mini|Video: Drohnenflug über den Nord-Ostsee-Kanal
Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK; internationale Bezeichnung Kiel Canal, in Deutschland bis 1948 auch Kaiser-Wilhelm-Kanal) verbindet die Nordsee (Elbmündung) mit der Ostsee (Kieler Förde). Im Jahre 1887 erfolgte die Grundsteinlegung und 1895 die Eröffnung der kleinen Doppelschleusen in Brunsbüttel und Holtenau. Die großen Doppelschleusen in Brunsbüttel und Holtenau wurden 1914 eröffnet. Der Nord-Ostsee-Kanal ist eine Bundeswasserstraße Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. und die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt.WSV-Seite zum N-O-K
Pro Jahr passieren knapp 30.000 (2023: 26.659, 2022: 26.882, 2021: 27.293, 2020: 25.247, 2019: 28.797, 2018: 30.009) Schiffe den Kanal.Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt: Nord-Ostsee-Kanal 2023: Relativ stabiles Verkehrsgeschehen, leicht rückgängige Ladungsmengen Pressemitteilung vom 12. Februar 2024, abgerufen am 1. Juni 2024.
Er durchquert auf seiner Länge von 98 Kilometern das Land Schleswig-Holstein zwischen Brunsbüttel und Kiel-Holtenau. Damit erspart er die Fahrt um die Kimbrische Halbinsel (Jütland) durch Nordsee, Skagerrak und Kattegat. Mit dem Kanal ist die Wegstrecke je nach Abfahrts- und Zielhafen im Schnitt 250 Seemeilen (rund 460 km) kürzer.
Die erste Verbindung zwischen Nord- und Ostsee für seegängige Schiffe war der 1784 in Betrieb genommene und 1853 in Eiderkanal umbenannte Schleswig-Holsteinische Canal.
Orthographie Gemäß der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung aus dem Jahr 2024 für die Durchkopplung nach § 81 ist die Schreibweise Nord-Ostsee-Kanal korrekt.https://www.rechtschreibrat.com/DOX/RfdR_Amtliches-Regelwerk_2024.pdf Die Alternative Nordostseekanal war 1926 nach Konrad Duden, 1933 nach Meyers Kleinem LexikonMeyers Kleines Lexikon. 9. Auflage, 2. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig 1933, S. 1135. und 1935 auch nach dem Sprach-Brockhaus verbindlich;Konrad Duden: Duden: Rechtschreibung der deutschen Sprache. Neunte, neubearbeitete Auflage. Neunter Neudruck, Bibliographisches Institut, Leipzig 1926, S. 331.Der Sprach-Brockhaus. Deutsches Bildwörterbuch für jedermann, Eberhard Brockhaus Verlag, Wiesbaden 1949, Copyright 1935, S. 447. noch 1964 beziehungsweise 1965 schrieben ein HandlexikonDBG Handlexikon. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Frankfurt am Main / Berlin 1964, S. 636. sowie ein Schüler-Lexikon ebenfalls Nordostseekanal.Schüler-Lexikon. Verlag Hans Witte, Band II (L–Z), 5. Auflage, Freiburg 1965, S. 290. – Im selben Verlag schrieb derselbe Autor im selben Jahr in seinem Schüler-Bildungswerk dagegen richtig Nord-Ostsee-Kanal. Quelle: Hans Witte: Schülerbildungswerk. 3. Auflage, Verlag Hans Witte, Freiburg im Breisgau 1965, S. 618. Sowohl diese Orthographie-Variante als auch der ursprüngliche Name Nord-Ostsee-Canal gelten heute als Falschschreibung.
Beschreibung Der Kanal hat auf seiner kompletten Länge denselben Wasserstand und gehört damit zu den spiegelgleichen Seekanälen. Er wird an beiden Enden durch Schleusen gegen die wechselnden Wasserstände, verursacht durch den Gezeitengang der Nordsee bzw. einen Windstau im Bereich der Ostsee, abgeschlossen. Die Endpunkte befinden sich in Brunsbüttel an der Unterelbe (km 0,38) und in Kiel-Holtenau an der Kieler Förde (km 98,64). Der Wasserweg dazwischen ist 98,26 km lang, die Luftlinie 85,5 km. Die Gewässerkennzahl 5978 ordnet den Kanal offiziell dem Flusssystem der Elbe zu.
Der Kanal passiert verschiedene Landschaftszonen Schleswig-Holsteins.Gert Kaster: Kulturlandschaft Nord-Ostsee-Kanal. In: Denkmal. Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. 10/2003, , S. 30. Zunächst durchquert er die Marsch und durchschneidet dann einen Geestrücken. Auf dieser Strecke orientiert sich der Verlauf des Kanals zwischen Burg (Dithmarschen) und Schafstedt am Verlauf der Holstenau und von Kilometer 41 bis über Rendsburg hinaus dann an der Eiderniederung, in deren Flussbett er nordöstlich von Rendsburg verläuft. Dann erreicht der Kanal das östliche Hügelland. Zwischen Rendsburg, der wichtigsten Hafenstadt im Verlauf des Kanals, und Kiel bildet der Kanal die Grenze zwischen den Landesteilen Schleswig und Holstein.
Bei Kilometer 40,66 zweigt seit 1937 nach Norden der Gieselaukanal als Verbindung zur Untereider ab. Zum Nord-Ostsee-Kanal gehören als Bundeswasserstraßen noch auf seiner Nordwestseite der Borgstedter See mit Enge nordöstlich von Rendsburg sowie auf seiner Südseite der Flemhuder See bei Kilometer 85,32 und der Achterwehrer Schifffahrtskanal bei Kilometer 85,63. Bis 1913 mündete die Obereider durch den Flemhuder See, seitdem fließt das Wasser durch den Achterwehrer Schifffahrtskanal in den Nord-Ostsee-Kanal ein. Etwa 1200 Quadratkilometer des ursprünglichen Einzugsgebiets der Eider entwässern in den Nord-Ostsee-Kanal. Bis 2008 gehörte die seeartig erweiterte Obereider zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Rendsburg zum Kanal.BGBl. I/11 vom 31. März 2008, Seite 449.
Der Kanal entwässert insgesamt ein Gebiet von 1580 Quadratkilometer, wovon 250 Quadratkilometer durch Schöpfwerke künstlich entwässert werden. Dabei fließen zwischen 4 m³/s und 190 m³/s in den Kanal, im Schnitt sind es 20 m³/s. Das Wasser fließt vor allem bei Brunsbüttel in die Elbe, die hier dem Tideeinfluss der Nordsee unterliegt.
Im Unterschied zu flacheren Binnenkanälen sind im Nord-Ostsee-Kanal nur die Uferbereiche zwischen einem Meter über und bis zu zwei Metern unter dem Wasserspiegel zum Schutz befestigt. Hier liegen 15 bis 50 Kilogramm schwere Steine auf einer 30 bis 50 Zentimeter dicken Kiesschicht. Bei weichen Untergründen wie Torf oder Klei liegen diese auf einer Buschmatte, um das Gewicht optimal zu verteilen. Um den Kanal schiffbar zu halten, werden jährlich 6½ Millionen m³ Nassschlick in Brunsbüttel ausgebaggert, im restlichen Kanal noch einmal 100.000 m³ Erosionsmaterial. Der Einsatz der Baggerschiffe birgt dabei zum einen ein Kollisionsrisiko für den Schiffsverkehr, zum anderen scheint insbesondere der Einsatz von Grundsaugbaggern die Ökologie des Kanals zu stören.
Acht Straßen und vier Eisenbahnstrecken überqueren den Nord-Ostsee-Kanal auf insgesamt zehn Brücken, dreizehn Fahrzeug- und eine Personenfähre ermöglichen den Transport auf die andere Seite, und bei Rendsburg existieren seit 1961 ein Straßen- und ein Fußgängertunnel. Bekannt ist die in Rendsburg befindliche Eisenbahnhochbrücke mit der darunter hängenden Schwebefähre. Alle Brücken haben die gleiche Durchfahrtshöhe von 42 Metern für die Schifffahrt, weil der Kanal beim Bau für die Linienschiffe der Deutschland-Klasse der Kaiserlichen Marine ausgelegt wurde.
Abmessungen des Kanals Länge 98,26 km Breite im Wasserspiegel 162 m (auf Oststrecke noch 102,5 m) Breite in der Sohle 90 m (auf Oststrecke noch 44 m) Wassertiefe 11 m Höhe der Brücken über Wasserlinie 42 m
Maximal erlaubte Schiffsabmessungen siehe Abschnitt Verkehrsvorschriften.
Auf beiden Ufern wird der Kanal von Masten gesäumt, die fortlaufend im Abstand von 250 m aufgestellt und mit der Kanalkilometrierung (beginnend in Brunsbüttel) beschildert sind. An der Spitze der Masten sind Leuchten angebracht, sodass ihre Position auch im Dunkeln erkennbar ist.
Schleusen Die Schleusen an beiden Enden des Kanals, sowohl in Brunsbüttel (Kanalkilometer 1,5) als auch in Kiel-Holtenau (km 98,0), haben jeweils zwei kleine Schleusenkammern (Alte oder Kleine Schleuse) und zwei große Schleusenkammern (Neue oder Große Schleuse). Aufgrund des mittlerweile hohen Alters der Schleusen wurde in Brunsbüttel eine fünfte Schleusenkammer geplant. Der Bau der fünften Schleusenkammer wurde 2014 auf der Schleuseninsel zwischen den Kleinen und den Großen Schleusen begonnen.Frank Binder, Wolfhart Fabarius: NOK: Fünfte Schleuse verzögert sich · Differenzen zwischen Schifffahrtsverwaltung und Baukonzern · Noch kein Starttermin für den Aushub. In: Täglicher Hafenbericht vom 4. September 2015, S. 1. Der Bauvertrag sah eine siebenjährige Bauzeit vor. Am 11. April 2014 wurden für 485 Mio. Euro die Bauaufträge erteilt.Bericht über die Freigabe der Mittel für den Bau der fünften Schleusenkammer.265 Millionen Euro für den NOK-Ausbau. In: Täglicher Hafenbericht vom 10. Juni 2014, S. 1. Im Herbst 2018 ging aus einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor, dass nun mit einer Freigabe der fünften Schleusenkammer erst frühestens im Jahr 2024 zu rechnen sei und dass die Gesamtkosten dafür inzwischen 800 Millionen Euro betragen würden.Wolfhart Fabarius: Viel später, viel teurer. In: Täglicher Hafenbericht vom 12. Oktober 2018, S. 1–2. Im Dezember 2025 wurden die Gesamtinvestitionen mit 1.2 Milliarden Euro angegeben, und die Freigabe für den Schiffsverkehr mit Ende 2026 geplant.Pressemitteilung des WSV vom 18.12.2025.
Nach wiederholt vorkommenden kurzfristigen Sperrungen von einzelnen Schleusenkammern wegen immer wieder erforderlicher Reparaturarbeiten an den Schleusenanlagen mussten in Brunsbüttel am 6. März 2013 beide Kammern der Großen Schleuse für acht Tage gesperrt werden, um ein defektes Schleusentor gegen ein repariertes zu tauschen. Auch bei der Kleinen Schleuse war nur eine Kammer betriebsbereit. Während dieser Arbeiten war der Kanal für Schiffe über 125 Meter Länge nicht befahrbar.Katastrophe für den Schiffsverkehr. In: Täglicher Hafenbericht vom 8. März 2013, S. 1–3.Defekte Schleusen legen NOK für Großschiffe lahm. In: Hansa, Heft 4/2013, S. 62, Schiffahrts-Verlag Hansa, Hamburg 2013, . Diese Schiffe mussten während der Sperrung den Umweg durch das Skagerrak nehmen. Laut Branchenangaben habe dies Mehrkosten von 70.000 Euro pro Schiff verursacht. Bis zum 14. März 2013 kam die Notreparatur der südlichen Kammer der Großen Schleuse so weit voran, dass sie wieder genutzt werden und die Längenbeschränkung aufgehoben werden konnte. Am 14. März 2013 waren zwei von vier Schleusenkammern gesperrt, die Reparaturarbeiten dauerten an.NOK Newsletter Nr. 222 vom 14. März 2013, Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel.
Im Jahr 2013 wurden die Bundesmittel für den Kanal von 60 auf elf Millionen Euro gekürzt.Charlotte Frank: Schotten dicht am Nord-Ostsee-Kanal. Meldung auf sueddeutsche.de vom 7. März 2013, abgerufen am 12. März 2013.
Die folgende Tabelle zeigt einige technische Daten der Schleusenkammern in Brunsbüttel und Kiel-Holtenau.
Kleine DoppelschleuseBrunsbüttel und Holtenau Große DoppelschleuseBrunsbüttel und Holtenau Neue Schleuse Brunsbüttel(fünfte Kammer, im Bau) Inbetriebnahme 1895 1914 2026https://www.kn-online.de/schleswig-holstein/neue-schleusenkammer-am-nok-in-brunsbuettel-soll-2026-fertig-sein-WKR6T2BXLRGHDMHFNAIZTTXCVU.htmlhttps://www.thb.info/rubriken/maritime-wirtschaft/detail/news/nok-5-kammer-in-brunsbuettel-2026-fertig.htmlhttps://www.thb.info/fileadmin/news_import/36749253_003_36805641_pi_36812530.JPGhttps://www.thb.info/fileadmin/news_import/36749253_003_36805641_pi_36814469.jpghttps://web.archive.org/web/20240802150934/https://www.wna-nord-ostsee-kanal.wsv.de/Webs/WNA/WNA-NOK/DE/1_Projekte/3_Investitionsprogramm_Brunsbuettel/1_Bau_5te_Kammer_Brb/Dokumentation_Medien/Dokumentation_Medien_node.html Nutzlänge 125 m 310 m 330 m Nutzbreite 22 m 42 m 42 m Drempeltiefe in Brunsbüttel NHN −10,2 min Kiel-Holtenau NHN −9,8 m NHN −14,0 m NHN −14,0 m Tore Stemmtoreje Kammer 2 Ebb- und 2 Fluttore je Kammer 3 Schiebetore; das Mitteltor (zugleich Reservetor)ermöglicht in einer verkürzten Kammer eine schnellere Schleusung Schiebetore Füllung durch 2 Seitenkanälemit je 12 Stichkanälen in Brunsbüttel durch Torumläufein Holtenau durch zwei Seitenkanäle mit je 29 Stichkanälen durch Füllschütze in den Toren Schleusungszeit etwa 30 Minuten etwa 45 Minuten noch unbekannt
Geschichte
Vorgeschichte (bis 1886)
mini|Video: Die Nord-Ostsee-Verbindung der Wikinger mini|Historische Karte des Nord-Ostsee-Kanals