Die Hansestadt Demmin [] ist eine Kleinstadt im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Seit der Kreisgebietsreform 2011 gehört sie zwar zum Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, betont aber stets ihre Zugehörigkeit zu Vorpommern. Sie ist eines der 18 Mittelzentren im Land.
Die Stadt gehört zu den ältesten Orten Pommerns. Durch ihre vielen Gewässer und die umgebende Landschaft ist die Region Demmin ein beliebtes Urlaubsziel, vor allem für Naturtouristen. In Demmin fließen die drei Flüsse Peene, Trebel und Tollense zusammen. Die Peene fließt vom nahen Kummerower See durch Demmin bis in die Ostsee.
Geographie Geographische Lage
Demmin liegt im vorpommerschen Tiefland am Zusammenfluss der Flüsse Peene, Tollense und Trebel, die zusammen ein Gewässerkreuz bilden. Das Gebiet wird touristisch gerne Dreistromland (in Anlehnung an das antike Zweistromland) genannt. Kummerower See und Stettiner Haff (Oderhaff) sind auf der Peene per Schiff zu erreichen, Neubrandenburg über Altentreptow auf Nebenstraßen und Radwanderwegen.
Nördlich von Demmin erstreckt sich auf etwa 174 Hektar das als Drosedower Wald und Woldeforst bezeichnete Waldgebiet. Hier liegt auch das 103 Hektar große Naturschutzgebiet Kronwald. Westlich befindet sich am linken Ufer der Peene das Devener Holz und am rechten Ufer die Vorwerker Schweiz. Im Osten der Stadt liegen die Sandbergtannen und im Südosten der Vorwerker Wald.
Stadtgliederung mini|Rathaus
Zu Demmin gehören folgende Ortsteile:§ 13 Hauptsatzung der Hansestadt Demmin. (PDF; 449 kB) verwaltungsportal.de; abgerufen am 18. Oktober 2020. Demmin Deven Drönnewitz Lindenfelde Randow Seedorf Waldberg Wotenick
Außerdem existieren im Stadtgebiet folgende Wohnplätze und Siedlungen: im Norden: Meyenkrebs, Adolfshof, Erdmannshöhe, Wendeforst und Wotenick Ausbau im Osten: Karlshof, Siebeneichen, Jägerhof im Süden: Vorwerk, Neu Vorwerk, Klenz im Westen: Devener Hof, Siedlung am Devener Holz, Stadtrandsiedlung, Stuterhof, Eichholz
Nachbargemeinden Im Norden grenzt das Stadtgebiet an Nossendorf und Loitz, im Osten an Kletzin, Siedenbrünzow und Utzedel, im Süden an Beggerow, Borrentin und Schönfeld sowie im Westen an Warrenzin.
Geschichte Name Möglich ist die Herkunft des Namens vom slawischen Begriff timänie, was so viel wie „morastige Gegend“ bedeutet. Möglich ist aber auch die Herkunft vom Altpolabischen dym (Mehrzahl dyminy) für „Rauch, Dunst“ auf Grund der damaligen Brandrodungen oder des für Niederungen typischen Nebels. Adam von Bremen berichtete 1075 von der umkämpften Burg Dimine. Der Name wandelte sich unter anderem von Dymine zu Dimin, latinisiert zu Dyminium, schließlich zu Demmyn und 1320 zu Demmin.
Nach einer Sage war es aber ganz anders: Zwei Prinzessinnen, welche die Burg Haus Demmin erbauten, gelobten sich gegenseitig: „Dat Hus is din und min.“ Daraus soll der Name der Burg und damit der Stadt entstanden sein.Der Name Demmin – Sage zur Namensgebung. In: Die Volkssagen von Pommern und Rügen. 1840, S. 171.
Vorgeschichte Um 5500–4900 v. Chr. breitete sich die jungsteinzeitliche Bandkeramische Kultur oderabwärts in die Gegend östlich von Demmin aus. Als Zeugnisse der Trichterbecherkultur sind 119 Megalithanlagen im Kreisgebiet nachgewiesen. Von diesen sind 56 zumindest noch teilweise erhalten. Die überwiegende Zahl davon sind 37 Großdolmen. Dass sich auch noch sechs Urdolmen erhalten haben, weist auf eine jener Regionen hin, in denen der Bau dieser Anlagen seine Wurzeln hatte. Für die nachfolgende Zeit sind die Grabhügel und die Schalensteine, von denen im Kreis Demmin zwölf erhalten sind, kennzeichnend. Ab etwa 1800 v. Chr. erfolgte die Besiedlung der Gegend durch frühgermanische Bevölkerungsgruppen.
Mittelalter mini|Haus Demmin mini|hochkant|Luisentor, Teil der mittelalterlichen Wehranlage, im Hintergrund St. Bartholomaei
In den Wäldern um Demmin gab es bereits im 8. Jahrhundert slawische Siedlungen der Wilzen. Karl der Große führte sein Heer während der Sachsenkriege 789 bis an die Peene gegen die mit den Sachsen verbündeten Wilzen. Deren Fürst Dragowit, dessen Burg bei Vorwerk (Demmin) gestanden haben soll, unterwarf sich und versprach Tributzahlungen. Im Ringen der Wilzen und Franken um diese Region, die durch die Kreuzung von Flüssen und später auch Handelsstraßen für eine Siedlung sehr geeignet war, entstand zunächst eine Grenzburg, die von den liutizischen Zirzipanen am Anfang des 10. Jahrhunderts errichtet wurde und später den Namen Haus Demmin erhielt. Diese Burg kontrollierte den Ostteil Zirzipaniens, das sich im Westen bis Güstrow erstreckte und dessen Hauptburg Teterow war.
Bald entwickelte sich im Schutz der Burg ein Handelsplatz. Der Chronist Adam von Bremen beschrieb 1075 diesen in einem Bericht als „bedeutende Stadt“ (civitas maxima). In seiner Beschreibung von Jumne berichtete er: „Von jener Stadt schifft man mit kurzer Fahrt zur Stadt Dymin, welche an der Mündung des Peeneflusses liegt, wo auch die Rhunen (Ranen) wohnen.“Karl Goetze: Geschichte der Stadt Demmin. S. 3. Wegen dieser fehlerhaften Ortsangabe vermutete der Historiker Gustav Kratz, dass hier Demmin mit Wolgast verwechselt wurde,Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. A. Bath, Berlin 1865, S. 114, Anm. 1; . was ein Hinweis wäre, dass beide Orte grundsätzlich bekannt waren.
Seine zweite Missionsreise führte Otto von Bamberg 1128 nach Demmin (Timina civitas Pomeraniae), wo er den Herzog Wartislaw I. traf und in einer alten Burg (vetus castellum) außerhalb des Ortes übernachtete.Karl Goetze: Geschichte der Stadt Demmin. S. 4. Die pommersche Burg Demmin wurde am 14. Oktober 1140 erstmals in der Bestätigungsschrift des Papstes Innozenz II. für das pommersche Bistum urkundlich erwähnt.Robert Klempin: Pommersches Urkundenbuch. Band 1, 1. Abteilung, S. 12. Während des Wendenkreuzzuges 1147 wurde Demmin vom deutsch-dänisch-polnischen Kreuzzugsheer belagert, konnte aber eine Eroberung abwenden, indem es auf die Missionierung durch Otto von Bamberg verwies.
Die Söhne Wartislaws Bogislaw I. und Kasimir I., die ab 1156 regierten, wählten Demmin als eine ihrer Residenzen. Am 6. Juli 1164 kam es zur Schlacht bei Verchen zwischen Lutizen und einem dänisch-sächsischen Heer. Die unterlegenen Slawen setzten Demmin in Brand und zogen sich ins Landesinnere zurück. In den folgenden Jahrzehnten erfolgte eine zunehmende deutsche Besiedlung im Zuge der Ostkolonisation. 1178 bis 1180 unternahmen die Pommernherzöge drei Feldzüge in die Lausitz und das Land Jüterbog, die dabei schwer verwüstet wurden. Im Spätherbst 1180 erfolgte der Gegenschlag der Gegner und der brandenburgische Markgraf Otto I. belagerte Demmin. Bei den Kämpfen fiel vermutlich Kasimir I. und Bogislaw I. regierte nun allein. Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1181 wurde Bogislaw I. deutscher Reichsfürst. Ab 1211 kam das Gebiet unter dänische Lehnsabhängigkeit, und nach 1227 wurde es brandenburgisches Lehen.
Um 1236 wurde die Stadt planmäßig mit gitterförmigem Straßennetz angelegt, die zudem mit einem Mauerring und fünf Toren umgeben wurde. Zwischen 1236 und 1249 erhielt Demmin Lübisches Recht.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte deutscher Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 735; .
1264 erlosch diese Linie Pommern-Demmin mit dem Tod Wartislaws III., eines Enkels von Bogislaw I.
Ende des 13. Jahrhunderts hatte der pommersche Marschall Henning von Winterfeld, Herr auf den Burgen Osten und Wolde, auch die Burg Demmin inne. Die gotische Stadtkirche St. Bartholomaei in der Altstadt wurde erstmals 1269 erwähnt.
An der schiffbaren Peene ist die Stadt Umschlagplatz von zumeist landwirtschaftlichen Produkten. 1283 trat Demmin der Hanse bei und erhielt durch die pommerschen Herzöge Wartislaw IV. und Otto I. am 27. September 1320 die Zollfreiheit. Im 14. und 15. Jahrhundert schloss Demmin enge Bündnisse mit Stralsund, Greifswald und Anklam. 1452 gelang es diesen Städten, durch das herzogliche Goldene Privileg große Macht und städtische Freiheit zu erreichen.
Im Ersten Rügischen Erbfolgekrieg wurde Demmin im Juli 1327 durch mecklenburgische Truppen belagert. 1358 nahmen Demminer Boten am Hansetag teil. 1394 stellte Demmin zusammen mit den anderen Städten ein Kontingent für die Flotte gegen die Vitalienbrüder.
Schwerere Stadtbrände zerstörten Demmin 1407 zur Hälfte und 1495 fast vollständig. 1499 erwarb die Stadt den Pfandbesitz am Dorf Deven.
1534 wurde in Pommern die Reformation eingeführt. 1546 und 1547 wurden die Demminer Stadtbefestigung verstärkt sowie zusätzliche Wälle angelegt.
17. Jahrhundert mini|Ansicht um 1611 aus der Stralsunder Bilderhandschrift mini|Ansicht von 1617 auf der Lubinschen Karte Das 17. Jahrhundert brachte der Stadt den nahezu vollständigen Ruin. Demmin wurde fünfmal belagert und dreimal niedergebrannt.
Demmin schied 1607 aus der Hanse aus. Aufgrund der starken Konkurrenz aus England und Holland zerbrach der Hansebund. Vor 1618 hatte die Stadt etwa 2400 Einwohner.
Im Dreißigjährigen Krieg besetzten 1627 die kaiserlichen Truppen und 1631 die Schweden unter Gustav Adolf die Stadt. Die Kaiserlichen unter Gallas belagerten und eroberten die Stadt erneut zum Ende 1637. Durch List gelang den Schweden unter Johan Lilliehöök jedoch 1639 die erneute Einnahme.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges standen im Kern der Hansestadt von den ehemals 400 Häusern nur noch 23. Mehrere Brände hatten die Stadt in Schutt und Asche gelegt. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde Vorpommern als Reichslehen Schweden zugesprochen. Die Schweden bauten die Demminer Stadtbefestigung aus.
Im Zweiten Nordischen Krieg wurde die Festung nochmals verstärkt. Bei der Belagerung von 1659 durch die Truppen des brandenburgischen Kurfürsten unter Feldmarschall Otto Christoph von Sparr kapitulierte die schwedische Besatzung nach 28 Tagen und zog nach Stralsund ab.Historische Ansicht von 1729: Demminum á foederatorum Casareanorum, et Brandenburgentium Exercitibus d. 15. Octob. A. 1659 obseßum, et 4. Novemb. deditione captum. (). Die brandenburgische Besatzung dauerte bis zum Frieden von Oliva 1660 an.
Auch im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg wurde Demmin ab September 1676 von brandenburgischen Truppen unter dem Feldzeugmeister Herzog August von Holstein eingeschlossen; die Stadt wurde in Brand geschossen und dabei zu drei Vierteln zerstört. Dabei brannte auch die Bartholomäuskirche aus. Obwohl sich die schwedische Besatzung zurückzog, verblieb die Stadt nach dem Frieden von Saint-Germain vom 19. Juli 1679 weiterhin bei Schwedisch-Pommern. Am 13. November 1679 zog Otto Wilhelm von Königsmarck mit schwedischen Truppen wieder in die Stadt ein. Brandenburg konnte die Erfolge nicht behaupten. Nur langsam vollzog sich der Wiederaufbau. Ende des 17. Jahrhunderts lebten bereits wieder 600 Menschen in der Stadt.
18. Jahrhundert mini|Stadtplan von 1758 mini|Demmin: Kapitulation der Schweden vor den Preußen Januar 1759 (Kupferstich) Während des Großen Nordischen Krieges 1700–1721 geriet die Stadt für acht Monate (1712/1713) unter russische Besatzung. Zeitweise residierten hier Persönlichkeiten wie Peter der Große und Katharina I. Zu Beginn des Pommernfeldzuges im Juni 1715 von preußischen Truppen besetzt, gehörte es seit dem Frieden von Stockholm 1720 nunmehr zu Preußen. Das Land auf dem linken Peeneufer blieb dagegen bis 1815 schwedisch. 1732 besuchte König Friedrich Wilhelm I. die Stadt. Demmin erhielt eine preußische Garnison für ein Füsilierregiment, das 1733 am Rhein gegen die Franzosen und ab 1740 in den Schlesischen Kriegen kämpfte.