Waren (Müritz) ist mit mehr als 20.000 Einwohnern eine Mittelstadt und ein Kurort im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Land Mecklenburg-Vorpommern (MV). Sie ist Sitz des Amtes Seenlandschaft Waren, dem zwölf Gemeinden angehören, die Stadt selbst ist amtsfrei. Waren ist eines der 18 Mittelzentren, hinsichtlich der Bevölkerung die achtgrößte und der Fläche nach die zweitgrößte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.
Waren (Müritz) ging im frühen 13. Jahrhundert aus einer slawischen Siedlung hervor, wurde durch westfälische Siedler im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung ausgebaut und war acht Jahrzehnte lang die Residenzstadt der Fürsten von Werle. Es gehörte jahrhundertelang zu Mecklenburg-Schwerin. Die Stadt erholte sich nur langsam von zahlreichen Stadtbränden, Epidemien und den Folgen des Dreißigjährigen Krieges.
Heute ist Waren, das ebenso wie Röbel bereits im Mittelalter mit Stadtrecht belehnt wurde, eine der beiden unmittelbar an der Müritz liegenden Städte und ein Zentrum der Urlaubsregion Mecklenburgische Seenplatte. Die Stadt ist außerdem ein regionaler Verkehrsknotenpunkt und ein Standort für die Berufsschul- und Lehrausbildung junger Menschen.
Sehenswert sind die Altstadt mit den vielen historischen Bauwerken, das Naturerlebniszentrum Müritzeum, die Festspiele der Müritz-Saga, der Stadthafen mit den zahlreichen Restaurants und Ausflugsschiffen, die Promenade mit den gepflegten Grünanlagen am Ufer der Müritz, der Schaugarten am Tiefwarensee und nicht zuletzt die herrliche Natur der Umgebung.
Wirtschaftlich ist die Stadt ein Standort von Tourismus, Lebensmittelwirtschaft und Maschinenbau. Die Mecklenburger Metallguss GmbH (MMG) hat ihren Sitz in Waren (Müritz) und produziert hier Schiffspropeller. MMG ist Weltmarktführer bei der Entwicklung und Fertigung von Schiffspropellern mit einem Einzelgewicht von mehr als 80 Tonnen.
Geographie mini|Waren an der Müritz mini|Luftaufnahme (2014) Geographische Lage Waren liegt an der Müritz, dem größten vollständig in Deutschland liegenden Binnensee mit einer Fläche von 117 km², am Kölpinsee, am Tiefwarensee, am Feisnecksee, am Melzer See und am Waupacksee. Mitten in der Stadt liegt der Herrensee.
Stadtgliederung Zur Stadt Waren (Müritz) gehören folgende Ortsteile:Hauptsatzung der Stadt Waren (Müritz), § 1
Die Stadt selbst kann man in die Viertel Altstadt, Ecktannen und Kamerun gliedern, dann Nesselberg und Papenberg sowie Waren-Nord, -Ost und -West und schließlich Werdersiedlung. Hinzu kommt die Siedlung jenseits der Bahngleise.
Klima Waren liegt im klimatischen Übergangsbereich zwischen dem ozeanischen Meeresklima und dem kontinentalen Klima. Das Mikroklima wird im Wesentlichen durch die Müritz beeinflusst. Dadurch wird der Jahresgang der Temperatur sowohl bei der Erwärmung im Frühjahr als auch bei der Abkühlung im Herbst abgeschwächt. In Waren wird im langjährigen Mittel mit −4 °C die niedrigste Februartemperatur in Mecklenburg-Vorpommern registriert (Jeschke et al. 1980). Die Gebiete östlich der Müritz liegen im Regenschatten der mecklenburgischen Großseen und zeichnen sich durch geringere Niederschlagsmengen aus.
Geschichte Name mini|Waren als Virunum in der Magna Germania Waren wird (neben Gnoien, Bützow und einigen weiteren, nicht sicher zuzuordnenden Siedlungsplätzen) um 150 n. Chr. vom alexandrinischen Geografen Claudius Ptolemäus als Virunum erwähnt und soll deshalb einer der ersten erwähnten Orte auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns sein. Die Überlieferung von Waren beginnt mit dem Land (terra) Warne 1218, 1298; der Stadtname hat jedoch anfangs die gleiche Form: 1230, 1273, 1278, 1288, 1292, 1399. Erst seit dem 16. Jahrhundert treten die Formen Waaren und Wahren auf.
Der Name ist am ehesten aus altpolabischen Varin(a) als Stelle mit siedendem, wallendem Wasser, einer Quelle abzuleiten (so wie im Fall von Wahren, ehemals ein Dorf, heute ein Ortsteil von Leipzig). Er könnte aber auch auf den germanischen Stamm der „Warnen“ (Variner bzw. Varinnae) zurückgehen, zumal der Name früher auch Wahren, Warne oder lateinisch Warnae geschrieben wurde.Georg Waitz: Forschungen zur deutschen Geschichte. Dieterich, 1877, S. 474. 1914 erhielt der Ort den Namen Waren (Müritz). Müritz stammt von dem wendischen Wort Morcze = kleines Meer.Jürgen Kniesz: Waren (Müritz). Ein Rundgang durch die Stadt(geschichte). Sutton, Erfurt 2011, S. 23. oder „am Meer gelegener Ort“.Wissenschaftliche Abhandlungen der Geographischen Gesellschaft der Deutschen Demokratischen Republik 1 (1957), S. 199.
Frühgeschichte In der Mittelsteinzeit hielten sich Jäger und Sammler in der Nähe der Stinthorst auf, wie archäologische Spuren erwiesen.Ulrich Schoknecht: Der mittelsteinzeitliche Wohnplatz „Stinthorst“ bei Waren. In: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg 1957. 1959, S. 7–24.
Neolithische, damit bäuerliche Besiedlung lässt sich bei Eldenburg mit seiner „Feuersteinmanufaktur“So genannt bei Robert Beltz: Steinzeitliche Funde in Mecklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde 63. 1898, 1–88, hier: S. 14. belegen. Erste Fundstücke, eine Streitaxt aus Hornblende, „ein Keil und ein Schmalmeißel aus Feuerstein“, wurden 1841/44 öffentlich bekannt gemacht.Zunächst in den Jahrbüchern des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, 6 (1841), S. 80, dann drei Jahre später in: G. C. F. Lisch: Erster Bericht über die dem großherzoglich-meklenburgischen Antiquarium zu Schwerin in dem Zeitraume von 1834 bis 1844 gewordenen Vermehrungen als Fortsetzung des Friderico-Franciscei. Schwerin 1844, S. 7. 2007 wurde bei archäologischen Untersuchungen im Vorfeld einer Baumaßnahme in Vietzen bei Rechlin am Südende der Müritz ein Schädel aus der Zeit um 2900 v. Chr. entdeckt, der zwei Löcher einer Trepanation aufwies.Kopf-OPs vor 5000 Jahren: Schädelöffnungen nachgewiesen. ntv, 21. Oktober 2011.
Um 1800 v. Chr. bestand eine frühbronzezeitliche Siedlung auf dem Nesselberg (unweit des Wasserturms auf dem Nesselberg), wo sich Hausgruben, ein „Feuersteinbeilchen von 8,5 cm Länge“Bodendenkmalpflege in Mecklenburg. Jahrbuch 1961, S. 293. und ein Teil der Wege 2009 nachweisen ließen. Die parallel verlaufenden Wagenspuren gehören zu den frühesten Belegen für den Gebrauch von Karren oder Wagen in Mecklenburg. Aus der Zeit um 900 v. Chr. stammt ein Opferplatz am Melzer See.Jürgen Kniesz: Waren (Müritz). Ein Rundgang durch die Stadt(geschichte). Sutton, Erfurt 2011, S. 8.
Um Christi Geburt siedelten Warnen am Müritzsee. Sie verließen im 2. Jahrhundert partiell dieses Gebiet. Die Verbliebenen vermischten sich mit zuwandernden Slawen, die später als Müritzer, einer Stammesgruppe der Obodriten, um Siedlungszentren wie die Burgen von Vipperow oder Malchow lebten. Aus dieser Zeit stammt ein gut erhaltener Burgwall auf einer Insel im Feisnecksee. Dazu gehörte auch eine größere Siedlung, ebenso wie westlich der Stadt auf dem heutigen Flurstück Alt-Waren eine slawische Siedlung bestand. Siedlungsfunde in der Warener Altstadt belegen eine weitere slawische Siedlung, wie ein mutmaßlicher Kietz, eine Dienstsiedlung, vor dem späteren Wassertor am Müritzufer. Überreste eines Hauses in der Langen Straße ließen sich auf die Zeit um 1220 datieren. Auf eine slawische Siedlung dieser Zeit deuten auch Keramikfunde hin, die in einem Gang zwischen Georgenkirche und Mühlenstraße sowie in der Straße selbst gefunden wurden. Dort müssen mehrere Häuser gestanden haben. Offenbar gab es einen fließenden Übergang zwischen der slawischen Siedlung und der entstehenden Stadt, zu der westfälische Siedler beitrugen, und die ursprüngliche Bevölkerung wurde in nicht mehr erkennbarer Art und Weise dabei integriert.
Stadtrechte und Residenzstadt (13.–15. Jahrhundert) mini|Herrschaften Mecklenburgs um 1300 mini|Die Georgenkirche (links) und die Sankt-Marien-Kirche (rechts) von der Müritz aus gesehen
Die Stadt wurde an der Handelsstraße, die vom Land Stargard nach Wismar führte nahe einer Burg und einem Dorf der früher hier ansässigen Slaven von Siedlern aus Westfalen während der deutschen Ostexpansion gegründet. Am 23. April 1273 bestätigte Nikolaus, Fürst von Werle, die Besitzrechte des Klosters Broda in seinem Land, darunter das Patronatsrecht über die „ecclesia Warne“, die Kirche von Waren. Wahrscheinlich erfolgte die Gründung der Stadt jedoch früher, denn bereits 1243 erscheint ein Johannes von Warne in einem Vertrag.Dies und das Folgende nach Jürgen Kniesz: Waren (Müritz). Ein Rundgang durch die Stadt(geschichte). Sutton, Erfurt 2011, S. 10. Die ursprüngliche Stadt, die vielleicht um 1225 privilegiert wurde, lag jedenfalls im Bereich um die Georgenkirche am Alten Markt (Altstadt). Umstritten ist hingegen die Erwähnung einer „terra (so hießen die slawischen Bezirke in den deutschen Urkunden lateinischer Sprache) Warne“ und ihrer Zehntabgaben in einer Urkunde vom 15. März 1218. Mit der auf den 24. April 1230 vordatierten Urkunde versuchten die Klostervorsteher von Broda, sich Patronatsrechte über mehrere Dörfer zu erstreiten, um sich damit Einfluss, Dienste und Abgaben zu sichern. Ein Feldsteinchor an der Marienkirche dürfte aus dieser frühen Zeit stammen.Jürgen Kniesz: Waren (Müritz). Ein Rundgang durch die Stadt(geschichte). Sutton, Erfurt 2011, S. 10.
Nikolaus’ Herrschaft Werla wurde nach seinem Tod im Jahr 1277 geteilt, wobei Waren an Werle-Güstrow kam. Nach einem in Form von langwierigen Fehden ausgetragenen Erbstreit wurde Waren mit dem Vertrag vom 31. Oktober 1294 Nikolaus II. zugeschlagen, der das geteilte Haus nach 17 Jahren wieder vereinigte.
Seit 1292 wurde Waren als civitas bezeichnet, was als Hinweis auf Stadtrechte gelten darf, und ab 1331 als oppidum (kleinere Stadt). 1306 erhielt die Stadt das Fischereirecht auf der Müritz, wobei ein Magister Arnold „Scholemester tho Warne“ die Urkunde aufgesetzt hatte. Am 13. April 1292 hatte Nikolaus II. der Siedlung das Eigentum über den Wahrenschen Wold östlich der Müritz zugesprochen. Ende des 13. Jahrhunderts hatte Waren vielleicht 600 Einwohner.Jürgen Kniesz: Waren (Müritz). Ein Rundgang durch die Stadt(geschichte). Sutton, Erfurt, 2011, S. 11.
Am 2. Dezember 1316 kam es zu einer erneuten Erbteilung der Werleschen Herrschaft in Werle-Parchim, -Güstrow und Goldberg. Waren kam an den Güstrower Landesteil. In dieser Zeit entstand das Wappen, das in das heutige Wappen eingeflossen ist.
Am Alten Markt (heute: Alter Markt 14) befand sich das erste Rathaus. Wenig später entstand die Neustadt (Marienkirche), die um 1325 mit der Altstadt vereint wurde. Dabei verschmolzen die Handwerkersiedlung um die Georgskirche und die Burgsiedlung. Mittelpunkt war nun der Neue Markt, der Altstadt und Neustadt verband. Um die Stadt wurde eine Stadtmauer errichtet, zudem entstand eine kommunale Wassermühle.