mini|Ausgießung des Heiligen Geistes im Rabbula-Evangeliar (586) mini|Video: Die Bedeutung von Pfingsten Pfingsten (von ; lat. Dominica Pentecostes) ist ein christliches Fest. Der Festinhalt ist die Sendung des Geistes Gottes zu den Jüngern Jesu und seine bleibende Gegenwart in der Kirche. Ikonografisch wird Pfingsten auch Aussendung des Heiligen Geistes oder auch Ausgießung des Heiligen Geistes genannt. Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, und kann zwischen dem 10. Mai (frühester Termin) und dem 13. Juni (spätester Termin) liegen.

Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot ( ‚zum Tag des Fünfzigsten‘) in Jerusalem versammelt waren . Dieses Datum wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden.

Wortherkunft im Deutschen Die deutsche Benennung „Pfingsten“ ist abgeleitet von . Die Bezeichnung war im Deutschen ursprünglich ein Dativ Plural „an den Pfingsten“, dann Nominativ Plural „die Pfingsten“, schließlich Nominativ Singular „das Pfingsten.“, hier S. 382. Vgl. „Pfingsten“ im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, online. In der Schweiz ist weiterhin „die Pfingsten“ als Plural üblich.

Jüdischer Hintergrund Das jüdische Schawuot („Wochenfest“) ist eines der drei Pilgerfeste. Das hellenistische Judentum war überwiegend griechischsprachig; hier hatte das Fest den Namen . Gemeint ist der 50. Tag nach dem Fest der ungesäuerten Brote (Mazzotfest).Vgl. zum Beispiel : „An unserem Pfingstfest, welches das heilige Fest der Sieben Wochen ist, wurde mir ein gutes Mahl bereitet.“ Es ist ein Erntedankfest, da es den Abschluss der mit Pessach beginnenden Gersten- und Weizenernte markiert. Am Wochenfest wurde auch die Gabe der Tora an Mose auf dem Sinai erinnert. Das Pfingstereignis wird in der Apostelgeschichte so erzählt, dass sprachlich Bezüge zu dieser Gesetzgebung am Sinai entstehen.

Pfingsten im Neuen Testament mini|Darstellung von Pentecoste (altfranzösisch für Pfingsten) im Ingeborg-Psalter (um 1200) Das Fest pentēkostḗ wird im Neuen Testament dreimal erwähnt. Abgesehen von Apostelgeschichte Kap. 2 ist das jüdische Wochenfest zweimal Termin in den Reiseplanungen des Paulus: In Ephesus will er bis pentēkostḗ bleiben , wenn möglich an pentēkostḗ in Jerusalem eintreffen .

Das 2. Kapitel der Apostelgeschichte hat in der Konzeption des lukanischen Geschichtswerks große Bedeutung: Im ersten Teil, dem Lukasevangelium, beginnt die öffentliche Wirksamkeit des Jesus von Nazareth damit, dass der Heilige Geist „sichtbar in Gestalt einer Taube“ auf ihn herabkommt . Der zweite Teil, die Apostelgeschichte, wird entsprechend damit eröffnet, dass der Heilige Geist ebenfalls sinnlich wahrnehmbar auf die Apostel herabkommt. Der Auferstandene hatte sie bereits darauf vorbereitet (, )., hier S. 379.

Am Anfang stehen nach Alfons Weiser besondere Zungenrede-Erfahrungen in der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem. Sie wurden so erzählt, dass die Theophanie-Motive der Sinaitradition anklangen. Die frühchristliche Interpretation von lässt sich an ablesen. Demnach ist es der erhöhte Christus, der den Jüngern die Gaben des Heiligen Geistes schenkt, darunter eben die Glossolalie (Zungenrede). Lukas nahm diese mündlich umlaufenden Erzählungen und stilisierte sie. Ein wesentlicher Eingriff war die Umgestaltung der Glossolalie-Tradition zu einem Fremdsprachenwunder, wobei er Kenntnis einer Völkerliste der antiken Geographie zeigt., hier S. 380 f. So entsteht ein im ganzen Neuen Testament singulärer Bericht davon, dass der Heilige Geist an einem bestimmten Termin und Ort unter außerordentlichen Begleiterscheinungen auf die Apostel herabgekommen sei und die Wirkung, das Fremdsprachenwunder, von Menschen aus verschiedenen Ländern bezeugt worden sei:

Die versammelten Jünger werden vom Heiligen Geist erfüllt:

Angehörige zahlreicher nichtjüdischer Völker („Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, […] Kreter und Araber“) wundern sich, dass jeder von ihnen die Jünger in seiner Muttersprache reden hören und verstehen kann, obwohl die Jünger doch Galiläer sind; . Diese scheinbar willkürlich zusammengestellte Völkerliste basiert auf ursprünglich babylonischer astrologischer Geographie, die traditionell jedem Land ein Tierkreiszeichen zuwies.Stefan Weinstock: The Geographical Catalogue in Acts II, 9–11. In: The Journal of Roman Studies 38, Heft 1–2 (1)848), S. 43–46; Wolfgang Hübner: Naturwissenschaften V: Astrologie. In: Der Neue Pauly, Bd. 15/1, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000, Sp. 833.

In einer Predigt des Apostels Petrus wird das Pfingstereignis gedeutet und in den Zusammenhang der Heilsgeschichte gestellt.

Petrus beruft sich dabei auf eine Verheißung Gottes durch den Propheten Joel, dass Gott in den letzten Tagen seinen Geist über alles Fleisch ausgießen werde (vgl. ):

Nach der Auferstehung Jesu Christi sei durch die Geistsendung erwiesen worden, dass Jesus durch Gottes Handeln zum Herrn und Christus erhöht wurde:

Auf Nachfrage der Zuhörer nennt Petrus Umkehr und Taufe als Weg, um den verheißenen Heiligen Geist zu empfangen. Am Pfingsttag befolgten dies dreitausend Menschen:

Für die Herabkunft des Heiligen Geistes wählt die Apostelgeschichte die Metapher „Zungen wie von Feuer“, die auf die Anwesenden herabgekommen seien . Die Anwesenheit des Heiligen Geistes wird von den vier Evangelien hingegen bei der Taufe Jesu mit „in Gestalt einer Taube“ ausgedrückt, die auf Jesus herabkam .

Als „Pfingstwunder“ wird die in der Apostelgeschichte beschriebene Xenoglossie bezeichnet, also die wundersame Begebenheit, dass die zum Fest versammelten Menschen die Apostel jeweils in ihrer eigenen Sprache reden hörten.

In der Darstellung des Johannesevangeliums kam der Auferstandene am Abend des Ostertages in die Mitte seiner Jünger, hauchte sie an und übertrug ihnen mit den Worten „Empfanget den Heiligen Geist!“ den Geist Gottes.

Geschichte des Pfingstfestes Eine fünfzigtägige Festzeit nach Ostern ist bereits im frühen 2. Jahrhundert in der neutestamentlichen apokryphen Schrift Epistula Apostolorum bezeugt. Tertullian erwähnte sie als Freudenzeit, in der bevorzugt Taufen stattfanden. Weitere Belege kommen im 3. Jahrhundert aus Rom und Ägypten hinzu. Nach Ambrosius von Mailand sind diese Tage „wie ein einziger Sonntag“. Der fünfzigste Tag war als Abschluss dieser Festzeit etwas Besonderes, hatte aber noch keinen eigenständigen Festcharakter., hier S. 383.

Im späten 4. Jahrhundert kommt der Brauch auf, die einzelnen Stationen der Passions- und Ostergeschichte an besonderen Terminen gottesdienstlich zu feiern (Triduum Sacrum, Karwoche). In Jerusalem und Umgebung steht das mit dem kaiserlichen Kirchenbauprogramm und dem aufblühenden Pilgertourismus ins Heilige Land in Verbindung. In diesem Zusammenhang wurde auch die pentēkostḗ-Festzeit nach Ostern aufgegliedert und regional teils der 40. Tag, teils der 50. Tag als Fest begangen, das sowohl die Himmelfahrt Christi als auch der Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel zum Inhalt hatte. Um 400 setzte sich dann allgemein durch, den 40. Tag als Himmelfahrtsfest und den 50. Tag als Fest der Geistausgießung zu begehen, anscheinend zuerst in Spanien. Festpredigten von Johannes Chrysostomos, Gregor von Nazianz, Augustinus von Hippo und Leo dem Großen zeigen, wie Pfingsten zunehmend zum Osterfest in Beziehung gesetzt und als dessen Erfüllung interpretiert wurde. Die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wurden regional mit Fasten begangen, womit der Gedanke einer pentēkostḗ-Freudenzeit aufgegeben war., hier S. 384.

Liturgische Feier Byzantinischer Ritus mini|hochkant|Pfingstikone, Kirillo-Beloserski-Kloster (um 1497) In den orthodoxen Kirchen wurde der Charakter der pentēkostḗ als fünfzigtägiger Festzeit bewahrt, die mit dem Pfingstsonntag schließt., hier S. 386. Das Buch mit den Hymnen und Lesungen für diesen Zeitraum heißt Pentekostarion oder Blumen-Triodion. Die Kirchen des byzantinischen RitusVgl. dazu Sergius Heitz: Mysterium der Anbetung. Luthe-Verlag, Köln 1986, S. 603–612. verstehen die Osterzeit als geprägt von der Anwesenheit des Auferstandenen auf Erden. Sie endet also mit der Himmelfahrt, und mit dem Entschwinden des sichtbaren Christus beginnt die Erwartung der versprochenen Geistsendung. Die Herabkunft des Geistes an Pfingsten ist dann die Vollendung der Selbstoffenbarung des dreieinigen Gottes. Beim Pfingstfest beginnen die Apostel das Evangelium zu verkünden, von nun an wird das mystische Gedenken an den Herrn gefeiert. Damit ist Pfingsten das Geburtsfest der Kirche und der Beginn der Kirchengeschichte. Dies wird auch im Troparion des Fests besungen: „Gepriesen bist du, Christus unser Gott. Die Fischer hast du zu Allweisen gemacht durch die Herabsendung des heiligen Geists und hast durch sie die Welt eingefangen. Menschenfreundlicher, Ehre sei dir.“

Liturgisch von Bedeutung sind mehrere Themen. Am Vortag des Pfingstsonntags wird das Gedächtnis der Verstorbenen als „Seelensabbat“ begangen, auch die Toten sind in die Ausgießung des Geistes eingeschlossen.Evangelium des Tags ist . Die liturgischen Texte des Festes selbst betonen einerseits die Geistsendung,Epistel: ; Evangelium: . andererseits die Dreifaltigkeit Gottes. Nicht nur in der Göttlichen Liturgie wird die Ausgießung der Gabe des Geistes gefeiert, sondern um die Teilhabe an ihr wird auch im Abendgebet (Vesper) des Pfingstsonntags mit drei feierlichen Gebeten gebetet, den sog. Kniegebeten.Die Hervorhebung des Kniens der Gläubigen während dieser Gebete erklärt sich damit, dass nun erstmals seit Ostern überhaupt wieder diese Gebetshaltung erlaubt ist. Vgl. M. Arranz: Les prières de la Gonyklisia ou de la Génuflexion du jour de la Pentecôte dans l’ancien Euchologe byzantin. In: Orientalia Christiana Periodica 48 (1982) S. 92–123. Diese Feier der Kniebeugungsgebete ist eine alte Jerusalemer Tradition. Vielerorts ist es üblich, unterwegs zu dieser Vesper ein Blumensträußchen zu pflücken und in die mit Blumen geschmückte, gelegentlich sogar mit frisch gemähtem Gras ausgelegte Kirche – eine Erinnerung an das Laubhüttenfest – mitzubringen.

Römisch-katholische Liturgie mini|hochkant|Stundenbuch des Herzogs von Berry Les Très Riches Heures (15. Jh.) Ältere römische Praxis Nach dem Missale Romanum von 1540 begann das Pfingstfest mit einer Pfingstvigil, die einen ähnlichen Ablauf wie die Ostervigil hatte und ebenfalls eine TaufwasserweiheVgl. auch Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 431 (ostertauf: Taufwasser, das nicht in der Pfingstvigil, sondern in der Ostervigil geweiht wurde – im Gegensatz zu pfingsttauf). enthielt. Pfingsten hatte, wie Ostern, eine eigene Festwoche (Oktav); der Oktavtag war das Trinitatisfest (allerdings endete diese Festwoche vorher, mit der Messe am Samstag). Alle Messen der Pfingstwoche hatten ein eigenes Proprium; Mittwoch, Freitag und Samstag waren Quatembertage., hier S. 384 f. Bis zur Liturgiereform wurden die Sonntage danach als Sonntage nach Pfingsten gezählt (in der evangelischen Kirche Sonntage nach Trinitatis).

Römische Praxis seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil