Parchim (umgangssprachlich auch: Pütt, niederdeutsch: Parchen) ist die Kreisstadt des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, 40 km südöstlich der Landeshauptstadt Schwerin. In der amtsfreien Stadt Parchim befindet sich der Verwaltungssitz des Amtes Parchimer Umland, dem zehn Gemeinden angehören. Die Stadt ist eines der 18 Mittelzentren des Landes.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt südlich der Pommerschen Hauptendmoräne. Nördlich der Stadt liegt die Sternberger Seenlandschaft, südöstlich schließt sich die Mecklenburgische Seenplatte und nordwestlich die Lewitz an. Die Landschaft ist im Verlauf der Weichseleiszeit vor etwa 12.000 Jahren in den Urstromtälern und Sandern des Pommerschen Stadiums entstanden.

Durch Parchim fließt der Fluss Elde, der sich hier in einige Arme aufteilt und Inseln bildet. Im Nordosten der Stadt befindet sich der 60 Hektar große Wockersee, an dessen nördlichem Ufer die Wocker einmündet. Durch die Stadtlage sind etwa zwei Drittel des Westufers und das Südufer bebaut. Er dient der Stadt als Naherholungsgebiet. Im Norden und Osten wird der See von Wäldern und Wiesen, im Norden auch von Feuchtwiesen umgeben. Im Süden Parchims existiert mit dem „Slater Moor“ ein naturbelassenes Feuchtgebiet. Größere Waldgebiete befinden sich im Norden bei den Ortsteilen Neuhof und Dargelütz sowie im Süden bei Slate und Kiekindemark. Östlich von Parchim überwiegt die ackerbauliche Nutzung der Flächen. Im Südosten liegt das „Buchholz“. Westlich des eigentlichen Stadtgebietes befindet sich eine kleinere Exklave, an deren Westgrenze der Störkanal in die Müritz-Elde-Wasserstraße mündet.alt=Altstadt – Elde – Wockersee|zentriert|mini|1001x1001px|Altstadt – Elde – Wockersee Foto: Florian Behncke

Die höchsten Erhebungen im Stadtgebiet liegen bei Slate und Kiekindemark im Süden und erreichen mit dem Großen Vietingsberg und dem Maiblumenberg . Die Anhöhen fallen steil zur Müritz-Elde-Wasserstraße ab.alt=Weststadt Parchim|mini|299x299px|Der Stadtteil Weststadt in Parchim

Stadtgliederung Zu Parchim gehören die Ortsteile Dargelütz, Kiekindemark, Neuhof, Neuklockow und Slate.§ 12 der (PDF; 61 kB) der Stadt Zum 25. Mai 2014 kam die Gemeinde Damm mit den Ortsteilen Malchow, Möderitz und Neu Matzlow zum Stadtgebiet hinzu.

Die Stadt Parchim teilt sich nach geläufiger Meinung in die Stadtteile Weststadt, Eldevorstadt, Südstadt, Brunnenfeld, Oststadt, Altstadt inkl. Zentrum, Neustadt, Rabensoll und Wockerstadt sowie Regimentsvorstadt. Offiziell besteht diese Einteilung anhand fester Gemarkungsgrenzen jedoch nicht, wenn auch Bezeichnungen wie Weststadt bei der Namensgebung des hiesigen Weststadt-Center wiederzufinden sind und sich der Begriff „Brunnenfeld“ für das einstige B-Plan-Gebiet „Brunnenfeld“ eingebürgert hat.

Geschichte Name Der Name Parchim ist aus dem Slawischen abgeleitet. Nach einer sehr freundlichen Version soll der Name von dem Sonnengott Parchom abstammen. Der altpolabische Name Parchom könnte andererseits von parch abstammen und übersetzt aus dem polnischen/niedersorbischen etwa Räude heißen und somit Ort der wüsten Feldmark bedeutet haben. Die Schreibweise veränderte sich im Lauf der Jahre nur wenig, und schon 1170 heißt es Parchim oder 1202 Parchem, wobei beide Formen früher wechselweise zur Anwendung kamen.Ernst Eichler und Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.

Als inoffizielle und volkstümliche Bezeichnung der Stadt wird „Pütt“ seit den 1920er Jahren erstmals in der Literatur erwähnt und ist heute in der Region weit verbreitet. Das plattdeutsche Wort für „Pfütze“ spielte wahrscheinlich auf die Größe des Parchimer Wockersees an, wird aber heute mit der Stadt in Zusammenhang gebracht.

Mittelalter mini|Parchim im Mittelalter (Skizze von 1896) mini|Zierscheibe mit Christusdarstellung, Archäologisches Museum Groß Raden Das Siedlungsgebiet des westslawischen Stammes der Smeldinger wird von der neueren Forschung links und rechts der Elde um Parchim vermutet. Hier konnte eine frühmittelalterliche, in sich abgeschlossene slawische Siedlungskammer archäologisch nachgewiesen werden.Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 91.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg Parchim erfolgte 1170 in einer Urkunde des Kaisers Friedrich I. zu Frankfurt am Main. Erweitertes Stadtrecht erhielt Parchim 1225/26 durch Heinrich Borwin II. Von 1238 bis 1248 war Parchim Residenz des Fürstentums Parchim-Richenberg. Fürst Pribislaw I. gründete 1240 am westlichen Eldeufer die Parchimer Neustadt. Beide Städte (Alt- und Neustadt) schlossen sich 1282 zusammen. 1289 brannte ein Teil der Altstadt ab.

Die St. Georgenkirche, damals noch eine Basilika, wurde schwer beschädigt. Sie wurde neu aufgebaut und 1307 geweiht. 1246 kamen Mitglieder des Franziskanerordens nach Parchim. Die Brüder errichteten ihren Konvent am Rande der Neustadt (Aufhebung im Zuge der Reformation 1552/53). Um 1250 wurde auch mit dem Bau der gotischen Marienkirche in der Neustadt begonnen. 1278 erfolgte die Weihe der Kirche der Neustadt St. Marien.

Zwischen 1289 und 1310 errichtete man die Stadtmauer Parchim, teilweise noch sichtbar, mit einer Länge von 2,7 Kilometern, einer Dicke von 90 Zentimetern und einer Höhe von 5,5 Metern. In die Stadt kam man durch die drei Stadttore: Neues Tor, abgebrochen 1797, 1833 und 1838, Kreuztor, abgebrochen 1847/48, Wockertor. Das Wallhotel, die heutige Sparkasse am Moltkeplatz, ist das erste Gebäude, das 1863 außerhalb der Stadtmauer gebaut wurde.

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Parchimer Landwehr errichtet. Sie war der äußerste Ring der mittelalterlichen Stadtverteidigungsanlagen in Parchim. Im Norden an der Straße zu Sternberg ist von der alten Wehranlage noch ein Wartturm, der sogenannte Fangelturm erhalten geblieben. An der Südgrenze des Stadtgebietes befinden sich ebenfalls gut erhaltene Reste dieser spätmittelalterlichen Wallanlage zur Grenzsicherung.

1316 tritt Parchim als Sprecher auf dem Städtelandtag auf. Parchim war eine Landstadt in Mecklenburg und bis 1918 als Vorderstadt die erste der landtagsfähigen im Mecklenburgischen Kreis. 1377 kaufte die Stadt die Fürstenburg und 1384 verpflichtete Parchim den Münzmeister Tile von Kampen. 1410 wurde die Schützengilde gegründet. Um 1500 hatte die Stadt ca. 3.000 Einwohner.

16. bis 19. Jahrhundert Schon um 1530 fand in Parchim die Reformation statt und 1540 ließ sich der Generalsuperintendent Johann Riebling in Parchim nieder. Bald darauf verließen 1550 die Franziskanerbrüder die Stadt. Joachim Loew arbeitete ab 1548 als erster Buchdrucker in der Stadt.

Von 1545 bis 1683 waren in Hexenprozessen mindestens 34 Menschen betroffen.Hexen- und Zaubereiprozesse in Mecklenburg basierend auf der Dissertation von Katrin Moeller: Dass Willkür über Recht ginge. Hexenverfolgung in Mecklenburg im 16. und 17. Jahrhundert, Bielefeld 2007. Vergleiche die Ausstellung im Fachmuseum "Burg Penzlin. Das Hexenmuseum in Mecklenburg". http://alte-burg.amt-penzliner-land.de/Namen der Opfer der Hexenprozesse/Hexenverfolgung Parchim (PDF; 61 KB)

Die Große Stadtschule (Lateinschule) wurde 1564 errichtet. Erneut wurde in Parchim 1586 durch einen Stadtbrand die halbe Altstadt zerstört. Auch wurde die Stadt 1604 von einer Pest betroffen.

1612 vernichtete ein Stadtbrand wieder große Teile der Stadt. 1620 hatte die Stadt ca. 5000 Einwohner. Die Pestepidemie von 1626 ging nicht spurlos an Parchim vorbei, sie forderte 1600 Todesopfer. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ von 1637 bis 1639 unermessliche Schäden. 1648 lebten in Parchim nur noch ca. 1300 Menschen. alt=Regimentsvorstadt Parchim|mini|483x483px|Stadtteil Regimentsvorstadt Parchim / ehem. Dragonerregiment 18 mini|Volksschulhaus von 1892, heute: Fritz-Reuter-SchuleParchim konnte sich jedoch wieder erholen. Von 1667 bis 1708 war der Sitz des Hof- und Landgerichts in Parchim. Von 1733 bis 1788 befand sich Parchim unter einer preußischen Pfandbesetzung. Die Einwohnerzahl erhöhte sich wieder bis 1789 auf ca. 4000. Im 18. Jahrhundert siedelten sich auch Juden im Ort an, die sich am Voigtsdorfer Weg westlich des Wockersees ihren Jüdischen Friedhof einrichteten, auf dem bis 1938 Begräbnisse stattfanden.

Ein letzter großer Rückschlag erfolgte während der Besetzung durch napoleonische Truppen im Jahre 1806. In den folgenden Befreiungskriegen wurde 1813 der Parchimer Landsturm gegen Napoleon geführt. Nach 1815 erholte sich die Stadt allmählich.

Von 1818 bis 1840 hatte anstelle des Hof- und Landgerichts das Oberappellationsgericht seinen Sitz in Parchim. Dafür wurde das Rathausgebäude 1818 erweitert und umgebaut (s. Rathaus). 1827 entstand das Friedrich-Franz-Gymnasium, 1838 die Gewerbeschule, 1841 die Realschule, 1848 die städtische Volksschule, 1873 das Mittelschulhaus, 1890 ein größeres Gymnasialgebäude, die heutige Goethe-Schule und 1892 das neue Volksschulhaus, die heutige Fritz-Reuter-Schule.

Parchim erhielt 1832 eine demokratischere Stadtverfassung und 1838 eine neue Gesindeordnung.

1819 wurde eine Tuchfabrik errichtet, dann folgten 1841 die Papiermühle, 1858 die Maschinenfabrik Bauer, 1874 die Backofenfabrik und 1889 die Viktoriamühle. Ab 1863 fand die weitere Bebauung auch außerhalb der Stadtmauer statt. 1867 wurde Parchim Standort des 2. Mecklenburgischen Dragonerregimentes Nr. 18. Zwischen 1841 und 1853 wurde mit dem Braunkohlenschacht am Sonnenberg versucht, Braunkohle zu fördern.

Der Ausbau der Infrastruktur erfolgte u. a. 1841 mit dem Bau der Ludwigsluster Chaussee, 1862 mit dem Telegrafenamt und der Gasanstalt und 1880 bekam die Stadt Eisenbahnanschluss, die Bahnstrecke Ludwigslust–Parchim wurde in Betrieb genommen und 1885 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz der Mecklenburgischen Südbahn auf der Strecke Neubrandenburg-Parchim. Dazu wurde in Parchim die Mecklenburgische Südbahn-Gesellschaft im Jahr 1883 gegründet.

20. und 21. Jahrhundert mini|Wasserturm von 1906 mini|Zentrales Pionierferienlager „Kurt Bürger“ 1905 wurde die Villa Heucke zum Krankenhaus umgebaut (heute: Asklepios Klinik Parchim). 1910 lebten in der Stadt 12.800 Einwohner. 1906 entstand das Wasserwerk, und 1921 erhielt Parchim elektrischen Strom. Seit 1925 ist Parchim Amtssitz bzw. Kreisstadt. Das neue Gebäude des Landratsamts wurde 1936 gebaut.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde am Stadtrand von Parchim auf dem ehemaligen Kavallerieexerzierplatz eines der größten Kriegsgefangenenlager Deutschlands mit einer Kapazität von bis zu 25.000 Gefangenen eingerichtet. Unter trostlosen Bedingungen waren hier zeitweise 15.000 Kriegsgefangene aus Russland, Frankreich, Belgien, Serbien und England untergebracht. Insgesamt 1402 von ihnen starben hier. Auf Initiative und mit Spenden der Lagerinsassen wurde auf dem Lagerfriedhof am Dammer Weg ein Denkmal errichtet und am 4. Juni 1916 geweiht.Im Kriegsgefangenenlager bei Parchim. auf www.ndr.de Die letzten Kriegsgefangenen verließen das Lager im September 1920. Anschließend wurden hier rund 10.000 Rotarmisten interniert, die während des Polnisch-Sowjetischen Kriegs nach Ostpreußen abgedrängt und von Deutschen entwaffnet worden waren.https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/Die-verborgene-Stadt-Das-Kriegsgefangenenlager-bei-Parchim,kriegsgefangenenlager102.html Die Pflege und Erhaltung der Anlage obliegt seit 1922 der Stadt Parchim.