mini|335px|Ausschließliche Wirtschaftszone von Kap Verde

Kap Verde [] (amtlich [], im Deutschen veraltet „Inseln des Grünen Vorgebirges“, umgangssprachlich auch „Kapverden“) ist ein afrikanischer Inselstaat, bestehend aus den zehn Kapverdischen Inseln im Zentralatlantik, 570 Kilometer vor der Westküste des afrikanischen Kontinents. Der Archipel hat eine Landfläche von 4033 km² und knapp 600.000 Einwohner (Stand 2025). Die Hauptstadt Praia liegt auf der Insel Santiago.

Die ehemalige portugiesische Kolonie zählt heute zu den politisch stabilsten und wohlhabenderen Ländern Afrikas.

Geografie Lage Die Republik Kap Verde liegt im Zentralatlantik vor der Westküste des afrikanischen Kontinents. Die Inselgruppe besteht aus neun bewohnten Inseln und weiteren ungefähr sechzehn kleinen Eilanden. Die zehn Sterne auf der Flagge stehen für die Inseln. In: portoncv.gov.cv. Abgerufen am 25. Mai 2015 (portugiesisch) Es wird unterschieden zwischen den nördlichen Inseln über dem Wind (Ilhas de Barlavento) und den südlichen Inseln unter dem Wind (Ilhas de Sotavento). Die Inseln über dem Wind sind Santo Antão, São Vicente, São Nicolau, Sal, Boa Vista und die unbewohnten, zu einem Naturschutzgebiet zusammengefassten Inseln Santa Luzia, Branco und Raso. Zur Sotavento-Gruppe gehören Maio, Santiago, Fogo und Brava sowie die unbewohnte Inselgruppe der Ilhéus do Rombo und de Cima.

Geologie Der Archipel der Kapverden ist vulkanischen Ursprungs. Die höchste Erhebung der Kapverden ist der ebenmäßige Vulkankegel des Pico do Fogo mit 2829 Metern Höhe. 1995 brach er nach einer 44-jährigen Ruhephase wieder aus. Hierbei entstand der 1920 m hohe Flankenkrater „Pequeno Fogo“, an dessen Rändern noch heiße Fumarolen tätig sind. Dieser Flankenvulkan war ab dem 23. November 2014 wieder aktiv und spie Aschewolken und Feuer. Durch die austretende Lava, die sich in die Caldera mit drei Hauptströmen ergoss, wurden zwei Ortschaften und einige weitere, kleine Ansiedlungen in der Caldera zerstört. Die vulkanischen Aktivitäten endeten am 8. Februar 2015. Die Inseln im Nordwesten Santo Antão, São Vicente und São Nicolau sowie Santiago sind ebenfalls jung-vulkanisch und hochgebirgig, während die östlichen Inseln weitaus älter, bis auf einige Zeugenberge flach abgetragen und mit einem Kalksockel ausgestattet sind. Zum Archipel gehören auch noch folgende Tiefseeberge (): Seamount Nola (westlich Santo Antãos), Seamount Boavista (östlich Boa Vistas), Seamount Cape Verde (südöstlich Boa Vistas), Seamount Maio (östlich Maios) und Seamount Cadamosto (südlich Bravas). Möglicherweise gehört auch das Riff João Valente südlich von Boa Vista zu den Seamounts. Auf den Inseln gibt es bis auf die Ribeira da Torre und die Ribeira da Paúl (beide auf der Insel Santo Antão) keine permanent wasserführenden Flüsse oder Bäche. Im Inselinneren Boavistas besteht ganzjährig der kleine Süßwassersee Odjo d’Água. In der Regenzeit schwellen die ansonsten trockenen Täler der Ribeiras (= Bäche) oft zu reißenden Strömen an und zerstören Straßen und Wege, die dann mitunter längere Zeit unpassierbar bleiben.

Klima Es herrscht ähnlich wie auf den Kanarischen Inseln ein mildes ozeanisches Klima. Es ist aber wärmer und trockener und wird vom Nordostpassat bestimmt.

Aufgrund der Lage knapp südlich des nördlichen Wendekreises gibt es nur gering ausgeprägte Jahresschwankungen der Temperaturen. Das Klima ist auch durch geringe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht (meist um 5 K) und durch ganzjährig relativ hohe Luftfeuchtigkeit (um 70 %) gekennzeichnet. So liegen die Tagestemperaturen das ganze Jahr zwischen 23 und 30 °C, wobei die Nachtwerte im Winter (Januar bis April) um 18 und im Sommer (August bis Oktober) um 24 °C liegen. Der Boden ist überall sehr trocken, die durchschnittliche Niederschlagsmenge in der Hauptstadt liegt bei etwa 250 mm jährlich, sonst meist nur zwischen 100 und 200 mm. Der meiste Niederschlag fällt von August bis November. Die Wassertemperaturen mit 22 bis 27 °C machen das Land für den Strandtourismus attraktiv.

Fauna und Flora Die Vegetation der Kapverdischen Inseln ist aufgrund der Trockenheit halbwüstenähnlich. Es gibt unter anderem trockene Grasfluren, im östlichen Teil sind die Inseln auch mit großen Dünen oder Salzsümpfen (Mangroven) bedeckt. Dazu kommen einige Palmenarten wie die Kanarische Dattelpalme, die an die Trockenheit angepasst sind.

Die Tierwelt auf den Inseln ist vergleichsweise artenarm. Vor der Besiedlung durch den Menschen waren bis auf eine Fledermausart keine Säugetiere auf den Inseln vorhanden. Zudem gibt es einige kleine Reptilienarten, zum Beispiel Geckos und Skinke. An den Stränden legen Meeresschildkröten gelegentlich ihre Eier ab.

Städte Die einzige Großstadt ist die Hauptstadt Praia. Nur wenige Städte erreichen mehr als 10.000 Einwohner. Diese Zahlen beziehen sich nur auf die Kernstadt und nicht auf das gesamte Verwaltungsgebiet der Stadt (municipality). + Die größten Städte Kap Verdes laut Zensus 2010: Stadt Einwohner Bezirk Insel Praia 127.800 Praia Santiago Mindelo 70.500 São Vicente São Vicente Espargos 17.100 Sal Sal Assomada 12.000 Santa Catarina Santiago Porto Novo 9.400 Porto Novo Santo Antão Pedra Badejo 9.300 Santa Cruz Santiago Santa Maria 9.300 Sal Sal São Filipe 8.100 São Filipe Fogo Tarrafal 6.200 Tarrafal Santiago Sal Rei 5.400 Boa Vista Boa Vista

Bevölkerung Herkunft der Bevölkerung Die Kapverdischen Inseln waren vor ihrer Entdeckung und Besiedlung durch Portugiesen unbewohnt. Aus der Durchmischung der Kulturen europäischer Siedler und afrikanischer Sklaven bildete sich eine neue kreolische Kultur.

Eine Studie zur Genetik der Bevölkerung der Kapverden aus dem Jahre 2010 kam zu dem Ergebnis, dass der europäische Anteil an den Genen bei 43 Prozent liege und der afrikanische bei 57. Artikel der kapverdischen Wochenzeitung A Semana. (portugiesisch)

Demografie mini|Bevölkerungspyramide Kap Verde 2020 Kap Verde hatte 2022 593.000 Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 0,9 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss bei (Geburtenziffer: 16,7 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 5,7 pro 1000 Einwohner). Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,9, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 26,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 25,7 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 5,7 Prozent der Bevölkerung betrug.

+ Bevölkerungsentwicklung (laut UN) Jahr Einwohnerzahl Jahr Einwohnerzahl 1950178.000 1990 338.000 1960 202.000 2000 428.000 1970 269.000 2010 493.000 1980 284.000 2021 483.000

Bevölkerungsstruktur Die Geschichte von Kap Verde ist von wiederholten Einwanderungswellen aus Portugal und Madeira, starkem wirtschaftlichen Einfluss der Engländer und massenhafter Emigration als Antwort auf wiederholte Hungerkatastrophen geprägt. Nach 1970 kam es jedoch wieder zu einem starken Bevölkerungszuwachs. 1995 hatte der Archipel 337.000 Einwohner. Bis 2010 wuchs die Bevölkerung um etwa 53 %. Zu den 2010 etwa 516.000 Bewohnern kamen geschätzte 700.000 in der Diaspora lebende Kapverdianer hinzu. Wegen der Armut des Landes gibt es kaum Einwanderer, doch haben sich in den letzten Jahren in Praia eine Reihe von Senegalesen und Nigerianer (meist Händler) niedergelassen.

Gut die Hälfte der Bevölkerung konzentriert sich auf die Hauptinsel Santiago. Nach der Volkszählung aus dem Jahr 2000 liegt das Geschlechterverhältnis weiblich zu männlich bei 51,9 zu 48,1 %. Bedingt durch Hungersnöte und die daraus resultierende Auswanderung fehlt die Generation der in den 1940er und 1950er Jahren Geborenen fast völlig. Rund ein Drittel der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Der Altersdurchschnitt betrug im Jahr 2000 17,4 Jahre, das Bevölkerungswachstum lag bei 2,4 % pro Jahr.

Der durchschnittliche Haushalt hat 4,6 Mitglieder, 54 % der erwachsenen Bevölkerung bezeichnen sich als ledig, 24 % leben in Partnerschaft, ohne verheiratet zu sein, und 16 % sind verheiratet. Drei Prozent leben getrennt oder sind geschieden. Das lässt sich darauf zurückführen, dass das portugiesische Recht die Heirat unter Sklaven oder zwischen Sklaven und Freien nicht erlaubte. Hierdurch entstand in kreolischen Gesellschaften eine Vielfalt an Formen des informellen Zusammenlebens, die bis heute überlebt hat.

Die Aussicht auf ein besseres Leben zieht die junge Landbevölkerung in die Städte oder in die Nähe der Hauptverbindungsstraßen.

Sprachen Die Amtssprache von Kap Verde ist Portugiesisch; Nationalsprache ist das Kapverdische Kreol (Krioulo), das verschiedene Varianten hat. Die größten Unterschiede bestehen zwischen dem Kreol von Santiago und dem von Santo Antão – sie können bis zur gegenseitigen Unverständlichkeit gehen. Es bestehen große Ähnlichkeiten zwischen dem Kreol von Santiago und dem von Guinea-Bissau. Vor allem unter der jüngeren Generation ist durch verstärkte Bildung und durch die Nutzung portugiesischsprachiger Medien ein Prozess der Dekreolisierung festzustellen.

Die Regierung strebt an, das Krioulo zur Amtssprache zu machen, was wegen der Dialektvielfalt schwierig ist. Als offiziell anerkannte Schreibweise hat man sich auf die Regelungen von ALUPEC geeinigt. In der Primarschule wird Krioulo gesprochen, in der Sekundarstufe 1 wird Portugiesisch erlernt. Französisch und Englisch werden von Teilen der jüngeren Bevölkerung in der Sekundarstufe 2 erlernt.

Religion Die Kapverdier sind in der Mehrheit römisch-katholischen Glaubens (etwa 85 %). Daneben sind auch andere christliche Konfessionen in Kap Verde vertreten, darunter die protestantischen Glaubensgemeinschaften Kirche des Nazareners, Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten und verschiedene Pfingstkirchen.

Als christliche Sondergemeinschaften sind die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), die Zeugen Jehovas, die Neuapostolische Kirche und die Universale Kirche des Reichs Gottes zu nennen. Es gibt außerdem kleine Minderheiten von Muslimen und Bahai.

Die Religionsfreiheit ist durch die Verfassung garantiert und auch von der Regierung respektiert. Es gibt gute Beziehungen zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen.

Bildung mini|Familie mit Kindern in Tarrafal auf der Insel SantiagoGrundschulbildung ist für Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren verpflichtend und für 6- bis 12-Jährige kostenlos. Für 90 % der Schulkinder sind Schulbücher vorhanden. 83 % der Lehrer haben eine Lehrerausbildung absolviert. Viele Schüler und manche Lehrer sprechen zu Hause Kreol und beherrschen die portugiesische Sprache nicht perfekt. Die Ausgaben für Schulmaterialien, Bücher und Mahlzeiten sind nicht hinreichend; für einige Stufen gibt es eine hohe Wiederholerquote. Zu den Grundschulen kommen in Praia, Mindelo u. a. Sekundarschulen, die bis zur Hochschulreife führen. Im Jahr 2006 wurde unter Eingliederung einiger Fachhochschulen die Universidade de Cabo Verde gegründet, die sich zügig entwickelt.Siehe die Webpräsenz der Universität. Daneben gibt es die private Universidade Jean Piaget, eine Filiale des Instituto Jean Piaget in Portugal.Siehe die der Universität. Seit 2010 entstanden weitere Hochschulen.

Die Alphabetisierungsrate lag 2019 bei 86,8 % der Bevölkerung. Die durchschnittliche Schulbesuchsdauer der über 25-Jährigen liegt bei 6,3 Jahren. Die erwartete Schulbesuchsdauer der neuen Schülergeneration liegt mit 12,7 Jahren doppelt so hoch.

Gesundheit Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 6,9 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2018 praktizierten in Kap Verde 7,9 Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 12,3 pro 1000 Lebendgeburten. Die Lebenserwartung der Einwohner Kap Verdes ab der Geburt lag 2022 bei 74,7 Jahren (Frauen: 79, Männer: 70,3) und ist eine der höchsten Afrikas.

Die WHO zertifizierte Kap Verde am 12. Januar 2024 als malariafrei.

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