Garbsen () ist eine Stadt in Niedersachsen und befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Landeshauptstadt Hannover. Garbsen ist eine Mittelstadt und hat den Status einer selbständigen Gemeinde gemäß Niedersächsischem Kommunalverfassungsgesetz. Die Stadt gehört zum Kommunalverband Region Hannover.
Im Zuge der Industrialisierung und insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bevölkerung Garbsens und ihrer Vorgängerkommunen stark zu. Mit dem Stadtteil Auf der Horst entstand ab 1963 ein als Wohn- und Arbeiterviertel konzipiertes Quartier für bis zu 10.000 Bewohner. Ursprünglich durch die Landeshauptstadt Hannover geplant, wurde das Quartier ein bedeutender Faktor für die städtische Entwicklung Garbsens.
Garbsen war in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit vor allem eine Schlafstadt für Arbeiter in den Industriebetrieben Hannovers, wie Volkswagen Nutzfahrzeuge, Continental und Varta, heute Johnson Controls. Seitdem hat Garbsen einen deutlichen Wandel der Wirtschaftsstruktur erfahren. Es haben sich vorwiegend mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen angesiedelt und die Zahl der Arbeitsplätze hat sich mehr als verdoppelt.
Geografie 180px|mini|Die Lage von Garbsen in der Region Hannover
Lage Garbsen gehört zum Naturraum Weser-Aller-Flachland und liegt zwischen der Niederung der Leine und dem Otternhagener Moor. Die Höhenunterschiede betragen wenige Meter.
Stadtgliederung Die Stadt Garbsen ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in die Stadtteile Altgarbsen Auf der Horst Berenbostel Frielingen Garbsen-Mitte Havelse Heitlingen Horst Meyenfeld Osterwald Oberende Osterwald Unterende Schloß Ricklingen Stelingen
Ausdehnung des Stadtgebiets alternativtext=X Fitpointnei1109|mini|Stadtpark Das Stadtgebiet hat eine Ausdehnung von 79,32 km².
Nachbargemeinden
Geologie Die Böden in Garbsen sind überwiegend sandig beziehungsweise moorig (Moorgeest), ausgenommen sind die lehmig tonigen Böden im Bereich der Leine-Aue. Die sandigen bis kiesigen Ablagerungen sind fluviatile Bildungen der letzten Kaltzeit, der Weichsel-Kaltzeit, zum Beispiel im Bereich Altgarbsen und Havelse, sowie anderorts, wie Frielingen und Meyenfeld, Schmelzwasserablagerungen zum Teil mit überlagernder Grundmoräne der Saale-Kaltzeit (Drenthe-Stadium). Weiterhin finden sich fein- bis mittelsandige Dünen im Bereich der Garbsener Schweiz und von Schloss Ricklingen. Auch im benachbarten Hinüberschen Garten (Hexenturm) und am Glockenberg im Klosterforst von Marienwerder sind diese Dünen zu finden.
Der Sand wurde in (Alt-)Garbsen in der Zeit beginnend vor dem Ersten Weltkrieg bis 1970 an mehreren Stellen abgebaut und in den Garbsener Hartsteinwerken (Kiebitzmoor, „Garbsen“, „Niedersachsen“, „Hansa“ und „Hannover“) zu Kalksandsteinen gebrannt. So verschwanden Garbsens Anhöhen, und heute erinnern nur noch Straßennamen daran (darunter Osterberg, Mühlenberg, Streitberg, Pottberg). Sand und Kies für Bauzwecke wurden in der Grube des heutigen Blauen Sees gewonnen.
Oberflächennahe Tone und Tonsteine der Unterkreide finden sich im Bereich des Stadtteils Berenbostel. Die zum Teil mergeligen Tonsteine marinen Ursprungs gehören im Bereich Berenbostel zur Formation des Barremiums und des Aptiums, weiter nördlich nach Stelingen, Osterwald und Heitlingen zu, gehören die Tonsteine zur Formation des Hauteriviums. Die Tone wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls abgebaut und zur Ziegelherstellung genutzt (Hannoversche Ziegelei am Kastendamm: heute Schwarzer See und Berenbosteler See, Flemmingsche Ziegelei auf der Flur „Im Kolke“: heute verfüllt (Altlast) und überbaut als Gewerbegebiet Garbsen-Ost).
Auf dem Garbsener Stadtgebiet befanden sich mehrere Ziegelei-Betriebe. Dies waren von 1870 bis 1914 die Ziegelei Rosemeier in Havelse, die Ziegelei Plass in Garbsen, die Ziegelei Stille in Garbsen, von 1895 bis 1919 die Ziegelei Schünhoff in Kastendamm, von 1891 bis 1914 die Ziegelei Windmeier in Kastendamm, von 1885 bis 1966 die Hannoversche Ziegelei in Kastendamm, die Flemmingsche Ziegelei in Berenbostel, von 1908 bis 1914 das Hartsteinwerk Kiebitzmoor, von 1929 bis 1945 das Hartsteinwerk Hansa, ab 1930 das Hartsteinwerk Windmeier, von 1933 bis 1981 das Hartsteinwerk Niedersachsen und von 1932 bis 1992 das Hartsteinwerk Hannover.
Geschichte mini|Kirche Altgarbsen mini|Barockkirche in Osterwald Frühe urkundliche Erwähnungen mit Bezug zum Gebiet des heutigen Garbsen sind verbunden mit dem räumlich benachbarten, 1196 gegründeten Kloster Marienwerder sowie der Grafschaft Lauenrode (13. Jahrhundert) mit dem Bereich Schloß Ricklingen. Der Ortsname „Garbsen“, bei dem es sich entweder um eine Ableitung von einem germanischen Personennamen der ersten Ansiedler handelt oder nach anderer Auffassung um eine Verkürzung von „Gerberhausen“ (Gerber hier Berufsbezeichnung) handelt, lässt sich in einer Urkunde erstmals 1223 nachweisen.
Im Gebiet der heutigen Stadt Garbsen, das durch Höhenrücken, Gewässer und Moore geprägt ist, fand die Siedlungsentwicklung im Wesentlichen auf den ehemals bewaldeten, eiszeitlich entstandenen Höhenrücken statt. Die einzelnen Ortschaften entwickelten sich unabhängig voneinander. Vorhandene Rohstoffe für Ziegeleien bestimmten die wirtschaftliche Entwicklung. Schon 1925 war fast die Hälfte der Bevölkerung dem nicht landwirtschaftlichen Erwerb zuzurechnen.
Durch die Zweigniederlassung der „Continental“-Gummiwerke (1938) und durch die Akkumulatorenfabrik „VARTA“ (1938/39) in dem Garbsen nahegelegenen hannoverschen Stadtteil Stöcken sowie durch die Existenz des chemischen Werks „Riedel-de Haën“ (heute „Honeywell“) in Seelze änderte sich das Erscheinungsbild von Garbsen. Der ländliche Charakter ging im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung verloren.
Die Gemeinden Garbsen und Havelse, einschließlich des damals neu errichteten Stadtteils Auf der Horst, schlossen sich am 1. Januar 1967 zur neuen Gemeinde Garbsen zusammen, die am 17. Juli 1968 Stadtrechte erhielt. Die Ortschaften gehörten zum Landkreis Neustadt am Rübenberge, der später im Landkreis Hannover aufging. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung (Gebietsreform) am 1. März 1974 kamen die Gemeinden Schloß Ricklingen, Horst, Meyenfeld, Frielingen, Osterwald Oberende und Unterende, Stelingen, Berenbostel und Heitlingen dazu. Zu Beginn der 1980er Jahre entstand der neue Stadtteil Garbsen-Mitte, der bis heute durch starken baulichen Zuwachs gekennzeichnet ist. In Garbsen-Mitte befinden sich seit 1998 das Rathaus, zwei Einkaufszentren, ein Kino, Restaurants und Cafés.
Heute (Stand 31. März 2020) zählt Garbsen als sogenanntes Mittelzentrum mit Wohn- und Arbeitsstätten rund 63.000 Einwohner. Der Bereich des ehemaligen Garbsen ist heute der Stadtteil Altgarbsen.
Gemeindezusammenschlüsse 1. Januar 1967: Gemeinde Havelse 1. März 1974: Gemeinden Berenbostel; Frielingen; Heitlingen; Horst; Meyenfeld; Osterwald (Ober- und Unterende); Schloß Ricklingen und Stelingen
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Garbsen nur ein kleines Dorf mit wenigen dutzend Einwohnern. Die Bevölkerungszahl wuchs nur langsam und ging durch die zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. Durch die Industrialisierung im 20. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1910 erst 757 Menschen in der Gemeinde, so waren es 1966 bereits 11.467. Durch die Eingemeindung von Havelse (11.732 Einwohner 1966) stieg die Bevölkerungszahl am 1. Januar 1967 auf 23.199.
Der Zusammenschluss mit zahlreichen Umlandgemeinden am 1. März 1974 brachte einen Zuwachs von 29.043 Personen auf über 56.000 Einwohner. Am 30. September 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Garbsen nach Fortschreibung des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik 63.097 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bei 1730 handelt es sich um eine Schätzung, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.
Jahr/Datum Einwohner Quelle 1730 150 1885 452 1910 (1. Dezember) 757 ¹ 1925 1080 1933 1080 1939 1459 1950 2575 1966 (31. Dezember) 11.467 1967 (31. Dezember) 24.800 1968 (31. Dezember) 26.188 1970 (27. Mai) 26.254 ¹ 1973 (1. Januar) 27.294 1975 (31. Dezember) 56.337 1980 (31. Dezember) 57.522 Jahr/Datum Einwohner Quelle 1985 (31. Dezember) 57.249 1987 (31. Dezember) 58.394 1990 (31. Dezember) 60.776 1995 (31. Dezember) 62.681 2000 (31. Dezember) 63.269 2005 (31. Dezember) 63.123 2010 (31. Dezember) 61.790 2011 (31. Dezember) 61.652 2015 (31. Dezember) 60.590 2016 (31. Dezember) 60.853 2017 (31. Dezember) 60.875 2018 (31. Dezember) 60.754 2019 (31. Dezember) 61.032 2024 (31. Dezember) 59.903 ¹ Volkszählungsergebnis
Konfessionsstatistik Am 31. Dezember 2019 waren 30 % der Einwohner evangelisch-lutherisch und 14 % römisch-katholisch. 56 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos. Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken und die Personen, die keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehören, machen mit 59 % (Stand 31. Dezember 2022) eine absolute Mehrheit der Bevölkerung aus.Region Hannover (Hrsg.)Region Hannover Kurzinformationen 12/2023 Bevölkerung nach Religionszugehörigkeit; PDF, abgerufen am 26. November 2023.
Politik
Rat mini|Rathaus Garbsen Der Rat der Stadt Garbsen setzt sich nach der Ratswahl am 12. September 2021 aus 42 Ratsfrauen und -herren folgender Parteien und Gruppierungen zusammen (mit Vergleich zur Wahl 2016): Partei / Liste Sitze 2021 Sitze 2016 SPD 15 16 CDU 13 13 AfD 3 5* Grüne 6 3 FDP 3 2 Die Linke 1 1 Die Unabhängigen 1 1 Fraktionslos – 1 * 1 Sitz unbesetzt
Von den Mitgliedern des Rates sind 13 Frauen.
Bürgermeister Bürgermeister der Stadt Garbsen ist seit 1. November 2021 Claudio Provenzano (SPD). In der Stichwahl am 26. September 2021 setzte er sich gegen seinen Mitbewerber Björn Tegtmeier (CDU) mit 55,83 % der gültigen Stimmen durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,26 %.Stadt Garbsen, Ergebnis der Stichwahl des/der Bürgermeisters/in am 26. September 2021 Zuvor war Christian Grahl (CDU) Bürgermeister Garbsens gewesen. Er löste seinen Vorgänger Alexander Heuer (SPD) ab, der in der Stichwahl am 15. Juni 2014 mit 32,8 Prozent der Stimmen unterlag.
Seit 1998 ist der Bürgermeister zugleich Verwaltungschef. Zuvor wurde die Verwaltung von einem hauptamtlichen Stadtdirektor geführt.
Historie 1974–1981: Karl-Heinz Strehlke (SPD) 1981–1986: Heinz Priebe (CDU) 1986–2006: Wolfgang Galler (SPD, seit 1998 als hauptamtlicher Bürgermeister Verwaltungschef) 2006–2014: Alexander Heuer (SPD) 2014–2021: Christian Grahl (CDU) seit 1. November 2021: Claudio Provenzano (SPD)
Stadtdirektoren 1974–1986: Jan Höötmann 1986–1998: Klaus Kurtze
Ortschaften Die Stadt Garbsen ist untergliedert in die Ortschaften Garbsen, Berenbostel, Horst und Osterwald, für die jeweils ein Ortsrat gewählt wird. Die Ortsräte entscheiden über Angelegenheiten der jeweiligen Ortschaft, beispielsweise über Zuschüsse an lokale Vereine und Projekte oder über die Benennung von Straßen. In allen die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten sind sie in den politischen Entscheidungsprozess eingebunden. Außerdem entsenden die Ortsräte Ortsratsmitglieder als stimmberechtigte oder beratende Mitglieder in Ausschüsse des Rates. Ratsfrauen und Ratsherren gehören als beratende Mitglieder demjenigen Ortsrat an, in dessen Gebiet sie wohnen.
Ortschaft Garbsen