Ein Superheld ist eine fiktive Figur, die meist übermenschliche Fähigkeiten oder High-Tech-Ausrüstung besitzt, mit denen sie die Menschheit beschützt und Böses bekämpft. Superhelden haben typischerweise großen Mut und einen edlen Charakter. Sie halten nicht selten ihre wahre Identität geheim, indem sie sich kostümieren und unter einem Pseudonym in Erscheinung treten. In den Geschichten sind ihre Gegenspieler Ungeheuer oder Bösewichte, sie wehren aber auch Naturkatastrophen und Aliens ab. Die ersten Superheldencomics entstanden in den USA der 1930er Jahre; als erster Superheld gilt dabei Superman.
Eigenschaften von Superhelden Allgemeines mini|Als Batman verkleideter Cosplayer Die Figur des archetypischen Superhelden riskiert ihr Leben bedingungslos für Andere. Im Gegensatz zu seinen Gegenspielern pflegt ein Superheld eine hohe Moral und tötet seine Gegner nur, wenn es unvermeidlich ist. Viele Superhelden sind mit einer Herkunftsgeschichte ausgestattet, in der der Ursprung ihrer Kräfte und ihr Entschluss, für das Gute zu kämpfen, näher beleuchtet werden.
Typischerweise erhalten Superhelden ihre Kräfte durch fortschrittliche Technologie (Batman, Iron Man), eine biologische Veränderung (Spider-Man, Fantastic Four) oder einen Unfall bei einem Experiment (Hulk, The Flash). Aber sie können ihre Kräfte auch ihrer außerirdischen Herkunft (Superman) oder Magie (Doctor Strange, Phantom Stranger) verdanken. Häufig führt der Erwerb der Superkräfte, wie beim Hulk oder auch bei Spider-Man, zu mehr oder weniger stark erkennbaren körperlichen Veränderungen. Solche übermenschlichen Fähigkeiten sind oft übermenschliche Stärke, die Fähigkeit zu fliegen, geschärfte Sinne oder die Fähigkeit, Energie in verschiedenen Formen wie Hitze, Licht oder Schall abzugeben.
Eine typische Eigenschaft von Superhelden ist eine individuelle Achillesferse, ähnlich wie die Stelle, auf die das Lindenblatt fiel (Siegfried aus der Nibelungen-Sage). So schwinden z. B. Supermans Kräfte in der Nähe von grünem Kryptonit, sodass er verwundbar wird.
Bestimmte Superhelden fallen durch dieses Raster. Anders als die klassischen Beispiele reagieren sie verantwortungslos, zeigen offen Schwächen oder begehen Fehler. So ist z. B. Wolverine auch brutal und kompromisslos, Spider-Man offenbart seine menschlichen Makel und Hulk bedroht durch seine unkontrollierbaren Verwandlungen auch Unschuldige. Andere Superhelden arbeiten hingegen nur gegen Bezahlung, wie z. B. Luke Cage und sein Partner Iron Fist. Weitere untypische Superhelden besitzen eine finstere Abstammung, wie etwa die Dämonen Hellboy, Spawn und Ghost Rider, oder es handelt sich um ehemalige Superschurken, wie Elektra, Deadpool oder Catwoman. Bei diesen Figuren wird häufig von Antihelden gesprochen.
Kampf gegen Bösewichte
Superhelden treten fast immer gegen einen Gegenspieler an, der wie sie selbst über übermenschliche Fähigkeiten und eine besondere Identität verfügt. Meist rekrutiert sich dieser aus einem Pool an Bösewichten, die zu einer bestimmten Superheldensaga gehören. Beispielsweise Superman hat es häufig mit Lex Luthor zu tun; einer der bedeutendsten Gegner Batmans ist der Joker.
Kostüm und Hilfsmittel Ein Charakteristikum von Superhelden kann ein besonderes Kostüm sein. Dieses dient der Erkennbarkeit und möglicherweise auch dem Verdecken der Identität (z. B. mit einer Maske). Beispiele dafür sind Batman und Spider-Man. Häufig werden Utensilien (z. B. Batgürtel, Batmobil) im selben Design wie das Kostüm gehalten. Diese Kostüme müssen nicht immer farbig ausfallen, haben aber oft einen Wiedererkennungswert.
Zusammenschlüsse Viele Superhelden operieren im Alleingang, jedoch wurden im Laufe der Comic-Geschichte auch Superheldengruppen gebildet. Bekannte Beispiele sind hierbei die X-Men, Gen¹³, Die Fantastischen Vier (Fantastic Four), die Justice League of America (oft kurz JLA) und Die Rächer (Avengers).
Ebenfalls von Bedeutung sind die Begleiter von Superhelden, sogenannte Sidekicks oder engste Vertraute, die den Helden unterstützen. So hat Batman den Begleiter Robin und seinen Butler Alfred Pennyworth. Viele männliche Superhelden haben eine normal Sterbliche als feste Partnerin (Lois Lane bei Superman, Joan Randall bei Captain Future, Tarzans Jane).
Geschichte und Entwicklung der Superhelden Vorläufer in Mythologie und Literatur Schon seit der Antike gibt es Sagen von übermenschlichen Helden, wie die von Herakles oder Achilles. Der Richter Simson weist ebenfalls übermenschliche Stärke auf. Auch in anderen Mythen finden sich Figuren, die in mancher Hinsicht als Vorläufer moderner Superhelden gelten könnten, zum Beispiel Väinämöinen in der finnischen Kalevala. Ein Beispiel der direkten Übernahme eines mythischen Helden ist die Comicreihe Thor.
Die Vorläufer der modernen Superhelden sind bereits im 19. Jahrhundert anzusetzen. Sherlock Holmes und Allan Quatermain stechen als literarische Figuren mit besonderen Fähigkeiten hervor. Ebenso hatten die Groschenromane um Buffalo Bill, Zorro, Robin Hood, Tarzan oder Spring Heel Jack im angelsächsischen Raum Einfluss auf die Schöpfung der späteren Superhelden. Direkten Einfluss zeigen Figuren der Pulp Magazine, unter anderem Doc Savage und The Shadow.
Mit Famany. Der fliegende Mensch erschien 1937 in der ansonsten bürgerlich-biederen Gartenlaube der „erste deutsche Bildroman“ (so im Heft selbst). Die 13-seitige Geschichte des Trivialautors Franz Friedrich Oberhauser und des Zeichners E. G. Hildebrand über einen Menschen, der mit einem Apparat künstlicher Flügel über New York fliegt und in die Welt des Verbrechens verwickelt wird, scheint gewisse klassische Eigenschaften des Superhelden vorwegzunehmen, blieb aber ohne Fortsetzungen oder Nachahmer.Andreas Kägermann, Eckart Sackmann: Superman aus der Gartenlaube. In: Deutsche Comicforschung, 1 (2005), S. 52–55.
Frühzeit der Superheldencomics („Goldenes Zeitalter“) mini|Fan im Wonder-Woman-Kostüm 1938 erschien erstmals eine Geschichte mit Superman, geschaffen von Jerry Siegel und Joe Shuster, in der Reihe Action Comics. Obwohl der kostümierte Verbrechensbekämpfer Phantom schon vor Superman in Comicstrips auftrat, wird Superman allgemein als der erste Superheld gesehen. Er zeigte bereits viele der typischen Superheldenmerkmale, nämlich Geheimidentität, übermenschliche Kräfte und Kostüm.
Die Reaktion auf Superman war sehr positiv, und DC Comics ließ in den Monaten darauf Hawkman, den Flash, Green Lantern, Batman und etwas später Robin sowie Wonder Woman, die erste Superheldin, auftreten. Obwohl DC den Superheldencomicmarkt anfänglich dominierte, kamen bald andere Verlage hinzu, neben Fawcett Comics mit Captain Marvel auch Marvel Comics (damals Atlas bzw. Timely) mit den Helden Human Torch und Sub-Mariner. Damals begann auch Will Eisner mit der Produktion seines Comics The Spirit, einer Figur mit einigen Eigenschaften eines Superhelden, der schnell viele Fans gewann. Von Quality Comics stammte die erste Parodie des Genres, Plastic Man.
Die Superhelden dieser Zeit waren typischerweise Weiße, junge bis mittelalte Männer der Mittel- und Oberschicht. Während des Zweiten Weltkriegs nahm die Beliebtheit von Superheldenfiguren beim Publikum zu, trotz Rationierung von Papier und der Einberufung vieler Autoren und Zeichner. In dieser Phase erschienen Comics, in denen Superhelden die Achsenmächte bekämpfen, zudem wurden patriotische Helden wie Captain America geschaffen. Bemerkenswert ist die Anspielung vieler Kostüme auf das Sternenbanner, etwa das Aufgreifen seiner Farben oder der darauf dargestellten Sterne.
Nach dem Krieg schwand die Popularität der Superhelden. Der Sittenwächter Fredric Wertham verfasste Seduction of the Innocent, in dem er behauptete, Comics seien ein Auslöser für Jugendkriminalität. Er vertrat zudem die Ansicht, dass Superheldencomics von perversen Untertönen durchzogen seien. Auch Horrorcomics und Kriminalgeschichten wurden angegriffen. Als Antwort auf Werthams Anschuldigungen wurde der Comics Code eingeführt, der Gewalt und Sex in Superheldencomics praktisch verbot. In den frühen fünfziger Jahren waren Superhelden beinahe von der Bildfläche verschwunden, nur Geschichten der bekanntesten Figuren (Wonder Woman, Batman und Superman) wurden weiterhin verlegt. Viele Horror- und Kriminalcomics wurden eingestellt und viele kleine Verlage gingen bankrott. Zudem trat das aufkommende Fernsehen in Konkurrenz zu Comics.
Wiederaufleben der Superheldencomics („Silbernes Zeitalter“) 1956 erschien eine neue Version des Flash bei DC Comics, die sofort ein Erfolg wurde. Daraufhin belebte das Unternehmen auch Hawkman, Green Lantern und einige andere wieder, meist mit einem moderneren, Science-Fiction-basierten Ansatz. Außerdem startete DC eine Teamserie mit den größten Stars des Verlags, die Justice League of America.
Durch den Erfolg von DC angespornt, schuf Marvels Editor und Autor Stan Lee zusammen mit Zeichnern wie Jack Kirby und Steve Ditko ebenfalls einige Superheldenserien. 1961 erschien mit den Fantastic Four die erste neue Superheldenserie von Marvel. Lee legte viel Wert auf persönliche Konflikte und Charakterentwicklung, was den perfekten Superhelden der 1940er Jahre großteils gefehlt hatte. Superhelden dieser neuen Generation waren unter anderem Thing, Spider-Man, Hulk und die X-Men.
In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren begannen nicht-weiße Superhelden in Marvel Comics aufzutauchen. Der erste war Black Panther, König des fiktiven afrikanischen Kleinstaates Wakanda. Weitere Beispiele sind Luke Cage, ein afroamerikanischer Söldner, und Shang Chi, ein asiatischer Kampfsportler. Diese Figuren waren, trotz ihrer neuen Zielrichtung, relativ oft stereotypisch, so war Cages Sprachgebrauch an die Blaxploitation-Filme jener Zeit angelehnt und asiatische Charaktere beherrschten beinahe durchwegs Kung-Fu oder Karate.
Zu dieser Zeit begannen auch erstmals seit Wonder Woman starke weibliche Figuren in Superheldencomics aufzutauchen. In den frühen 1960er Jahren waren die Unsichtbare und Marvel Girl als schwache Frauen eingeführt worden, die hauptsächlich von den männlichen Helden gerettet wurden. In den Siebzigern wurden diese Figuren aber selbstsicherer und es tauchten neue, starke Frauenfiguren auf. Marvels Spider-Woman, Storm, Ms. Marvel und DCs Power Girl sind einige Beispiele, die letzteren beiden waren allerdings überzeichnete, radikale Feministinnen.
Aufkommen von düsteren Themen („Bronzenes Zeitalter“) Das unbeschwertere „Silberne Zeitalter“ fand sein Ende mit der The Amazing Spider-Man-Ausgabe „The Night Gwen Stacy Died“ aus dem Jahr 1973. In diesem Heft stirbt Gwen Stacy, eine etablierte Figur und Spider-Mans Freundin, auf tragische Weise. Dies stellte einen Wendepunkt dar, da es zuvor nicht üblich war, solch eine tragende Figur sterben zu lassen.
In den frühen Achtzigerjahren schuf Marvel Comics einige erfolgreiche Antihelden, unter anderem den Punisher, Wolverine von den X-Men und Frank Millers Neuinterpretation von Daredevil. Diese Figuren wurden von Zweifeln geplagt und waren durch eine finstere Vergangenheit traumatisiert. So wurde die Familie des Punishers von der Mafia getötet und Wolverine kämpfte ständig gegen seine tierischen Instinkte. Daredevil bekam eine neue Hintergrundgeschichte, in welcher er von seinem alkoholisierten Vater geschlagen wurde. Dieser Vorfall sowie seine harte Kindheit in Hell’s Kitchen bestimmten sein späteres Leben.
1985 entschied sich der Verlag DC dazu, im Rahmen seines 50. Geburtstages und vieler Verständnisprobleme neuer Leser, das komplette DC-Multiversum in der Maxiserie Crisis on Infinite Earths auszulöschen und ein neues Universum entstehen zu lassen. Ziel war es, bestehende Widersprüche auszulöschen und Verwirrungen über Helden gleichen Namens auf verschiedenen Parallelwelten zu beenden, da es nach der Crisis nur mehr jeweils eine Version jedes Helden gab.