Die Peene ist ein Küstenfluss in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist der siebtgrößte Meereszufluss mit Einzugsgebiet in Deutschland (nach Rhein, Donau, Elbe, Oder, Weser und Ems). Es gibt mehrere Theorien über die Herkunft des Namens: Einer Interpretation zufolge stammt dieser vom Slawischen Pěna und bedeutet „Schaum“ bzw. „der schaumige (Fluss)“.Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 46, 1881, S. 3–168, hier S. 105, . Pyana (altsl. pêna Schaum; poln. piana) adj. § 21: „der schaumige (Fluß)“. Laut Jürgen Udolph ist Peene hingegen weder slawisch noch germanisch, sondern trägt einen voreinzelsprachlichen alteuropäischen Namen.
Lage Die Peene entsteht aus mehreren Quellflüssen, die alle Peene im Namen tragen und sich teils vor dem, teils im Kummerower See vereinigen. Der Quellfluss ohne Zusatzbezeichnung ist weder der stärkste noch der längste noch der mittlere und deswegen nicht als Hauptquellfluss klassifiziert. Und die als Hauptquellfluss klassifizierte Westpeene liegt in der Talachse von Kummerower und Malchiner See, hat aber von allen den kürzesten Flussweg bis zur Mündung ins Meer.
Das Flusssystem hat insgesamt Sternform mit mehreren zuführenden Strahlen und einem abführenden Strahl. Sein Zentrum liegt bei Demmin.
Die Gewässersohle liegt vom Kummerower See, also noch flussaufwärts des Zentrums, bis zur Mündung in den Meeresarm Peenestrom mehr als einen Meter unter dem Meeresspiegel. Das Gefälle im Wasserspiegel der Peene ist also allein durch nachdrückendes Oberwasser bestimmt. Bei Hochwasser der Ostsee oder der Oder können sich Strömung und Gefälle in diesem Bereich umkehren. Damit ähnelt die Situation den (wesentlich kürzeren) Tiefs an der Nordseeküste.
Den längsten Flussweg im Flusssystem der Peene trägt keiner der Zuflüsse des Kummerower Sees bei; die Gewässerstrecke von der Quelle des Werbender Mühlbachs (Oberlauf des Nonnenbachs) östlich von Vorheide durch Tollensesee und Tollense bis zur Mündung der Peene in den Peenestrom beträgt 185 km.
In ihrem Unterlauf von Demmin bis zu ihrer Mündung in den erst in jüngerer Zeit sprachlich von ihr unterschiedenen Peenestrom nahe der Stadt Anklam fließt die Peene durch ein breites weichselkaltzeitliches Urstromtal. Dieses Peenetal ist wohl das größte zusammenhängende Niedermoor Mitteleuropas. Es gibt mehrere Naturschutzgebiete und fast das gesamte Tal steht unter Landschaftsschutz.
Quellflüsse
Teterower Peene und (Nord-)Peene
mini|links|hochkant=0.7|Kleine Peene im Teterower Stadtpark Die Teterower Peene in ihrer hydrografischen Definition beginnt mit dem größten Zufluss des Teterower Sees als Kleine Peene, im Oberlauf auch Köthelbach oder Köthelscher Bach genannt. Sie entspringt bei Nienhagen südwestlich von Teterow. In Teterow gabelt sie sich in den Ruderbach und den Bullerbach, die erst kurz vor der Mündung in den Teterower See () wieder zusammenfließen. Sie verlässt den Teterower See bei Alt Sührkow als Teterower Kanal. Der vereinigt sich nach vier Kilometern mit zwei aus Norden kommenden Gewässern, dem Reyer Mühlbach und dem wasserreicheren Graben „Längsdamm“.
Der Reyer Mühlbach ist etwa seit Mitte des 20. Jahrhunderts in den meisten Karten mit dem Namen „Peene“ ohne Zusatzbezeichnung bezeichnet, obwohl bei weitem nicht das bedeutendste Quellgewässer der Peene. Er ist nach der nicht mehr vorhandenen Reyer Mühle benannt, die westlich des Ortes Rey lag (der selber aber am Vurzbach liegt). Er entspringt 5 km südlich von Gnoien an der Straße nach Teterow bei dem Weiler Granzow-Ausbau, Diese Quelle in einer Höhe von gilt Vielen als die Peenequelle. Nach 2 km erreicht der Reyer Mühlbach bei dem Dorf Granzow einen „Großer See“ genannten Soll. Dort vereinigt er sich mit dem längeren und wasserreicheren Pannekower Graben, der den hydrografischen Oberlauf der (Nord-)Peene bildet. Vom Großen See bei Granzow fließt er südwärts zur ca. 15 km entfernten Mündung in die Teterower Peene auf .
Das Gewässer von diesem Zusammenfluss fließt 12 km weit nach Osten durch die Stadt Neukalen in den Kummerower See. Kurz unterhalb des Zusammenflusses stand seit 1888 in den Messtischblättern der oberste Eintrag „Peene“. Seit 2017 heißt das Gewässer hier auch topografisch Teterower Peene. Ab Neukalen bildet sie den Neukalener Peenekanal.
In den Kartenwerken von Schmettau und von Wiebeking findet sich an den bei Neukalen mündenden Quellgewässern kein einziger Gewässername, aber etwas unterhalb des Zusammenflusses des nördlichen und des Teterower Gewässers eine „Pehnwiese“. In den Messtischblättern von 1888 und bis in die 1930er Jahre findet sich der Name „Peene“ nur unterhalb der Vereinigungsstelle und das nördliche Quellgewässer ist unbezeichnet.
Westpeene Die Westpeene entspringt einem von mehreren Bächen durchzogenen Torfbecken mit mehreren Quellen östlich von Vollrathsruhe und nördlich von Klocksin. Nach etwa 4 km in nordöstlicher Richtung mündet sie in den Malchiner See (). Dessen längster und wasserreichster Zufluss ist jedoch der wenige Meter nördlich mündende Ziddorfer Mühlenbach. Wenige Meter südlich mündet außerdem der kürzere Dahmer Mühlbach in den See, der bei Moltzow entspringt. Am nordöstlichen Ende des Sees tritt die Westpeene in ein Feuchtgebiet, wo der heutzutage nicht mehr schiffbare Dahmer Kanal heute den Hauptabfluss des Sees bildet, während die Westpeene nur noch abschnittsweise erhalten ist, großenteils als trocken gefallene Rinne zwischen tiefer gelegenen Entwässerungsgräben. Am Nordrand von Malchin vereinigen sich der Dahmer Kanal und die Ostpeene zum Peenekanal. Im Malchiner Hafen, am Anfang des Peenekanals, beginnt die nautische Kilometrierung der Peene. Nach 2,5 km trifft der Peenekanal am ehemaligen Zusammenfluss von West- und Südpeene auf den ausgebauten Unterlauf der Westpeene, auch „Kiekpeene“, die bei km 4,6 in den Kummerower See (0,2 m ü. NN) mündet.
Im Schmettauschen Kartenwerk ist dieser gemeinsame Unterlauf als „Peene Fl.“ beschriftet. Am Quellgewässer oberhalb des Malchiner Sees findet sich in dieser Karte der Eintrag „Peene“ südlich von Großen Luckow. Im Messtischblatt von 1888 wird die Benennung „Westpeene“ von Kirch Grubenhagen bis zur Mündung in den Kummerower See verwendet.
Ostpeene mini|Ostpeene kurz vor Malchin Die Quelle der 40,6 km langen Ostpeene liegt viereinhalb Kilometer östlich von Waren in über zwischen den Dörfern Neu Schloen und Kargow am Ostrand des 93,8 m hohen Mörderberges. Der eiszeitliche Höhenrücken ist Teil der Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee. Von dort fließt sie zunächst südwärts nach Kargow, dann ostwärts nach Schwastorf und dann nordwärts durch den Torgelower See bei Torgelow am See und den Rittermannshagener See. Zwischen Hungersdorf und Faulenrost ist sie in der Schmettaukarte mit „Die Pene“ beschriftet. Nördlich des Dorfes Faulenrost nimmt sie in und 24,7 Flusskilometer von ihrer Quelle entfernt ihren größten Nebenfluss auf, die ca. 28 km lange Kittendorfer Peene, die, im Oberlauf auch Grenzbach genannt, einen halben Kilometer südlich des Schwandter Sees entspringt, zwischen Schwandt (zu Rosenow) und Groß Helle (zu Mölln (Mecklenburg)). In manchen Karten ist noch ein Ursprung nördlich von Schwandt eingetragen, 25,6 km von der Mündung. Es gibt außer der heutigen Mündung der Kittendorfer Peene eine ältere, etwas weiter nördlich. Unterhalb des Zusammenflusses hat sich die Ostpeene ein bis zu 30 m tiefes enges Durchbruchstal gegraben, aus dem sie bei der Gielower Mühle in das breite Tal von Malchin tritt. Bei der Mühle liegt ihr Wasserspiegel nur noch 5 m über dem Meer, in Malchin weniger als einen Meter (s. o.).
In Messtischblättern von 1888 findet sich die Bezeichnung Ostpeene von Malchin bis hinauf nach Schwastorf. Auch die Kittendorfer Peene ist namentlich eingetragen.
Systematik – siehe auch Flusssystem der Peene – detaillierte Tabelle mit Zuflüssen ab 10 km Länge, Seen ab 1 ha Fläche, Pseudobifurkationen –
Bei Zusammenflüssen wird jeweils die kürzere Gewässerkennzahl beibehalten.
Quellfluss Kittendorfer Peene Ostpeene Westpeene Teterower Peene Noordpeene (DTK: Peene) GKZ 96626 9662 966 96632 966324 Lage der Quelle Quellhöhe [m ü. NHN] 65–70 > 80 30 knapp 85 30 Fließweg [km] bis zum Meer 140,76 138.5 120,4 128,1 126 1. Flussabschnitt [km] Grenzbach, 0,76 (länger: Bach aus Voßfeld, 6,0) Ostpeene 10,85 Westpeene 5,3 (länger: Ziddorfer Mühlenbach 17,27) Kleine Peene 11,80 Pannekower Graben / Noordpeene (DTK: Peene) 4 1. See [km] Schwandter See 1,3 Torgelower See 3,25 Malchiner See 19,1 Teterower See 4,0 Großer See in Granzow 0,4 2. Flussabschnitt [km] Grenzbach 25,6 Ostpeene 6,4 Reyer Mühlbach / Noordpeene (DTK: Peene) 14,2 2. See [km] Rittermannshagener See 0,84 3. Flussabschnitt [km] Kittendorfer Peene 20,0–19,3 Ostpeene 3,26–3,96 Dahmer Kanal 7,8 Teterower Kanal (DTK: Kanal) 3,9 4. Flussabschnitt [km] Ostpeene (zwei Zusammenflüsse) 15,3–16,0 Teterower Peene (DTK bis 2017: Peene → Peenekanal) 11,0 5. Flussabschnitt [km] Peenekanal (DTK: Peenekanal → Westpeene) 4,2 Kummerower See
mini|hochkant=1.5|Peene mit Nebenflüssen und Verbindungen mit benachbarten Flusssystemen, Peenestrom. → Größere Projektionen: 1143 × 1037 px oder 1523 × 1386 px; weißer Hintergrund: 1143 × 1037 px oder 1523 × 1386 px
Mittellauf Die Peene verlässt den fast elf Kilometer langen und im Mittel drei Kilometer breiten Kummerower See am Nordende westlich von Verchen beim Darguner Ortsteil Aalbude mit einem Mittelwasser von .Mittelwasser in Aalbude 0,17 m ü HN (mit demselben Höhenbezug ist das Mittelwasser in Anklam 0,0 üHN), pegelonline.wsv.de Zwei Kilometer nördlich des Sees mündet der von Dargun kommende Röcknitzbach in die Peene. Von dort fließt sie knapp zwölf Kilometer lang ostnordostwärts durch ein Tal, das sich zwischen zumeist um 20 m hohen Hängen zunehmend auf teilweise weniger als einen halben Kilometer verengt. Dann macht sie einen Bogen westlich um Demmin.
Gewässerstern Demmin Bei Demmin, das bis ins späte 19. Jahrhundert Seehafen war, liegt der Wasserspiegel im Mittel bei . Hier mündet bei Haus Demmin von Osten die ab dem Tollensesee 68 km, ab ihrer Quelle 95,8 km lange Tollense, der 2,7 km vor der Mündung noch der Augraben zufließt. Und 2,4 km nach der Tollense mündet von Westen die Trebel in die Peene.
Gewässer-„Strahl“ Einzugsgebiet Längster Flussweg bis bzw. ab Demmin Tollense ohne Augraben 1630 km² mit Nonnenbach (Tollense) 115,0 km Augraben 199 km² 41,7 km Peene vor Tollensemündung 1139 km² mit Bach aus Voßfeld → Grenzbach → Kittendorfer Peene → Ostpeene 76,2 km Trebel 956 km² mit Poggendorfer Trebel 78,0 km Peene unterhalb Demmin 984 km² ab Trebelmündung, einschließlich Delta 66,9 km
Unterlauf 320px|mini|Das Peenetal mit seinen Naturschutzgebieten Bei der Trebelmündung wendet sich die Peene nach Nordosten und fließt in dieser Richtung bis Loitz. Bei Loitz mündet die Schwinge in den Fluss, die auf ihren letzten Kilometern durch das Tal des Ibitzgrabens verläuft. Von dort fließt sie ostwärts bis etwa Görmin, das nicht direkt am Fluss liegt, und anschließend in südöstliche Richtung über Jarmen nach Anklam. In dem breiten Urstromtal ihres Unterlaufes befinden sich viele Sumpf- und Feuchtgebiete. Fast das ganze Tal ist Naturschutzgebiet oder wenigstens Landschaftsschutzgebiet. Die Natur ist jedoch nicht so unberührt, wie sie vom Fluss aus erscheint; zwischen Demmin und Anklam befinden sich zahlreiche alte Torfstiche, heute Wasserflächen von oft mehreren Hektar Größe. Der größte, zwischen dem Stegenbach und Anklam, misst 1,2 km². Bei Dersewitz befindet sich ein Pumpwerk, durch das in Zeiten großer Trockenheit Wasser in den Peene-Südkanal hochgepumpt wird, um durch diesen in den östlichen Teil des Landgrabens und so zur Friedländer Großen Wiese geleitet zu werden. Etwa 10 km östlich von Anklam mündet die Peene 120 km von der Quelle der Westpeene und 82 km vom Kummerower See mit einem kleinen Delta in den Peenestrom. 98,5 km ihres Flusslaufes sind schiffbar.