Elsfleth [] ist eine Kleinstadt mit knapp 9200 Einwohnern im Landkreis Wesermarsch im niedersächsischen Oldenburger Land. Die Stadt ist nach Butjadingen und der Ovelgönne die drittgrößte Kommune der WesermarschLSN-Online: Tabelle A100001G, Landesamt für Statistik Niedersachsen Bevölkerung und Katasterfläche in Niedersachsen (Gebietsstand: 1.11.2021, Datenstand: 31.12.2022) und einer der ältesten Orte an der Unterweser. Ab 1620 wurde dort der für die Grafschaft Oldenburg wichtige Weserzoll erhoben. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich neben dem Hafenbetrieb auch eine Schiffbauindustrie nebst Seefahrtschule. Von 1814 bis 1933 war Elsfleth Sitz des Amtes Elsfleth.

Name Frühere Bezeichnungen des Ortes sind im Jahr 1220 Elsflete, 1285 Elsvlete und 1383 Elsfleth, dann 1528 Elszvleith. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich der heutige Name durch.Erich Keyser: Deutsches Städtebuch, Kohlhammer, 1939, S. 120, Anm. 1. Er ist eine Zusammensetzung aus else, also Erle und vlêt für Gewässer.

Geografie mini|Elsfleth, Ortsteile Oberhammelwarden (vorn) und Lienen, links oben die Huntemündung in die Weser und der Sportboothafen Lage Elsfleth liegt auf der Nordseite der Hunte, die aus dem Oldenburger Land kommt. Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich bis zu deren Einmündung in die Weser. Die Stadt Oldenburg befindet sich südwestlich von Elsfleth. In südöstlicher Richtung liegt Bremen.

Im Norden wird die Stadt durch die Gemeinde Ovelgönne und im Nordosten durch die Kreisstadt Brake begrenzt. Im Osten bildet die Weser die Kreisgrenze zur gegenüberliegenden Gemeinde Schwanewede im Landkreis Osterholz. Im Südosten grenzt Elsfleth an die Gemeinde Berne und im Süden an die Gemeinde Hude im Landkreis Oldenburg. Im Südwesten besitzt die Stadt eine Grenze mit der Stadt Oldenburg und im Westen grenzt sie an die Gemeinde Rastede im Landkreis Ammerland.

Ortsteile/Bauerschaften mini|Bauernhaus in Dalsper Aus folgenden Ortsteilen und Bauerschaften besteht die Stadt: Bardenfleth, Burwinkel, Butteldorf, Dalsper, Eckfleth, Elsfleth (Kern), Elsflether Sand, Gellen-Paradies-Fuchsberg, Huntorf, Lichtenberg, Lienen, Moordorf / Moorhausen, Moorriem, Neuenbrok, Neuenfelde, Niederhörne, Nordermoor, Oberhammelwarden, Oberhörne und Sandfeld.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Elsfleth gehört zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser und ist Teil der tidebeeinflussten Marschlandschaft der Wesermarsch.

Die Gemeinde liegt direkt an der Unterweser und wird durch ein dichtes Netz aus Fließgewässern, Kanälen und Entwässerungsgräben geprägt.

Zu den wichtigsten Oberflächengewässern zählen die Weser als Hauptfluss, die Hunte als bedeutender Nebenfluss mit Mündung in die Weser bei Elsfleth sowie der Moorriemer Kanal als zentrales Entwässerungsgewässer.

Zudem gibt es zahlreiche Gräben und Wettern, darunter der Ipweger Moorkanal und das Kortendorfer Tief.

Diese Gewässerstruktur ist typisch für die Marschlandschaft und dient vor allem der Entwässerung, der Hochwasserregulierung und der Schifffahrt.

Elsfleth liegt in einer historisch stark vermoorten Niederungslandschaft, deren ursprüngliche Moorflächen größtenteils entwässert und landwirtschaftlich genutzt wurden. Dennoch bestehen weiterhin bedeutende Moorreste und Feuchtgebiete.

Das Hammelwarder Moor (etwa 750 Hektar) ist ein großes Moorgebiet im Gemeindegebiet. Es besteht überwiegend aus Niedermoorflächen mit kleineren Hochmoor- Restbeständen und wird vorwiegend als Grünland genutzt. Ein kleiner Teil ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Ein weiteres bedeutendes Moor ist das Ipweger Moor, dessen östliche Randbereiche in das Gemeindegebiet von Elsfleth hineinreichen. Das insgesamt rund 90 km² große Moorgebiet weist großflächige Hochmoorbereiche auf, die unter Naturschutz stehen (NSW WE 172).

Das Rockenmoor ist ein ehemaliges Hochmoor im Norden der Gemeinde Rastede sowie im südlichen Stadtgebiet von Elsfleth. Es gehört heute zum Naturschutzgebiet „Gellener Torfmöörte mit Rockenmoor und Fuchsberg“ (NSG WE 313). Historisch wurde das Moor stark entwässert und teilweise abgetorft. Reste naturnaher Moorvegetation sind jedoch erhalten geblieben. Das Gebiet besitzt hohe Bedeutung für den Biotop- und Klimaschutz.

Wichtige Feuchtgebiete bilden zudem die Moorriemer Marsch mit Feuchtgrünland- und Niedermoorböden sowie die Auen- und Überschwemmungsbereiche entlang der Weser und der Hunte und des Moorhauser Polders (NSG WE 136).

Die hydrologischen Rahmenbedingungen sind durch den Tideeinfluss der Unterweser, den hohen Grundwasserstand und ein dichtes Entwässerungsnetz geprägt. Zentrale Herausforderungen ergeben sich aus Hochwasserschutz, Wasserstandsregulierung in Marsch- und Moorgebieten sowie zunehmenden Sturmfluten und Meeresspiegelanstieg. Ökologisch stehen die Entwässerung von Moorböden, der Verlust naturnaher Feuchtlebensräume und die Degradation der Gewässer im Vordergrund, was zu erhöhten Treibhausgasemissionen, verringerter Biodiversität und veränderten Wasserhaushaltsbedingungen führt. Im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung und des niedersächsischen Moorschutzprogramms werden gezielte Wiedervernässungsmaßnahmen umgesetzt, insbesondere im Bereich Elsfleth-West. Ziel ist die Reduzierung von Torfabbau, Treibhausgasfreisetzung und die Stabilisierung des Wasserhaushalts sowie die Förderung typischer Moor- und Feuchtbiotope.

Naturschutzgebiete Auf dem Elsflether Gemeindegebiet befinden sich mehrere Naturschutzgebiete, für die der Landkreis Wesermarsch die zuständige untere Naturschutzbehörde ist. Sie liegen alle im nur dünn besiedelten südwestlichen Teil des Gemeindegebietes an der Grenze zur Stadt Oldenburg.

Das Naturschutzgebiet Gellener Torfmöörte mit Rockenmoor und Fuchsberg ist 313 Hektar groß. Es besteht aus drei Teilflächen und ist im Dezember 2018 durch die Zusammenlegung und Erweiterung der bisherigen Naturschutzgebiete Gellener Torfmöörte und Rockenmoor/Fuchsberg entstanden. Es sichert einen kleinen Ausschnitt des früher weitflächigen Ipweger Moores.

Die vor der Zusammenlegung 120 Hektar große Gellener Torfmöörte besteht aus einem Hochmoor- und Niedermoorkomplex mit brachliegendem Moorgrünland, Teichen, Verlandungs- und Waldgesellschaften sowie Torfstichen und Moorheiden. Das 155 Hektar große Hochmoorgebiet Rockenmoor/Fuchsberg besteht aus zwei Teilen und liegt zwischen der Stadt Oldenburg und der Gemeinde Elsfleth am Rand der Geest im Übergangsbereich zur Wesermarsch.

Das 99 Hektar große Naturschutzgebiet Moorhauser Polder liegt im Westen der Gemeinde Elsfleth und ist Teil des EU-Vogelschutzgebietes Hunteniederung. Beim Moorhauser Polder handelt es sich um ein Überschwemmungsgebiet, dessen Wiesen im Herbst und Winter oft überflutet sind und daher ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel bilden. Im Westen grenzt dieses Gebiet direkt an das 350 Hektar große Naturschutzgebiet Bornhorster Huntewiesen, das sich aber zum größten Teil auf Oldenburger Gebiet befindet, denn nur rund 10 Hektar der Fläche liegen auf Elsflether Gemeindegebiet. Das Feuchtwiesengebiet ist ein Vogelrastplatz von internationaler Bedeutung.

Untergrundverhältnisse Elsfleth liegt in der norddeutschen Küstenebene innerhalb der Wesermarsch und ist geologisch durch quartäre, vorwiegend holozäne Marsch- und Moorablagerungen geprägt. Diese bestehen hauptsächlich aus Klei, Schluff, Feinsand und Torf und überlagern pleistozäne Sand- und Kieslagen. In größerer Tiefe folgen tertiäre Sedimente, deren Grundwasser häufig brackig bis salin ist.

Hydrogeologisch dominieren gering durchlässige Marschsedimente, die oberflächennahe Grundwasserleiter aus sandigen Schichten einschließen. Der erste Grundwasserleiter liegt in holozänen und oberflächennahen pleistozänen Sanden in etwa 2 bis 5 m unter Geländeoberkante. Er ist stark durch Niederschläge und den Tideeinfluss der Unterweser geprägt, weist entsprechend stark schwankende Wasserstände auf und ist aufgrund der geringen Überdeckung hydraulisch wenig geschützt. Der zweite, bedeutendere Grundwasserleiter befindet sich in tiefer liegenden pleistozänen Sand- und Kieslagen in etwa 20 bis 40 m Tiefe. Er ist durch Klei- und Schluffschichten hydraulisch vom oberen Grundwasserleiter getrennt, meist gespannt und stellt die wichtigste Ressource für die regionale Trinkwasserversorgung dar. Beide Grundwasserleiter gehören zum norddeutschen Lockergesteins-Aquifersystem. Der Grundwasserstand wird insgesamt maßgeblich durch Tideeinfluss, Niederschläge sowie das künstliche Entwässerungssystem gesteuert. Aufgrund der geringen Überdeckung, der hohen Durchlässigkeit und der Nähe zur Weser ist das hydrogeologische System besonders empfindlich gegenüber Salzwasserintrusion und anthropogenen Einflüssen.

Geschichte Kaiserzeitliche Siedlung (bis 6. Jahrhundert) Elsfleth ist mit einer ersten urkundlichen Erwähnung um 1220 einer der älteren Orte an der Unterweser. Teile des heutigen Stadtgebietes waren aber lange vorher besiedelt. Claudius Ptolemäus verzeichnet in seiner Geographischen Anleitung einen Ort Tecelia (griech. Tekelia) im nördlichen Germanien, der u. a. mit dem heutigen Zetel im Landkreis Friesland identifiziert wurde. Eine mathematische Transformation der antiken Koordinaten ergibt jedoch für Tecelia eine Lage von 8° 27′ N 53° 23′ E, was der Lage von Elsfleth-Hogenkamp entspricht.Dieter Lelgemann, Eberhard Knobloch, Andreas Kleineberg, Christian Marx: Germania und die Insel Thule, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, S. 29, 42. Bei Hogenkamp wurde in verkehrsgünstiger Lage nahe der Huntemündung einer von mehreren germanischen Siedlungsplätzen der römischen Kaiserzeit an der Unterweser entdeckt, der bis ins 6. Jahrhundert genutzt wurde. Dort fand sich eine Uferrandbefestigung der römischen Kaiserzeit.Kai Mückenberger: Elsfleth-Hogenkamp. Archäologische Funde des 1. Jahrtausends n. Chr. am Zusammenfluss von Hunte und Weser, Rahden/Westf. 2013.

Entstehung, Mittelpunkt Stedingens, Grafschaft Oldenburg (ab 1350) mini|Nicht genordete Karte mit dem Stedinger Land aus dem 17. Jahrhundert Die genaue Entstehungszeit des frühmittelalterlichen Elsfleth ist unbekannt. Um 860 soll Bischof Ansgar von Bremen die erste Kirche des Ortes gegründet haben.

Im 12. Jahrhundert sowie im 13. Jahrhundert, zur Zeit der Stedinger, war Elsfleth der kirchliche Mittelpunkt Stedingens. 1350 kam Elsfleth unter die Herrschaft der Grafen von Oldenburg. 1504 wurde die St.- Nicolai-Kirche erbaut und 1690 zu ihrer heutigen Form umgebaut.

Weserzoll (1624–1820) mini|hochkant|Anton Günther, von 1603 bis 1667 Reichsgraf von Oldenburg, verlangte 1612 einen Weserzoll Durch die Errichtung des Elsflether Weserzolls durch Graf Anton Günther 1620 zunächst in Brake, dann ab 1624 in Elsfleth, erfuhr „der etwas stadtähnliche Flecken Elsfleth“Stefan Volkmar Heitzmann: Die Sozialstruktur in den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst Mitte des 18. Jahrhunderts. Eine Studie auf der Grundlage der Steuererhebung von 1743/44 und verwandter Quellen, LIT Verlag, Münster, 2011, S. 59. einen Aufschwung, wenn er auch drei Jahrzehnte lang umstritten war. Trotz des Widerstands der Stadt Bremen, die 1623 und 1624 mit Gewalt die Zolleinnahme zu verhindern suchte, entschieden die obersten Reichsorgane zugunsten des Zolls.Johann Just Winckelmann: Oldenburgische Chronica, Saurmann, Bremen 1721, S. 289–291. Der Weserzoll, 1638 vom Kaiser und 1643 vom Reichstag bestätigt, stieß weiterhin auf Bremer Widerstand, sodass die Stadt von 1652 bis 1653 in Reichsacht genommen wurde.