden gehörenden Teil Pommerns einschließlich der gesamten Odermündung mit der Stadt Stettin und dem alten Bischofssitz Cammin.

Der Teil Vorpommerns südlich der Peene mit Stettin und den Odermündungsinseln Usedom und Wollin kam 1720 zu Preußen. Hierfür bürgerte sich später die Bezeichnung Altvorpommern ein. Der nördliche Teil hingegen stand von 1715 bis 1721 unter dänischer Militärverwaltung,Martin Meier: Vorpommern nördlich der Peene unter dänischer Verwaltung 1715 bis 1721. 2008 gehörte jedoch bis zum Kieler Frieden von 1814 zu Schweden (Schwedisch-Pommern, auch „Neuvorpommern“), wurde dann Dänemark als Ersatz für Norwegen zugesprochen, was aber nie praktische Konsequenzen hatte, weil Dänemark die von Schweden geforderten Kriegsentschädigungen nicht zahlen konnte. Deshalb verhandelte man auf dem Wiener Kongress weiter und das Gebiet kam im Herbst 1815 zu Preußen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die „Westverschiebung Polens“. Vorpommern kam zum allergrößten Teil zur Sowjetischen Besatzungszone und wurde mit Mecklenburg zum Land Mecklenburg-Vorpommern vereinigt. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland befahl 1947 die Umbenennung des Landes in Mecklenburg, um den Begriff Pommern aus dem offiziellen Sprachgebrauch zu tilgen. Nach Gründung der DDR 1949 wurde bei der Verwaltungsreform von 1952 der Landesteil Vorpommern vorwiegend Teil der Bezirke Rostock und Neubrandenburg. Zum Bezirk Frankfurt (Oder) kam der südliche Zipfel, der sich weitgehend mit dem heutigen Amt Gartz (Oder) deckt.

mini|Bevölkerungsveränderung in Vorpommern von 2002 bis 2007 Vorpommern wurde 1990 Teil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Da die Neubildung der Bundesländer in der DDR entlang bestehender Kreisgrenzen vollzogen wurde, verblieb das eigentlich pommersche Gartz in Brandenburg, während zum Beispiel die uckermärkischen – und somit eigentlich brandenburgischen – Strasburg und Löcknitz sich in einer Volksabstimmung für den Verbleib beim Landesteil Vorpommern in Mecklenburg-Vorpommern entschieden haben.

Um die getrennten Gebiete Hinter- und Vorpommerns wieder näher zueinander zu bringen, wurde im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit die Euroregion Pomerania gegründet. Der Beitritt Polens zum Schengen-Raum und auch der geplante Beitritt des Landes zum Euro-Raum tragen überdies dazu bei, das Trennende zwischen den beiden Teilen Pommerns zu überwinden.

Mit der Kreisgebietsreform 2011 wurde die Verwaltungsgliederung in Mecklenburg und Vorpommern von Grund auf neu geordnet. Der mecklenburgisch-pommersche Mischkreis Demmin wurde zweigeteilt und der größte Teil Vorpommerns in die beiden neuen Landkreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald eingeteilt. Auch bei dieser Gebietsreform wurde der über 600 Jahre lang nahezu unverändert gebliebene Grenzverlauf zwischen Pommern und Mecklenburg weitgehend außer Acht gelassen.

Die Landkreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald in Deutschland bilden heute als Regionaler Planungsverband Vorpommern einen von vier Teilräumen für die regionale Landesplanung in Mecklenburg-Vorpommern.Regionaler Planungsverband Vorpommern

Bildung mini|Die Universität Greifswald ist die älteste Universität Pommerns und war die zweite Universitätsgründung im Ostseeraum. Die 1456 von den Pommernherzögen (Greifen) gegründete und reich ausgestattete Universität Greifswald ist nach Rostock die zweitälteste Hochschule im Ostseeraum und eine der ältesten deutschen Universitäten. Wegen der geopolitischen Lage und der Verbindungen nach Schweden zur Zeit Schwedisch Pommerns war die Universität eine wichtige Kulturbrücke zu den skandinavischen Ländern. Für die Provinz Pommern war sie zugleich die (einzige) Landesuniversität. Namensgeber war von 1933 bis 2018 der vorpommersche Schriftsteller Ernst Moritz Arndt. In Stralsund befindet sich die 1991 gegründete Hochschule Stralsund.

Wirtschaft Die Region lebt überwiegend vom Tourismus, vor allem auf den Inseln Rügen, Hiddensee, Usedom und den Halbinseln Darß und Zingst. Auch die Landwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil, ebenso der Schiffsbau: in Stralsund die Volkswerft Stralsund, in Wolgast die Peene-Werft und in Greifswald die HanseYachts. Ein weiterer Industrie- und Technologiestandort ist das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes bei Lubmin am Greifswalder Bodden. In der Ueckermünder Heide befindet sich mit der Eisengießerei Torgelow eine der modernsten Gießereien Europas.