Delmenhorst () ist eine kreisfreie Stadt im Oldenburger Land (Niedersachsen). Sie gehört zur Metropolregion Nordwest und zum Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen.

In Niedersachsen ist Delmenhorst eine von acht kreisfreien Städten. Sie gehört zu den zehn größten Städten des Landes. Raumplanerisch ist die Stadt als Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums eingestuft.Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (ML): Landes-Raumordnungsprogramm Niedersachsen 2017. Hannover 2017, S. 18 (PDF, 5,3 MB) 1371 erhielt Delmenhorst die Stadtrechte. Mit der 1867 erfolgten Einweihung der Bahnstrecke Bremen–Oldenburg entwickelte sich die Stadt bis 1898 zur größten Industriestadt zwischen Weser und Ems. Seit 1903 ist Delmenhorst kreisfrei.

Geographie Geographische Lage Delmenhorst grenzt westlich an Bremen und liegt etwa 35 Kilometer ostsüdöstlich von Oldenburg. Die Stadt wird unter anderem von der Delme durchflossen. Im Osten und Nordosten wird sie von den Gewässern Klosterbach und Varreler Bäke sowie der Ochtum begrenzt.

mini|hochkant=1.2|Stadtbezirke Delmenhorsts Stadtgliederung mini|Luftaufnahme der Graftanlagen und der Innenstadt von Delmenhorst mini|Gründerzeitliche Fassaden an der Lange Straße mini|hochkant=1.2|Partie an der Delme

Delmenhorst wurde, nicht zuletzt dank der immer stärker einsetzenden Industrialisierung und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Blüte, am 1. Mai 1903 eine Stadt erster Klasse, also eine kreisfreie Stadt. In dieser Zeit entstanden die Stadtteile Düsternort, Schafkoven und Hasport. Delmenhorst erstreckte sich 1925 auf einer Fläche von 19,56 km².Statistik des Deutschen Reichs. Band 401: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1925. Heft 1: Die Bevölkerung im Deutschen Reich nach den Ergebnissen der Volkszählung 1925. Teil I: Einführung in die Volkszählung 1925. Tabellenwerk. Berlin, 1928, , S. 80 1933 erfolgte die Eingemeindung der heutigen Stadtteile Annenheide, Annenriede, Bungerhof, Iprump und Stickgras. Für die Stadt gab es somit Möglichkeiten, sich weiter in die Fläche auszudehnen.Chronik, auf delmenhorst.de, abgerufen am 2. August 2022. Viele neue Siedlungen in den Stadtteilen entstanden in den Nachkriegsjahren, vor allem um Flüchtlingen Wohnraum zu bieten. 1974 wurde schließlich Hasbergen im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform nach Delmenhorst eingemeindet und die Stadt erreichte ihre heutige Katastergröße von 62,36 km².Zeittafel, auf delmenhorst.de, abgerufen am 2. August 2022.

Die Stadt Delmenhorst ist zu statistischen Zwecken in zehn Stadtbezirke gegliedert:

AmtlicheNummer Name des Stadtbezirks Einwohner(2023)Bevölkerung nach Stadtbezirken. Fachdienst Bürgerservice, Stadt Delmenhorst. (PDF; 0,2 MB) Unterbezirke 0 Brendel/Adelheide 5.455 Brendel (098)Adelheide (099) 1 Mitte 9.100 Berufsbildende Schule I (195)Ludwig-Kaufmann-Straße (196)Lange Straße (197)Güterbahnhof Süd (198)Wiekhorn (199) 2 Deichhorst 11.438 Tiergarten (296)Städtische Krankenanstalten (297)Allerheiligenkirche (298)Berufsbildende Schule II (299) 3 Dwoberg/Ströhen 9.051 Dwoberg (395)Goethestraße (396)Gottfried-Keller-Straße (397)Lessingschule (398)Hansastraße (399) 4 Bungerhof 7.173 Deichhausen/Sandhausen (494)Neuendeel (495)Hasbergen (496)Hebbelweg (497)Städtischer Friedhof (498)Westerfeld (499) 5 Schafkoven/Donneresch 10.839 Schohasbergen (595)Otto-Jenzok-Straße (596)Tappenort (597)Eschenweg (598)Dreilinien/Tannenweg (599) 6 Iprump/Stickgras 5.934 Varrelgraben (696)Lüneburger Straße (697)Iprump (698)Stickgras (699) 7 Stickgras/Annenriede 11.469 Stephanusstift (794)Tiefes Moor (795)Verdener Straße (796)Gesinenweg (797) Hakenweg (798)Gut Dauelsberg (799) 8 Hasport/Annenheide 4.198 Hasport (897)Annenheide-West (898)Annenheide-Ost (899) 9 Düsternort 8.403 Elbinger Straße (997)Stadion (998)Overbergschule (999)

Die Stadtbezirke decken sich nicht zwingend mit den teils gleichnamigen 13 Stadtteilen:Stadtteil-Porträts. Stadt Delmenhorst.

Name des Stadtteils zugehörige Unterbezirke Einwohner(2022) Brendel/Adelheide 098, 099 5.404 Bungerhof 397, 398, 399, 497, 498, 499 10.072 Deichhorst 296, 297, 298, 299 11.497 Düsternort 798, 997, 998, 999 9.887 Dwoberg/Ströhen 395, 396 4.534 Hasport/Annenheide 897, 989, 899 4.233 Heidkrug/Stickgras 697, 698, 699 5.308 Ländlicher Norden 494, 495, 496 1.525 Ländlicher Osten 595, 696 793 Nördliche Stadtmitte 195, 596, 597 8.321 Schafkoven/Donneresch 598, 599 4.077 Stickgras/Annenriede 794, 795, 796, 797, 799 9.839 Südliche Stadtmitte 196, 197, 198, 199 7.088

Die Einwohnerdaten aus der Tabelle beinhalten sowohl die Haupt- als auch die Nebenwohnsitze. Die daraus resultierende Gesamteinwohnerzahl weicht also geringfügig von der vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen veröffentlichten Zahl ab, die nur die Einwohner mit Hauptwohnsitz wiedergibt.

Geschichte mini|Relief der Burg Delmenhorst auf der Burginsel, Kupferstich von Merian, 1647 mini|Delmenhorst um 1647 Nach Beendigung der Stedingerkriege 1234 begann 1247 auf der Burginsel in den jetzigen Graftanlagen der Ausbau einer bescheidenen Befestigung zu einer Wasserburg, der Burg Delmenhorst, zur Sicherung der durch die Oldenburger Grafen unterworfenen Gebiete der Stedinger. 1254 wurde der Name Delmenhorst dann erstmals in einer Urkunde genannt. Ab 1281 herrschte die ältere Linie der Grafen von Delmenhorst; ihre Regentschaft dauerte bis 1436. 1286 wurde das Kollegiatstift „St. Marien“ begründet.

Durch den 1311 erfolgten Bau des Straßendammes Bremen-Delmenhorst wurde der flämische Handelsweg über Delmenhorst geführt. 1371 erhielt Delmenhorst durch den Delmenhorster Grafen Otto III. die Stadtrechte nach Bremer Recht.Dieter Rüdebusch: Otto III., Graf von Oldenburg–Delmenhorst. In: Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Hrsg. im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. Isensee, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 548 (online) Graf Otto IV. von Delmenhorst verpfändete 1414 seine Grafschaft an das Erzstift Bremen. 1421 wurde Graf Nikolaus von Delmenhorst Erzbischof von Bremen. 1436 fiel die Grafschaft Delmenhorst an Oldenburg zurück.

Von 1440 bis 1482 beherrschte Graf Gerd der Mutige Delmenhorst. 1448 wurde Graf Christian von Oldenburg und Delmenhorst König von Dänemark. Die älteste Bürgervereinigung Delmenhorsts, die „St. Polycarpus Gilde“, wurde 1454 gegründet. Nach der Regentschaft Gerds des Mutigen fiel die Stadt 1482 unter münstersche Herrschaft.

1547 eroberte Graf Anton I. von Oldenburg und Delmenhorst die Burg und Grafschaft zurück. Von 1577 bis 1647 dauerte die Regentschaft der jüngeren Linie der Grafen von Delmenhorst, darunter von 1633 bis 1647 Graf Christian von Delmenhorst. 1615 wurde die evangelische Kirche mit der Grafengruft gebaut. Von 1647 bis 1667 gehörte die Grafschaft Delmenhorst wieder zu Oldenburg.

Die erste Zunft wurde 1651 von Tuchmachern gegründet. Von 1667 bis 1773 wurden die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst vom dänischen Königshaus in Personalunion mitregiert. 1690 wurde der Stadt das Marktrecht verliehen.

mini|Grundriss des ehemaligen Grafenschlosses (Zustand um 1712) Von 1711 bis 1731 war die Grafschaft an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg verpfändet. In dieser Zeit wurde begonnen, die Burg abzureißen. 1787 fiel mit dem Rest des Blauen Turms das letzte Relikt der Burg.

Am 27. August 1773 gelangte die Grafschaft Delmenhorst gemeinsam mit der Grafschaft Oldenburg durch einen Ländertausch an das Oberhaupt des Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf, den späteren Zaren Paul I. Er trat das Land vier Tage später seinem Vetter, dem Fürstbischof von Lübeck, Friedrich August ab, der daraufhin von Kaiser Joseph II. 1774/1777 in den Herzogsstand erhoben wurde. Das so entstandene Herzogtum Oldenburg gehörte dadurch als Reichsfürstentum zum Heiligen Römischen Reich.

Von 1811 bis 1813 war Delmenhorst französisch besetzt. 1815 wurde das Herzogtum Oldenburg mit Delmenhorst zum Großherzogtum Oldenburg.

1832 erschien zum ersten Mal das Wochenblatt für den Kreis Delmenhorst; nach 1847 hieß die Zeitung Delmenhorster Kreisblatt. Mit Beginn der Industrialisierung ab 1850 expandierte die Kork- und Zigarrenindustrie in Delmenhorst. Mit der 1867 erfolgten Einweihung der Bahnstrecke Bremen–Oldenburg entwickelte sich die Stadt bis 1898 zur größten Industriestadt zwischen Weser und Ems. Es erfolgten Unternehmensgründungen in den Bereichen Jute, Kork, Wolle und Linoleum. 1884 wurde die Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei (Nordwolle) gegründet. mini|Nordwollegelände aus der Luft

Seit 1903 war die Stadt kreisfrei. Von 1910 bis 1914 wurde der Rathauskomplex mit dem 44 Meter hohen Wasserturm nach einem Entwurf von Heinz Stoffregen errichtet. 1928 wurde das Städtische Krankenhaus an der Wildeshauser Straße nach einem Entwurf Ossip Klarweins aus dem Architektenbüro Fritz Högers erbaut. 1931 ging die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Konkurs.

Bei den Reichstagswahlen im März 1933 erhielten die NSDAP 32,5 %, die SPD 30,9 % und die KPD 13,7 % der Stimmen. Obwohl die NSDAP nicht die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreichte, wurde am 14. März auf Veranlassung des Staatsministeriums in Oldenburg der Studienrat Wilhelm Müller als Stadtkommissar eingesetzt. Mit der Aufhebung von wesentlichen Grundrechtsartikeln am 28. Februar und dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 wurde die Staatsorganisation sowie die gesamte Gesellschaft mit Vereinen und Verbänden dem Führerprinzip unterworfen. Am 2. Mai 1933, unmittelbar nach dem Tag der nationalen Arbeit, wurden die Gewerkschaften zerschlagen. Am 19. Juni setzte das Ministerium einen NSDAP-Stadtrat in Delmenhorst ein. Nach dem Verbot der SPD am 22. Juni 1933 und der Selbstauflösung der übrigen demokratischen Parteien im Reich war der Parlamentarismus auch in Delmenhorst beseitigt. In der Stadt leisteten weiterhin Angehörige der beiden Arbeiterparteien, Gläubige der großen Kirchen und die Zeugen Jehovas Widerstand. Dazu gehörten u. a. Albert Goldenstedt (KPD, Rote Hilfe), Käthe (geb. Oetken) und Theodor Hinrichs (KPD), Wilhelm Schroers (KPD, SPD), Ludwig Gottfried (SPD), Wilhelm von der Heyde (SPD), Otto Gratzki (SPD), Pastor Paul Schipper, Pfarrer Plump und die Zeugen Jehovas Elfriede Gollsch und Harm Focken.

In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde die 1928 eingeweihte Synagoge in der Cramerstraße in Brand gesetzt. Auf Veranlassung des NSDAP-Kreisleiters Sturm wurde das Möbelgeschäft Fink in der Langenstraße zerstört. Am folgenden Tag wurden fast alle jüdischen Männer aus Delmenhorst und Ganderkesee verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Nach Quälereien und Misshandlungen wurden sie wieder entlassen und mit den anderen jüdischen Familien in der Folgezeit zur Emigration gezwungen. Die Delmenhorster Juden, die nicht mehr auswandern konnten, wurden ins Ghetto Minsk, nach Litzmannstadt oder Theresienstadt verschleppt und Opfer der Shoah. Josef König wurde im KZ Buchenwald ermordet. Die nicht zerstörten jüdischen Geschäfte wurden „arisiert“. Zu den jüdischen Opfern gehörten Adolf Alexander, Philipp Fritz Alexander, Bertram (Benjamin) Bandel, Rosa Baum, Herta ter Berg, Isaak ter Berg, Sigmund ter Berg, Ludwig Iwan Bloch u. a.

Im Zweiten Weltkrieg richteten alliierte Luftangriffe auf Delmenhorst nur relativ geringe Schäden an. Die Stadt wurde lediglich zu 2,3 % zerstört.Deutscher Städtetag: Statistisches Jahrbuch deutscher Gemeinden. Braunschweig 1952, S. 385. Delmenhorst wurde 1945 von britischen und kanadischen Truppen besetzt. 1945/46 fanden rund 15.000 Heimatvertriebene, zumeist aus Schlesien, Aufnahme in der Stadt.

Der Freistaat Oldenburg mit Delmenhorst ging 1946 im neu gegründeten Bundesland Niedersachsen auf.