Die Ems (lateinisch Amisia, westfälisch iems, nordniedersächsisch und niederländisch Eems, saterfriesisch Oamse) ist ein 371 km langer Strom zur Nordsee im Nordwesten von Deutschland. Sie ist nach der Weser der zweitlängste Fluss, der in Deutschland entspringt und ins Meer mündet und der längste Fluss in Deutschland, der von der Quelle bis zur Mündung denselben Namen trägt.

Die Ems entspringt in der Senne bei Schloß Holte-Stukenbrock im Landesteil Westfalen, fließt durch den Kreis und die Stadt Gütersloh und durch die Westfälische Bucht in nordwestlicher Richtung in etwa parallel zum Teutoburger Wald und ab der Landesgrenze zu Niedersachsen, zwischen Rheine und Salzbergen, dann in Nordrichtung bis zur Nordsee. Ab dem Dollart bildet die Ems die teilweise umstrittene Grenze zur niederländischen Provinz Groningen. Sie mündet etwa 27 Kilometer nordwestlich von Emden zwischen Pilsum und Eemshaven in die Nordsee.

Name Der Fluss wird erstmals im 1. Jahrhundert n. Chr. von mehreren Geschichtsschreibern unter verschiedenen Namensvarianten erwähnt (Amasiā, Amissis, Amisis, Amisia, Amisiou). Nach der gängigen wissenschaftlichen Auffassung lässt sich der Name Amisia in zwei Bestandteile gliedern: am- und -isi(a). Der zweite Bestandteil, -isi(a), ist kein eigenständiges Wort, sondern ein Wortbildungselement, also ein sogenanntes Suffix. Solche Suffixe dienen der Ableitung neuer Wörter und sind auch im heutigen Deutschen noch gebräuchlich, etwa in Formen wie -heit, -keit oder -ung.

Als Grundlage des Gewässernamens Ems wird somit ein rekonstruierter Wortstamm am- angenommen. Dabei handelt es sich um eine sehr alte Bezeichnung mit der Bedeutung „Flussbett“, „Graben“ oder „Kanal“. Entsprechende Parallelen finden sich in anderen indogermanischen Sprachen, etwa im Griechischen amára („Graben, Kanal“) oder im Hethitischen amiiara („Kanal“).

Der Wortstamm ist in verschiedenen weiteren europäischen Gewässernamen belegt. Aufgrund der weiten Verbreitung wird er der sogenannten alteuropäischen Hydronymie zugerechnet und als indogermanischen Ursprungs betrachtet. Gewässernamen mit diesem Namenelement gelten daher als sehr alt und werden zeitlich in eine Epoche vor der Zeitenwende eingeordnet.

Aus der Namensform Amisia entwickelte sich durch den Einfluss des im Suffix folgenden „i“ ein Lautwandel, bei dem das anfängliche a zu e wurde. Solche Umlautprozesse sind in der historischen Sprachwissenschaft gut belegt und treten auf, wenn in der Folgesilbe ein i steht. Vergleichbares lässt sich auch an heutigen Wortpaaren wie „Nacht – nächtlich“ oder „Gast – Gäste“ (alt: Gesti) beobachten. In der weiteren sprachlichen Entwicklung wurde der Name schrittweise verkürzt: Auf Emisia folgten die Formen Emisa und Emse, woraus schließlich die heutige Bezeichnung Ems hervorging.

In jüngerer Zeit hat der Regensburger Namenforscher Albrecht Greule einen alternativen etymologischen Deutungsansatz vorgeschlagen, der von der traditionellen Erklärung abweicht. Demzufolge könnte sich der Name auch von germanisch *ama für 'energisch vorgehen, anpacken' ableiten mit Bezug auf die Wasserkraft.

Flussdaten und Einzugsgebiet

Die Ems ist 371 km lang; davon sind 206 km schiffbar. Ihre mittlere Durchflussmenge liegt in ihrem Mittellauf bei 80 m³/s (Pegel Versen) und an ihrer Mündung bei 125 m³/s.

Das Einzugsgebiet der Ems ist 13.160 km² groß. Es liegt als schmales, sich südnördlich erstreckendes annäherndes Rechteck zwischen dem Flusssystem des Rheins im Westen und dem der Weser im Osten. Die Ems verläuft auf mehr als der Hälfte ihres Verlaufs nahe dem Westrand, so dass das Flusssystem asymmetrisch ist. Von rechts (Osten) münden die größten Nebenflüsse, Hase und Leda, ein. Sie steuern zusammen über 45 m³/s zur Wasserführung der Ems bei. Der größte linke Nebenfluss ist die Werse mit rund 6 m³/s.

Die nach Westen gerichteten Unterläufe von Hase und Leda verlaufen in Schmelzwasserrinnen vor einstigen Eisrandlagen der Saalekaltzeit (Urstromtäler). In der südlichsten einstigen Schmelzwasserrinne, zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge, liegt die bekannte, wenn auch künstliche Bifurkation der oberen Hase (in die nach links fließende untere Hase und die nach Osten fließende Else). Auch der westliche Rand des Einzugsgebietes ist wesentlich durch eiszeitliche Formung bedingt: Der Münsterländer Kiessandzug trennt das Gebiet der Ems von dem der Stever (Lippe) und der Vechte im Westen.

Die Schichtrippe des Teutoburger Waldes ist die prägnanteste Erhebung des ansonsten weitgehend von Niederungen und eher gering reliefierten Erhebungen bestimmten Emsgebietes. Hier liegt mit dem Bielstein (393,6 m) die höchste Erhebung des Emsgebietes.

Verlauf Die Ems ist in drei Abschnitte eingeteilt (siehe Emsland): Obere Ems (zwischen der Quelle und dem Emswehr Hanekenfähr bei Lingen) Mittlere Ems (zwischen Lingen-Hanekenfähr und Papenburg) Unterems (zwischen der Seeschleuse Papenburg und der Mündung in die Nordsee)

Obere Ems mini|hochkant=0.7|Die Quelle der Ems Quelle Die Ems beginnt als einer jener zahlreichen Bäche der Senne, die nicht in einem Tal des Teutoburger Wald entspringen, sondern unterhalb dessen Fußes im nur noch leicht abschüssigen Vorland.

Die Quelle liegt auf etwa an der Grenze der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock, Ortsteil Stukenbrock-Senne, und der Gemeinde Hövelhof. Sie schüttet und ist eine Sickerquelle, d. h. der Quellbach entsteht aus einer Vielzahl von Wasseraustritten.

Münstersche Tieflandsbucht Bis Telgte fließt die Ems mit wenig Flussschleifen überwiegend westwärts. Von da an mäandriert sie zunehmend und ab Greven ist ihre Hauptrichtung nordwärts. Sie entwässert den Osten (ohne den weiter südlich liegenden östlichsten Teil) der Münsterschen Tieflandsbucht, indem sie zahlreiche Bäche aus dem Teutoburger Wald und dessen Vorland aufnimmt, aber auch den Axtbach, die Werse aus den Beckumer Bergen, die ein langes Stück parallel zu ihr verläuft, und die Münstersche Aa.

Die ersten Städte, die die Ems durchfließt, waren im Mittelalter Zentren kleiner selbständiger Territorien: Rietberg war Sitz der Grafschaft Rietberg. In Rheda, der flussabwärts gelegenen Teilstadt von Rheda-Wiedenbrück, residierten die Landesherren der Herrschaft Rheda. Der Name Rheda (von Reede) verweist darauf, dass die Stadt im Mittelalter der oberste Anlegeplatz der Emsschifffahrt war.

Bei Vadrup bildet die Ems einige Kilometer lang die Stadtgrenze von Münster, jedoch weit von deren städtischem Siedlungsgebiet entfernt. Bei Gittrup (zu Münster) wird sie vom Dortmund-Ems-Kanal gekreuzt. Die „Alte Fahrt“ dieser Kanalüberführung Münster-Gelmer (kurz „KÜ“), ist ein bedeutendes Industriedenkmal des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Der Kanal verläuft zunächst in einem Abstand von bis zu 10 km, wurde aber ab Rheine zwischen 3 km Abstand und ganz nahe parallel östlich des Flusses angelegt.

Norddeutsches Tiefland links|mini|Emswehr Hanekenfähr von Süden mini|Ems (links) und Dortmund-Ems-Kanal (Mitte) bei Aschendorf im Süden von Papenburg Nach Rheine passiert die Ems die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen, Landesteil Westfalen, und Niedersachsen. Danach hat sie vor ihrem Ästuar kaum noch westliche Zuflüsse, da die hier nahe parallel verlaufende Vechte das Gebiet zur IJssel, also zum Rheindelta hin entwässert. Das Wasser aus Osten, von Nordseite des westlichen Osning und von der Ankumer Höhe sammelt die Große Aa, die bei Hanekenfähr in die Ems mündet. In Salzbergen wird die Ems von einer über 100 Meter langen Brücke der Bundesautobahn 30 gequert.

Mittlere Ems Zwischen Hanekenfähr und Lingen stößt von Osten der Moränenrücken der Lingener Höhe an den Fluss. Nördlich davon erstreckt sich die Niederung der Hase, die in Meppen mündet. Danach reichen Ausläufer des sandigen Hümmling bis nahe an die Ems. Nördlich davon liegt das Wilde Moor mit dem Naturschutzgebiet Aschendorfer Obermoor/Wildes Moor als Teil des großen zusammenhängenden Gebietes der Emslandmoore. Westlich fast des gesamten Mittellaufs erstreckt sich das Bourtanger Moor. Etwas unterhalb von Meppen passiert die Ems im Stadtgebiet von Haren den rechtsseitig liegenden Eurohafen Emsland.

Ems-Ästuar Inneres Ästuar mini|Emssperrwerk bei Gandersum Das Wehr in Herbrum bildet seit 1899 die obere Grenze des über 100 km langen Tidenbereichs der Ems, auch Tidenems genannt. Der mittlere Tidenhub beträgt drei Meter, bei Niedrigwasser kann es zu einer Gezeitenwelle kommen. Bis zur Mündung der Leda ist dieses Ästuar noch schmal wie ein Fluss.

An der Ledamündung liegt die zweitgrößte der alten Hafenstädte an der Unterems, Leer, deren Hafen genau genommen nicht von der Ems abzweigt, sondern von der Leda.

Unterhalb gewinnt das Ästuar andeutungsweise Trichterform. Zwischen Ledamündung und Dollart gibt es ein paar Sandbänke und Inseln: Der Bingumer Sand ist eine echte Insel mit Sommerdeich. Jemgumer Sand und Midlumer Sand sind jeweils Gruppen kleiner Sandbänke. Der Hatzumer Sand besteht aus etwas Sumpf und etwas Sand.

Seit 2002 gibt es bei Gandersum kurz vor dem Dollart das Emssperrwerk, das normale Gezeitenströme kaum behindert, aber bei bedrohlichen Sturmfluten geschlossen wird. Anders als bei ähnlichen Sperrwerken über kleinere Flüsse wurde nicht die Chance genutzt, die für den Betrieb erforderlichen Stege zu einer Klappbrücke für Fußgänger und Leichtfahrzeuge zu verbinden. Das Sperrwerk wird zudem nicht nur genutzt, um flussaufwärts bedrohliche Wasseranstiege zu verhindern, sondern auch, um für die Überführung von auf der Meyer Werft gebauten Schiffen das Oberwasser durch Stau anzuheben und so flussaufwärts die Wassertiefe zu vergrößern.

Äußeres Ästuar 22 km flussabwärts der Ledamündung geht bei Pogum das innere in das äußere Ästuar der Ems über. Hier beginnt auch der erste Abschnitt der Emsmündung („innere Emsmündung“), zu dem das Emder Fahrwasser, der Dollart und der im Folgenden als „Hals“ bezeichnete Abschnitt gehören. Sodann bilden die Rinnen Ostfriesisches Gatje, Bocht van Watum, Dukegat, Randzelgat und Oude Eems zusammen die mittlere Emsmündung. Es schließen sich das „Seegat Ems“ zwischen den Inseln Borkum und Rottumeroog sowie die äußere Emsmündung mit den westlich von Borkum und nördlich von Rottumeroog und Rottumerplaat gelegenen Rinnen Hubertgat (Hauptfahrwasser bis 1989) und Westerems (Hauptfahrwasser seit 1989) an.Ständige deutsch-niederländische Emskommission: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Emsmündung. Eine Brochüre zur 35. Sitzung der Emskommission. Bonn / Den Haag 1995, S. 6–9 Ebenso ist die Osterems Bestandteil der Emsmündung.

Dollart

mini|hochkant=2.1|Tidenbereich der Ems: Watt in blassen, Flächen unter dem Seekartennull in leuchtenden Blautönen; vor den Gezeiten abgeschirmte Gewässer gedeckt blau Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden (WSA Emden) schrieb über die Unterems: „Südlich von Emden durchfließt sie den Dollart“. Tatsächlich ist jedoch die Strömungsrinne der Ems, vom Emder Hafen an Emder Fahrwasser genannt, durch die Wattfläche der Geise vom Priel­system des Dollart getrennt. Am Nordufer dieses Flussabschnittes liegt die größte der Hafenstädte an der Ems, Emden. Am Südufer des Dollarts liegt das Rheiderland beiderseits der deutsch-niederländischen Grenze. An der südlichsten Stelle des Dollart mündet die Westerwoldsche Aa. Von hier bis zur Nordsee gehört das linke Ufer der Ems zur niederländischen Provinz Groningen.

Die nordostwärts gerichtete Landzunge des Punt van Reide bildet die westliche Begrenzung des Dollart.

Hals und mittlere Emsmündung