Die Jägersprache, auch Waidmannssprache oder Weidmannssprache, ist die traditionelle Fach- und SonderspracheDuden online: Jägersprache der Jäger. Sie setzt sich aus Fachwörtern aus dem Bereich der Jagd zusammen und wird von Jägern zur exakten Verständigung untereinander sowie als Teil des jagdlichen Brauchtums benutzt. Neben der Exaktheit lassen sich durch die Jägersprache oftmals Zustände und Ereignisse während der Jagd viel einfacher und kürzer beschreiben als mit der konventionellen Sprache. Insofern wird sie Nichtjägern gegenüber dann nicht verwendet, wenn Verständnisprobleme entstehen könnten.
Die Jägersprache ist im deutschen Sprachraum ab dem 19. Jahrhundert zunehmend vereinheitlicht worden; die regionale Terminologie ist heute – jedenfalls in der deutschen Schweiz – weitestgehend einer gemeindeutschen gewichen.Peter Ott: Zur Sprache der Jäger in der deutschen Schweiz. Ein Beitrag zur Terminologie der Sondersprachen (= Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung. Band 18). Huber, Frauenfeld 1970, S. 385. Viele Ausdrücke der Jägersprache sind schon etliche Jahrhunderte in Gebrauch. Einige sind auch in die Umgangssprache übernommen worden, zum Beispiel in den Redewendungen „jemandem eins hinter die Löffel geben“, „zur Strecke bringen“ und „durch die Lappen gehen“.
Geschichte Die Jägersprache hat ihre Ursprünge zum einen in der präzisen Beschreibung von Naturbeobachtungen und Zeichen des zu erlegenden Wildes als Fachsprache bis heute, zum anderen historisch gesehen in der bewussten Absetzung des Adels vom „gemeinen Volk“ (insbesondere den weniger zur Verklärung neigenden „Bauernjägern“). Eine wesentliche Entwicklung durchlief die Sprache ab dem 12. Jahrhundert als Zunftsprache der Berufsjäger. Zu dieser Zeit beschränkte sie sich jedoch auf Bereiche der Rotwildjagd bzw. der Hochwildjagd, der Jagdhunde, der Falknerei und des Vogelfangs. Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurden verstärkt Begriffe aus der Niederwildjagd aufgenommen.
Abgrenzung Nicht mit der Jägersprache zu verwechseln ist das mit dem Seemannsgarn vergleichbare Jägerlatein. Darunter versteht man, dass ein Jäger eine übertriebene Erlebnisgeschichte schildert, um zu prahlen oder unkundige Zuhörer zum Scherz in die Irre zu führen. Fabelhafte Wildarten wie unter anderem der Rasselbock oder der Wolpertinger gehören in den Bereich des Jägerlateins.
Ebenfalls nicht zur Jägersprache zählen traditionelle Bezeichnungen aus Tierfabeln und Märchen wie etwa Reineke Fuchs oder kurz Reineke für den Fuchs, Meister Lampe für den Hasen oder Malepartus für den Bau des Fuchses.
Durch eine zunehmende Technisierung der Jagd, z. B. bei der Optik oder den Jagdwaffen, ist heute eine Abgrenzung zu anderen Fachbereichen fließend.
Beispiele
A Aalstrich: dunkler Strich auf dem Rücken bei Hirscharten, Gamswild im Sommer und bei manchen Hunden. Aasjäger: Jäger, durch dessen unwaidmännische Jagdausübung viel Wild verloren geht (verludert) abäsen: Pflanzen abfressen, vom Wild gesagt abbalgen: Haut bzw. Fell abziehen, bei Raubwild und Hasenartigen abbeißen: die Jungen zwingen, den Lebensbereich der Elterntiere zu verlassen, beim Haarraubwild abbaumen: einen erhöhten Platz verlassen, von Federwild; die jagdliche Einrichtung wie Hochsitz, Ansitzleiter verlassen, vom Jäger abblasen: die Gesellschaftsjagd mit dem Jagdhornsignal Jagd vorbei beenden abbrunften: nicht brünftig, durch die Brunft körperlich geschwächt abdocken: den Schweißriemen ablaufen lassen abfährten: im Revier nach Fährten suchen abfangen: krankes Wild mit einer kalten Waffe töten abfedern: Flugwild töten abführen: Jagdhunde ausbilden abhalsen: Hunden die Halsung abnehmen abhauben: dem Beizvogel die Haube abnehmen Abkommen (siehe auch: das Absehen): Visiereinrichtung im Zielglas abkommen: 1. das Ziel bei Abgabe des Schusses erfassen – „Ich bin gut abgekommen“ heißt, der Schuss ging dahin, wo er hin sollte; 2. in schlechte Gesundheit geraten; abgekommen: in schlechter körperlicher Verfassung; 3. die Fährte verlieren, vom Jagdhund, z. B. bei der Nachsuche abliebeln: einen Hund für gute Arbeit loben und streicheln abnicken (siehe auch: abfangen): veraltete Methode, verletztes Wild mit einer blanken Waffe (Jagdmesser = Nicker oder Knicker) durch Stich ins Hinterhauptloch (Genick) zu töten; dazu wurde der Kopf nach vorne gedrückt, daher der Ausdruck „Abnicken“ abreiten: das Auer- oder Birkwild fliegt fort abrichten: den Jagdhund ausbilden abrufen: Zurückrufen eines Teilnehmers einer Jagd, einschließlich Jagdhund abschärfen: 1) veraltete Bezeichnung für das Abtrennen der Bärendecke und der Dachsschwarte; 2) allgemein für Schneiden mit dem Jagdmesser abschlagen: vertreiben, der alte Hirsch „schlägt“ den jüngeren „ab“, vertreibt ihnWeitere Bedeutungen bei Haseder, S. 16. abschlagen: die Jagdtrophäe präparieren, wobei der Schädel des Wildes erst freigelegt, dann zersägt und schließlich ausgekocht und gebleicht wird. Abschuss: 1) erlegtes Stück Wild 2) Gesamtzahl des Wildes laut Abschussplan, vor und nach der Ausführung abschussnotwendig: schwaches und krankes Wild für den Hegeabschuss abschwarten: Schwarzwild und Dachs häuten Absehen, das: Markierung in der Optik des Zielfernrohrs (z. B. Fadenkreuz), die genaueres Zielen und Einschätzung von Entfernungen ermöglicht abspringen: flüchtig werden, vom Schalenwild abstellen: Treiber oder Schützen an einer bestimmten Stelle postieren abstreichen: wegfliegen, von Federwild abtragen: den Greifvogel oder Falkenartigen zur Jagd ausbildenwww.vpnk.de. Abtritt: 1. Losungsplatz am Dachsbau; 2. Hirschgerechte Zeichen, wenn der Hirsch Grashalme beim Tritt mit seinen Schalen abschneidet abtun: Jagdhund tötet von ihm gegriffenes Wild; Raubwild wird abgewürgt abtun, sich: einzelnes Stück Wild sondert sich von Rudel etc. ab Abwurfstange: das abgeworfene Geweih von Cerviden (Geweihträgern) abwürgen: ein Stück Wild durch Halsbiss töten, vom Jagdhund; auch Raubwild Achtender: ein Hirsch mit einem achtendigen Geweih äsen: Schalenwild nimmt Nahrung auf Äser: Maul der meisten Schalenwildarten. Mit dem Äser wird Äsung, d. h. Nahrung, aufgenommen Äsung: Nahrung des Schalenwildes, außer bei Schwarzwild Affe, der: Junges des Murmeltiers Afterdrüse: Drüse am Weidloch des Hundes Alttier: geschlechtsreife Hirschkuh anbacken: die Langwaffe in den Anschlag („an die Backe“) nehmen anblasen: den Beginn eines Treibens durch ein Jagdhornsignal ankündigen anbrüchig: in Fäulnis übergehend, vom Wildbret anfallen: die richtige Fährte finden und arbeiten, vom Schweißhund anhalsen: dem Jagdhund das Halsband (Halsung) anlegen ankirren: Wild an einer bestimmten Stelle durch Auslegen von Futter anlocken annehmen: 1. angreifen, vom Wild. Wenn ein Jäger von einem Stück Wild angegriffen wird, sagt man, „der Keiler hat mich angenommen.“; 2. Beginn der Nutzung von etwas durch Wild („Das Schwarzwild hat die Kirrung angenommen“, „Das Reh hat den Pirschpfad als Wechsel angenommen“) anschneiden: die Beute anfressen, vom Fuchs Anschuss: 1. Ort, an dem das Wild im Schuss stand, wichtig für Schusszeichen, Pirschzeichen und Nachsuche; 2. Eintrittswunde im Wildkörper ansprechen: Wild nach Art, Geschlecht, Alter und Zustand erkennen und klassifizieren. Wird auch auf Pflanzen angewandt: einen Baum ansprechen = Art und Zustand des Baumes identifizieren anstellen: bei der Jagd den Schützen feste Plätze durch den Ansteller zuweisen Ansteller: revierkundiger Jäger, der den Jagdgästen einen festen Platz, Stand, Sitz, Kanzel zuweist. anwarten: über dem Falkner oder über dem Hund in Erwartung der Beute kreisen, vom Falken anzeigen: der Jagdhund zeigt durch sein Benehmen an, dass er etwas gefunden hat; der Vorstehhund steht vorHaseder S. 41 Aser: Jägerrucksack Atzung: die Nahrung des Beizvogels Auf, der: Uhu aufbaumen: 1) sich auf einen erhöhten Platz wie z. B. auf einen Ast setzen oder niederlassen, von Federwild und Raubwild; 2) seinen Hochsitz besteigen, vom Jäger aufbrechen: ausweiden, d. h. das „zur Strecke gebrachte“ Wildes zur Entnahme des „Aufbruchs“ aufschneiden, dabei wird das Schloss (Becken) gebrochen Aufbrechpause: Pause, die bei länger andauernden Gesellschaftsjagden aus wildbrethygienischen Gründen eingelegt wird Aufbruch: die Eingeweide als Gesamtheit der in den großen Körperhöhlen gelegenen inneren Organe aufdocken (auch docken): den Schweißriemen brauchtumsgerecht zusammenlegen Aufgang: Beginn der Jagdzeit nach der Schonzeit (Beispiel: Hasen gehen auf = Hasen dürfen gejagt werden) aufmüden: bei der Nachsuche ein Stück aus dem Wundbett treiben aufschärfen: den Körper des toten Tieres aufschneiden aufwerfen: den Kopf zum Lokalisieren plötzlich anheben, z. B. bei Störungen, Geräuschen oder Bewegungen äugen: sehen (von Auge) Augspross: das unterste Ende über der Rose am Geweih der HirschartigenNumßen, S. 14. ausarbeiten: Fährte des kranken Wildes vom Anschuss aus verfolgen ausfallen: aus dem Ei schlüpfen von Federwild aus der Decke schlagen: Schalenwild häuten (Ausnahme: Schwarzwild) auswerfen: nicht mehr übliche Methode, das Gescheide bei Hasen und Kaninchen herauszunehmen
B Bache: weibliches, geschlechtsreifes Wildschwein (Schwarzwild) Bär: Männchen des Murmeltiers Bail (im Bail): Standlaut beim Schweißhund, Endkampf von Jagdhund und weidwundem Wild Balg: Haut mit Fell von Feldhase (siehe Hasenfell) und Kaninchen, Rotfuchs (siehe Rotfuchsfell) und Marder, auch Vogelbalg Ballenzeichen: Hirschgerechte Zeichen von den Ballen zwischen den Schalen, z. B. Burgstall ballieren: auf der Faust oder dem Block fluglustig mit den Flügeln schlagen, vom Beizfalken Balzrosen: rote Hautausstülpungen oberhalb der Augen des Auerhahns, des Birkhahns und des Alpenschneehahns Basse: ein starkes, altes, männliches Wildschwein (Keiler) Bast: sehr gut durchblutete Schutzhaut über dem im Wachstum befindlichen Geweih oder Gehörn Bau, der (die Baue): Behausung eines Tieres (Fuchsbau, Dachsbau, Kaninchenbau) befahren: einen Bau (siehe oben) bewohnen. Ob ein Bau befahren ist, erkennt man an den Spuren bei der Einfahrt Behang: 1) die herabhängenden Ohren von diversen Jagdhunden; 2) Altersbezeichnung bei Jagdhunden: „im 1. Behang“ = im 2. Lebensjahr Beize, die (von beißen) oder Beizjagd: das Jagen mit dem abgetragenen Beizvogel ist eine der ältesten Jagdarten, z. B. tötet der Falke mit dem Falkenzahn die Beute mit einem Biss ins Genick beschlagen: das Begatten bei allem Schalenwild,Zeiß, S. 31. z. B. eines brunftigen Tieres durch den Hirsch; das Tier, welches sich beschlagen lässt, „steht“ bei diesem Vorgang bestätigen (auch bestatten): Feststellen und Ansprechen von Wild, Standorten etc. besonders bei Rotwild durch Hirschgerechte Zeichen blanke (kalte) Waffen: Hirschfänger, Nicker und ähnliche Waffen für die Jagd blasen: Lautäußerung, Warnruf der Bache (Leitbache) Blattschuss: Schuss, der ins Schulterblatt eines Tieres trifft. Da er Herz, Lunge und/oder große Blutgefäße verletzt, führt er zum sofortigen Verenden Blattzeit: Paarungszeit beim Rehwild. Der Begriff leitet sich ab von der zu dieser Zeit möglichen Lockjagd durch Pfeifen auf einem Buchenblatt oder Blatter Blatter: Instrument zur Blattjagd Blender: Jagdhund, der durch Vorstehen nicht vorhandenes Wild anzeigt Blinker: Jagdhund, der vorhandenem Wild nicht vorsteht und ausweicht Blume: Schwanz des Feldhasen und das Ende der Lunte beim Rotfuchs Bockfieber oder Jagdfieber: gelegentlicher, aufgeregter Gemütszustand des Jägers kurz vor und auch nach dem Schuss auf Wild bögeln: dem Verlauf einer Fährte nicht geradlinig, sondern in Schlängellinien folgen, vom Jagdhund bogenrein: dem aufgejagten Wild nicht (weit) über das Treiben (Bogen) hinaus folgend, eine gewünschte Eigenschaft des Jagdhundes brackieren: Jagd mit weit jagenden Hunden (Bracken) auf mindestens 1000 Hektar Jagdfläche Brand: Milzbrand (Anthrax) ist eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich bei Paarhufern auftritt