mini|Ein Apothekermörser, universelles Logo der Pharmazeutischen Wissenschaften mini|Apotheke im 14. Jahrhundert mini|250px|Das grüne Apothekerkreuz ist in Europa und Indien weit verbreitet Pharmazie (von , ‚Medikament‘, ‚Gift‘, ‚Zaubermittel‘, zurückgehend auf die Wurzel , ‚Blendwerk‘Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. I–III, Heidelberg (1954) 1960–1972 (= Indogermanische Bibliothek, II: Wörterbücher.), Band II (1970), S. 992.Rudolf Schmitz: Der Arzneimittelbegriff der Renaissance. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil: Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 1–21, hier: S. 4.) oder Pharmazeutik (von altgriechisch ),Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 41. deutsch auch Arzneikunde, ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit der Beschaffenheit, Wirkung, Entwicklung, Prüfung, Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln befasst. Die Pharmazie vereint dabei Aspekte aus verschiedenen Naturwissenschaften, vor allem aus der Chemie, Biologie und Physik, mit medizinischen Themen.

Als Pharmazeut/Pharmazeutin werden in Deutschland Personen bezeichnet, die nach einer qualifizierenden Ausbildung im Gebiet der Pharmazie tätig sind. Es handelt sich nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung, sondern um einen Oberbegriff für verschiedene Berufe.

Pharmaforschung findet sowohl in Pharmaunternehmen als auch an Universitäten statt. Bevor neue Arzneimittel ihren Weg in die Apotheken und Krankenhausapotheken finden, müssen sie von Arzneimittelbehörden zugelassen werden (Arzneimittelzulassung).

Abgrenzung Der Begriff Pharmazie wird manchmal mit Pharmakologie verwechselt. Erst mit der Einrichtung der Pharmazie als universitäres Lehrfach in den ersten beiden Dekaden des 19. Jahrhunderts wurde das Fach in Deutschland eigenständig.

Die Pharmakologie ist eine biomedizinische Wissenschaft, die sich mit der Erforschung und Charakterisierung von Substanzen (Chemikalien, Medikamenten) befasst, die biologische Wirkungen auf lebende Systeme haben. Sie untersucht, wie Arzneimittel wirken und was sie im Körper bewirken.

Die Pharmazie oder Pharmazeutik ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit der Beschaffenheit, Wirkung, Entwicklung, Prüfung, Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln befasst. Die Pharmazie vereint dabei vorrangig Aspekte aus verschiedenen Naturwissenschaften, vor allem aus Chemie (Pharmazeutische Chemie), Biologie (Pharmazeutische Biologie), Verfahrenstechnik (Pharmazeutische Technologie) und Medizin (Pharmakologie und Klinische Pharmazie).

Geschichte

Seit jeher beschäftigten sich die Menschen mit Bereichen der Pharmazie.Julius Berendes: Die Pharmacie bei den alten Culturvölkern, I-II, Halle an der Saale 1891, Neudruck Hildesheim 1989.Ch. J. S. Thompson: The dawn of medicine. A chapter in the history of pharmacy from the earliest times to the tenth century. In: Janus 28, 1924, S. 425–450. Gemäß Aulus Cornelius Celsus war die Pharmakotherapie (altgriechisch ) mit der Diätetik (Regelung der Lebensweise) und der Chirurgie eines der drei Teile der (antiken) Medizin.Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. 1989, S. 41. Kritik am Apothekerstand (etwa in Bezug auf MedikamentenfälschungenKonrad Goehl: Beobachtungen und Ergänzungen zum ‘Circa instans’. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 69–77, hier: S. 69–73.) wurde bereits im Mittelalter geübt.Konrad Goehl, Gundolf Keil: „apothecarii nostri temporis“ – Eine Kritik am Apothekerstand aus der Frühzeit der Pharmazie. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 14, 1996, S. 261–267. (Bereits im Frühmittelalter existierte ein Drogenhandel,John M. Riddle: The introduction and use of eastern drugs in the early middle ages. In: Sudhoffs Archiv. Band 49, 1965, S. 185–198. der orientalische Arzneimittel auch in Europa verfügbar machte – allerdings zu entsprechend hohen PreisenGundolf Keil: Einleitung. In: Gundolf Keil (Hrsg.): Das Lorscher Arzneibuch. (Handschrift Msc. Med. 1 der Staatsbibliothek Bamberg); Band 2: Übersetzung von Ulrich Stoll und Gundolf Keil unter Mitwirkung von Altabt Albert Ohlmeyer. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1989, S. 7–14, hier: S. 9.). Der Gegenstand des Faches gehört zwar zu den ältesten akademischen Lehrfächern (Materia medica), als eigenständige Disziplin (wofür vor allem das Werk Circa instans im 12. Jahrhundert eine Grundlage schuf)Vgl. auch Rudolf Schmitz: Die hochmittelalterliche Rezeption antiken und arabischen naturkundlichen Wissens in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Pharmazie. In: Deutsche Apotheker-Zeitung. Band 102, 1962, S. 923–926. ist die heutige Pharmazie aber eine relativ junge Wissenschaft, die erst im 17./18. Jahrhundert entstand.vgl. auch Syed Mahdihassan: Alchemy and its connection with astrology, pharmacy, magic and metallurgy, Janus 46 (1957), S. 81–103. In der um 1442 verfassten und in Bologna 1448 gedruckten Schrift Compendium aromatariorum von Saladin Ferro von Ascoli werden acht für den (oberitalienischen) Apotheker empfohlene Fachbücher genannt: De simplicibus, von „Avicenna“ und „Serapion“ sowie bearbeitet von Simon von Genua und Abraham von TortuosaHans H. Lauer: Simon von Genua. In: Lexikon des Mittelalters. Band 7. München 1995, Sp. 1917. und auch Liber (Serapionis) aggregatus in medicinis simplicibusGundolf Keil: „blutken – bloedekijn“. Anmerkungen zur Ätiologie der Hyposphagma-Genese im ‚Pommersfelder schlesischen Augenbüchlein‘ (1. Drittel des 15. Jahrhunderts). Mit einer Übersicht über die augenheilkundlichen Texte des deutschen Mittelalters. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013, S. 7–175, hier: S. 96–97. genannt Clavis sanationis von Simon von Genua, ein Synonymenverzeichnis Liber servitoris (von Abu l-Qasim) eine Schrift von Mesuë Antidotarium von Nikolaus von Salerno Circa instans, genannt auch De simplicibus medicinis, als dessen Autor auch Nikolaus von Salerno in Betracht gezogenGundolf Keil: Phytotherapie im Mittelalter. In: Scientiarum historia. Band 20, Nr. 1–2, 1994, S. 7–38. wurde Materia medica von Pedanios Dioskurides Macer floridus.Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-36050-X, S. 22.

Erst im 18. Jahrhundert entstanden im Gefolge der Aufklärung private pharmazeutische Lehranstalten, die – zusätzlich zur traditionell handwerklichen – die wissenschaftliche Ausbildung der Apotheker übernahmen. Im 19. Jahrhundert wurde nach und nach in den deutschen Ländern das PharmaziestudiumBerthold Beyerlein: Die Entwicklung der Pharmazie zur Hochschuldisziplin (1750–1875). Ein Beitrag zu Universitäts- und Sozialgeschichte. Stuttgart 1991 (= Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie. Band 59). für Apotheker vorgeschrieben (seit 1875 reichseinheitlich). So erhielt beispielsweise die Universität Würzburg 1888 ein eigenständiges Pharmazeutisches Institut.Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1232. Seit den 1920er Jahren löste sich die Hochschulpharmazie von den chemischen Instituten und es wurden eigenständige Institute errichtet.

Der Stundenplan des Pharmaziestudiums ist in der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO) festgelegt. Schwerpunkt ist die Chemie (ca. 40 %), die restlichen Fächer sind etwa zu gleichen Teilen gewichtet.

Fachrichtungen mini|hochkant=0.3|Der Äskulapstab, Symbol der Ärzteschaft

Die moderne Pharmazie gliedert sich in folgende Bereiche: Die Pharmazeutische Chemie (neuerdings auch in Anlehnung an den englischen Ausdruck Medizinische Chemie genannt) umfasst die Lehre von der chemischen Struktur (und deren Beziehung zur Wirkung), Synthese, Eigenschaften, Stabilität und Analytik (Identität, Reinheit, Gehalt) von Wirk- und Hilfsstoffen, sowie Schadstoffen. Die Pharmazeutische Biologie (früher Pharmakognosie) beschäftigt sich mit den biologischen Grundlagen der Pharmazie, der Nutzung von biologischen Quellen – etwa Arzneipflanzen, Drogen, mit ihren Inhaltsstoffen – für die Entwicklung wirksamer Arzneimittel. In den letzten Jahren wurde das Themengebiet um molekularbiologische Grundlagen und gentechnisch hergestellte Arzneistoffe erweitert. Speziell mit der Erforschung und Herstellung von Arzneimitteln mit pflanzlichen Wirkstoffen befasst sich die Phytopharmazie.Duden: Phytopharmazie.Ernst Steinegger, Rudolf Hänsel: Lehrbuch der Pharmakognosie und Phytopharmazie. 4. Auflage. Berlin/Heidelberg/New York 1988.

Die Pharmazeutische Technologie (früher Galenik oder Arzneiformenlehre) ist die Lehre von der Darreichungsform, d. h., sie beschäftigt sich mit der Herstellung von Tabletten, Kapseln, Zäpfchen, Säften usw. Hierbei ist die Interaktion des Wirkstoffes mit den verwendeten Hilfsstoffen, z. B. beim Pressen von Tabletten, von Bedeutung. Von großer Bedeutung sind dabei auch physikalische Gesetze, die den bei Herstellung, Stabilisierung und Prüfung von Arzneimitteln angewendeten Maßnahmen zugrunde liegen. Die Pharmakologie und Toxikologie umfasst Physiologie und Pathophysiologie sowie die Wirkung von Arzneistoffen und Giften im menschlichen Körper. Die Klinische Pharmazie (seit 2001 Prüfungsfach an deutschen Universitäten) soll eine Brücke zwischen Wissenschaft und pharmazeutischer Praxis knüpfen. Obwohl in den USA und Großbritannien schon seit Jahrzehnten etabliert, hatte es die Klinische Pharmazie in Deutschland sehr schwer, sich als pharmazeutische Disziplin zu etablieren. Bei der Klinischen Pharmazie steht im Gegensatz zur Pharmakologie nicht der Wirkstoff, sondern der Patient im Mittelpunkt. Die Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie, welche die epidemiologischen und ökonomischen Aspekte der Arzneimittelanwendung zum Gegenstand haben. In den meisten Prüfungsordnungen der Universitäten mit Ausbildungsangeboten zum Pharmazeuten sind diese Fächer inzwischen obligatorisch, z. B. in der FU Berlin seit 2003.Studienordnung für den Studiengang Pharmazie der Freien Universität Berlin, Stand 2003 (PDF, 24,55 kB). Die Notfall- und Katastrophenpharmazie beschäftigt sich mit der Sicherstellung der Arzneimittelversorgung in außergewöhnlichen Situationen.

In einigen Ländern außerhalb des deutschen Sprachraums ist auch die Sozialpharmazie verankert. Sie setzt sich damit auseinander, wie Patienten, Verbraucher, Ärzte, Apotheker, andere Heilberufe, Politiker, Organisationen und Verbände sowie die Gesellschaft als Ganzes mit Arzneimitteln umgehen, welche wechselseitigen Beziehungen sie untereinander eingehen und wie sich dies in soziale, kulturelle und ökonomische Zusammenhänge einordnen lässt.

Pharmazeutische Präparate

Der Begriff pharmazeutische Präparate wird synonym zu Arzneimittel, Fertigarzneimittel (Arzneispezialität) oder auch für Zubereitungsformen von Arzneistoffen verwendet. Pharmazeutische Präparate werden häufig industriell von Pharmaunternehmen hergestellt.

Beispiele für arzneiliche Zubereitungen sind Tabletten, Dragees, Salben, Cremes, Lotionen, Tinkturen, Infusionslösungen und viele andere (siehe auch Arzneiformen).

Siehe auch Fachapotheker Liste bedeutender Apotheker

Literatur