Rotterdam (verkürzt auch R’dam) ist mit Einwohnern (Stand: ) nach Amsterdam die zweitgrößte Stadt der Niederlande. Die Region Rotterdam umfasst etwa 1,75 Millionen Einwohner. Rotterdam ist aufgrund des größten Seehafens Europashandelsblatt.com ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt für den Güterverkehr. Neben Amsterdam und Den Haag ist Rotterdam zudem eines der kulturellen Zentren der Niederlande. Rotterdam verfügt über eine Universität, mehrere Fachhochschulen, eine Musikhochschule und eine Kunstakademie. Sie ist die führende Industrie- und Handelsstadt der Niederlande. Auffällig ist die Rotterdamer Skyline, die sich seit Mitte der 1980er Jahre entwickelt hat.

Geographie mini|Klimadiagramm von Rotterdam mini|Satellitenaufnahme von Rotterdam und Umgebung Rotterdam liegt in den westlichen Niederlanden in der Provinz Südholland an der Mündung des Rheins in die Nordsee (Rhein-Maas-Delta) und gehört zum Ballungsraum Randstad. Zur engeren Stadtregion Rotterdams zählen große Nachbarstädte wie Schiedam, Vlaardingen und Dordrecht.

Rotterdam liegt größtenteils unter dem Meeresspiegel und ist durch Deiche geschützt. Der Prins Alexander Polder liegt etwa sechs Meter unter dem Amsterdamer Pegel. Der tiefste bewohnte Punkt der Niederlande mit liegt im Rotterdamer Stadtgebiet, der tiefste Punkt der Niederlande (einschließlich der unbewohnten Flächen) mit liegt knapp östlich der Stadtgrenze im Ort Nieuwerkerk aan den IJssel. Der höchste Punkt der Stadt liegt etwa sechs Meter über den angrenzenden Poldern, aber auch nur zwei Meter über dem Meeresspiegel.Robert E. Dickson: The West European City. A Geographical Interpretation. Routledge 2003, ISBN 0-415-17830-4, S. 171. Rotterdam muss beständig durch Pumpen entwässert werden, da der natürliche Grundwasserspiegel sonst oberhalb des Straßenniveaus liegen würde.

Der Fluss Nieuwe Maas, ein Hauptarm des Rheindeltas, teilt die Stadt in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Anders als der Flussname vermuten lässt, ist die Nieuwe Maas ein Rhein-Arm, in ihr fließt seit der letzten Südverlagerung von Rhein und Maas kaum Maaswasser. Das eigentliche Stadtzentrum liegt am nördlichen Ufer des Flusses; der südliche Stadtteil wird vom Hafen und ehemaligen Siedlungen der Hafenarbeiter geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten begann das Zentrum, sich auf die Stadtteile am südlichen Ufer auszudehnen, besonders auf den Teil De Kop van Zuid („Kopf des Südens“ – also der nördlichste Teil des Südufers).

Die Nieuwe Maas wird von mehreren Brücken und Tunnel gequert. Diese sind von West nach Ost (flussaufwärts): Maasdeltatunnel (2024) Beneluxtunnel Maastunnel Erasmusbrug U-Bahn-Tunnel Willemsspoortunnel Willemsbrug Van Brienenoordbrug

Der für die Stadt namensgebende Fluss Rotte fließt nicht mehr in die Nieuwe Maas. Seit dem Bau der zweiten U-Bahn-Linie in den 1980er Jahren wird er durch eine Rohrleitung in den Fluss gepumpt, da sonst Probleme mit der Streckengestaltung entstanden wären.

Zwischen dem eigentlichen Stadtgebiet und der Nordsee liegt entlang der Nieuwe Maas und des Nieuwe Waterwegs das extensive Hafengebiet der Stadt, das bis Hoek van Holland reicht.

Rotterdam hat elf Gemeindebezirke: Charlois (inklusive Heijplaat), Delfshaven, Feijenoord, Hillegersberg-Schiebroek, Hoek van Holland, Hoogvliet, IJsselmonde, Kralingen-Crooswijk, Noord, Overschie und Prins Alexander (mit 85.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Bezirk). Zwei weitere Viertel, Centrum und Pernis, besitzen keinen Status als offizieller Gemeindebezirk.

Geschichte mini|Karte von Rotterdam, 1690 mini|Johan Barthold Jongkind: Rotterdam (1856) mini|Historisches Rotterdam: Ansicht auf die Admiraliteitskade (um 1900) mini|Nach der Zerstörung vom 14. Mai 1940 mini|Lichtinstallation am 15. Mai 2007 zur Erinnerung an die Bombardierung vor 67 Jahren mini|hochkant|Ossip Zadkines Die zerstörte Stadt Zwischen der Gründung im 13. Jahrhundert und dem Ende des 19. Jahrhunderts Rotterdam wurde 1230 gegründet, als ein Damm am Fluss Rotte gebaut wurde. Die ersten Siedler waren wahrscheinlich Heringsfischer, die hier ihren Fang umluden. Nach dem Erhalt der Stadtrechte 1340 entwickelte sich die Stadt wegen ihrer günstigen geografischen Lage schnell zu einer reichen Handelsstadt. Die erste Stadtbefestigung stammt aus dem Jahr 1359. Unter den Grafen von Avesnes und ihren Nachfolgern, den Wittelsbachern der Linie Bayern-Straubing, erlebte Holland eine Periode des Wohlstands, die mit dem Eindringen der burgundischen Macht beendet wurde – 1433 fiel Holland an Philipp den Guten, der es von Brüssel aus regierte. Während des Krieges mit Spanien in den 1570er Jahren war Rotterdam eine der wenigen Hafenstädte mit freiem Zugang zum Meer.

Der Hafen wuchs weiter, bestimmender Zeitpunkt für die Entwicklung zum größten Hafen Europas war allerdings der Bau des Nieuwe Waterwegs 1853. Damit war ein schleusenloser offener Kanal zur Nordsee geschaffen und Rotterdam wurde zum wichtigsten Im- und Exporthafen für die rasch expandierende Industrie im rheinaufwärts gelegenen Ruhrgebiet. Damals prägten fast ausschließlich Händler die Stadtpolitik, im Stadtrat stellte diese Gruppe bis 1880 über 90 % der Mitglieder, wobei die Dynastien Mees, Stolk und Van Oordt einflussreich waren.Willem Frijhoff und Marijke Spies: Dutch Culture in a European Perspective. Uitgeverij van Gorcum 2004, ISBN 90-232-3965-2, S. 114.

Hafen und Wirtschaft sorgen für enormen Aufschwung ab dem 20. Jahrhundert Zuerst dehnte sich die Stadt mit dem Bezirk Feijenoord auf die Südseite der Nieuwe Maas aus, dann folgten Rijnhaven, der große Teile des alten Dorfs Katendrecht beanspruchte (1894), Maashaven (1905), der eine vollkommen neue Dimension für große Hafenbecken in Rotterdam eröffnete, der Waalhaven 1919 für Kohle, Erz und Getreide,Willem Frijhoff und Marijke Spies: Dutch Culture in a European Perspective. Uitgeverij van Gorcum 2004, ISBN 90-232-3965-2, S. 116. 1923 der Merwehafen, 1929 der erste Ölhafen, dem 1936 die Ansiedlung der ersten Raffinerie folgte, sowie 1938 der zweite Ölhafen. In den Jahren zwischen 1869 und 1913 vervierfachte sich die Bevölkerung von 116.000 auf 462.000.

Neben der besseren Anbindung an die Nordsee rückte Rotterdam durch den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands und vor allem des Ruhrgebiets auch in die Mitte der europäischen Industrie. Lag die Stadt während der industriellen Revolution am Rande der Prosperitätszone, begann sie seit der Gründerzeit in der Mitte des Handelswegs Großbritannien-Ruhrgebiet zu liegen, zudem am strategisch wichtigen Übergang vom See- zum Fluss- und Eisenbahnverkehr.

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau Im Zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt von Rotterdam beim deutschen Luftangriff vom 14. Mai 1940 und den darauf folgenden Bränden annähernd vollständig zerstört. Etwa 800 Menschen starben, 80.000 Rotterdamer wurden obdachlos. Im Stadtbereich wurden 260 Hektar dichter Bebauung zerstört; hier befanden sich 25.000 Wohnungen, 70 Schulen, 2400 Geschäfte und 2000 Büros. Einzig die massiver gebauten Gebäude von Rathaus, Post, Börse und St.-Laurentius-Kirche blieben, wenn auch schwer beschädigt, erhalten. Deren Mauern wurden nach der deutschen Besetzung der Stadt dann „auf Befehl des Führers unter Kunstschutz gestellt“. Weitere kleinere Luftangriffe, diesmal der Alliierten, folgten im Oktober 1942 und am 31. März 1943, bevor wiederum die Deutschen 1944 große Teile der Hafenanlagen zerstörten.Ostermann, S. 10 ff. Auch der Hafen litt unter dem Angriff, der 35 % der Kaimauern, 45 % der Umschlagkapazität und 40 % der Lagerräume zerstörte.

Der Angriff der Luftwaffe ist auch heute noch im Gedächtnis der Einwohner von Rotterdam tief verankert. Das alte Rotterdam verschwand weitgehend und wurde modern wiederaufgebaut. So gehörte der Hafen nach dem Wiederaufbau zu den modernsten Europas und expandierte weiter. Kurz darauf folgte mit dem Botlek-Projekt der nächste Ölhafen, dessen Industriegebiete aber schon neun Monate nach Fertigstellung komplett ausgefüllt waren. Erst das Mammutprojekt des Europoorts, ein 15 Kilometer langer Hafen, dem zwei Dörfer und ein Naturschutzgebiet weichen mussten, stellte die gewünschten Flächen für die chemische Industrie her, die sich in Rotterdam ansiedelte.

Im Jahr 1962 löste die Stadt mit einem Jahresumschlag von 92 Millionen Tonnen New York als größten Hafen der Welt ab. 1967 landete das erste transatlantische Containerschiff im Hafen, die Stadt und ihr Hafen expandierten weiter.

Die Erste Maasvlakte wurde von 1970 bis 1985 auf einer Sandbank aufgeschüttet, die Fläche im Hafengebiet vergrößerte sich von 3000 auf 10.000 Hektar. Zwischen 2008 und 2013 wurde eine Zweite „Maasvlakte“ gebaut, wodurch die Anbaufläche auf 12.000 ha erweitert wurde. Der Hafen Rotterdam ist nun der größte Seehafen der Welt und der größte Tiefwasserhafen Europas und hatte im Jahr 2020 einen Seegüterumschlag von 436,8 Millionen TonnenTimo Jann: Corpus Christi und Rotterdam kooperieren · Häfen wollen künftig gemeinsam ihre Aktivitäten stärken. In: Täglicher Hafenbericht vom 2. März 2021, S. 5. Für die zentrumsnahen Hafengebiete wurden neue Konzepte zur Integration ins Stadtbild gesucht wie zum Beispiel das Kop van Zuid.

1973 wurde die Universität Rotterdam (EUR) gegründet, nachdem Rotterdam eine der größten westlichen Städte ohne Universität gewesen war. Der Campus Woudestein beherbergt (unter anderem) die Rotterdam School of Management. Der Campus Hoboken von EUR beherbergt das Dijkzigt (Allgemeine) Krankenhaus, das Erasmus MC Sophia (Krankenhaus für Kinder), die Daniel den Hoed-Klinik (Krebsinstitut) und die medizinische Fakultät der Universität. Sie werden gemeinsam als Erasmus Medizinisches Zentrum bezeichnet.

Bevölkerung Herkunft, Alter, Einkommen Die Bevölkerung Rotterdams ist hinsichtlich Herkunft und kulturellem Hintergrund sehr vielfältig. Rotterdam ist die einzige Stadt der Niederlande, in der sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung nach 2000 verringert hat. Ursache dafür ist vor allem die Zuwanderung aus der Türkei, Marokko und Suriname.Leo van den Berg: European Cities in the Knowledge Economy. Ashgate Publishing 2005, ISBN 0-7546-4521-5, S. 256.

Als erste Stadt in den Niederlanden erhielt Rotterdam am 1. Januar 2009 mit dem niederländischen Staatssekretär für Soziale Angelegenheiten, Ahmed Aboutaleb (PvdA), einen Bürgermeister marokkanischer Abstammung mit zwei Staatsangehörigkeiten.

Offiziell ist nur etwas mehr als die Hälfte der Bewohner ohne Migrationshintergrund (in den Niederlanden wird das als autochthon bezeichnet). Die größten allochthonen Bevölkerungsgruppen sind Einwanderer aus den ehemaligen niederländischen Kolonien (vor allem aus Suriname und den Niederländischen Antillen) sowie Gastarbeiter aus der Türkei, Marokko und Kap Verde (Zahlen vom 1. Dezember 2005: Gesamtbevölkerung: 589.156, Autochthone 318.672, Surinamesen 52.377, Türken 40.820, Marokkaner 34.281, Antillianer/Arubaner 20.390, europäische Mittelmeer-Anrainerstaaten 18.127, Kapverdier 14.919, übrige Allochthone 97.543).

Etwa 6000 Rotterdamer sind Deutsche oder deutscher Abstammung. Viele von ihnen kamen entweder als Gastarbeiter (nach dem Zweiten Weltkrieg und in den 1990er Jahren, als in den Niederlanden viele Arbeitskräfte gesucht wurden) oder als Studenten, um an einer der Rotterdamer Hochschulen zu studieren.

Während das Durchschnittseinkommen der Bewohner des Stadtgebiets niedriger ist als in den restlichen Niederlanden, ist es im Umland der Stadt höher. In der Stadt selbst aber beziehen etwa zehn Prozent der Einwohner Leistungen des Sozialamts (verglichen mit etwa drei Prozent in den gesamten Niederlanden) und selbst in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen liegt der Anteil bei acht Prozent.Leo van den Berg: European Cities in the Knowledge Economy. Ashgate Publishing, 2005, ISBN 0-7546-4521-5, S. 271.

Bevölkerungsentwicklung