mini|Postkarte von Rostoff (Rüstow) gelaufen 1902 Rostow am Don (, Rostow-na-Donu) ist eine der größten Städte im europäischen Teil Russlands. Sie liegt im Süden des Landes, 46 Kilometer vor der Mündung des Dons in das Asowsche Meer. Sie ist zugleich Hauptstadt der Oblast Rostow und wird als „Tor zum Kaukasus“ bezeichnet.

Die Stadt ist mit 1,14 Millionen Einwohnern (Stand: 2025) die zwölftgrößte Stadt Russlands. In der Rostower Agglomeration leben knapp 2,16 Millionen Menschen.Ростовская агломерация. Существующее положение Rostow am Don liegt 960 Kilometer südlich von Moskau. Es bildet das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Südrusslands.

Geographie Die Stadt befindet sich im Südosten der Osteuropäischen Ebene, die meisten Stadtteile liegen am rechten Ufer des Dons, 46 km vor seiner Einmündung in das Asowsche Meer. Die südwestlichen Stadtteile grenzen an das Delta des Flusses Don. Die geografische Lage der Stadt unweit des Schwarzen, des Asowschen und des Kaspischen Meeres und die Kanäle, die Rostow mit der Ostsee und dem Weißen Meer verbinden, haben ihr den Beinamen „Stadt der fünf Meere“ eingebracht.

Klima Am wärmsten ist es im Monat Juli. Es werden dann durchschnittliche Temperaturen von +24 °C erreicht. Mit im Durchschnitt −4,2 °C ist der Januar der kälteste Monat des ganzen Jahres.

Gliederung Historisch besteht Rostow aus zwei Stadtkernen, dem eigentlichen Rostow und dem 1920 eingemeindeten Nachitschewan, einer ehemaligen Kolonie armenischer Exilanten, die noch immer eine große armenische Gemeinde beheimatet. Administrativ ist die Stadt in acht Bezirke gegliedert (Woroschilowski, Schelesnodoroschny, Kirowski, Leninski, Oktjabrski, Perwomaiski, Proletarski und Sowetski). Diese orientieren sich nicht an den historischen Grenzen der beiden einstmals eigenständigen Städte. Der einwohnerreichste Bezirk ist Woroschilowski, der erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand und durch Plattenbausiedlungen gekennzeichnet ist. Das eigentliche Zentrum sind die Bezirke Kirowski und Leninski. Das Stadtgebiet liegt zum größten Teil am nördlichen Donufer. Der einzige Stadtteil am Südufer, Saretschnaja, ist durch Hafen- und Industrieanlagen geprägt.

Die Rostower Agglomeration mit ihren knapp 2,2 Millionen Einwohnern ist weitläufiger und umfasst unter anderem die Städte Asow, Aksai und Bataisk. Vor Rostow liegt im Don die „Grüne Insel“ (Seljony ostrow), eine mehrere Quadratkilometer große, bewaldete Insel, die von den Rostowern als Naherholungsgebiet benutzt wird.

Geschichte

Das Gebiet um Rostow am Don war bereits in der Antike besiedelt. Rund 30 Kilometer westlich der Stadtgrenzen befand sich die griechische Kolonie Tanais. Später wurde die Region eine genuesische Kolonie und gelangte Ende des 15. Jahrhunderts schließlich an die Osmanen, wenngleich die Saporoger Kosaken häufige Feldzüge bis ans Asowsche Meer unternahmen. Im 18. Jahrhundert, nach mehreren Kriegen mit den Osmanen, übernahm Russland endgültig die Kontrolle über die nördliche Schwarzmeerregion und das Kaukasusgebiet.

Russland

Auf dem Gebiet Rostows befanden sich seit 1749 ein Zollhaus und ein Hafen. Der Ort selbst wurde im Jahr 1761 unter Elisabeth Petrowna zum Schutz russischer Handelswege als Festungssiedlung an der Südgrenze des Reiches gegründet. Benannt wurde sie nach dem Metropoliten Dimitri von Rostow. Nachdem es Russland im 18. Jahrhundert gelungen war, die Osmanen aus dem gesamten nördlichen Schwarzmeergebiet (Tifliser Militärbezirk) zu verdrängen, verlor Rostow an militärischer Bedeutung, wurde zu einem bedeutenden Handelszentrum und überholte schnell das nahegelegene Asow. Rostow erhielt 1797 den Stadtstatus und fungierte seitdem als Kreisstadt.

Als meeresnaher Flusshafen stieg Rostow am Don im 19. Jahrhundert zum wichtigsten Handelsmittelpunkt und Verkehrsknoten im Süden Russlands auf. Im 19. Jahrhundert war die Stadt das administrative Zentrum des Ujesd Rostow im Gouvernement Jekaterinoslaw. Seit 1887 gehörte Rostow zum Gebiet des Don-Heeres. Die industrielle Entwicklung der Stadt setzte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Auf der Basis der Donbasskohle und der Eisenerze von Kriwoi Rog wurde 1846 eine Eisengießerei errichtet und 1859 begann die Produktion von Dampfkesseln und -pumpen. Eisenbahnverbindungen nach Charkow (1871), nach Woronesch (1871) und nach Wladikawkas (1875) wurden eröffnet.

Mit dem industriellen Aufschwung ging eine rasante Zunahme der Bevölkerungszahl einher. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren bereits etwa 140 Industriebetriebe in der Stadt ansässig. Der Hafen im Süden Russlands war einer der größten Umschlagplätze vor allem für den Export von Getreide, Eisenerz und Holz.

Historisch besteht Rostow aus zwei Teilen: Rostow und Nachitschewan. Nachitschewan war eine selbständige von Armeniern bewohnte Stadt, die von Katharina II. im 18. Jahrhundert vom Kaukasus hierher übersiedelt wurden. Die ehemalige Grenze zwischen den zwei Städten ist der Theaterplatz. Nachitschewan ist Heimat einer großen armenischen Gemeinde.

Bei der Volkszählung von 1897 wurde für Rostow am Don eine Einwohnerzahl von 119.500 ermittelt, davon 79,2 % Russen, 9,4 % Juden, 4,7 % Ukrainer, 1,9 % Armenier und 1,0 % Tataren.demoscope.ru In den 1920er Jahren stieg Rostow am Don zur drittgrößten Stadt Russlands auf, wobei die bis dahin selbständige Nachbarstadt Nachitschewan am Don eingemeindet wurde. Dementsprechend wuchs durch die Eingemeindung der Anteil der Armenier in Rostow. Im Jahre 1939 hatte die Stadt mehr als 500.000 Einwohner. (PDF; 34 MB)

Nach der Auflösung des Gebiets des Don-Heeres 1920 war Rostow in der frühen Sowjetunion Hauptstadt mehrerer wechselnder Verwaltungseinheiten: von 1920 bis 1924 der Oblast Don, 1924 der Oblast Südost, 1924 bis 1934 des Krai Nordkaukasus und von 1934 bis 1937 des Krai Asow-Schwarzmeer. Im Jahre 1937 wurde die bestehende Oblast Rostow gegründet.

Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt erstmals am 20. November 1941Johannes Hürter: Hitlers Heerführer: Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. — München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2007, S. 309. in der Schlacht um Rostow vom deutschen III. Armeekorps eingenommen. Bereits zwei Tage später begann jedoch der massive Gegenangriff der Roten Armee. Am 28. November verließen die deutschen Truppen zusammen mit kollaborierenden Kosaken Rostow am Don und zogen sich nach Taganrog zurück. Auf ihrem Rückzug hinterließen sie eine Schneise der Verwüstung. Viele Fabriken und Wohnhäuser wurden von ihnen zerstört und niedergebrannt. 200 sowjetische Kriegsgefangene wurden nur wenige Stunden vor der Befreiung der Stadt am Bahnhof erschossen. Etwa 3000 Bewohner der Stadt kamen in diesen acht Tagen bei Luftangriffen und Kämpfen ums Leben.

Nachdem die Rote Armee die Stadt befreit hatte, wurde sofort mit dem Wiederaufbau der zerstörten Fabriken und Häuser begonnen. Grundlage war die Annahme, dass die Deutschen die Stadt nicht noch einmal erobern können. Am 24. Juli 1942 wurde die Stadt jedoch durch die Vorhut des XXXXIX. Gebirgskorps und Einheiten der SS-Division „Wiking“ zum zweiten Mal besetzt.

Die in Rostow lebenden Juden mussten sich am 11./12. August 1942 in einem Schulgebäude versammeln und wurden zur Smijowskaja Balka (Schlangenschlucht) getrieben, wo sie erschossen wurden. Unter ihnen waren die damals 56-jährige Psychoanalytikerin Sabina Spielrein und ihre beiden Töchter Renata und Eva sowie die 34-jährige Dichterin Jelena Michailowna Schirmann und ihre Eltern.

Nach heftigen Kämpfen wurde die Stadt am 14. Februar 1943 erneut zurückerobert und endgültig befreit. In der Stadt bestanden die drei Kriegsgefangenenlager 251, 421 und 475 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte schnell die Beseitigung der Zerstörungen und bereits in den 1950er Jahren war die Einwohnerzahl höher als vor dem Krieg. Ende der 1980er Jahre wurde Rostow zur Millionenstadt.

Seit 1991 Mit dem Zerfall der Sowjetunion ging die Industrieproduktion in den 1990er Jahren stark zurück. Ende des Jahrzehnts wurde Rostow am Don als größter Industriestandort des Nordkaukasus von Krasnodar abgelöst. Im Jahr 2001 fiel die Einwohnerzahl unter eine Million. Seit 2002 ist eine Trendwende zu beobachten. Sie ist verbunden mit einem erneuten Anstieg der Einwohnerzahl, teils durch Zuwanderung von Flüchtlingen aus den ethnischen Krisengebieten des Kaukasus, zum Teil auch durch eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage seit Anfang der 2000er Jahre. Seine Funktion als großer internationaler Verkehrsknotenpunkt kann Rostow zunehmend ausbauen. Im Jahr 2000 wurde Rostow am Don zur Hauptstadt des Föderationskreises Südrussland ernannt.

Am 5. Mai 2008 erhielt die Stadt vom Präsidenten der Russischen Föderation per Ukas den Ehrentitel „Stadt des militärischen Ruhms“.

2018 war Rostow am Don ein Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

Am 16. März 2023 brach in der Stadt ein Großbrand in einem Gebäude der Grenzschutztruppen des Inlandsgeheimdienstes FSB aus.Russisches Geheimdienstgebäude in Rostow in Brand orf.at, 16. März 2023, abgerufen am 16. März 2023. Der Gebiets-Gouverneur teilte am selben Tag mit, das Feuer sei nach vorläufigen Erkenntnissen durch einen Kurzschluss in Stromleitungen ausgebrochen. Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak schrieb auf Twitter, dass sein Land mit dem Brand nichts zu tun habe.

In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2023 rückten im Zuge des Aufstands der Gruppe Wagner Truppen unter Jewgeni Prigoschin in die Stadt ein und besetzten wichtige strategische Punkte. Nach Angaben Prigoschins hatte die Wagner-Gruppe alle militärischen Einrichtungen in Rostow besetzt.Wagner fighters in Russian cities defy Putin's charge of mutiny, BBC vom 24. Juni 2023. Am Abend desselben Tages wurde der Aufstand abgebrochen und die Gruppe verließ die Stadt.

Bevölkerung und Ethnien Bei der letzten Volkszählung am 14. Oktober 2010 lebten 1.089.261 Menschen in der Stadt. 2014 wurde die Einwohnerzahl mit 1.109.800 angegeben. In der Agglomeration leben knapp 2,2 Millionen Menschen, im erweiterten Großraum etwa 2,7 Millionen.

Die überwiegende Mehrheit der Stadtbewohner rechnet sich ethnisch den Russen zu. Daneben gibt es zahlreiche weitere Ethnien in Rostow (siehe Tabelle unten). Ende der 1980er Jahre wurde Rostow am Don zur Millionenstadt. Neben Russen als dominierender Volksgruppe sind die Gemeinden der Armenier und Ukrainer historisch bedeutend. Rostow war und ist ein wichtiges Zentrum der armenischen Diaspora. Die Kleinstadt Tschaltyr in der Nähe von Rostow wird mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Der Anteil der Ukrainer in Rostow und Umgebung war im 19. und frühen 20. Jahrhundert deutlich höher und ist in Folge der langen Assimilation stark zurückgegangen. Er beträgt unter 2 % der Einwohner. Während in der Stadt Rostow Anfang des 20. Jahrhunderts nur wenige Ukrainer lebten, waren 1897 im Umland von Rostow rund ein Drittel der Bevölkerung Ukrainer.

mini|Im Zentrum der Stadt mini|Haus der Stadtduma von Rostow am Don mini|Uferpromenade der Stadt

1989 lebten in Rostow am Don Angehörige von insgesamt 106 Ethnien: Nationalität Anzahl Prozent Russen 960.883 90,1 % Armenier 41.553 3,4 % Ukrainer 16.249 1,5 % Aserbaidschaner 6.739 0,6 % Tataren 5.299 0,5 % Georgier 3.960 0,4 % Belarussen 2.874 0,3 % Koreaner 2.792 0,3 % Juden 2.403 0,2 % Lesgier 1.660 0,2 % Kirgisen 1.374 0,1 % Usbeken 1.188 0,1 % Tschetschenen 1.073 0,1 % Osseten 992 0,1 % Griechen 950 0,1 % Inguschen 928 0,1 % Roma 893 0,1 % Tadschiken 852 0,1 %

Stadtbezirke (Rajony)