Der Landkreis Demmin war ein Landkreis in der östlichen Mitte des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Im Zuge der Kreisgebietsreform 2011 wurde dieser Landkreis aufgelöst. Zuletzt existierte er in der seit 1994 bestehenden und schon deutlich vergrößerten Form. Das Gebiet befindet sich seither größtenteils in dem neu geschaffenen Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und zum kleineren Teil im neuen Landkreis Vorpommern-Greifswald. Gebietskörperschaften mit anderer Fläche unter dem Namen Kreis Demmin bzw. Landkreis Demmin gab es bereits seit dem 18. Jahrhundert. Jedoch war der Kreis Demmin bis 1994 immer nur auf pommerschen Gebiet. Erst danach fand die historische Grenze zwischen Mecklenburg und Pommern bei der Neuaufteilung keine Beachtung mehr.
Geographie
Die von vielen Gewässern strukturierte Region (Kummerower See, Peene mit Peenetal, Tollense) ist reizvoll und naturbelassen. In den Dörfern gibt es zahlreiche sehenswerte Gutsanlagen mit zum Teil sehr repräsentativen Herrenhäusern. Der östliche Teil des Landkreises (etwa zwei Drittel) gehört historisch zu Vorpommern, der westliche Teil zu Mecklenburg-Schwerin. Während der vorpommersche Teil größtenteils aus flachen Grundmoränenlandschaften gebildet wird, liegt der mecklenburgische Teil am Rand der Mecklenburgischen Schweiz. Abwechslungsreicher vom Relief gestaltet sich auch der südöstliche Teil des Landkreises um die Stadt Altentreptow. Das südlich anschließende breite Tal des Landgrabens bildet hier die historische Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg.
Nachbarkreise seit 1994 waren im Norden der Landkreis Nordvorpommern, im Osten der Landkreis Ostvorpommern, im Südosten der Landkreis Mecklenburg-Strelitz, im Süden der Landkreis Müritz und im Westen der Landkreis Güstrow.
Geschichte
Preußen
mini|Der Kreis Demmin bis 1818 mini|Ehemaliges Landratsamt in der Adolf-Pompe-Straße 12–15 in Demmin mini|Das Kreisgebiet 1905 Altvorpommern, das 1720 an Preußen gefallen war, war im 18. Jahrhundert in die fünf Kreise Anklam, Demmin, Randow, Usedom und Wollin gegliedert, wobei der Kreis Demmin seinerzeit auch Demmin-Treptower Kreis oder Demminscher Kreis genannt wurde. Er umfasste die beiden Städte Demmin und Treptow (ab 1939 Altentreptow) sowie die vier Ämter Lindenberg, Loitz, Treptow und Verchen. Bei der Kreisreform von 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde der Kreis Demmin um Teile des Kreises Anklam vergrößert, darunter die Stadt Jarmen, das Amt Klempenow und einige weitere Dörfer.
Die nördliche Kreisgrenze bildete die Peene, die ebenfalls im Westen zusammen mit dem Kummerower See die Grenze gegen das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin darstellte. Im Osten bildete der Kleine Landgraben die natürliche Grenze zum Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz und der Große Landgraben war die Grenze zum Kreis Anklam. Im Süden gab es dagegen keine natürlichen Grenzen. Zum Kreis gehörte eine in Mecklenburg-Schwerin südwestlich der Stadt Stavenhagen gelegene Exklave rund um das Kirchdorf Zettemin.
1835 gab es im Kreisgebiet von 901,93 km² drei Städte, 93 Dörfer, zwei Kolonien, 59 Vorwerke, 32 Güter, zwei Meiereien, zwei Holzwärtereien, sechs Etablissements und einzelne Häuser, sowie 41 Wind- und Wassermühlen. Die 36.000 Einwohner lebten in 3.500 Privathäusern. Zum 1. Juli 1874 wurden die ehemaligen Weichbildsteile der Stadt Demmin nördlich der Peene aus dem Kreis Grimmen in den Kreis Demmin umgegliedert.
Der Kreis umfasste 1910 drei Städte, 81 Landgemeinden und 98 Gutsbezirke.
Zum 30. September 1928 fand im Kreis Demmin wie im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Stettin 1928, Sonderbeilage zu Stück 40
Am 1. April 1937 wurde die aus den Gemeinden Pinnow, Rottmannshagen und Zettemin bestehende Exklave des Kreises Demmin in den mecklenburgischen Kreis Malchin umgegliedert. Er umfasste danach die drei Städte Demmin, Jarmen und Altentreptow sowie 90 weitere Gemeinden. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt.
Sowjetische Besatzungszone / DDR
Zu einer ersten Änderung der Kreisgrenzen kam es am 1. Dezember 1948, als die Gemeinden Kummerow und Leuschentin an den Landkreis Malchin abgegeben wurden. Am 1. Januar 1949 wechselte die Gemeinde Beestland aus dem Landkreis Grimmen in den Landkreis Demmin. Zu weiteren Gebietsänderungen kam es bei der ersten Kreisreform in der DDR am 1. Juli 1950: Die Gemeinde Lebbin wechselte aus dem Landkreis Demmin in den Landkreis Neubrandenburg. Die Gemeinden Grammentin wechselte aus dem Landkreis Demmin in den Landkreis Malchin. Die Gemeinden Wotenick und Seedorf wechselten aus dem Landkreis Grimmen in den Landkreis Demmin. Die Gemeinden Upost und Warrenzin wechselten aus dem Landkreis Malchin in den Landkreis Demmin.
In der DDR fand am 25. Juli 1952 eine große Verwaltungsreform statt, bei der die fünf Länder aufgelöst und durch 14 Bezirke sowie die meisten Landkreise durch kleinere Kreise ersetzt wurden. Dabei wurde auch der alte Landkreis Demmin aufgelöst: Der südöstliche Teil des Landkreises mit der Stadt Altentreptow kam zum neuen Kreis Altentreptow. Der nordwestliche Teil des Landkreises bildete zusammen mit der Stadt Loitz sowie den Gemeinden Düvier, Görmin, Nossendorf, Sassen, Trantow und Vorbein des Landkreises Grimmen den neuen Kreis Demmin. Die Kreise Altentreptow und Demmin wurden dem neuen Bezirk Neubrandenburg zugeordnet, was vor allem für die nördlichen Kreisteile, die traditionell nach Greifswald und Stralsund orientiert waren, eine Umorientierung nach Süden bedeutete.
Bundesrepublik Deutschland
Aus dem Kreis Demmin im Bezirk Neubrandenburg wurde 1990 der Landkreis Demmin im Land Mecklenburg-Vorpommern. Der Landkreis Demmin wurde 1994 durch den pommerschen Landkreis Altentreptow und den mecklenburgischen Landkreis Malchin vergrößert und dem Planungsverband „Mecklenburgische Seenplatte“ zugeordnet, nachdem der Landkreis Demmin allein bis dahin zum Planungsverband „Vorpommern“ gehört hatte. Seitdem reichte der Kreis Demmin über das eigentliche pommersche Gebiet hinaus, denn das Gebiet des Altkreises Malchin gehörte historisch zu Mecklenburg-Schwerin.
Am 23. September 2008 erhielt der Kreis den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Für eine Verwaltungsreform und der dabei beabsichtigten Schaffung neuer Großkreise in Mecklenburg-Vorpommern 2009 gingen die Überlegungen der Landesregierung zunächst dahin, den Landkreis als Ganzes in einen neuen Großkreis „Mecklenburgische Seenplatte“ mit der Kreisstadt Neubrandenburg aufgehen zu lassen. Nach dem Urteil des Landesverfassungsgerichtes vom 26. Juli 2007 konnte das ursprüngliche Reformgesetz als mit der Verfassung des Landes unvereinbar nicht umgesetzt werden.Urteil des Landesverfassungsgerichtes vom 26. Juli 2007 (PDF; 269 kB) Im Zuge einer neuen Kreisgebietsreform im Jahr 2011 wurde der Süden des Landkreises Teil des neuen Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Der Norden mit den Ämtern Jarmen-Tutow und Peenetal/Loitz kam zum neuen Landkreis Vorpommern-Greifswald.
Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Demmin (Datenquelle: Zensus 2011, Kreis Demmin, Alter + Geschlecht)
Jahr Einwohner Quelle 1797 20.620 1816 27.156 1846 47.173 1871 46.591 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871 1890 46.288 1900 48.090 1910 48.941 1925 49.733 1939 53.017 Jahr Einwohner Quelle 1946 91.717 Volkszählung 1946 1955 63.600 Statistisches Jahrbuch der DDR 1955 1961 57.512 Statistisches Jahrbuch der DDR 1962 1971 55.378 Statistisches Jahrbuch der DDR 1972 1981 47.692 Statistisches Jahrbuch der DDR 1982 1989 44.046 Statistisches Jahrbuch der DDR 1990 2000 94.300 Statistisches Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland 2002 2010 79.466
Die Abgrenzung des Landkreises wurde 1818, 1952 und 1994 wesentlich geändert.
Religion
Im Landkreis Demmin gab es evangelische Kirchgemeinden. Diese gehörten größtenteils zum Kirchenkreis Demmin mit Ausnahme von Görmin, die zum Kirchenkreis Greifswald gehört, der Pommerschen Evangelischen Kirche und teilweise zum Kirchenkreis Stargard, sowie Kirchenkreis Güstrow der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. Die katholischen Gemeinden gehörten zum Dekanat Vorpommern des Erzbistums Berlin und teilweise zum Dekanat Güstrow des Erzbistums Hamburg. Im Landkreis gab es zwei Gemeinden der Neuapostolischen Kirche. Diese gehörten jeweils zum Bezirk Stralsund bzw. Güstrow in der Gebietskirche Mecklenburg-Vorpommern, die dem Apostelbezirk Norddeutschland untersteht.
Politik Kreistag
Der Kreistag des Landkreises Demmin bestand aus 47 Abgeordneten. Zuletzt setzte er sich nach der Wahl vom 7. Juni 2009 wie folgt zusammen:
Partei SitzeCDU 20Die Linke 13SPD 6FDP 4Grüne 2Wählergemeinschaft Ländlicher Raum (WGLR) 2
Näheres zum Wahlverfahren und zu rechtlichen Bestimmungen: Kreistag (Mecklenburg-Vorpommern)
Landräte mini|hochkant|Robert Viktor von Puttkamer (1860–1866) 1721–1743 Ernst Sigismund von Walsleben 1743–1766 Peter von Glasenapp 1766–1771 Dietrich Christoph Gustav von Maltzahn 1772–1787 Peter von Glasenapp 1788–1791 Ernst Peter von Podewils 1791–1808 Heinrich Peter von Podewils 1808–1810 Peter Heinrich von Podewils 1811–1831 Carl Albrecht Helmuth von Maltzahn 1831–1840 Karl von Maltzahn 1841–1841 Axel von Maltzahn 1841–1851 Hermann von Heyden 1851–1860 Alexander von François 1860–1866 Robert Viktor von Puttkamer 1866–1873 Wilhelm von Heyden-Cadow (späterer preußischer Landwirtschaftsminister) 1873–1878 Adolf von Heyden 1878–1887 Wilhelm von Müffling genannt Weiß 1883–1887 Adam Werner von Heyden 1888–1912 Adolf von Heyden 1913–1914 Gottfried von und zu Gilsa 1914–1916 Ernst von Heyden (vertretungsweise als Kriegs-Landrat) 1916–1945 Gottfried von und zu Gilsa 1945–1950 Gustav Schwantz (SPD, SED)
1994–2000 Hans-Jürgen Beich (CDU) 2000–2008 Frieder Jelen (CDU) 2008–2011 Siegfried Konieczny (Linke)
Kommunalverfassung bis 1945 Der preußische Landkreis Demmin gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren Auflösung im Jahre 1928 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.
Wappen
Flagge Die Flagge wurde am 26. März 1996 durch das Ministerium des Innern genehmigt.
Die Flagge ist längs gestreift von Blau, Gelb, Rot, Weiß, Rot, Gelb und Blau. Die blauen Streifen nehmen je elf Sechzigstel, die gelben je ein Viertel, die roten je ein Dreißigstel und der weiße Streifen ein Fünfzehntel der Höhe des Flaggentuchs ein. In der Mitte der roten Streifen und des weißen Streifens liegt, auf jeweils vier Fünftel der Höhe der gelben Streifen übergreifend, das Landkreiswappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.
Städte und Gemeinden (Einwohner am 31. Dezember 2010Mecklenburg-Vorpommern Statistisches Amt – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2010 (PDF; 203 kB))
mini|Amtsfreie ehemalige Kreisstadt Demmin im bis 2011 bestehenden Landkreis Amtsfreie Gemeinden Dargun, Stadt (4621) Demmin, Hansestadt * (11.890)
Ämter mit amtsangehörigen Gemeinden/Städten
Sitz der Amtsverwaltung * 1. Amt Demmin-Land (7948)[Sitz: Demmin] Beggerow (606) Borrentin (917) Hohenbollentin (128) Hohenmocker (544) Kentzlin (219) Kletzin (791) Lindenberg (234) Meesiger (259) Nossendorf (773) Sarow (777) Schönfeld (418) Siedenbrünzow (617) Sommersdorf (260) Utzedel (548) Verchen (422) Warrenzin (435) 2. Amt Jarmen-Tutow (7335) Alt Tellin (447) Bentzin (935) Daberkow (370) Jarmen, Stadt * (3202) Kruckow (654) Tutow (1233) Völschow (494) 3. Amt Malchin am Kummerower See (13.679) Basedow (743) Duckow (249) Faulenrost (702) Gielow (1357) Kummerow (629) Malchin, Stadt * (7977) Neukalen, Stadt (2022)