mini|Lage Oberschlesiens Oberschlesien (deutscher schlesischer Dialekt: Aeberschläsing oder Oberschläsing, polnisch: Górny Śląsk, polnischer oberschlesischer Dialekt: Gōrny Ślōnsk, tschechisch: Horní Slezsko) ist der südöstliche Teil der historischen Region Schlesien, der seit 1945 größtenteils zu Polen (in der Woiwodschaft Opole und der Woiwodschaft Schlesien) gehört. Der Süd- und Südwestteil des bis 1918 bei Österreich verbliebenen Österreichisch-Schlesien gehört hingegen zu Tschechien (in der Mährisch-Schlesischen Region).
Als historische Hauptstadt Oberschlesiens gilt die Stadt Oppeln. Im östlichen Teil Oberschlesiens erstreckt sich das weiträumige oberschlesische Industriegebiet mit dem Zentrum Kattowitz, zugleich die bevölkerungsreichste Stadt Oberschlesiens. mini|Karte von Oberschlesien mini|hochkant|Generische Darstellung des Wappens von Oberschlesien mini|hochkant|Flagge Oberschlesiens mini|Oppeln mit Oder mini|Oberschlesien 1905
Während der Zeit der Teilung Oberschlesiens (1922–1939), gehörte der größere westliche Teil zum Deutschen Reich und der kleinere östliche Teil zur Republik Polen. Zur besseren Unterscheidung werden die beiden Landesteile in dieser Phase auch als Westoberschlesien oder Deutsch Oberschlesien beziehungsweise als Ostoberschlesien oder Polnisch Oberschlesien bezeichnet.
Politikhistorischer Überblick Im frühen Mittelalter gehörte Oberschlesien, dessen ursprüngliche Bevölkerung westslawischer Abstammung war, zum Einflussgebiet des Mährerreiches. Nach dessen Untergang 907 n. Chr. beanspruchten abwechselnd polnische und böhmische Herrscher die Region für sich. Mit der Grenzziehung entlang des Sudetengebirges wurde Oberschlesien im Zuge des Vertrages von Glatz 1137 endgültig Teil des Königreichs Polen. mini|Schlesisch-kleinpolnischer Grenzbereich – die dicke rote Linie: die im 15. Jahrhundert etablierte Grenze Im schlesisch-kleinpolnischen Grenzbereich wurde 1177 oder 1179 Bytom (Beuthen) mit Siewierz sowie Oświęcim (Auschwitz) mit Pszczyna (Pless) vom damaligen Senior Kasimir II. „dem Gerechten“ dem Ratiborer Herzog Mieszko I. „Kreuzbein“ übertragen, der es politisch an Schlesien inkorporierte. Aus dieser Zeit rührte die bis 1821 bestehende Zugehörigkeit des Gebiets der zwei Dekanate von Bytom und Pszczyna zum Bistum Krakau.
Mit dem Vertrag von Trentschin 1335 wurde die Region durch die Abkehr der Schlesischen Piasten vom Königreich Polen in das Königreich Böhmen inkorporiert. Mit dem Vertrag von Namslau 1348 wurde Schlesien Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Im 15. Jahrhundert übernahm Oberschlesien das Herzogtum Siewierz von Krakauer Bischöfen und das Herzogtum Auschwitz von der zweiten polnischen Königsdynastie der Jagiellonen. Schrittweise wurde das Herzogtum Troppau nicht mehr als Teil Mährens betrachtet, sondern als Teil Oberschlesiens, als im späten 15. Jahrhundert erstmals die Bezeichnung Silesia Superior bzw. Oberschlesien auftauchte, gleichzeitig mit der Gründung einiger überregionaler Institutionen vom ungarischen König Matthias Corvinus, der den östlichen Teil Schlesiens eroberte und seine Konsolidierung anstrebte.R. Fukala: Slezsko. Neznáma země Koruny česke. Knížecí a stavovské Slezsko do roku 1740. České Budějovice 2007, S. 24–25.
Nach dem Tod des böhmischen Königs Ludwig II. 1526 gelangte die böhmische Königswürde an den Habsburger Ferdinand I. Die Habsburger waren als Könige von Böhmen bis 1742 Landesherren und zugleich Herzöge von Oberschlesien. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel der Großteil der Region an das Königreich Preußen. 1815 wurde für ganz Schlesien die preußische Provinz Schlesien eingerichtet. Ein kleinerer Teil verblieb als Österreichisch-Schlesien unter der Herrschaft der Habsburger. 1815 bis 1866 gehörte Oberschlesien zum Deutschen Bund und ab 1871 zum Deutschen Reich.
Im Jahr 1919 wurde Oberschlesien in der zum Freistaat Preußen gehörenden Provinz Oberschlesien reorganisiert. Sprachlich war Oberschlesien jahrhundertelang ein Mischgebiet. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges führten laut der amtlichen Volkszählungen im deutschen Teil 45 % und im österreichischen Teil 43 % der Bevölkerung Deutsch als ihre Muttersprache an. Aufgrund des Versailler Vertrags und der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit kam es 1921 zu einer Volksabstimmung über die Gebietszugehörigkeit in Teilen Oberschlesiens, während derer das Gebiet der Kontrolle einer Interalliierten Regierungs- und Plebiszitskommission unterstellt wurde. Auf das gesamte Abstimmungsgebiet gerechnet stimmten 59,6 % der Bevölkerung für den Verbleib beim Deutschen Reich, mit jedoch ganz erheblichen lokalen Abweichungen. Da die Ergebnisse gemeindeweise zu betrachten waren, wurde Oberschlesien geteilt. Die Zeit vor und während des Plebiszits war von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen geprägt, die später als Aufstände in Oberschlesien bezeichnet wurden. Das im Süden Oberschlesiens gelegene Hultschiner Ländchen kam ohne Volksabstimmung zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Der Großteil des oberschlesischen Industriegebietes kam zur Zweiten Polnischen Republik und wurde dort ab 1920 in der Autonomen Woiwodschaft Schlesien reorganisiert, zu der auch der polnische Teil des Teschener Schlesiens zählte. In Deutschland wurde der polnische Teil Oberschlesiens Ostoberschlesien, manchmal auch Polnisch Oberschlesien, genannt.
Der flächen- sowie bevölkerungsmäßig größte Teil Oberschlesiens verblieb jedoch beim Deutschen Reich. Im Rahmen der Westverschiebung Polens nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden im Jahr 1945 die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie der Volksrepublik Polen übertragen und als neue Woiwodschaft Schlesien administrativ organisiert. Im Jahr 1950 wurde die Woiwodschaft Opole ausgegliedert und das verbliebene Gebiet in Woiwodschaft Katowice umbenannt.
Heute stellt Oberschlesien die bevölkerungsreichste Region innerhalb der 1989 etablierten Republik Polen dar. 1990 erkannte die Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung im Zwei-plus-Vier-Vertrag die Oder-Neiße-Grenze und somit die Zugehörigkeit Oberschlesiens zu Polen an.
Geografie Durch unterschiedliche geopolitische Ereignisse und die Erbteilung unter den Piasten, dem früheren polnischen Herrschergeschlecht, war Schlesien wie viele Regionen Europas in verschiedene Herrschaftsgebiete zersplittert. Ohne dass eine offizielle Zweiteilung bestanden hätte, hatte sich für den Nordwesten mit 16 Herzog- und Fürstentümern die Bezeichnung Niederschlesien eingebürgert, für den Südosten mit acht Herzog- und Fürstentümern die Bezeichnung Oberschlesien. Beide umfassten darüber hinaus noch ein paar kleinere Herrschaften.
Bevor im 19. Jahrhundert die Verwaltungsstrukturen gestrafft wurden, hatte Oberschlesien die Herzog- und Fürstentümer Teschen (Księstwo cieszyńskie/Těšínské knížectví), Troppau (Knížectví opavské), Jägerndorf (Krnovské knížectví), Oppeln (Księstwo opolskie), Ratibor (Księstwo raciborskie/Ratibořské knížectví), Bielitz (Księstwo bielskie), Pleß (Księstwo pszczyńskie) und Beuthen (Księstwo bytomskie) umfasst.
Als historische Landschaft grenzt Oberschlesien an die historischen Landschaften Niederschlesiens im Nordwesten, Großpolen im Norden, Kleinpolen im Osten und Mähren im Süden.
Die preußische Provinz Oberschlesien und die 1922 davon abgetrennte Autonome Woiwodschaft Schlesien grenzten an die preußische Provinz Niederschlesien, an die Woiwodschaft Posen (zuvor preußische Provinz Posen), die Woiwodschaft Lodsch, die Woiwodschaft Kielce und die Woiwodschaft Krakau, sowie das tschechoslowakische Land Schlesien, das 1928 mit dem Land Mähren zum Land Mähren-Schlesien vereinigt wurde.
Die heutigen Woiwodschaften Schlesien und Oppeln, die die ehemalige preußische Provinz umfassen, allerdings nach Westen und Osten darüber hinausgehen, grenzen an die Woiwodschaften Niederschlesien, Großpolen, Lodsch, Heiligkreuz und Kleinpolen, sowie an das Mährisch-Schlesische Land und das Olmützer Land.
Bedeutende Flüsse Oberschlesiens sind u. a. die Weichsel, die Oder, die Olsa, die Mała Panew (Malapane), die Glatzer Neiße, die Oppa, die Ruda (Raude) und die Klodnitz.
Die höchste Erhebung der beiden oberschlesischen Woiwodschaften in Polen ist der 1220 m hohe Widderberg (Barania Góra) im Beskidengebirge (Beskidy). Der höchste Berg im tschechischen Teil Schlesiens ist der 1491 m hohe Altvater (Praděd) im Altvatergebirge (Hrubý Jeseník).
Administrative Zugehörigkeit mini|Entwicklung der Grenzen der Woiwodschaft Schlesien bzw. Katowice Administrativ gehört Oberschlesien, das heute keine politische Einheit bildet, im Westen zur Woiwodschaft Oppeln, im Osten zur Woiwodschaft Schlesien, im Süden zum Mährisch-Schlesischen Land und ein kleiner Teil im Südwesten zum Olmützer Land.
Städte Zu den oberschlesischen Orten mit mehr als 100.000 Einwohnern zählen Katowice (Kattowitz), Gliwice (Gleiwitz), Zabrze (Hindenburg O.S.), Bytom (Beuthen), Ruda Śląska (Ruda), Rybnik, Tychy (Tichau), Opole (Oppeln), Chorzów (Königshütte) in Polen und Ostrava (Ostrau) in Tschechien.
Geschichte mini|links|Oberschlesien 1746 mini|Regierungsbezirk Oppeln 1818 mini|Die Alte Regierung in Oppeln (1945 zerstört) diente von 1833 bis 1934 der oberschlesischen Regierung als Sitz. mini|Das in den 1930er Jahren erbaute Regierungsgebäude mit Piastenturm in Oppeln – heute Woiwodschaftsamt
Mittelalter Nach der Völkerwanderungszeit kamen die slawischen Opolanen (nach ihnen ist die Hauptstadt Oppeln benannt) ins Land und vermischten sich vereinzelt mit zurückgebliebenen Germanen und Kelten. Mieszko I. gliederte Schlesien dem polnischen Piastenreich ein. Als Polen in Teilherzogtümer zerfiel, schlossen sich die schlesischen Piasten dem Heiligen Römischen Reich an. Zweige der Dynastie hielten sich hier länger als in Polen. Wenig später kam Schlesien unter böhmische Oberhoheit. Eng mit Böhmen verbunden blieb es bis zu den Schlesischen Kriegen Friedrichs des Großen.
Nach dem Mongolensturm (Schlacht bei Liegnitz (1241)), besonders ungefähr ab dem Jahr 1260 unter dem Herzog Wladislaus I. kamen deutsche Siedler auch nach Oberschlesien, allerdings wegen der größeren Entfernung in geringerer Zahl als in die westlichen Teile des Landes. An der Kolonisation nach deutschem Siedlungsrecht waren dagegen hier bereits in größerer Anzahl einheimische, slawischsprachige freie Bauern beteiligt. Nach den Quellen aus dem frühen 14. Jahrhundert, wie dem Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis gab es die größten Häufungen von deutschen mittelalterlichen Ortsnamen im Herzogtum Teschen mit der Auschwitzer Kastellanei (siehe Bielitz-Bialaer Sprachinsel), während viele Gegenden keine deutschsprachigen Spuren in den Ortsnamen überliefern. Als dann in den Jahren 1347/48 die Große Pest im Reich ausbrach, nahm der Strom der Zuwanderer aus dem Reich stark ab und die Ostsiedlung kam praktisch zum Erliegen. Dadurch stockte im Gegensatz zu Niederschlesien der sprachliche Assimilierungsprozess. Da Schlesien eng mit Böhmen verbunden war, war zeitweise Tschechisch die wichtigste Urkundensprache.
Die Bezeichnung Oberschlesien (lateinisch Silesia Superior) wurde im späten 15. Jahrhundert, in der Zeit der Eroberung des Gebiets vom ungarischen König Matthias Corvinus und seiner Konsolidierungsanstrengung, erstmals urkundlich erwähnt.
Unter habsburgischer und preußischer Herrschaft