Der Snowy River ist ein rund 400 Kilometer langer Fluss im Südosten Australiens.

Er entspringt an den Osthängen des Mount Kosciuszko in den Snowy Mountains in New South Wales und mündet bei Marlo, in der Nähe von Orbost, in die Bass-Straße. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Fluss für seine große Wassermenge, sein breites Flussbett und seine großen Stromschnellen bekannt.

Um 1950 wurde der Fluss durch das Snowy-Mountains-System, ein Wassergewinnungsprojekt für die australische Hauptstadt Canberra, in mehreren Staudämmen zur Energieerzeugung aufgestaut. Durch Rohre unter dem Gebirge werden heute große Mengen des Wassers in das Murray-River-System umgeleitet, sodass der Fluss bis 2002 nur noch weniger als 1 % seiner natürlichen Wassermenge (gemessen in Jindabyne) führte. 2002–2008 stieg die Menge wieder auf 1–4 % an. Die Ziele für 2009 lagen bei 15 % und für 2012 bei 21 %, werden aber nicht erreicht.

Geographie 1986 nahmen Jennings und MabuttJennings & Mabutt: Physiographic Outlines and Regions in: D. N. Jeans (Herausgeber): Australia – A Geography: The Natural Environment. Band 1. Sydney University Press. Sydney (1986) vier geomorphische Klassen im Flusssystem Snowy River auf: (i) Australische Alpen, (ii) Monaro-Tafelland, (iii) Ostvictorianisches Hochland und (iv) Gippsland-Ebenen. Jede dieser Klassen unterscheidet sich deutlich von den anderen; eine weitere Beschreibung findet sich bei Erskine et al.W. D. Erskine, N. Terrazolo, R. F. Warner: River Rehabilitation from Hydrogeomorphic Impacts if a Large Hydro-Electric Power Project: Snowy River, Australia. in Regulated Rivers: Research and Management, 15, 3–24

Nebenflüsse (mit Mündungshöhe) Er hat folgende Nebenflüsse:Tributaries of Snowy River. Bonzle.com In New South Wales Finns River – 1252 m Diggers Creek – 1165 m Tolbar Creek – 1137 m Gungarlin River – 1052 m Eucumbene River – 908 m Thredbo River – 902 m Cobbin Creek – 868 m Mowamba River – 853 m Ironpot Creek – 772 m Beloka Creek – 770 m Wullwye Creek – 746 m Blackburn Creek – 745 m Bobundara Creek – 736 m Lambing Creek – 721 m Ironmungy Creek – 719 m Meadow Creek – 696 m Kemps Creek – 663 m Brasseys Creek – 597 m Maclaughlin River – 533 m Delegate River – 506 m Matong Creek – 500 m Snodgrass Creek – 424 m Minnehan Creek – 423 m Corrowong Creek – 421 m Toms Farm Creek – 391 m Little River – 365 m Stony Creek – 345 m Black Jack Creek – 334 m Big Popong Creek – 305 m Reedy Creek – 300 m Coe Creek – 291 m Right Hand Creek – 284 m Gulf Creek – 281 m Willis Biddi Creek – 275 m Tongaroo / Jacobs River – 266 m Moyangul / Pinch River – 250 m The Running Water – 240 m Joe Davis Creek – 233 m Sandy Creek – 228 m

In Victoria Menaak Creek – 223 m Guttamurh Creek – 215 m Tomcat Creek – 215 m Jamb Creek – 207 m Suggan Buggan River – 191 m Deddick River – 174 m Little River – 155 m Boundary Creek – 148 m Mountain Creek – 88 m Rodger River – 61 m Raymond Creek – 45 m Buchan River – 41 m Wall Creek – 40 m Double Bull Creek – 27 m Wibenduck Creek – 19 m Stony Creek – 19 m Spring Creek – 6 m Brodribb River – 3 m

Stauseen Er durchfließt folgende Seen/Stauseen/Wasserlöcher: Guthega Pondage – 1588 m Island Bend Pondage – 1192 m Lake Jindabyne – 918 m

Regenfälle Die Regenfälle im Einzugsbereich des Snowy River differieren stark. In den Alpen über 1500 m im südwestlichen Teil des Einzugsbereiches liegt die durchschnittliche jährliche Regenmenge bei 1800 mm, im nordöstlichen Teil des Einzugsgebietes im Regenschatten um Dalgety liegt sie nur bei 500 mm. Im Winter, besonders bei Westwindlagen, sind die Regenfälle ergiebiger als zu anderen Jahreszeiten.

Hydrologie Die von der Schneeschmelze gespeisten Flüsse in den Snowy Mountains führen typischerweise die größte Wassermenge in den Monaten Juni–November, wobei sie im Oktober am größten ist. So lag beispielsweise die mittlere monatliche Oktober-Wassermenge des Snowy River bei Dalgety vor der Installation des Snowy-Mountains-Systems bei 283.973 MLS. Morton, D. Green, S. Williams: Assessment of the Hydrological Changes Attributed to the first Stage of the Environmental Flow Release to the Snowy River 2002–2005. Snowy Flow Response Monitoring and Modelling. NSW Office of Water. Sydney. In den ersten Sommermonaten führen die Gebirgsflüsse ebenfalls mehr Wasser als Flüsse in niedrigeren Regionen, ein Effekt, der auf das Grundwasser, das ebenfalls durch die Schneeschmelze gespeist wird, zurückzuführen ist.

Die meisten australischen Flüsse führen Wassermengen, die über das Jahr hinweg stark differieren. Die Gebirgsflüsse der Snowy Mountains aber zeigen recht kontinuierliche Wassermengen.

Im Unterlauf des Snowy River haben die Nebenflüsse eine deutlich andere Mengenverteilungen als in den Alpen. Sie führen in den Wintermonaten besonders viel Wasser und zeigen die größten monatlichen Wassermengen ein paar Monate früher als die von der Schneeschmelze gespeisten Flüsse, also meist im Juni und Juli. Darüber hinaus differiert die Wassermenge der unteren Nebenflüsse deutlich stärker von Monat zu Monat und ist weniger voraussehbar.

Wasserfälle Der Snowy River besitzt unterhalb des Jindabyne Lake vier größere WasserfälleD. Gilligan, S. Williams: Changes in Fish Assemblages after the first Flow Releases to the Snowy River Downstream of Jindabyne Dam. Snowy River Recovery: Snowy River Flow Response Monitoring, NSW Department of Water and Energy, Sydney (2008): Stone Bridge Falls Corrowong Falls Snowy Falls Pinch FallsT. Haeusler, R. Bevitt, R.: Hydraulic modelling of a fish barrier – Pinch Falls, Snowy River. Snowy River Recovery: Snowy River Flow Response Monitoring. NSW Department of Water and Energy. Sydney (2007)

Vermutlich stellen viele dieser Wasserfälle Barrieren für die Züge der Fische im Snowy River dar.

Umgebende Berge Die Berge, durch die der Fluss sich windet sind (flussabwärts aufgeführt):

In New South Wales Mt. Kosciuszko (2228 m) Mt. Jagungal (2061 m) Mt. Alexander Blackjack Mountain Mulligans Mountain Byadbo Mountain Mt. Trooper

In Victoria Mt. Tingaringy Mt. Deddick Mt. Nunniong Mt. Bowen Mt. Sardine Mt. Tara Mt. Buck Mt. Raymond

Nationalparks und geschützte Gebiete Ca. 70–80 % des Laufes des Snowy River führt durch Nationalparks (flussabwärts geordnet): Kosciuszko-Nationalpark — NSW Alpine-Nationalpark — VIC Snowy-River-Nationalpark — VIC

Siedlungen Am Snowy River gibt es nur wenige größere Siedlungen, die hier stromabwärts aufgeführt sind:

In New South Wales Jindabyne Dalgety Ironmungy (nicht direkt am Fluss)

In Victoria Willis Suggan Buggan (nicht direkt am Fluss) Buchan (nicht direkt am Fluss) Bete Bolong Orbost Marlo

Brücken In New South Wales Alpine Way – Jindabyne Dalgety

In Victoria McKillops Bridge – McKillops Road Bete Bolong Princes Highway – Orbost

Ökologie Die Wasserflora und -fauna der schneeschmelzegespeisten Flüsse der Snowy Mountains hat sich an die jahreszeitlich große Wassermenge der Schneeschmelze und die gleichmäßige sommerliche Grundmenge angepasst. Viele Spezies sind besonders für das sehr kalte Wasser geeignet.

Habitat Das Habitat im Fluss unterhalb des Lake Jindabyne muss man als stark gestört beschreibenS. O. Brizga & B. L. Finlayson: The Snowy River Sediment Study: Investigation into the Distribution, Transport and Sources of Sand in the Snowy River between Lake Jindabyne und Jarrahmond. Bericht Nr. 81. Department of Water Resources, Victoria, Melbourne (1992)G. S. Seddon: Saving the Throwaway River. Australian Geographical Studies. (1999). 37 (3). S. 314–321. Viele Eigenschaften eines typischen Hochlandflusses sind dem Snowy River verloren gegangen. Das Substrat war früher durch große Steine charakterisiert. Heute ist das Flussbett deutlich schmäler und das Substrat bildet eine dicke Sedimentschicht, die die großen Steine überdeckt.

Die Waldbrände der Jahre 2002 und 2003 vergrößerten dieses Problem noch, weil sie für den Eintrag großer Mengen an Sediment und organischen Stoffen in den Snowy River durch seine Nebenflüsse sorgten. Dies hatte zur Folge, dass das Substrat noch feiner wurdeT. Rose: Geomorphic Changes in the Snowy River Following the Stage Environment Release. Snowy River Flow Response Monitoring and Modelling. NSW Office of Water. Sydney (2010). Dieses Muster von höherem Schlickanteil in den Pools der Wasserläufe wurde in den gesamten Snowy Mountains nach Waldbränden beobachtet. Diese Waldbrände haben somit einen Langzeiteinfluss auf die Wasserläufe.

Größere Wassermengen sollen für eine Verbesserung der Verhältnisse im Flussbett sorgen. Mengen von 1000 ML/Tag beginnen, die feinen Partikel vom Flussbett aufzuwirbelnI. Reinfelds & S. Williams: Hydraulic Modelling to Estimate Threshold Discharges for Sediment Entrainment in the Snowy River, Australia. Snowy River Recovery: Snowy River Flow Response Monitoring, NSW Department of Water and Energy. Sydney (2008). Mengen zwischen 1000 und 3000 ML/Tag sind für ein geeignetes Fließwasserhabitat notwendig.

Die derzeitigen schlechten Verhältnisse im Flussbett sind ein Schlüsselfaktor für den mangelnden Aufbau einer für Schmelzwasserflüsse typischen Wasserfauna.

Wasserqualität Gebirgsflüsse besitzen typischerweise wenig Nährstoffe und eine geringe elektrische Leitfähigkeit. Letztere liegt meistens unter 50 µS/cmL. Bowling, Z. Acaba, P. Whalley: Water Quality in the Snowy River Catchment Area, 1992/93. Technical Services Division. NSW Department of Water Resources. Sydney (Dezember 1993)R. Bevitt & H. Jones: Water Quality in the Snowy River before and after the first Environmental Flow Release from Mowamba River. Snowy River Flow Response Monitoring. NSW Department of Water and Energy. Sydney (2008).

Große Staudämme können die Wasserqualität stromabwärts durch zwei wichtige Mechanismen entscheidend beeinflussen, nämlich (i) durch die schlechte Wasserqualität im unteren Ausfluss des Stausees selbstI. Growns, I. Reinfelds, G. Coade: Longitudinal Effects of a Water Supply Reservoir (Tallowa Dam) on Downstream Water Quality, Substrate and Riffle Macroinvertebrate Assemblages in the Shoalhaven River, Australia. Marine and Freshwater Research 60. S. 594–606 und (ii) durch reduzierte Vermischung der einzelnen Schichten des Flusswassers durch geringere Fließgeschwindigkeiten, die zu anaeroben Verhältnissen am Boden tiefer Flusspools führtL. Turner & W. D. Erskine: Variability in the Development, Persistence and Breakdown of Thermal, Oxygen and Salt Stratification on Regulated Rivers of Southeastern Australia. River Research Application 21. S. 151–168.

Einfluss des Jindabyne-Stausees auf die Wasserqualität Vermutlich ist der größte Einfluss, den der Lake Jindabyne auf die Wasserqualität stromabwärts ausübt, die Erhöhung der TemperaturR. Bevitt & H. Jones: Water Quality in the Snowy River before and after the first Environmental Flow Release from the Mowamba River. Snowy River Flow Response Monitoring. NSW Department of Water and Energy. Sydney (2008). Anders als bei anderen Stauseen, bei denen Verschmutzung im kalten Wasser ein Problem ist, weil Wasser unterhalb der Thermokline des Stausees (z. B. Wasser vom Grund des Sees) abgelassen wird, wird beim Lake Jindabyne Oberflächenwasser abgelassen. Die Wassertemperatur des Snowy River unterhalb dieses Strausees unterscheidet sich oft stark von den anderen von der Schneeschmelze gespeisten Flüssen, wie dem Thredbo River und dem Mowamba River. Im Winter ist der Snowy River deutlich wärmer.

Fließgeschwindigkeit und Temperaturschichtung im Snowy River Die Temperaturschichtung in den Flussabschnitten unterhalb des Lake Jindabyne ist üblicherweise auf einige größere und tiefere Pools beschränkt. Im Allgemeinen ist die Temperaturschichtung örtlich auf die Pools begrenzt, die typischerweise tiefer als 4–5 m sind. Pools mit einer Tiefe von weniger als 4 m zeigen keine Temperaturschichtung.