mini|Logo der Stadt Pilsen mini|Altstadt mit Kathedrale von Osten
Pilsen (, ) ist die viertgrößte Stadt Tschechiens, liegt im Westen von Böhmen und ist der Verwaltungssitz der Pilsner Region (Plzeňský kraj). In Pilsen leben mehr als 187.000 Einwohner (Stand 2026), die Agglomeration hat etwa 305.000 Einwohner.mmr.cz Bekannt ist Pilsen vor allem wegen des Pilsner Biers und der Škoda-Werke. Die Universitäts- und Bistumsstadt hat eine bedeutende Stellung als Industrie-, Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum. 2015 war Pilsen – gemeinsam mit der Stadt Mons in Belgien – Kulturhauptstadt Europas.
Geographie Klima und Geographie Pilsen liegt im Pilsener Becken am Zusammenfluss der Flüsse Mies, Radbusa, Úhlava und Úslava. Am südwestlichen Stadtrand befindet sich die Talsperre České Údolí. Die Innenstadt liegt um Einige Anhöhen innerhalb des Stadtgebiets erreichen bis Die Altstadt steht auf Arkoseuntergrund. Pilsen gehört in die kühlgemäßigte Zone mit langen, trockenen Sommern, wärmeren Übergangsperioden und sehr trockenen Wintern mit kurzem Andauern der Schneedecke. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 7,5 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag um 520 mm. Die höchste gemessene Temperatur war 40,1 °C (1983, Pilsen-Bolevec) und die niedrigste −27,6 °C (1987, Pilsen-Bolevec). Die Sonnenscheindauer schwankt jährlich zwischen 1400 und 1700 Stunden.
Stadtgliederung mini|Stadtbezirke von Pilsen
Die Stadt Plzeň gliedert sich in 10 Stadtbezirke, zu denen 31 Ortsteile gehören. Plzeň 1: Bolevec (Bolewetz) und Severní Předměstí Plzeň 2-Slovany: Božkov (Boschkau), Černice (Tschernitz, Czernicz), Doudlevce, Hradiště (Hradischt), Koterov (Kotterau), Lobzy (Lobes) und Východní Předměstí Plzeň 3: Doudlevce (Doudlewetz, Daudlewetz), Jižní Předměstí, Litice (Lititz), Nová Hospoda, Radobyčice (Radobschitz), Skvrňany, Valcha, Vnitřní Město und Východní Předměstí Plzeň 4: Bukovec (Bukowetz), Červený Hrádek, Doubravka (Dobraken), Lobzy, Újezd (Aujest) und Východní Předměstí Plzeň 5-Křimice: Křimice (Krimitz) Plzeň 6-Litice: Litice Plzeň 7-Radčice: Radčice (Ratschitz) Plzeň 8-Černice: Černice Plzeň 9-Malesice: Dolní Vlkýš und Malesice Plzeň 10-Lhota: Lhota
Bevölkerung Für die 2. Hälfte des 14. Jh. wird die Stadtbevölkerung auf 3000 Einwohner geschätzt. Der Dreißigjährige Krieg brachte auch hier viele Tote und damit einen massiven Rückgang der Bevölkerung. In der Mitte des 19. Jh. überschritt die Einwohnerzahl die Zehntausendgrenze. In den folgenden Jahren entwickelte sich Pilsen zu einem der wichtigsten Industriestandorte Österreich-Ungarns, und die Bevölkerungszahl wuchs sprunghaft. Bereits 1890 hatte die Stadt über 50.000 Einwohner, in den dreißiger Jahren dann 100.000 Bürger und seit der Wende pendelt die Einwohnerzahl um 170.000.
+ Einwohnerzahl Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1869 23.681 2000 166.759 1880 38.883 2001 164.336 1890 50.221 2002 163.791 1900 68.079 2003 164.180 1910 80.445 2004 162.627 1921 88.416 2005 162.759 1930 114.704 2006 163.392 1950 124.339 2007 165.238 1961 132.799 2008 169.273 1970 148.021 2009 169.935 1980 170.701 2010 168.808 1991 173.008 2011 167.302
Geschichte Stadtgründung Im 10. Jahrhundert wurde Alt-Pilsen als Wirtschafts- und Verwaltungszentrum der Přemysliden in Westböhmen gegründet. In den lateinischen Quellen erscheint diese Stadt als Pilsna, die Herkunft des Namens ist umstritten.www.radio.cz Neu-Pilsen entstand als Neugründung um 1295 von Lokator Heinrich und im Auftrag von König Wenzel II. als Königsstadt. Die Stadt sollte eine der größten und bedeutendsten böhmischen Städte werden, deshalb wurde sie sehr großzügig angelegt. Der Hauptmarkt mit dem Ausmaß von 139 × 193 m ist einer der größten Marktplätze Europas und die Straßenbreite war für mittelalterliche Verhältnisse ungewöhnlich. Der Stadtgrundriss wurde regelmäßig ausgemessen und besteht aus rechteckigen Hausblöcken. Pilsen bekam die nach Prag größte Landfläche zugeteilt. Im Jahre 1300 wurde Pilsen zum ersten Mal in einem Dokument des Basler Bischofs Peter von Aspelt konkret erwähnt. Obwohl die Stadt die jüngste königliche Stadt in Westböhmen war, entwickelte sie sich sehr schnell zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Region.
Aus wirtschaftlich-geographischer Sicht wurde die Stadt am Handelsweg aus Prag angelegt, der sich in Pilsen in Zweige teilte, die zur Reichsstadt Nürnberg (Goldene Straße im Mittelalter der bedeutendste Fernhandelsweg Böhmens) sowie zu den Reichsstädten Regensburg und Eger verliefen. Als bedeutendster Exportartikel wird bis in das 16. Jh. Rindvieh aufgeführt, welches die Pilsener Stadtbürger in ganz Böhmen oder sogar in Oberungarn (der heutigen Slowakei) aufkauften und hauptsächlich nach Bayern ausführten. Nach 1400 wurden in Pilsen 46 verschiedene Handwerke genannt.
Reformation und Hussitenkriege
Im Jahre 1417 kam es in Pilsen zu einem Putsch und die Anhänger der Hussiten übernahmen städtische Posten. Pilsen wurde zum Zentrum des radikalen, chiliastischen Hussitentums. 1419 verließen radikale hussitische Anhänger Prag und wechselten nach Pilsen, so wurde die Stadt zum Zentrum der Bewegung. Neben dem radikalen Priester Václav Koranda gehörte Jan Žižka zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt. Die Stadt wurde vom westböhmischen katholischen Adel blockiert und bei den verschiedenen Rangeleien erzielte Žižka im Jahre 1419 einen ersten Sieg in der Schlacht bei Nekmíř.
mini|hochkant=0.6|Großes Stadtwappen mit Kamel auf dem grünen Feld
Die Gesamtlage der hussitischen Stadt wurde immer schwieriger und 1420 verließ der radikale Teil der Hussiten sie. Pilsen wechselte daraufhin die Seite und wurde zum festen Bestandteil der königlichen Macht und des Katholizismus. Die Hussiten blieben aber ohne Erfolg. Der schlimmste Versuch war die Belagerung der Stadt ab Juli 1433 bis Mai 1434. Im Januar 1434 gelang es den Pilsenern, bei einem Gegenangriff ein Kamel als Trophäe zu erbeuten. Dieses Ereignis wurde ab den 1460er Jahren Bestandteil des Stadtwappens. Im Frühling 1434 wurde die Stadt von dem ehemaligen Hauptmann der Taboriten und Überläufer Přibík von Klenová mit Lebensmitteln versorgt (vorgeblich in insgesamt 120 Wagen geliefert). Anfang Mai wurde die Belagerung aufgegeben und die hussitischen Truppen zogen ab. In den folgenden Kriegen wechselte die Stadt mehrmals die Seite.
„Noch im Mittelalter war der deutsche Bevölkerungsanteil relativ hoch – doch das änderte sich unter dem Einfluss der Landesherrschaft. Viele Deutsche wechselten die Sprache, und viele Pilsener tragen aus diesem Grund noch heute sehr deutsch klingende Nachnamen.“
Im Jahre 1468 wurde in Pilsen erstmals in Böhmen die Technik des Buchdrucks angewandt.
Im Ständeaufstand 1547 stand Pilsen loyal zum Kaiser und erhielt als Dank die erste Stimme in der Ständekurie im Böhmischen Landtag.Thomas Krzenck: Pilsen (Online-Lexikon)
Dreißigjähriger Krieg mini|Belagerung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg
In Zeiten einer Pestepidemie in Prag zog 1599–1600 Kaiser Rudolf II. mit Hofstaat kurzzeitig nach Pilsen um. Später entschied sich der Kaiser, in Pilsen einen Nebensitz zu errichten, und ließ 1606 das „Kaiserliche Haus“ in Pilsen erbauen, das er aber nie nutzte.
Der Dreißigjährige Krieg bedeutete für Pilsen gleich zu Anfang den Absturz in die Armut und riesige Schulden. Nach dem Ausbruch des Ständeaufstandes 1618 blieb Pilsen dem Kaiser treu. Am 21. November 1618 wurde die Stadt nach kurzer Belagerung von einem Heer der Stände unter Ernst von Mansfeld eingenommen und mit verheerenden Folgen bis April 1621 besetzt.Historische Karte von 1627 Abriß der Statt Pilsen Wie dieselbige Belagert gestürmet undt Eingenohmen worden Anno 1619 als () In dieser Zeit diente die Stadt als Hauptstützpunkt und als Haupteinkommensquelle der Armee.
Ab 1631 war Pilsen Basis eines kaiserlichen Heeres, welches zum Schutz der Stadt vor einer sächsischen Armee aus Bayern abkommandiert wurde. Die kaiserliche Armee bot zwar Schutz, aber ihre Unterbringung und Verpflegung belastete die Stadt wirtschaftlich schwer und führte zu großer Verschuldung. Der Oberbefehlshaber Albrecht von Wallenstein lagerte ab Dezember 1633 in Pilsen; die Ergebenheitsadressen seiner Offiziere im ersten und zweiten Pilsener Revers führten zum beschleunigten Handeln der Gegner, die an seiner Absetzung und Beseitigung arbeiteten. Ende Februar 1634 brach er nach Eger auf, wo er zwei Tage später ermordet wurde. Gegen Ende des Krieges ließ der kaiserliche Stadtkommandant Jan van der Croon von 1645 bis 1649 die Stadtbefestigungen verstärken. 1645 und 1648 zogen schwedische Armeen an Pilsen vorbei, griffen es aber nicht an. Unmittelbar zu leiden hatte die Stadt 1648 dagegen unter einem Ausbruch der Pest. alt=Aktie der Actien-Gesellschaft des Pilsner Badhauses über 10 Gulden C.M., ausgegeben am 6. Dezember 1834 in Pilsen. Das auf der Aktie abgebildete Kurhaus (heute Lochotín-Pavillon) mit Badebädern in beiden Flügeln und einem Gesellschaftssaal im Mittelteil, wurde auf Betreiben von Martin Kopecký errichtet, der von 1828 bis 1850 Bürgermeister von Pilsen war.|mini|Aktie der Actien-Gesellschaft des Pilsner Badhauses über 10 Gulden, ausgegeben am 6. Dezember 1834 in Pilsen (heute Lochotín-Pavillon) Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die städtische Wirtschaft ruiniert, die Vorstädte abgebrannt, die Stadtbevölkerung dezimiert, ein Drittel der Bürgerhäuser in der Innenstadt war verwüstet. Die Beseitigung der Schäden und der wirtschaftliche Wiederaufbau dauerten beinahe ein Jahrhundert. Die Fernhandelsbeziehungen sanken auf ein Minimum. Allgemeinen Verfall erlitt das gesellschaftliche Leben.
Die verheerenden Folgen des Großen Krieges hemmten, verstärkt durch zwei Pestepidemien (1680, 1714) und eine Feuersbrunst 1729, die wirtschaftliche Konsolidierung, die erst nach 1760 wieder in Fahrt kam, zumal die Stadt in den Schlesischen Kriegen wechselnde Besatzungen aufnehmen und Kontributionen entrichten musste.
Erst am Ende des 18. Jahrhunderts erreichte die Einwohnerzahl wieder den Vorkriegsstand. Pilsen blieb danach bis ins 19. Jahrhundert eine Provinzstadt ohne größere Bedeutung.
Industriezeitalter mini|Stadtansicht von Südosten (1816)
Um 1840 war die „herrschende Sprache“ der Einwohner „die böhmische, doch findet man in der Stadt auch viele des Teutschen kundige“. Durch die Industrialisierung zogen zahlreiche tschechische Arbeiter aus der Umgebung nach Pilsen und es entstanden neue, tschechisch geprägte Vorstädte, während das deutsche Bürgertum sich auf die Altstadt beschränkte.Moritz Gehre: Die deutsche Sprachinsel in Pilsen. In: Die deutschen Sprachinseln in Österreich. Verlag Hentze, 1886, S. 10f.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand Pilsen nach Größe und Bedeutung hinter Prag wieder an zweiter Stelle in Böhmen. Im Jahre 1869 entstand das wichtigste und in folgenden Jahren für die Stadt prägende Maschinenbauunternehmen Škoda. Das zweitgrößte Werk dieser Zeit war nach 1898 das Eisenbahnwerk der Staatsbahnen mit etwa 2000 Angestellten. Es handelte sich um das größte Ausbesserungswerk in Österreich-Ungarn. Zwischen 1861 und 1877 wurde der Pilsener Eisenbahnknoten fertiggestellt. Im Jahre 1899 verkehrte in Pilsen die erste Straßenbahnlinie.
1900 belief sich der seit der Neuzeit rückläufige deutschsprachige Bevölkerungsanteil nur mehr auf 13,5 Prozent.
mini|Haus am Hauptmarkt (1856)