Buchholz in der Nordheide ist die größte Stadt und nach Seevetal die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises Harburg und liegt am nördlichen Rand der Lüneburger Heide. Sie ist eine selbständige Gemeinde, gehört zu Niedersachsen und liegt ca. 30 km südlich von Hamburg in der gleichnamigen norddeutschen Metropolregion.

Geographie Geographische Lage Buchholz in der Nordheide liegt am Ostrand der Schwarzen Berge, am Übergangsbereich von deren Nordteil, den Harburger Bergen, zu deren Südteil, den Lohbergen. Sie gehören zur Hohen Heide, einem Endmoränenzug des Drenthe-II- sowie des Warthestadiums der Saaleeiszeit. Die höchsten Erhebung ist der nahe dem Buchholzer Ortsteil Sprötze in der Lohberge liegende Brunsberg (). Weitere Erhebungen finden sich mit dem Nuppenberg (), dem Stucksberg () sowie dem Dangerser Berg () und dem Habenberg () vor allem im Norden der Stadt. Am östlichen Abhang des Brunsbergs liegt das Höllental, ein geomorphologisch bemerkenswertes Relikt eines neuzeitlich überformten periglazialen Trockentals. Von größeren Flüssen wird die Stadt nur an seinen Grenzen berührt. Dies sind die Elbe-Nebenflüsse Este im Westen und die Seeve im Süden bei Holm. Ansonsten gibt es eine Vielzahl von kleineren Bächen wie Pulverbach, Trelder Bach, Sprötzer Bach und Reindorfer Bach sowie der das Stadtgebiet von der Quelle im Nordwesten bei Meilsen bis zum Zusammenfluss mit der Seeve im Süden durchfließende Steinbach (Seppenser Bach), dem die Buchholzer Ortschaft Steinbeck ihren Namen verdankt.

Nachbargemeinden Buchholz grenzt im Norden an die zur Gemeinde Rosengarten gehörenden Orte Emsen, Nenndorf und Eckel, dazu Rade in der Gemeinde Neu Wulmstorf, im Osten an Jesteburg und Hanstedt, im Süden an Undeloh und Handeloh, sowie im Westen an Tostedt, Kakenstorf, Drestedt und Wenzendorf.

Nachbarstädte

Stadtgliederung Buchholz besteht aus insgesamt sieben Stadtteilen. Dies sind die Kernstadt und die sechs Ortschaften, welche jeweils über einen eigenen Ortsrat und Ortsbürgermeister verfügen. Die meisten Stadtteile sind wiederum in Ortsteile untergliedert, die allerdings verwaltungsrechtlich keine Bedeutung haben. Reindorf verfügt als kleinste Ortschaft nur über einen Ortsvorsteher.

Stadtteile (nach Einwohnerzahl absteigend sortiert): Buchholz (Kernstadt) Ortsteil Vaensen Ortsteil Buensen Holm-Seppensen Ortsteil Seppensen Ortsteil Holm-Seppensen Ortsteil Holm Steinbeck Ortsteil Steinbeck Ortsteil Meilsen Sprötze Ortsteil Sprötze Ortsteil Brumhagen Trelde Ortsteil Trelde Ortsteil Suerhop Dibbersen Ortsteil Dibbersen Ortsteil Dangersen Reindorf

(Aussprache: Vaensen, Buensen und Suerhop werden mit langgezogenem Vokal (Dehnungs-e), und nicht mit Umlaut ausgesprochen, in der kurhannoverschen Landesaufnahme um 1770 ist z. B. Buensen noch als Buhnsen verzeichnet)

Klima Das Klima in Buchholz wird als warm und gemäßigt klassifiziert. In Buchholz fällt viel Niederschlag, selbst im trockensten Monat. Die Temperatur im Jahresdurchschnitt beträgt 8,3 °C, dabei fallen 745 mm Niederschlag durchschnittlich in einem Jahr.

Mit 43 mm ist der Februar der Monat mit dem geringsten Niederschlag im Jahr. Der Juli ist mit 79 mm der niederschlagsreichste Monat im Jahr und ebenfalls mit durchschnittlich 18 °C der wärmste Monat. Am kältesten ist der Januar mit durchschnittlich 2 °C.

Geschichte Frühgeschichte bis Mittelalter Ältestes Zeugnis menschlicher Besiedlung im Stadtgebiet Buchholz ist ein Lagerplatz der Hamburger Kultur (13.000–10.000 v. Chr.), der zum Ende der letzten Eiszeit angelegt wurde. Bekanntere Denkmäler aus vorgeschichtlicher Zeit sind das Hünenbett im Klecker Wald und verschiedene Hügelgräbergruppen, die von der Einzelgrabkultur bis in spätsächsische Zeit datieren. Insgesamt sind im Stadtgebiet annähernd 560 archäologische Fundstellen bekannt.

Der Ortsname „Buchholz“ deutet auf eine Gründung in einer Siedlungswelle zwischen 800 und 1100 hin, als Wälder gerodet wurden, um Platz für neue Hofstellen und Dörfer zu schaffen. Um 1250 wird Buchholz im Verdener Register mit sechs Hufen erwähnt. Im Jahr 1450 taucht der Ort im Winsener Schatzregister als „Bockholte“ auf. Der Ortsteil Sprötze wurde als Sproccinla 1105, der Ortsteil Steinbeck 1331 erstmals erwähnt.

Neuzeit Im Jahre 1527 wurde Buchholz evangelisch. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) litt das Dorf unter Hunger und Seuchen. 1654 wurde die erste Schule in Buchholz gebaut. Laut Amtslagerbuch des Amtes Harburg hatte Buchholz 1667 vierzehn Hofstellen, eine Schule und einen Krug. Die Ackerfläche betrug 45,5 ha. 1699 wurde der erste Feuerlöschverband gegründet. Im 18. Jahrhundert erlebte Buchholz mehrere bedeutende Entwicklungen, darunter die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Feuer (1752) und die Erstellung eines Brandkassenregisters (1796). Von 1803 bis 1814 besetzten Napoleons Truppen das Dorf. In dieser Zeit wurde die Chaussee Bremen–Hamburg (heutige B 75) abseits des Dorfes gebaut. Am 15. Mai 1857 erhielt die Gemeinde Buchholz die Selbstverwaltung. 1864 wurde der Buchholzer Friedhof eingeweiht. Am 1. Juni 1874 wurde die Eisenbahnstrecke Hamburg–Bremen mit einem Bahnhof in Buchholz dem Verkehr übergeben. Die weitere Strecke Buchholz–Lüneburg erhielt einen eigenen Bahnhof. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Einrichtungen, darunter das erste Postamt (1875), die Dorfschule in Seppensen (1882), und die Schule in Dibbersen (1896). 1899 wurde das Imprägnierwerk (Julius Rütger aus Berlin) südlich des Bahnhofs in Betrieb genommen, mit anfangs etwa fünfzig Arbeitern.

20. Jahrhundert Um 1900 entstand ein Kalksandsteinwerk gegenüber dem Bahnhof. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde daraus eine Mehlfabrik, später eine Fassfabrik. Seit 1963 befindet sich hier die Reihenhaussiedlung Bremer Reihe. 1901 wurde die Eisenbahnstrecke Buchholz–Soltau eingeweiht. Im selben Jahr entstand ein Wasserwerk (bestand bis 1923). Im folgenden Jahr wurde die Eisenbahnstrecke Buchholz–Bremervörde eingeweiht (Abschnitt Buchholz–Hollenstedt 1968 stillgelegt). 1903 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Während des Ersten Weltkrieges wurde ein privates Elektrizitätswerk gebaut, das später an die Bahn verkauft wurde. 1921 wurde die Kreissparkasse Harburg eröffnet, und die Gemeinde erhielt ihre erste Bürokraft. 1923 wurde das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges eingeweiht. 1924 wurde das Feuerwehrgerätehaus mit Arrestzelle und Raum für Obdachlose gebaut, und das „Hanli“-Kino eröffnet.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Am 8. Juni 1925 wurde in Buchholz durch Otto Telschow, ein pensionierter Polizeisekretär aus Hamburg, die erste NSDAP-Ortsgruppe des nördlichen Niedersachsen gegründet. Das Lokal dieser ersten Ortsgruppe befand sich in der Bahnhofstraße 9 und entwickelte sich rasch zu einem regionalen Zentrum der Parteiaktivitäten. Telschow wurde später Gauleiter des Gaus Ost-Hannover, dessen Sitz bis zum Sommer 1932 in Buchholz war, bevor dieser zuerst nach Harburg und später nach Lüneburg verlegt wurde. Buchholz blieb trotz dieser Verlegung jedoch ein Zentrum nationalsozialistischer Politik in der Region, da von dort aus Strukturen geschaffen, Propaganda organisiert und Anhänger mobilisiert wurden.

Die Festigung der NS-Herrschaft in Buchholz zeigte sich auch durch die am 4. November 1934 eingeweihte Ehrenhalle der Nationalsozialisten, die die wichtigste nationalsozialistische Kult- und Feierstätte im Gau Ost-Hannover war. Diese Halle, die architektonisch an eine Hamburger Kaffeemühle erinnerte, diente als repräsentativer Ort für Parteitreffen, NS-Hochzeiten und Feierlichkeiten und unterstrich den Machtanspruch der NSDAP in der Region. Die Initiative für den Bau dieses Gebäudes ging maßgeblich von dem lokalen NS-Gauleiter Otto Telschow aus. Auf dem Schornstein der Fassfabrik an der Bremer Straße und damit in Sichtweite der „Ehrenhalle“ wehte die Hakenkreuzfahne. Diese Fahne hatten einige Arbeiter, die in der SPD organisiert waren, bei nachts heruntergeholt und einige Tage versteckt. Sie wurde anonym per Post an die NSDAP nach Harburg geschickt. Mit dem Einmarsch der britischen Truppen am 19. April 1945 wurde die Halle in Brand gesteckt und zerstört, wobei vermutlich auch das inoffizielle Archiv der Buchholzer NS-Bewegung verloren ging.

Während der NS-Zeit erfuhr Buchholz auch infrastrukturelle Veränderungen, so wurde 1936 das Teilstück Dibbersen–Sittensen der Reichsautobahn (heutige A 1) dem Verkehr übergeben.

Die Reichsbahn hatte während der NS-Zeit großen Einfluss auf Buchholz. Sie förderte ab den 1920er-Jahren den wirtschaftlichen Wandel von einem Dorf zu einem Industriestandort mit vielen Arbeitsplätzen bei der Bahn und dem Imprägnierwerk Rütgers. Die daraus resultierenden sozialen Spannungen trugen zum Aufstieg der NSDAP bei den Reichsbahnarbeitern bei. Im Zweiten Weltkrieg wurde Buchholz ein strategisch wichtiger Eisenbahnknotenpunkt für Militärtransporte und es wurden zahlreiche Zwangsarbeiter eingesetzt. Während des Zweiten Weltkriegs setzte auch das Imprägnierwerk Rütgers Zwangsarbeiter ein. Gräberfunde auf dem Buchholzer Friedhof deuten auf deren tragisches Schicksal hin, darunter das eines in einem Zwangsarbeiterlager geborenen Kindes, dessen Existenz aus Angst vor NS-Strafen verschwiegen wurde. Der Tod eines weiteren Zwangsarbeiters bei der Reichsbahn unter ungeklärten Umständen wurde als Arbeitsunfall registriert, wirft aber Fragen nach den tatsächlichen Hintergründen auf. Das Werk Rütgers war jedoch nicht nur ein Ort der industriellen Produktion, überliefert ist auch, dass es Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Werk gegeben haben soll. Obwohl ab Sommer 1944 von alliierten Luftstreitkräften gezielt Verkehrsinfrastruktur angegriffen wurde und Buchholz mehrfach von britischen Luftangriffen getroffen wurde, blieb die zentrale Infrastruktur, anders als in Hamburg und Wilhelmsburg, in Buchholz intakt.

Zwischen 1925 und 1945 wurden zahlreiche Einrichtungen und Vereine gegründet, darunter die erste Apotheke (1927), der Gemeinnützige Schwimm- und Eislaufverein (1929), und das Deutsche Rote Kreuz (1929). Die NSDAP gewann zunehmend an Einfluss, 1933 wurden Straßen umbenannt, darunter die Breite Straße in „Adolf-Hitler-Straße“. In den 1920er- und 1930er-Jahren entwickelte sich die Neue Straße zum wirtschaftlichen Zentrum Buchholz’. Der Aufschwung der Zwischenkriegszeit belebte die Straße, doch die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf die Händler hart und förderte die politische Radikalisierung. Früh zeigten viele Geschäftsleute der Neuen Straße ihre Nähe zur NSDAP durch Werbung im Parteiblatt „Niedersachsen Stürmer“. Die Filiale des Arbeiter-Konsumvereins „Produktion“ bildete einen Kontrast, wurde aber Ziel von NS-Angriffen und musste 1933 zeitweise schließen. Auch das Wohnumfeld war ideologisch geprägt, mit NS-Funktionären wie SA-Führer Dr. Wilhelm Scharpwinkel und Kreisleiter Otto Schwiering sowie dem NS-Propagandafotografen Heinrich Nicolaysen. Weitere Mitglieder der SA waren in der Neuen Straße und den umliegenden Straßen präsent. Das sportliche Leben in Buchholz erfuhr während der NS-Zeit ebenfalls eine Zäsur. Das bis dahin wichtige Kurhotel Heidelust, Treffpunkt für Vereine und politisch Andersdenkende wie den MTV Buchholz und die SPD, wurde 1933 zum Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) umgewandelt, das sowohl der Bereitstellung von Arbeitskräften als auch der ideologischen Erziehung diente. Nach der Schließung des Hotels mangelte es in Buchholz an einem Sportplatz. Der entstandene Sportplatzmangel wurde durch den überzeugten Anhänger des Nationalsozialismus Willy Cohrs behoben, der dem MTV Gelände am Seppenser Mühlenweg stiftete. RAD-Angehörige errichteten dort die 1937 eingeweihte Otto-Telschow-Kampfbahn (heute Otto-Koch-Kampfbahn). Nach Auflösung des RAD nutzte die Tischlerei Mohwinkel das Gelände mit Zwangsarbeitern. Ebenfalls wurden während des Zweiten Weltkrieges in Buchholz Kriegsgefangenenlager eingerichtet.