mini|Stadtpark (Luftbild 2013)

Papenburg ist eine Stadt, eine selbständige Gemeinde und ein Mittelzentrum an der Ems im Landkreis Emsland in Niedersachsen. Papenburg ist mit (36.770 lt. Zensus 2022) Einwohnern nach Lingen und knapp vor der Kreisstadt Meppen die zweitgrößte Stadt des Landkreises. Papenburg liegt nahe der niederländischen Grenze.

Geografie Geografische Lage Die Stadt Papenburg ist die nördlichste Stadt des Landkreises Emsland, unmittelbar angrenzend an den ostfriesischen Landkreis Leer. Die Stadt hat eine Länge von 11,5 Kilometer und erstreckt sich 15,5 Kilometer in die Breite. Sie befindet sich rund 13 Kilometer südlich der Stadt Weener und 38 Kilometer nördlich der Stadt Haren. Von Papenburg bis zur westlich gelegenen niederländischen Grenze sind es ca. 15 Kilometer. Im Süden der Stadt verläuft der Küstenkanal. Im Westen der Stadt verlaufen der Dortmund-Ems-Kanal sowie die Ems, die bis Herbrum weitgehend den Gezeiten unterliegt. Die Ems macht Papenburg zur südlichsten Seehafenstadt mit direktem Zugang zu Deutschlands Teil der Nordsee. Ein- bis zweimal jährlich wird die Ems mit Hilfe des Sperrwerks in Gandersum aufgestaut, sodass die Meyer Werft Hochseeschiffe in die Nordsee überführen kann.

Stadtgliederung

Papenburg ist gegliedert in sieben Stadtteile. Seit der Gemeindereform 1973 sind die frühere Stadt Aschendorf (1) sowie die Gemeinden Herbrum (2), Tunxdorf (3), Nenndorf (4) und Bokel (5) der Stadt Papenburg angegliedert, deren Kernstadt in Untenende (6) und Obenende (7) unterteilt ist.

Aschendorf: Die frühere Stadt Aschendorf ist einer der ältesten Orte in Niedersachsen. Herbrum: Herbrum wird hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt und liegt an der Ems. Tunxdorf: Tunxdorf liegt in einer Flussschlinge der Ems. Nenndorf: Nenndorf liegt nah an der Natur zwischen Tunxdorf und Bokel. Bokel: Bokel wächst als Wohngebiet, dient aber vor allem der Landwirtschaft. Untenende: Das Untenende bildet das Zentrum der Stadt, hier befinden sich fast alle wichtigen öffentlichen Einrichtungen, die meisten Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Angebote. Obenende: Das Obenende ist vorwiegend ein großes Wohngebiet und bietet Historisches der Kanalstadt.

Seit der Baudock- und Werksgeländeerweiterung der Meyer Werft und der Verlegung des Autobahnzubringers etwa 2002–2008 zählt das ehemals Bokeler Gebiet nun zum Untenende. Davor waren auch Oben- und Untenende keine offiziellen Ortsteile und in Karten nicht durch eine Grenze gekennzeichnet.

Nachbargemeinden Papenburg grenzt an acht Gemeinden und Städte. Im Norden grenzt Papenburg an die Gemeinden Westoverledingen und Rhauderfehn sowie die Stadt Weener, jeweils im Landkreis Leer. Im Westen grenzt sie an die Gemeinde Rhede, im Süden an die Gemeinden Heede, Lehe und Neulehe in der Samtgemeinde Dörpen. Im Osten grenzt Papenburg an die Gemeinde Surwold in der Samtgemeinde Nordhümmling.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Papenburg liegt hydrologisch im Flusssystem der Ems.

Im Stadtgebiet von Papenburg prägen zahlreiche Oberflächengewässer das Landschaftsbild. Neben den historischen Fehnkanälen sind vor allem natürliche und ausgebaute Fließgewässer sowie einzelne Stillgewässer von Bedeutung.

Das wichtigste natürliche Fließgewässer ist die Ems, die westlich des Stadtgebiets verläuft und Papenburg zur südlichsten deutschen Seehafenstadt mit direktem Zugang zur Nordsee macht. Im Westen verläuft außerdem der Dortmund-Ems-Kanal, der als Bundeswasserstraße zugleich Teil des städtischen Gewässersystems ist. Südlich des Stadtgebiets liegt der Küstenkanal. In den Ortsteilen Herbrum, Tunxdorf und Nenndorf prägt die Ems mit Altwassern und Flussschlingen zusätzlich die naturräumliche Struktur.

Zu den Stillgewässern zählen mehrere Bagger- und Badeseen. Beispielhaft genannt werden der Tunxdorfer Waldsee, der als Badesee genutzt wird, sowie größere Seen in Parkanlagen, die wichtige Naherholungsräume darstellen. Auch der Bokeler Baggersee und der Bunte See am Demonstrationswald gehören zu den bekannten Stillgewässern des Stadtgebiets. Das kommunale Klimaanpassungskonzept verweist darauf, dass sich auf dem Stadtgebiet insgesamt rund 542 Kilometer Kanäle, Gräben und Fließgewässer befinden; daneben bestehen mehrere Seen mit Freizeit- und Erholungsfunktion.

Offene Gräben und kleinere Fließgewässer ergänzen dieses Netz und übernehmen eine zentrale Funktion für Entwässerung, Hochwasserschutz und Wasserhaushalt. Sie entwässern landwirtschaftliche Flächen, Straßen und Grundstücke und sind ein wesentlicher Bestandteil der Oberflächenentwässerung der tief liegenden Stadt.

Moore und andere Feuchtgebiete prägen die naturräumliche Umgebung Papenburgs in besonderem Maße. Die Stadt liegt am Rand der ostfriesisch-emsländischen Moorlandschaften, die über Jahrhunderte durch Hochmoore, Niedermoore und Feuchtwiesen bestimmt wurden. Große Teile des heutigen Stadtgebiets entstanden erst durch planmäßige Fehnkolonisation, Entwässerung und Torfabbau.

Von besonderer Bedeutung ist das Hochmoorgebiet südlich von Papenburg. Nach Angaben der niedersächsischen Potenzialstudie „Moore in Niedersachsen“ umfasst dieses Moorgebiet rund 3.032 Hektar und erstreckt sich über die Stadt Papenburg sowie die Gemeinden Surwold, Bockhorst und Neulehe. Es handelt sich überwiegend um Hochmoorflächen, ergänzt durch Niedermoor- und Übergangsmoorbereiche. Ein erheblicher Teil steht unter naturschutzfachlicher Sicherung.

Östlich des Stadtgebiets liegt zudem das FFH-Gebiet „Esterweger Dose“ (FFH-Gebiet 158), ein stark degradiertes, aber großräumig renaturiertes Hochmoor. Dieses Gebiet bildete ursprünglich das größte zusammenhängende Regenmoorgebiet Mitteleuropas und weist Torfmächtigkeiten von bis zu 13 Metern auf. Es gehört zugleich zum EU-Vogelschutzgebiet „Esterweger Dose“ (V 14), das sich nördlich und südlich des Küstenkanals nahe Papenburg erstreckt. Wiedervernässte Polder, offene Wasserflächen und Pfeifengrasfluren prägen heute das Landschaftsbild.

Ein weiteres bedeutendes Feuchtgebiet ist das Naturschutzgebiet "Emsauen zwischen Herbrum und Vellage" im Norden des Stadtgebiets (NSG WE 268).

Es umfasst tidebeeinflusste Niederungsflächen mit Röhrichten, Hochstaudenfluren, Weidengebüschen, Kleingewässern und extensiv genutztem Feuchtgrünland. Diese Auenlandschaft übernimmt wichtige Funktionen für Hochwasserschutz, Biodiversität und Biotopverbund entlang der Ems.

Daneben bestehen zahlreiche kleinere Feuchtbiotope, Entwässerungsgräben, Nasswiesen und ehemalige Torfstiche, die als Sekundärlebensräume für Amphibien, Wiesenvögel und moortypische Pflanzenarten dienen. Sie sind zugleich charakteristisch für das historische Siedlungsbild der Fehnstadt Papenburg.

Kanäle mini|3 Klappbrücken an der Alten Werft über die Verbindung des Hauptkanal mit Hafen und dann Ems, rechts liegt der Bahnhof mini|Papenburg ist aus der ältesten und längsten Fehn-Kolonie Deutschlands entstanden. Papenburg ist Deutschlands älteste und längste Fehn-Kolonie. Kanäle prägen das Stadtbild in Papenburg am Oben- und Untenende und waren lange Zeit die Hauptentwicklungsachsen. Das Netz aus Kanälen reicht vom Hafen an der Ems (Untenende) bis zum Küstenkanal im Südosten (Obenende) und hat eine Gesamtlänge von bei einer Längsausdehnung .

Ursprünglich wurden die Kanäle angelegt, um das Moor zu entwässern um daraufhin den Torf abbauen zu können und als Brennstoff nutzbar bzw. verkaufsfähig zu machen. Alsbald wurden die Kanäle als effiziente Abtransportwege entdeckt, woraufhin Dutzende Holzschiffswerften entstanden, die Lastkähne bauten, welche zunächst von Menschenhand und später mehr und mehr von Pferden über die Wasserstraßen getreidelt wurden. In einigen Kanälen liegen, fest verankert, Nachbauten alter Schiffe – vom einfachen Kahn bis zur großen Brigg –, die an diese Zeit erinnern.

Die zu den Kanälen meist beidseitig parallel verlaufenden Straßen heißen etwa „Erste Wiek links“ oder „Umländerwiek rechts“, wobei „links“ und „rechts“ vom damaligen Standort der Papenborg gesehen wird – dem Ursprung der Stadt Papenburg am Nordwestende des Untenendes, dem heutigen „alten“ Hafen. Das Wort Wiek bedeutet so viel wie „Weiche“ im Sinne von Abbiegung oder Abzweigung. Einige ehemalige Kanäle, wie etwa der „Osterkanal“ oder der „Gasthauskanal“, sind noch am Straßennamen zu erkennen.

Klima Das Klima in Papenburg wird durch die mitteleuropäische Westwindzone geprägt. Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Papenburg in der Einteilung C (Warm-Gemäßigtes Klima).Klimawerte für Papenburg. mappedplanet.com; abgerufen am 29. Dezember 2011 Das durchschnittliche Jahrestemperaturmittel liegt bei 8,7 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit einem Monatstemperaturmittel von mehr als 16 °C. Der kälteste Monat ist der Januar mit 1,2 °C im Durchschnitt. Die Niederschlagsmenge innerhalb eines Jahres liegt in Papenburg bei 757 mm. Der regenreichste Monat ist der November mit 77 mm, der regenärmste Monat ist der Februar mit 41 mm.

Im Jahr scheint in Papenburg die Sonne insgesamt 1372 Stunden. Die größte Chance auf Sonne bieten der Mai, der Juli und der August. In diesen Monaten gibt es 186 Stunden Sonnenschein. Im Januar und im Dezember hingegen scheint die Sonne nur jeweils 31 Stunden.Klimawerte für Papenburg. klima.org; abgerufen am 29. Dezember 2011

Geschichte Dieser Abschnitt beschreibt die Entstehung Papenburgs als Kanalstadt ausgehend vom Untenende. Der heutige Stadtteil Aschendorf ist älter und darüber hinaus einer der ältesten Orte Niedersachsens.

Vorgeschichte mini|hochkant|Die Papenborch

Um das Jahr 1250 ließ der Bischof von Münster die Wasserburg „Papenborch“ errichten, der Name der Stadt geht auf diese zurück.Ernst Förstemann (Hrsg.): Altdeutsches Namenbuch. Band II: Ortsnamen. Nordhausen. 2. Auflage: 1872, S. 1189; 3., völlig neu bearb. Auflage herausgegeben von Hermann Jellinghaus, Band II. Orts- und sonstige geographische Namen, Teilband 2: L–Z. Hanstein, Bonn 1916. Sie befand sich auf dem heutigen Gelände des Forums Alte Werft. Die Papenborch diente den Bischöfen von Münster als Reiseunterkunft auf ihrem Weg nach Ostfriesland. Damit hatte die Papenborch die Verpflichtung eines „offenen Hauses“ (apen hus), musste also jederzeit in der Lage sein, Gäste aufzunehmen. Daher war es nötig, die Burg ständig zu bewohnen und instand zu halten. Dies war nur möglich, indem die Papenborch als Lehen an einen Adeligen übergeben wurde.Hans Döbber: Papenburg – aus der Geschichte der Stadt. 1981, S. 9–11.

Bischof Johann von Münster belehnte am 16. Mai 1458 Hayo von Haren (genannt: von der Papenborch), Propst zu Leer, mit der Papenborch. Der darüber ausgestellte Lehnrevers enthält die älteste überprüfbare urkundliche Erwähnung Papenburgs. papenburg.de; abgerufen am 9. Januar 2012.

1460 überfielen Rolf und Engelbert von Langen die Burg und brachten sie in ihren Besitz. Sie wollten damit ihre Entschädigungsforderungen gegenüber der Stadt Münster deutlich machen, in deren Dienste sie standen. Bischof Johann von Münster beschlagnahmte daraufhin die Güter der von Langens und befreite mit seinen Truppen die Papenborch. Sie wurde anschließend wieder Hayo von Haren übertragen.Wolf-Dieter Mohrmann: Geschichte der Stadt Papenburg. 1986, S. 96.

Am 6. November 1484 beerbte Hayos Sohn, Alrick von der Papenburg, seinen Vater. Bischof Heinrich III von Münster belehnte ihn mit der Burg und dem halben Hof zu Lehe. Alrick verstarb bereits 1485 oder 1486, sodass die Papenburg in den Besitz seiner beiden Schwestern Adde und Awe überging. Ihre Männer, Ludeke Hake und Winrich von Brahe wurden am 29. November 1486 mit der Burg belehnt. Nach Hakes Tod ging das Lehen am 20. November 1489 in den alleinigen Besitz von Winrich von Brahe über.