mini|Luftbildpanorama Petershagen (niederdeutsch Päitershaugen) im Kreis Minden-Lübbecke ist eine Stadt im äußersten Nordosten Nordrhein-Westfalens, nördlich von Minden an der Weser und Ösper, im Nordosten des Mindener Landes. Den Kern bilden die einander an der Weser gegenüberliegenden Ortsteile Petershagen und Lahde.

Geografie Geografische Lage 300px|mini|Petershagen von Südwesten, im Vordergrund links der Weser Petershagen, rechts der Weser Lahde mit Kraftwerk am Schleusenkanal. Im Vordergrund das Heisterholz. Im Osten der bereits im Bückeburgischen gelegene Schaumburger Wald Das Stadtgebiet liegt im äußersten Nordosten des Kreises Minden-Lübbecke und Nordrhein-Westfalens. Nach Rahden ist Petershagen die zweitnördlichste Gemeinde des Bundeslandes.

Petershagen liegt beidseitig der Weser in der Norddeutschen Tiefebene. Neben Porta Westfalica ist Petershagen die einzige Kommune Nordrhein-Westfalens, die mit dem größeren Teil ihrer Fläche rechts der Weser liegt. Merkliche Erhebung gibt es kaum. Die meisten Ortschaften liegen auf einer Höhe zwischen 40 und . Die Weser durchquert das Stadtgebiet stark mäandrierend von Süden nach Norden. In den Auen der Weser liegen insbesondere im Gebiet von Hävern und Windheim zahlreichen Seen und Teiche. Zwischen Döhren und Lahde verkürzt ein rund acht Kilometer parallel und östlich zur Weser verlaufender Schleusenkanal genauso wie ein westlich zur Weser verlaufender deutlich kürzerer Kanal bei Schlüsselburg die „Wasserstraße Weser“. Naturräumlich wird dieser Abschnitt des Flusses zum Mittleren Wesertal gezählt. Zu den größeren Nebengewässern der Weser im Stadtgebiet zählen die Aue, die Ösper, der Rottbach und die Gehle.

Siehe auch: Liste der Gewässer in Ostwestfalen-Lippe

Im Osten hat das Stadtgebiet Anteil an der Loccumer Geest, im Westen an der Rahden-Diepenauer Geest. Die vorstehenden Naturräume sind wie das mittlere Wesertal Teil der Dümmer-Geestniederung, einem Teilgebiet des Norddeutschen Tieflandes. Kulturräumlich liegt Petershagen im Mindener Land.

Die nächstgelegenen Großstädte sind Bielefeld (50 Kilometer südwestlich gelegen), Osnabrück (64 Kilometer westlich) und Hannover (50 Kilometer östlich).

Geologie mini|Geothermische Karte von Petershagen Die meisten Gebiete bestehen oberflächennah aus Gesteinen aus dem Quartär, das tiefer liegende Gesteinsschichten aus dem Mesozoikum überdeckt. In einzelne Hügel treten Schichten der obersten Kreide zutage. Die Böden sind ganz überwiegend sandige und nur wenig fruchtbare Geestböden. In der Weseraue ist das Gebiet landwirtschaftlich höchstens extensiv nutzbar.

Petershagen eignet sich im westlichen Gebiet mittelmäßig, in östlichen Lagen gut, in Einzellagen sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|Künstlerische Darstellung des geologischen Aufbaus und der Gesteinsarten des Wesertals Mit einer Fläche von etwa 211 Quadratkilometern ist Petershagen die mit Abstand flächengrößte Stadt des Kreises Minden-Lübbecke und flächenmäßig fünftgrößte kreisangehörige Gemeinde des Landes Nordrhein-Westfalen. Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung beträgt ca. 23 km, die maximale West-Ost-Ausdehnung rund 21 km. Der höchste Punkt des Stadtgebietes ist der Lusebrink in der Ortschaft Neuenknick mit , der niedrigste Punkt ist die Weser in der nördlich gelegenen Ortschaft Wasserstraße mit .

Das Stadtgebiet wird zu etwa 70 % landwirtschaftlich genutzt, dieser Wert liegt für Nordrhein-Westfalen insgesamt bei lediglich rund 50 % und im Kreisgebiet bei ca. 66 %. Demgegenüber ist der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche im Landes- und Kreisvergleich mit 13,6 % niedrig (Landesdurchschnitt: 22,2 %, Kreisdurchschnitt: 19,1 %). Der Anteil von Wasserflächen ist aufgrund der Weser, ihrer Seitenkanäle und zahlreicher Seen in den Auen vergleichsweise hoch. Der Waldanteil liegt, wie im gesamten Kreisgebiet unter der Hälfte des Landesdurchschnitts. Bis auf das Waldgebiet Heisterholz südlich der Kernstadt und den Mindener Wald mit rund 750 Hektar Fläche im Westen des Stadtgebietes gibt es kaum größere zusammenhängende Waldgebiete. Kleine Teile des 4.000 Hektar großen Schaumburger Waldes, der östlich an das Stadtgebiet grenzt, liegen auf Petershäger Gebiet.

Eine Übersicht über die Flächennutzung gibt folgende Tabelle:

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Siedlungs-und Verkehrsfläche Wasser-fläche sonstigeNutzung Fläche in ha 14.821 2.432 2.884 923 135 Anteil an Gesamtfläche 69,9 % 11,5 % 13,6 % 4,4 % 0,6 %

Quelle: IT NRW Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW (PDF; 222 kB)

Nachbargemeinden Petershagen grenzt an acht Städte und (Samt-)Gemeinden. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Süden genannt. In Klammern stehen die Straßenentfernungen vom Ortskern Petershagen-Kernstadt zum Ortskern der Nachbarstadt oder -gemeinde:

Minden (11 km) und Hille (18 km) im Kreis Minden-Lübbecke; Samtgemeinde Uchte (15 km), Samtgemeinde Mittelweser (20 km) und Loccum (18 km), ein Ortsteil der Stadt Rehburg-Loccum, alle im niedersächsischen Landkreis Nienburg/Weser; die Samtgemeinde Niedernwöhren (16 km) und die Stadt Bückeburg (18 km) im niedersächsischen Landkreis Schaumburg.

Stadtgliederung mini|400px|Ortsteile Stadt Petershagen

Die Stadt gliedert sich in 29 Ortsteile (§ 3 der Hauptsatzung der Stadt Petershagen):Hauptsatzung der Stadt Petershagen Ortsteil Fläche (km²) Einwohner Einw./km² Bierde 8,35 634 76 Buchholz 2,27 119 52 Döhren 7,89 796 101 Eldagsen 5,55 1065 192 Friedewalde 20,94 1642 78 Frille 10,58 1136 107 Gorspen-Vahlsen 3,93 817 208 Großenheerse 2,36 78 33 Hävern 4,65 108 23 Heimsen 10,57 664 63 Ilse 5,92 403 68 Ilserheide 6,00 492 82 Ilvese 6,94 481 69 Jössen 5,65 351 62 Lahde 6,67 3377 506 Maaslingen 6,02 428 71 Meßlingen 6,48 471 73 Neuenknick 11,43 765 67 Ovenstädt 6,37 1202 188 Petershagen-Kernstadt 17,19 3922 228 Quetzen 7,82 977 125 Raderhorst 3,99 424 106 Rosenhagen 4,17 309 74 Schlüsselburg 7,03 502 71 Seelenfeld 4,53 291 64 Südfelde 4,05 466 115 Wasserstraße 10,48 921 88 Wietersheim 6,95 1159 167 Windheim 7,27 1460 201

Natur

Fauna Petershagen verfügt anteilig mit dem Rotwildbezirk Minden über den einzigen Rotwildbezirk des Kreises Minden-Lübbecke, wenn man von einem winzigen Anteil dieses Gebietes absieht, der auf das Gebiet der Stadt Minden reicht. Östlich der Bundesstraße B 482 bis zur Landesgrenze ist Rotwildgebiet. Der Bezirk ist rund 9.000 Hektar groß, davon 250 Hektar ganz im Süden auf Mindener StadtgebietKarte des Rotwildbezirks Minden, d. h. hier darf Rotwild als Standwild leben; außerhalb wird es konsequent abgeschossen. Die Rotwildbestandsdichte ist allerdings gering mit 0 – 15 Tieren pro 1.000 HektarRotwildverbreitung in Deutschland, März 2017. Nach Osten setzt sich das Rotwildgebiet in Niedersachsen in den Schaumburger Wald fort.

Klima Das Klima in Petershagen wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine Lage in der Norddeutschen Tiefebene und im Wesertal bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Es überwiegen westliche und südwestliche Winde, die Niederschläge mit sich führen. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei rund 9,5 °C. Die Jahresniederschläge betragen im langjährigen Mittel zwischen etwa 650 mm und rund 700 mm. Damit gehört Petershagen zu den trockensten und wärmsten Gebieten Ostwestfalens. Stadt Detmold

Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe

Geschichte mini|Petershagen etwa 1647 mini|Das Schloss Petershagen war bis 1669 Regierungssitz des Fürstentums Minden (bis 1648 Hochstift Minden)

Die ersten Zeugen einer Besiedlung von Petershagen gehen in die Altsteinzeit sowie in die Bronze- und Eisenzeit zurück. Die ersten Cherusker siedelten um Christi Geburt im heutigen Petershagen. Sächsische Siedler gründeten in den folgenden Jahrhunderten die ersten Ortschaften.

Mittelalter Im Jahre 784 konnte Karl der Große hier aufgrund eines Hochwassers die Weser nicht überqueren. In diesem Zusammenhang wurde der Ort zum ersten Mal urkundlich erwähnt – unter dem Namen Huculvi.Annales Regni Francorum 784.

Später wurde der Ort Hockeleve genannt. 1306 ließ der Mindener Bischof Gottfried von Waldeck hier eine Burg erbauen, die nach dem heiligen Petrus, dem Schutzpatron seines Bistums, benannt wurde. Sie war fortan – anstelle der Stadt Minden – die Residenz der Bischöfe von Minden.Heinrich Schoppmeyer: Städte in Westfalen. Geschichte vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches. Schöningh, Paderborn, ISBN 978-3-506-76026-5, S. 30. Sie erhielt den Namen Petershagen, der später auf den Ort übertragen wurde.

Frühe Neuzeit Von 1545 bis 1547 wurde die Burg vom Meister der Weserrenaissance Jörg Unkair zum Schloss ausgebaut. Von 1608 bis 1611 ließ Christian von Braunschweig-Lüneburg das Schloss weiter umbauen.

1648 wurde das Hochstift Minden durch den Westfälischen Frieden brandenburgisch. Noch bis 1669 blieb der Sitz der brandenburgischen Regierung im Schloss; 1649–1659 war das Schloss auch Residenz des brandenburgischen Statthalters. Petershagen war auch Sitz des Amtes Petershagen im Fürstentum Minden.

Von 1654 bis 1656 wurden im protestantischen Petershagen Hexenverfolgungen durchgeführt. In den Hexenprozessen wurden 39 Menschen, 35 Frauen und 4 Männer, wegen angeblicher Zauberei hingerichtet.Namensliste der Opfer der Petershäger Hexenprozesse (PDF; 113 kB)

19. Jahrhundert

1807 fiel das Gebiet der beiden alten Ämter Petershagen und Schlüsselburg an das Königreich Westphalen und wurde dort auf die nach französischem Muster eingerichteten Kantone Petershagen, Hille und Windheim aufgeteilt. Von 1811 bis 1813 war das Gebiet links der Weser vom Kaiserreich Frankreich annektiert und gehörte zum Kanton Petershagen im Arrondissement Minden. Die Stadt Petershagen war während dieser Zeit auch Sitz einer Mairie (Bürgermeisterei). Die rechtsseitigen Gebiete bildeten den im Königreich Westphalen verbliebenen Kanton Windheim.

1816 kam Petershagen zum neuen Kreis Minden in der preußischen Provinz Westfalen und wurde 1843 Hauptort des Amtes Petershagen. 1831 wurde ein LehrerseminarAm Petershäger Lehrerseminar wurde unter anderen Heinrich Strakerjahn, späterer Mitbegründer des Verbands der Hilfsschulen Deutschlands (heute: Verband Sonderpädagogik), ausgebildet. eingerichtet, nachdem bereits seit 1792 in Petershagen Lehrer für Volksschulen ausgebildet worden waren.Gertrud Angermann: Ein Gruppenbild in zwei Versionen. Ein Beitrag zur Geschichte der Lehrerbildung in Petershagen und der Fotografie. In: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins. Jahrgang 48 (1976), S. 94–103. Das Lehrerseminar bestand bis 1925.

20. Jahrhundert