Holzminden ist eine Kleinstadt im südlichen Niedersachsen. Das Mittelzentrum ist die Kreisstadt des Landkreises Holzminden in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg. Sie beherbergt einen Campus der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen.
Die im Zentrum des Weserberglands an der Weser gelegene Kleinstadt wird als „Stadt der Düfte und Aromen“ beworben; Symrise und Stiebel Eltron sind die wichtigsten Arbeitgeber der Stadt.
Geographie Lage mini|Altstadt und Weserkai mini|Blick vom Kiekenstein bei Stahle auf Holzminden mini|Stilisierte Stadtmauer am Anfang der Oberen Straße. Das Gebäude rechts wurde 2013 abgerissen. (Foto von 2007)
Holzminden liegt im oberen Weserbergland am Nordwestrand des Sollings im Oberen Wesertal. Etwas weiter nördlich befindet sich der Vogler und jenseits von diesem der Ith. Bis zur niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover sind es auf Bundesstraßen etwa 80 km.
Die Stadt, die sich am östlichen Ufer der Oberweser befindet, wird in Südost-Nordwest-Richtung von der Holzminde durchflossen, in die im Stadtgebiet die von Osten kommende Dürre Holzminde einmündet; in diese wiederum fließt im östlichen Stadtteil Pipping der von Osten kommende Hasselbach. Direkt nach der Durchquerung des Stadtgebiets mündet die Holzminde am westlichen Stadtrand in die von Süden kommende Weser, die in einigen Holzmindener Stadtbereichen die Grenze zum westlich gelegenen Bundesland Nordrhein-Westfalen bildet.
Unmittelbar angrenzende bzw. nahe gelegene nordrhein-westfälische Ortschaften sind Lüchtringen, Stahle und Höxter. An der westlichen Uferseite der Weser liegt etwas weiter südlich von Holzminden und flussaufwärts das Kloster Corvey.
Nachbargemeinden Beginnend im Norden im Uhrzeigersinn grenzen an die Stadt Holzminden die Samtgemeinde Bevern mit dem Flecken Bevern und die gemeindefreien Gebiete Holzminden und Merxhausen (Landkreis Holzminden), das gemeindefreie Gebiet Solling (Landkreis Northeim), die Samtgemeinde Boffzen mit der Gemeinde Derental und das gemeindefreie Gebiet Boffzen (wiederum Landkreis Holzminden), sowie schließlich im Westen der zu Nordrhein-Westfalen gehörige Kreis Höxter mit seiner Kreisstadt Höxter.
Stadtgliederung Überblick
Die Stadt Holzminden ist eine Einheitsgemeinde und besteht neben der Kernstadt und dem Ortsteil Allersheim aus den früheren Gemeinden Neuhaus im Solling und Silberborn. Diese Stadtteile kamen im Zuge der Gebietsreform 1973 hinzu. Sie liegen östlich der Kernstadt im Solling und bilden je eine Ortschaft mit Ortsrat. § 4. Auch die frühere Gemeinde Mühlenberg, die ebenfalls im Solling liegt, ist ein Holzminder Stadtteil und bildet eine Ortschaft mit Ortsvorsteherin oder Ortsvorsteher. § 5. Durch die im Vergleich zu anderen Städten geringe Zahl an Ortsteilen resultiert die Gesamtbevölkerung nur zu etwa zehn Prozent aus eingemeindeten Ortschaften.
Stadtteile
Die wesentlichen Holzminder Stadtteile haben diese Flächen:holzminden.de Bürger-Service Holzminden Kernstadt: 2726,99 ha Neuhaus im Solling: 5150,84 ha Fohlenplacken gehört als Wohnplatz zu Neuhaus im Solling Silberborn: 926,70 ha Torfhaus gehört als Wohnplatz zu Silberborn Mühlenberg: 20,02 ha
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Fläche nach NutzungsartLandesamt für Statistik Niedersachsen: LSN-Online-Regionaldatenbank, Tabelle Z0000001, 255023 Holzminden,Stadt, Stand: 31. Dezember 2015 Landwirtschaftsfläche Waldfläche Gebäude-, Frei- und Betriebsfläche Verkehrsfläche Wasserfläche Erholungsfläche Unland und Friedhofsfläche Gesamt Fläche in km² 18,36 53,61 7,29 4,49 0,87 1,58 2,04 88,24 Anteil an Gesamtfläche 20,8 % 60,8 % 8,3 % 5,1 % 1,0 % 1,8 % 2,3 % 100 %
Geschichte Siedlungskern Altendorf Erstmals erwähnt wurde Holzminden 832 in mehreren Corveyer Schenkungsregistern und Urkunden unter dem Namen Holtesmeni, Holtesmini, Holtesmynne. Nach Jacob Grimm bedeutet der Name so viel wie „Waldgeschmeide“, während Edward SchröderEdward Schröder: Deutsche Namenkunde. Göttingen 1938. den zweiten Namensteil in seinem Werk „Deutsche Namenkunde“ von 1938 von einer alten germanischen Bezeichnung für einen Bach ableitet: menni = Bach. Hierbei wird aber nicht der Ort der heutigen Kreisstadt, sondern ursprünglich das 1922 eingemeindete Altendorf (1275 antiqua villa) bezeichnet, eine Siedlung am Hellweg, der hier die Weser überschritt.
Neben der Siedlung Altendorf, die 1275 als antiqua villa und 1494 als Oldenholtesminne sowie Oldendorpe in den überlieferten Schriften erscheintDie Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig - Vierter Band: "Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Holzminden" von Karl Steinacker, Wolfenbüttel 1907 (Seite 4), entstand vermutlich zwischen 1197 und 1202 als Markt- und Zollstädte der Grafen von Everstein die nova plantatio (neue Gründung), deren planmäßige Anlage im Grundriss noch deutlich erkennbar ist.
Stadtanlage und Entwicklung im Mittelalter Im Jahre 1245 erhielt Holtesminne (Holzminden) die Bestätigung seines wichtigen Stadtrechtes durch Otto von Everstein; seit 1240 war dieser auch im Besitz der Burg Holzminden an der Weser.
Otto verkaufte die Stadt 1285 an den Kurkölner Erzbischof Siegfried. Mit Hilfe seines Marschalls Johann I. kam die Stadt an den Lipper Grafen Simon III. Im Jahre 1384 wurde sie vom Mindener Bischof niedergebrannt und ca. zehn Jahre später von einem Bündnis bestehend aus dem Corveyer Bischof, dem Eversteiner Grafen, dem Homburger Edelherren und Herzog Otto I., dem Lipper Grafen wieder abgerungen.H. Sudendorf: Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande. Bd. 6, 1867, S. XLVII ff. (books.google.de).
In dieser Zeit befand sich vermutlich im 14. und 15. Jahrhundert bei Holzminden auf einer Weserinsel die Wehrstätte Weddelfort. Die Insel selbst verschwand erst im Laufe des 17. Jahrhunderts.
Im Jahre 1394 wurde zwischen Corvey und Everstein ein Borchfrede to Holtesmynne geschlossen, der ihre Auseinandersetzungen mit dem Haus Braunschweig-Wolfenbüttel und den Homburger Edelherren dokumentierte. Mit der Eversteiner Fehde und Güterübertragungen der Gandersheimer Äbtissin Agnes II. setzte sich Braunschweig-Wolfenbüttel in der Region durch und die Stadt gelangte in ihren Besitz.
In einem Mandat an den Abt zu Corvey vom 18. April 1540 wurde das Stettlin Holzmin von Kaiser Karl V. in Schutz genommen. Die Befestigungsanlagen der Stadt wurden allerdings nicht, wie es für die Mehrzahl der Städte zutrifft, zu einer mit Türmen bewehrten Ummauerung ausgebaut, sondern man begnügte sich mit der Beibehaltung der anfänglichen einfachen Hafenbefestigung (Wall und Palisade). Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Burg Holzminden aufgegeben; deren Ruinen wurden erst 1860 endgültig abgebrochen.
Im Jahre 1565 wurde im westlichen Teil des noch heute bestehenden Marktes ein spitzgiebeliges Rathaus errichtet, welches das Stadtgericht, die Kämmerei, einen Hochzeits- und Gildensaal und einen Ratskeller beherbergte. Es überstand zahlreiche Kriegswirren und Altstadtbrände und wurde 1821 wegen Baufälligkeit abgerissen.
17. und 18. Jahrhundert In der Folgezeit unternommene Versuche, ihre wirtschaftliche Stellung gegenüber dem benachbarten Höxter zu stärken (unter anderem erster Holzbrückenbau 1619, der durch Eisgang 1620 zerstört wurde), erstickte der Dreißigjährige Krieg. Holzminden wurde 1640 von kaiserlichen Truppen zerstört und niedergebrannt und erholte sich davon nur langsam. Maßgeblich an dem Aufbau der Stadt beteiligt waren auch Handwerker aus Kroatien.
Schon vor 1700 hat eine Kaiserliche Thurn und Taxissche Post bestanden.Henry Bade: 333 Jahre Braunschweigische Post, 1535–1867. Karl Pfankuch & CO, Braunschweig 1960. Die braunschweigische Landespost bestand in Holzminden auch schon vor 1743, denn schon vor der Fahrpost Braunschweig – Holzminden im Jahre 1743 gab es eine Route des reitenden Postboten von Braunschweig über Gandersheim, Holzminden weiter nach Paderborn.
In lebhafte Bewegung kam Holzminden erst wieder seit Mitte des 18. Jahrhunderts infolge zielbewusster baulicher und wirtschaftlicher Förderung, unter anderem der Gründung eines Eisenwerkes 1745 durch den 1742–1763 amtierenden Oberbürgermeister Johann Georg von Langen (1699–1776) und durch die Verbindung der Klosterschule von Amelungsborn mit der Stadtschule. In geistiger Hinsicht setzte sich die lebhafte Bewegung fort mit dem Wirken des Stadtpfarrers und Titularabtes von Amelungsborn von 1775 bis 1779 Johann Friedrich Ludwig Häseler, der als rationalistischer Theologe und Mathematiker Bedeutung erlangte.Kröner: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 2, 1969, S. 241 Bis heute internationale Bedeutung und Beachtung erlangte Georg Ludwig Albrecht von Rantzau, geb. am 21. März 1714 in Holzminden, gest. 1786 als FeldmarschallJournal historique, S. 90. in französischen Diensten. Er berichtet in seinen 1741 auf Französisch erschienenen Memoiren„Mémoires du comte de Rantzow“ S. 2, Oxford Univ.; Übersetzung: „Die Memoiren des Grafen von Rantzau“ S. 1 neben seinen Erlebnissen an den Höfen Europas sehr ausführlich über einen längeren Holzminden-Aufenthalt von Samuel Jacob Falk, berühmt als Baal Shem of London, welchem Georgs Vater Alexander Leopold Anton von Rantzau, General und Reichsgraf, in seinem Domizil in Holzminden Zuflucht vor Verfolgung gewährt hatte. Diese Memoiren wurden als einzigartiges Kulturgut mikroverfilmt und wurden 1741 in Amsterdam in zwei Bänden herausgegeben.Mémoires du comte de Rantzow, ou les Heures de Récréation, à l’usage de la Noblesse de l’Europe, Pierre Mortier, Amsterdam 1741 (Bd. 1, Google Books).
Im April 1754 wurde ein „Herzogliches Leyhaus“ in der Stadt gegründet, aus dem 1765 die Braunschweigische Staatsbank entstand, die zwei Jahrhunderte später 1970 durch Fusion in der NORD/LB aufging. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Stadt am 15. Juli 1757 von den französischen Truppen unter Marschall Louis-Charles-César Le Tellier ohne Widerstand eingenommen und die Häuser geplündert.
Im Jahre 1831 wurde in der Stadt die Baugewerkschule durch den Kreisbaumeister Friedrich Ludwig Haarmann gegründet, aus der die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen hervorging.
19. Jahrhundert 1800–1849 mini|Das Gebäude des Amtsgerichts Holzminden, im Hintergrund die Grundschule Karlstraße mini|Das Gebäude des Rathauses von Holzminden Von 1811 bis Januar 1814 wurde die Stadt von Franzosen unter Napoleon Bonaparte besetzt und dem Königreich Westphalen angegliedert. Ab 1814 kam Holzminden zum Herzogtum Braunschweig.
Im Jahre 1817 befuhr erstmals ein Lastdampfschiff mit Namen „Die Weser“ den gleichnamigen Fluss. 1821 wurde das baufällige Rathaus auf dem Marktplatz abgerissen.
Am 1. Januar 1833 wurde die Stadt Sitz der Verwaltung des Kreises Holzminden des Herzogtums Braunschweig mit den Ämtern Holzminden, Eschershausen, Stadtoldendorf, Ottenstein und Thedinghausen.
In der Literatur ist Holzminden bekannt durch Wilhelm Raabe (1831–1910), der hier Kindheitsjahre (bis 1845) verlebte, und dessen Erzählungen teilweise hier spielen.
Ab 1840 bis in die 1960er Jahre produzierte die Holzwarenfabrik Fritz Ulrich GmbH.Am Pipping an einer ehemaligen Steinschleifmühle
Am 10. Oktober 1843 wurde der Personenschiffsverkehr auf der Weser aufgenommen. Das Schiff „Hermann“ fuhr erstmals von Hameln nach Hannoversch Münden. Besonders der Senator Friedrich-Wilhelm Meyer aus Hameln entwickelte den zunehmenden Reiseverkehr mit der Gründung der Oberweser-Dampfschiffahrtgesellschaft (OWD) mit den späteren kohlebefeuerten Raddampfern „Kaiser Wilhelm“, „Kronprinz Wilhelm“, „Fürst Bismarck“ und „Graf Moltke“. 2002 musste die OWD, die von den Anrainer-Kommunen mitgetragen wurde, Insolvenz anmelden.
Am 19. Oktober 1845 erfolgte die Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Neuen Straße, das nach dem Bau der Schule in der Karlstraße 1876/77 zum Rathaus der Stadt umgebaut wurde.