Bomlitz ist eine ehemalige Gemeinde im Landkreis Heidekreis in Niedersachsen (Deutschland), nordöstlich von Walsrode. Sie war im Kernbereich industriell geprägt und in den übrigen Teilen mehr durch ihre Lage in einem zumeist ländlich strukturierten Fremdenverkehrsgebiet. Seit dem 1. Januar 2020 gehört das Gebiet mit allen Ortschaften zur Stadt Walsrode. Dabei wurde die Postleitzahl 29699 für das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Bomlitz beibehalten.

Geografie Geografische Lage Bomlitz liegt in der südwestlichen Lüneburger Heide zwischen den Großstädten Hamburg, Bremen und Hannover, zu dem (als Oberzentrum) es orientiert ist.

Gliederung mini|Kernbereich Bomlitz mini|Kernbereich Benefeld

Die Gemeinde Bomlitz gliederte sich in acht Ortsteile.

Sie entstand im Zuge zweier Zusammenschlüsse früherer Gemeinden. 1968 fusionierten Benefeld, Bomlitz, Borg (mit Cordingen, heute Borg/Cordingen) und Uetzingen (mit Elferdingen und Wenzingen) zur neuen Gemeinde Bomlitz. Im Zuge der Gemeindereform, die am 1. März 1974 in Kraft trat, kamen Ahrsen mit dem Forstort Löverschen, Bommelsen mit Beck und Dehnbostel, Jarlingen sowie Kroge mit Hasberg, Klein-Harl und Westerharl hinzu.

Den Kernbereich bildeten die jüngsten Ortsteile Bomlitz und Benefeld. Die Landgemeinde Bomlitz wurde im Jahr 1928 aus dem Gutsbezirk Bomlitz und dem Staatsforst Wisselshorst gebildet (damals rund 1000 Einwohner). Im Jahr 1952 löste sich Benefeld aus dem Kommunalverband mit Westerharl und wurde eigenständige Gemeinde.

Für 2011 war eine Fusion der Gemeinde Bomlitz mit den Städten Bad Fallingbostel und Walsrode zur Stadt Böhmetal geplant. Hierzu fand am 2. November 2008 eine Bürgerbefragung statt, in der die Bomlitzer und die Walsroder Bürger den Planungen zustimmten, während die Bürger Bad Fallingbostels die Fusion ablehnten. Die Fraktionen der Gemeinde Bomlitz strebten danach eine Fusion mit Walsrode an.

Im Mai 2017 wurden konkrete Verhandlungen zwischen der Gemeinde Bomlitz und der Stadt Walsrode über eine Fusion beider Kommunen aufgenommen. Die Fusion beider Kommunen zum 1. Januar 2020 wurde im Oktober 2018 beschlossen.Gesetz über die Vereinigung der Stadt Walsrode und der Gemeinde Bomlitz, Landkreis Heidekreis vom 25. Oktober 2018. In: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14 vom 1. November 2018, S. 223.

Nachbargemeinden Die Gemarkungen von Bomlitz grenzten an die Gebiete von vier Städten: im Südwesten an Walsrode, im Südosten an Bad Fallingbostel, im Nordosten an Soltau und im Nordwesten an Visselhövede.

Die Entfernungen zu den umgebenden Ortskernen sind in der folgenden Grafik als Luftlinie angegeben; die Wege sind länger und je nach Verkehrsmittel unterschiedlich.

Naturraum und landschaftliche Eigenart mini|Erholungsgebiet Eibia/Lohheide Durch das Gebiet fließt die Böhme, der westlichste der größeren Flüsse der Südheide und natürliche Längsachse des Landkreises Heidekreis. Ihre größten Nebenflüsse, die Bomlitz und die Warnau, durchfließen von Nordwesten bzw. von Norden her das Gemeindegebiet und münden im Naherholungsgebiet Eibia/Lohheide zwischen den Ortschaften Borg und Uetzingen in die Böhme. Ähnlich wie die mittlere Böhme schneiden sie auffallend enge Täler in die schwachwelligen Plateaus und geben so dem Naturraum der Walsroder Lehmgeest (auch Fallingbosteler Lehmplatten genannt) das typische Gepräge.Siehe auch Bundesamt für Naturschutz: ; abgerufen am 29. Februar 2024.

Das südliche Gebiet hat in den Tälern von Böhme, Bomlitz, Warnau, Engelbach und Rieselbach ein bewegtes Relief (siehe auch Böhmeknie). Die schmalen Talböden mit Grünland oder Erlenbeständen werden von gehölzreichen oder bewaldeten Hängen flankiert, an denen kleinere Dörfer und Einzelhofgruppen liegen. Von den Hochflächen sind die lehmigeren Teile ackerbaulich genutzt und die sandigeren bewaldet. Feuchte Senken sind von anmoorigem Grünland eingenommen.

Im nördlichen Gebiet sind die Oberläufe von Bomlitz und Warnau nur gering eingesenkt. Die Täler sind wechselnd von hofnahen Gehölzen, Talwiesen und Fischteichen eingenommen. An die hier meist unmittelbar angrenzende Feldflur schließen sich kiefernreiche Wälder mit kleineren Heide- und Moorflächen an, die einst karge Allmendeflächen waren. Eine Ausnahme stellt der ehemalige königliche Forst Wisselshorst im Osten des Gemeindegebietes dar, dessen Waldbestand bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eher naturnah war. Er geht nach Westen hin in die artenreichen Forsten des früheren Gutes Bomlitz über.

Die zusammenhängende, bebaute Fläche der Ortsteile Bomlitz und Benefeld erstreckt sich über vier Kilometer vom Südrand der Wisselshorst über die Täler von Bomlitz und Warnau hinweg nach Westen.

Die natürlichen Geländehöhen variieren zwischen 32 m im Südwesten oberhalb der Rieselbachmündung und 82 m im Norden am Großen Löverschen. Die Täler weisen Steilhänge mit Höhen von 10 bis 25 Metern auf.

Geologie Bomlitz liegt in einer Geestlandschaft, die vor allem in der vorletzten Kaltzeit des gegenwärtigen Eiszeitalters geformt wurde. Der Untergrund besteht im Wesentlichen aus Lockermaterialien, die vom Inlandeis der Saale-Kaltzeit und seinem Schmelzwasser ab- und umgelagert wurden. Nur im Südwesten treten tonige Gesteine des Oligozän nahe an die Oberfläche und sorgen beim Ortsteil Borg und an Tongruben nahe der einstigen Honerdinger Schweiz für höhere Bodenfeuchte und zahlreiche Quellgerinne. Das Gemeindegebiet wird ansonsten von der mehrere Meter mächtigen Grundmoräne des Stadials Drenthe I unterlagert. Darüber folgen die Nachschüttsande der zurückweichenden Eisfront und dann die Vorschüttsande der sich nähernden Eisfront des Drenthe-II-Stadials, dessen dünne, an grobem Geschiebe und Findlingen reiche Grundmoräne die heutigen anlehmigen Ackerflächen der Hochflächen ausmacht. In den Tälern sind diese obere Grundmoräne und die unterlagernden, rund 20 Meter mächtigen Sande teilweise bis zur Drenthe-I-Grundmöräne abgetragen. Die Talverläufe waren teilweise vorgezeichnet durch die sich kreuzenden geradlinigen, flachen Furchen, die das überfahrende Inlandeis hinterlassen hat.

Die Grundmoräne wird besonders in den höheren Teilen überlagert von einer dünnen Sanddecke, deren zahlreiche Windausblasungsmulden kleine Moore und flachgründige Flatts enthalten. Im nördlichen Gemeindegebiet liegt zudem der Salzstock BommelsenNIBIS-Kartenserver: Salzstrukturen Norddeutschlands, 1 : 500.000, mit Erläuterungen., über dem im Bereich der Wisselshorst drei erdfallartige Senken mit Kleinsthochmooren entstanden sind (Großes und Kleines Wissahl) und im Bereich des Bomlitztales mehrere Hangmoore.NIBIS-Kartenserver: Ursprüngliche Moorverbreitung in Niedersachsen 1:50.000

Klima Bomlitz liegt in der gemäßigten Klimazone (Cfb der Klassifikation von KöppenKlimaweltkarte der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation, eingesehen am 28. April 2011.); der maritime Einfluss geht hier bereits etwas zu Gunsten kontinentaler Klimamerkmale (größere Temperaturschwankungen) zurück.

Die Temperaturen liegen im Jahresmittel bei 9 °C, mit Höchstwerten um 22 °C in den Monaten Juli und August und mittleren Niedrigstwerten um −2 °C im Januar und im Februar. Die durchschnittlich meisten Niederschlagstage gibt es mit rund 12 im Dezember und die wenigsten im Februar, September und Oktober mit jeweils rund 9 Tagen. Die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden pro Tag schwankt zwischen einer Stunde (Dezember/Januar) und sieben Stunden (Mai/Juni).holidaycheck.de: Klimainformationen für Walsrode-Hünzingen (am westlichen Rand des Gemeindegebietes), eingesehen am 28. April 2010. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt bei 755 mm/Jahr.linear Interpoliert nach Entfernung aus den Klimadiagrammen Soltau und Hannover-Langenhagen, 1971–2000, Temperaturen höhenkorrigiert.

Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich rund 15 Kilometer nordöstlich in Soltau.Klimadiagramm Soltau

Geschichte mini|Ortsmitte von Bomlitz mit „Altwerk“ und Steilhang des Fuchsbergs (rechts) Namensherkunft Der Ortsname folgt hier nicht wie sonst dem zumeist sehr alten Flussnamen, sondern hat diesen rückwirkend modifiziert. Die Bomlitz hieß noch im 18. Jahrhundert (wie noch heute mundartlich) Bommelse, von ursprünglich Bamlina in der Bedeutung von Kleiner Baumfluss als dem Hauptnebenfluss der Böhme, ursprünglich Bama, Bumen in der Bedeutung Baumfluss.Stuhlmacher, H.: Heimatbuch des Kreises Fallingbostel. Magdeburg 1935. Diesem Namen folgt der bereits im Jahr 835 als Bamlinestade (Ufer der Bommelse) urkundlich erwähnte Ortsteil Bommelsen, der Name Bomlitz leitet sich dagegen von der Örtlichkeit am sich rechtwinklig um den steilen Fuchsberg legenden Talknick ab. Mögliche Bezüge für das Suffix im Namen Bommel-(l)etz sind entweder der Talknick selbst, eine Stromschnelle oder Wehr (Letzel),Olaf Mußmann: Bomlitz. Perspektiven der Geschichte. Geiger, Horb am Neckar 1989. oder aber ein Eichenbestand, dessen niederdeutsche Bezeichnung im Zuge des zeitweiligen Zetazismus zu Eitz geworden war.Bernd Ohm: Ortsnamen im Hoyaer Land, abgerufen am 30. August 2015. Der Name dieser Keimzelle des Ortes Bomlitz ging später auf das Gewässer über.

Geschichte der ländlichen Ortsteile Im früheren Bomlitzer Gemeindegebiet gibt es viele Hügelgräber, die wie viele gefundene Artefakte aus der Bronzezeit stammen. Dies lässt eine für Geestgebiete relativ frühe Besiedlung erkennen.

Die landwirtschaftlich geprägten Dörfer, die später Ortsteile von Bomlitz geworden waren, lagen abseits der frühen überörtlichen Wege, die meist über die weniger feuchten Höhen verliefen wie der Kriegerweg im Osten von Bomlitz, und umfassten wegen der allenfalls mäßig ertragreichen Böden nur wenige Hofstellen. Die Kartenblätter der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1775 (Blatt 38 Neuenkirchen) und 1778 (Blatt 89 Walsrode) verzeichnen beispielsweise für Jarl(ingen) 7 Feuerstellen und für Westerharl 6, was typischen Einwohnerzahlen von um die 50 entspricht. Die Dörfer Borg und Uetzingen standen in enger Beziehung zur altsächsischen Hünenburg an der Warnaumündung.

Das Gebiet gehörte zum Fürstentum Lüneburg und später zum Kurfürstentum Hannover, ab 1815 Königreich Hannover. Nach dem Deutschen Krieg 1866 fiel Hannover an Preußen. Die Gemeinden gehörten nun zum Landkreis Fallingbostel im Regierungsbezirk Lüneburg der neuen preußischen Provinz Hannover.

Die zersplitterte Flur wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts verkoppelt. Teile der verarmten Heideflächen wurden Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Dampfpflug umgebrochen, teils zu Ackerland, meist aber zu Forstflächen.

Jarlingen und Ahrsen sind Nachbardörfer im oberen Warnautal. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 11. Jahrhundert. Jarlingen ist ein kleines Haufendorf mit späterer Siedlungserweiterung, Ahrsen besteht aus Einzelhöfen in Streulage. Zum gemeinsamen Dorfgemeinschaftshaus wurde 1999 ein 220 Jahre alter Schafstall umgebaut.

Bommelsen markiert mit seiner bis 1930 erbauten Friedenskirche die Mitte der lockeren Höfe- und Dörferreihe entlang des oberen Bomlitztales, die mit dem seit der Gemeindereform 1974 zu Soltau gehörenden Ort Woltem beginnt und über Bommelsen, Kleinharl, Kroge und Hasberg bis Westerharl reicht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Bommelsen im Jahr 835. Sein Ortsbild ist von gut erhaltenen historischen Hofanlagen geprägt. Auf dem Friedhof liegt das Grab von Johannes Blaskowitz.

Kroge mit Kleinharl gruppiert sich um das kurze Stück gemeinsamen Verlaufs von Bomlitztal und B440, der früheren Chaussee von Visselhövede nach Dorfmark. Eine im Kreuzungsbereich der alten Handels- und Verkehrswege gelegene Hofstelle mit einem „Krug“ wird als Namensgeberin für den Ort angesehen.; abgerufen am 29. Februar 2024.