Die BASF SE ist ein deutscher börsennotierter Chemiekonzern mit Sitz in Ludwigshafen am Rhein.

Sie ist in 93 Ländern vertreten und betreibt 234 Produktionsstandorte. Nach Umsatz ist die BASF damit der größte Chemiekonzern weltweit.

Das Unternehmen hat seinen Ursprung in der 1865 in Mannheim gegründeten Badische Anilin- & Soda-Fabrik. Weil dort kein geeignetes Areal zur Verfügung stand, wurde das neue Werk noch im selben Jahr am gegenüberliegenden Rheinufer im pfälzischen Ludwigshafen gebaut.

Geschichte Badische Anilin- und Sodafabrik (1865–1925) mini|BASF-Werk Ludwigshafen 1866 mini|BASF-Werk Ludwigshafen 1881 mini|Hauptlaboratorium der BASF in Ludwigshafen 1887 mini|Indigoproduktion der BASF um 1890

Am 6. April 1865 gründete Friedrich Engelhorn mit Unterstützung des Bankhauses Ladenburg und deren Inhaberfamilie in Mannheim-Jungbusch die Badische Anilin- & Sodafabrik als Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 1,4 Millionen Gulden. Neben Engelhorn als Vorsitzenden erhielten noch August Clemm, Carl Clemm und Julius Giese Direktionsposten. Da Engelhorn in Mannheim bereits seit 1848 die Badische Gesellschaft für Gasbeleuchtung gehörte, wollte er den bei der Gewinnung von Leuchtgas durch Verkokung anfallenden Steinkohlenteer nutzen, um daraus Teerfarbstoffe (auch Anilinfarben genannt) für die Textilindustrie herzustellen. Bereits eine Woche nach der Gründung zog die neue Firma aus dem badischen Mannheim auf die linksrheinische Seite in das damals zur bayerischen Rheinpfalz gehörende Ludwigshafen, auf das Gebiet des damaligen Hemshof, da seit 1863 der bayerische König Maximilian II. die Ansiedelung von Industrieunternehmen förderte, so dass die neue Fabrik mit einer Subvention von 1,5 Millionen Gulden bedacht wurde. Ein weiterer Grund für den schnellen Umzug war die Opposition des Vereins chemischer Fabriken Mannheim, der neben Bedenken wegen Belastung der Umwelt ein Gegenangebot abgab, das er aber sofort wieder zurückzog, nachdem die BASF umgezogen war.

Bedeutende Chemiker in den Anfängen der Firmengeschichte waren neben den oben genannten Gründern Heinrich Caro, Heinrich von Brunck, Rudolf Knietsch. Anfänglich produzierte das Unternehmen Teerfarbstoffe und deren Vorprodukte, begann jedoch mit der Herstellung von Textilfarbstoffen auf Indigobasis und erreichte innerhalb weniger Jahre durch Ausbau und Akquisitionen eine führende Position auf dem weltweiten Markt für Färbemittel. Eines der ersten vertriebenen Produkte waren Anilinfarben auf Basis des aus Destillation aus einem Steinkohlenteer gewonnenen Anilin. Bald schon folgt die Herstellung der Farbstoffe Indanthren (René Bohn), Alizarin, Eosin, Auramin, Methylenblau und Azofarbstoffe. 1880 wurde mit der Erforschung der synthetischen Herstellung von Indigofarben begonnen, ein ungeheurer finanzieller Kraftakt für das Unternehmen. 1897, nach 17 Jahren der Forschung, konnte weltweit erstmals das als Heumann-SyntheseBer. dt. Chem. Ges. 23, 3043 (1890) () bekannt gewordene Verfahren in die Produktion übernommen werden.

In den 1880er Jahren gründete das Unternehmen Niederlassungen in FrankreichDurch die Übernahme 1878 des Werkes St Fons der Teinturerie sur soie Guinon, Marnas et Bonnet, aus Neuville-sur-Saone., Russland und den USA. 1900 präsentierte sich die Badische Anilin und Soda Fabrik Aktiengesellschaft auf der Weltausstellung in Paris als größte chemische Fabrik der Welt. Damals waren im Werk in Ludwigshafen 148 Chemiker, 75 Ingenieure, 305 kaufmännische Beamte sowie 6207 Arbeiter beschäftigt. 1901 konnte das Unternehmen mit den licht- und waschechten Indanthren-Farben eine weitere Weltneuheit präsentieren, die in der Folgezeit die Indigofarben in Färbereien und Druckereien ersetzen sollten.

Im Jahr 1903 kam es auf Betreiben des Bayer-Vorstandes Carl Duisberg zu Versuchen, ein Chemie-Kartell zwischen der BASF, Bayer, Farbwerke Hoechst, Leopold Cassella & Co KG und Agfa zu schmieden. Zusammen mit Gustav von Brüning (Generaldirektor der Farbwerke Hoechst) veröffentlichte er eine Denkschrift, in der eine Fusion dieser Unternehmen angeregt wurde. Nachdem Hoechst die Strategie änderte und eine Kapitalverflechtung mit Cassella einging, schlossen sich 1904 die drei verbliebenen Unternehmen BASF, Bayer und Agfa unter Beibehaltung der unternehmerischen Unabhängigkeit zur Interessengemeinschaft Farbenindustrie (auch Dreibund genannt) zusammen, in der ein koordiniertes Vorgehen und die Kooperation in der Farbenproduktion beschlossen wurde.

In der Folgezeit begann bei der BASF die Erforschung der für die Rüstungswirtschaft wichtigen Ammoniaksynthese, die mit der Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens (1908/1912, 1910 reichte die BASF ein Patent für dieses Verfahren ein, nachdem Fritz Haber zuvor ein fehlerhaftes Patent darauf zurückzog) unter Mitarbeit von Alwin Mittasch in die Produktion übernommen werden konnte. 1913 ging die erste Ammoniaksyntheseanlage in Oppau in Betrieb. Sie erreichte eine Jahresproduktion von 7200 Tonnen Ammoniak (heute liegt die Jahresproduktion dort bei 875.000 Tonnen Ammoniak). Gleichzeitig wurde die Produktion von Düngemitteln aufgenommen. Daraufhin wurde 1914 das Agrarzentrum Limburgerhof eröffnet, das den Beginn der industriellen Agrarchemie in Deutschland darstellte. Anfang 1918 stellte die BASF mit Lili Wachenheim die erste promovierte Chemikerin ein.Lili Wachenheim (1893–1989) war ab Januar 1918 für ein knappes Jahr im Ammoniaklaboratorium unter der Leitung von Alwin Mittasch tätig, siehe Gisela Boeck: Chemiegeschichte: Die erste Chemikerin bei der BASF. In: Nachrichten aus der Chemie. Band 70, Nr. 7–8 (2022), S. 22–23, doi:10.1002/nadc.20224127295. und BASF (Hrsg.): Die Anilinerinnen : 1865 bis heute. S. 14. ()

Im Ersten Weltkrieg wurde die BASF in die Rüstungswirtschaft integriert. Neben Ammoniak und Salpeter als Ausgangsstoffe für die Sprengstoff- und Schießpulverproduktion wurden Vorprodukte für die Giftgaserzeugung hergestellt. 1916 errichtete die BASF mit dem Ammoniakwerk Merseburg (Leunawerke) ein zweites Ammoniak-Synthesewerk und baute die Oppauer Produktionsstätten weiter aus, um der starken Nachfrage, vor allem aufgrund der unerwarteten Kriegslage (durch den Stellungskrieg wurde weit mehr Sprengstoff und Schießpulver als vorgesehen benötigt), gerecht zu werden. In Haßmersheim am Neckar wurde zur Herstellung von Schwefelsäure ab 1916 für 51 Millionen Mark das „Reichsschwefelwerk“ errichtet. Das Werk wurde nach dem Ersten Weltkrieg auf Grund des Versailler Vertrages wieder stillgelegt. Die Produktion im Bereich Farben kam durch den Krieg (drei Viertel der Absatzmärkte lagen im Ausland) fast zum Erliegen, daher schlossen sich 1916 die Farbenabteilungen des sogenannten Dreibunds (BASF, Bayer und Agfa) zusammen mit den Farbwerken Hoechst, Cassella, Kalle und Weiler-ter-Meer bei fortdauernder Selbstständigkeit der anderen Unternehmensbereiche zur erweiterten Interessengemeinschaft Farbenindustrie zusammen, um Forschung, Einkauf und Absatz zentral zu steuern. Der Gewinn wurde in eine gemeinsame Kasse gezahlt und nach einem Beteiligungsschlüssel verteilt (für Hoechst, Bayer und die BASF betrug die Quote je 24,82 %).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Produktionsanlagen der BASF von den Alliierten größtenteils demontiert und die Patente beschlagnahmt. Das Monopol auf viele von der BASF entwickelte Farbstoffe ging verloren. Trotzdem wurde die Produktion in den frühen 1920er Jahren schnell wiederaufgenommen, ohne dass sie ihre Marktführerschaft wiedererlangte. Es folgte eine Unternehmenskrise.

mini|BASF-Notgeld („Anilindollar“) November 1923 Im Juli 1919 übernahm die BASF den ersten in Deutschland geschlossenen Tarifvertrag in der chemischen Industrie. Er sah die Reduzierung der Arbeitszeit auf acht Stunden pro Tag und die Schaffung eines Betriebsrates vor, der in der BASF erstmals 1920 gewählt wurde und ab 1922 Vertreter in den Aufsichtsrat des Unternehmens entsandte. 1921 wurde im Werk Leuna ein Streik von 2000 Arbeitern von Verbänden der Reichswehr und der Sicherheitspolizei niedergeschlagen. Am 21. September 1921 wurde bei einer katastrophalen Explosion das Oppauer Stickstoffwerk vernichtet, bei der 565 Menschen ihr Leben ließen und große Teile angrenzender Wohngebiete zerstört wurden.

Auf dem Höhepunkt der Inflation in der Weimarer Republik führte die BASF 1923 für ihre Mitarbeiter ein konzerneigenes Zahlungsmittel, den sogenannten „Anilindollar“, ein. Es sollte die Angestellten vor den Folgen der galoppierenden Geldentwertung schützen und etablierte sich für kurze Zeit als Ersatzwährung in der Region um Ludwigshafen. Im selben Jahr gelang dem Chemiker Matthias Pier im Werk Ludwigshafen erstmals die Methanolsynthese, die bald in die Großproduktion übernommen wurde.

I. G. Farben AG (1925–1952)

mini|I.G.-Farben-Haus = Poelzigbau in Frankfurt am Main, um 2006 Aufgrund zunehmender wirtschaftlicher Schwierigkeiten und wachsender internationaler Konkurrenz vor allem durch die Vormachtstellung des amerikanischen Chemiekonzerns DuPont nahmen die bereits eng zusammenarbeitenden deutschen Chemiekonzerne 1923 konkrete Fusionsverhandlungen auf.

Am 14. November 1924 wurde die Gründung der I. G. Farben AG beschlossen. Die Farbwerke Hoechst AG sowie die Chemiefabriken Cassella und Kalle & Co. AG übertrugen am 21. November 1925 ihr gesamtes Vermögen auf die BASF AG. Auch Bayer, Agfa, Griesheim Elektron und Weiler-ter-Meer folgten. Daraufhin änderte die BASF am 2. Dezember 1925 ihren Namen in I. G. Farbenindustrie AG und verlegte ihren Sitz nach Frankfurt am Main. Der Vorstand des neuen Unternehmens umfasste 83 Personen, Carl Bosch übernahm den Vorsitz und Carl Duisberg wurde Aufsichtsratsvorsitzender. Das Grundkapital der I. G. Farben AG betrug 1,1 Milliarden RM, die Mitarbeiterzahl lag 1924 bei etwa 80.000, es war das größte Chemieunternehmen dieser Zeit.

In der Folge begann das Unternehmen, vor allem aufgrund der prosperierenden Automobilindustrie, ab 1926 mit der Kohlehydrierung (nach dem Bergius-Pier-Verfahren) zur Herstellung von Benzin. 1930 gelang bei der Kautschuk-Synthese der Durchbruch, der Kautschuk „Buna“, der einer der ersten synthetischen Kautschuke war, wurde hergestellt. Da für diese Produkte sehr viel Energie benötigt wurde, verlagerte die I.G. Farben ihre Produktion zunehmend in das Mitteldeutsche Braunkohlerevier und die Leuna- und Buna-Werke wurden zum Zentrum des Unternehmens. In den 1930er Jahren war der I. G.-Farben-Konzern weltweit führend in der Stickstoffchemie (Synthese von Ammoniak nach dem Haber-Bosch-Verfahren), der damit möglichen Herstellung von Harnstoff und des 1927 eingeführten Volldüngers „Nitrophoska“. Die Ammoniaksynthese ermöglicht auch die Synthese von Salpetersäure, aus der Ammoniumnitrat oder Pikrinsäure für Sprengstoffe hergestellt werden kann. So konnte auf die Einfuhr von Salpeter verzichtet werden. Weitere wichtige Geschäftsbereiche waren Teerfarbstoffe und die Erzeugung von Polyethylen („Lupolen“) sowie Chemiefasern: Paul Schlack entwickelte 1938 das Polyamid „Perlon“ als Konkurrenz zu dem 1935 vom US-amerikanischen Chemiekonzern DuPont patentierten „Nylon“.

Im Jahre 1930 zog die Zentrale der I. G. Farben in das neue I. G.-Farben-Haus, das nach dem Entwurf des Architekten Hans Poelzig von 1928 bis 1930 in Frankfurt errichtet worden war. Bis in die 1950er Jahre galt das Gebäude, dessen Baukosten rund 24 Millionen Reichsmark betragen hatten, als eines der modernsten und größten in Europa.

Zeit des Nationalsozialismus

mini|320px|I.G. Farbenwerke Auschwitz, 1942

In der Anfangszeit konnte die I. G. Farben – im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Großunternehmen dieser Zeit – unternehmerisch frei agieren. Ihre Aktien waren breit gestreut und nicht im Besitz deutscher Großbanken oder eines Großaktionärs. Dies änderte sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933, als die I.G. Farben zunehmend unter politischen Einfluss geriet und zu einem Staats- und Kriegskonzern umgebaut wurde.