Haselünne ist eine Stadt im Landkreis Emsland im Hasetal in Niedersachsen.
Geografie
Lage Haselünne liegt am Fluss Hase im zentralen Teil des Emslandes. Es liegt rund 13 km östlich der Kreisstadt Meppen und rund 20 km nordöstlich von Lingen (Ems) entfernt.
Stadtgliederung Die Stadt Haselünne ist eine Einheitsgemeinde, sie umfasst neben der Kernstadt die Ortschaften Andrup, Bückelte, Dörgen, Eltern, Flechum, Hamm, Huden, Hülsen, Klosterholte, Lage, Lahre, Lehrte, Lohe, Lotten und Westerloh.
Nachbarorte Haselünne grenzt im Norden an Klein Berßen, Groß Berßen und Lähden, im Osten an Herzlake und Dohren, im Süden an Lengerich, Gersten und Bawinkel und im Westen an Geeste und Meppen.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Haselünne gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Die Hase ist das dominierende Oberflächengewässer in Haselünne und Umgebung. Sie fließt von Südosten in nordwestlicher Richtung durch Haselünne und weiter bis zur Mündung in die Ems bei Meppen. Der Fluss zeigt stark schwankende saisonale Pegelstände, im Sommer bei Niedrigwasser niedrige Pegelstände, im Winter/Frühjahr bei starken Niederschlägen bzw. Schneeschmelze deutlich erhöhte Pegelstände.
Nebenströme der Hase im Haselünner Raum sind die Lotter Beeke (linker Zufluss der Hase nordwestlich von Haselünne; sie mündet bei Haselünne-Lotten/Hamm in die Hase. Es ist ein typischer sandgeprägter Tieflandbach); und die Mittelradde (ca. 38 km langer Zufluss. Sie mündet bei Haselünne-Dörgen in die Hase und dient der Entwässerung feuchter Niederungsflächen).
Weitere kleine Gräben und Entwässerungsrinnen aus dem flachen Emsland entwässern über diese Haupt- und Nebenbäche in die Hase.
Das Naturschutzgebiet Dörgener Moor (NSG WE 029) ist ein klassisches Moorgebiet. Es ist ca. 88 ha groß und schützt Moorlandschaften sowie feuchte Waldbereiche.
Das Naturschutzgebiet Oewest (NSG WE 153) hat eine Fläche von ca. 15 ha und liegt nordwestlich von Haselünne und hat Hochmoorcharakter und Moortümpeln. Es ist überwiegend mit feuchten Moorwäldern (Bruchwald) bewachsen.
Das FFH-Gebiet „Untere Haseniederung“ (FFH 045) ist ein EU-geschützte Gebiet mit einer Fläche von über 2100 ha und umfasst den Unterlauf der Hase von Herzlake über Haselünne bis Meppen. Es enthält eine vielfältige Auenlandschaft mit feuchten Hochstaudenfluren, Altwassern, Feuchtwiesen, kleineren Stillgewässern und vernässten Grünlandflächen – viele davon strukturreiche Feuchtlebensräume.
Das Landschaftsschutz- (LSG EL 033) und Natura 2000–Naturschutzgebiet in der unteren Haseniederung (NSG WE 294) besteht aus 13 Teilflächen entlang der Hase bei Haselünne, darunter u. a. große Feuchtwiesen, verlandende Teiche und Niedermoorbereiche. Typische Lebensräume: Feuchtgrünland, Altarme der Hase, Feuchtwaldkomplexe und Bereiche mit stillen Gewässern (z. B. Koppelwiesen, Hasewiesen bei Eltern).
Im Gebiet der Haseniederung gibt es zahlreiche feuchte Lebensräume, die feuchte und vernässte Bedingungen aufweisen: (1) Koppelwiesen (Teilgebiet westlich von Haselünne): extensive Feuchtwiesen und Niedermoorbereiche mit Röhrichten und Sumpfstaudenfluren, (2) Haselünner Kuhweiden: südlich der Stadt großflächige Feuchtgrünländer, historisch genutzte Weiden mit Bezug zu Hochwasserbereichen der Hase.
Die Stadt Haselünne ist hydrologisch dadurch geprägt, dass die Hase im Unterlauf oft niedrige Fließgeschwindigkeiten und anthropogen veränderte Gewässerstrukturen aufweist, was Hochwasser- und Grundwassermanagement sowie Regenwasserbewirtschaftung vor besondere Herausforderungen stellt (z. B. hoher Grundwasserstand für Bauprojekte, Regenwasserbewirtschaftung) und Maßnahmen wie naturnahen Hochwasserschutz entlang der Hase erfordert. Ökologisch liegt ein Schwerpunkt in der Sicherung und Revitalisierung naturnaher Auenlandschaften und Feuchtbiotope im FFH- und Natura 2000–Naturschutzgebiet in der unteren Haseniederung zwischen Haselünne und Meppen, um die Lebensraumqualität für Flora und Fauna zu verbessern und zu erhalten. Zusätzlich erfordert die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und die Abwasserbewirtschaftung fortlaufende Anpassungen, wie den Ausbau der Wasserinfrastruktur und regelmäßige Spülungen von Leitungen, um ökonomisch-ökologische Nachhaltigkeit und Schutz der Ressource Wasser zu gewährleisten.
Untergrundverhältnisse Haselünne liegt im flachen Emsland innerhalb der Norddeutschen Tiefebene. Die Landschaft ist durch die Eiszeiten des Pleistozäns geprägt und besteht überwiegend aus quartären Lockersedimenten wie Sand, Kies und Schluff, die während der Saale- und Weichsel-Kaltzeit durch Schmelzwasser und Wind abgelagert wurden. Eine direkte Vergletscherung des Gebiets fand nicht statt. In Senken entstanden nach dem Ende der Eiszeiten Moore und Niedermoore.
Die Hase formte mit ihrem geringen Gefälle eine typische Flusslandschaft mit Mäandern, Altwässern und Terrassensanden. Festes Gestein tritt an der Oberfläche nicht auf; unter den quartären Ablagerungen liegen tiefere Sedimente, unter anderem aus der Kreidezeit, mit Erdöl- und Erdgasvorkommen.
Die durchlässigen Lockersedimente bilden wichtige Porengrundwasserleiter. Das Gebiet gehört zum Grundwasserkörper „Hase-Lockergestein Rechts“, dessen Grundwasser überwiegend durch Niederschläge gespeist wird. Der Hauptgrundwasserleiter aus sandigen und kiesigen Quartärsedimenten reicht bis in mehrere zehn Meter Tiefe; zusätzlich sind tiefere sandige Schichten wasserführend.
Nördlich der Innenstadt von Haselünne befindet sich das Wasserschutzgebiet Haselünne-Stadtwald (Gebietskennung 03454019101) mit einer Fläche von ca. 13 km².
Klima Gemäßigtes Seeklima beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Haselünne 8,5–9,0 °C und es fallen ca. 700 mm Niederschlag. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.
Geschichte mini|Darstellung der Haselünner Wirtschaftsgeschichte auf dem Historischen Korn- und Hansemarkt
Bodenfunde und Hünengräber weisen auf eine Besiedelung im heutigen Stadtgebiet von Haselünne in der jüngeren Steinzeit hin. Der Wohnplatz Haselünne-Dörgen wurde 1935 von F. Wolf im Bereich einer Sandentnahmestelle entdeckt. Um 500 n. Chr. befand sich ein sächsischer Haupthof im Raum der heutigen Hofstätte. Im nahen Flusslauf wurde durch Einlegen von Rundhölzern eine Furt errichtet. Diese Rundhölzer hießen „lunni“ und sie gaben dem Ort den Namen „Lunni“, „Lunne“ und mit der Flussbezeichnung „Hassa“ = dunkles Wasser = Hase schließlich den Namen Haselünne. Diese in der Literatur häufig erwähnte Deutung wird von der Philologin Claudia Maria Korsmeier im Buch über die Ortsnamen des Emslandes bezweifelt. Korsmeier hält sie nicht für schlüssig: Der Ortsname sei zu alt, um einen derart speziellen Sachverhalt zu bezeichnen. Darüber hinaus wäre die Verwendung eines Furt-Namens eher zu erwarten gewesen.
834 hatte Kaiser Ludwig der Fromme, Nachfolger und Sohn Karls des Großen, dem Kloster Corvey Meppen mit allem Zubehör geschenkt. Hierzu zählte auch die Kirche mit dem Haupthof Lunni. Um 1000 wird mehrfach der Herrenhof Lunni in den Corveyschen Abgaberegistern genannt. In derselben Zeit wird Haselünne urkundlich „oppidum“ genannt, das mit „Wigbold“ = befestigter Handelsplatz zu übersetzen ist. Mit der Bezeichnung „oppidum“ sollte die überörtliche Bedeutung des Ortes herausgestellt werden. Um 1130 fiel der Hof Lunni im Erbgang an die Grafen von Vechta-Ravensberg. Diese gründeten auf dem Gelände des Hofes eine Burg zur Sicherung ihrer Besitzungen im Emsland und des hiesigen Übergangs über die Hase. Erstmals erwähnt wird die Burg „tho Lünne“ 1238 im Verlobungsvertrag zwischen Graf Heinrich von Tecklenburg und Jutta von Ravensberg. Die Burg lag nördlich der Kirche ungefähr im Bereich des heutigen Platzes „Hopfenmarkt“. Bei Bauarbeiten konnte dort ein Graben von 5–7 m Breite auf einer Länge von 40 m festgestellt werden.
1252 kaufte der Bischof von Münster die Besitzungen der Ravensberger. Die Stadtrechte, die Haselünne schon vor 1250 erhalten hatte, wurden am 25. März 1272 vom Bischof von Münster urkundlich „erwähnt und erneuert“. Die Stadt gehörte zu dem Bund der Städte zwischen Rhein und Elbe, der 1268 gegründet wurde, um sich gegenseitig gegen Störenfriede des Handels zu schützen und zu verteidigen. Dieser Bund erweiterte sich später zur Hanse (1351 urkundliche Erwähnung). 550 Jahre gehörte Haselünne zum Niederstift des Hochstifts Münster.
Nachdem die Burg durch die Befestigung der Stadt ihre Bedeutung verloren hatte, übertrug sie Bischof Ludwig II. von Münster am 18. Dezember 1319 den Bürgern von Haselünne. In der Folge wurde sie aufgegeben, die Burgmannen bekamen aber 1346/47 die Erlaubnis, innerhalb der Stadt befestigte Sitze anzulegen. Der Haupthof des Bistums Münster bestand auch nach der Aufgabe der Burg weiter.
1803 wurden die geistlichen Fürstentümer durch den Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst. Haselünne gelangte unter die Herrschaft des Herzogs von Arenberg. 1826 ging die Landeshoheit auf das Königreich Hannover über. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 zwischen Preußen und dem Deutschen Bund fiel das Königreich Hannover an Preußen; seit 1946 das Land Niedersachsen.
1977 ging auch Haselünne an den damals aus den Altkreisen Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen (Ems) gegründeten Landkreis Emsland.
Historische Daten 1025: Haselünne erhält das Marktrecht 1252: Der Bischof von Münster kauft die Besitzungen der Ravensberger, Haselünne gehörte nun zum Niederstift Münster. 1272: Der Bischof von Münster erneuert die Stadtrechte, die Haselünne schon vorher erhalten hatte. 1319: Bischof Ludwig II. von Münster übergibt die bischöfliche Burg den Bürgern von Haselünne. In der Folge wird sie aufgegeben, die Burgmannen siedeln sich in der Stadt an. 1351: Aufnahme der Stadt in die Hanse. 1636: Schlacht bei Haselünne im Dreißigjährigen Krieg 1733: Am 11. Juli werden 45 Gebäude durch einen Brand zerstört. 1751: Erneuter Stadtbrand, bei dem 51 Häuser eingeäschert werden. 1798: Am 18. Oktober bricht im Hause des Prokurators Anton Pattkamp an der Hasestraße ein Feuer aus, das auf die Achterstraße, die Steintorstraße und den Markt übergreift. Etwa 80 Häuser werden ein Raub der Flammen. Rathaus und Apotheke können gerettet werden. 1803: Das Hochstift Münster wird auf Grund der Beschlüsse des Reichsdeputationshauptschlusses aufgelöst. Das Amt Meppen und damit auch Haselünne geht an den Herzog von Arenberg als Ersatz für den Verlust seiner linksrheinischen Gebiete. 1810: Haselünne wird Teil des französischen Kaiserreichs. 1815: Die Landeshoheit geht auf das Königreich Hannover über. 1849: Bei dem großen Stadtbrand vom 10. August werden 101 Häuser vernichtet 1866: Das Königreich Hannover, und damit Haselünne, wird preußisch. 1894: Die Meppen-Haselünner Eisenbahn eröffnet die namensgebende Eisenbahnstrecke von Meppen nach Haselünne 9. April 1945: westalliierte Truppen besetzen Haselünne.info-haseluenne.de 1946: Die Stadt gehört zum neu gebildeten Land Niedersachsen. 1977: Bei der niedersächsischen Kreisreform werden am 1. August die ehemaligen Landkreise Lingen, Meppen und Aschendorf-Hümmling zum Landkreis Emsland vereinigt.
Eingemeindungen mini|Stadtgebiet von Haselünne Am 1. März 1974 wurden die folgenden Orte eingemeindet: Andrup (397) Bückelte Dörgen (139) Eltern (764) Flechum (522) Hamm (80) Huden (130) Hülsen (148) Klosterholte Lage (183) Lahre Lehrte (573) Lohe (272) Lotten Westerloh (332)
Herkunft und Bedeutung der Namen Bückelte: Der Name des Ortes hieß in alter Zeit Boclithi, was buchenbestandener Abhang bedeutet; „lithi“ findet sich sowohl als Bestimmungswort wie als Grundwort und bedeutet abhängendes Gelände.