rechts|330px|Baskische Region in Spanien und Frankreich mini|330px|Dialekte des Baskischen:Koldo Zuazo: Karte der Dialekte des Baskischen. 2008

Die baskische Sprache – Eigenbezeichnung (dialektal auch euskera, eskuara, üskara) – wird im Baskenland (Euskal Herria), der spanisch-französischen Grenzregion an der Atlantikküste (Biskaya), von über 800.000 Menschen gesprochen, davon über 750.000 in Spanien.

Das Baskische ist nach dem überwiegenden Urteil der einschlägigen Forschung mit keiner anderen bekannten Sprache genetisch verwandt. Es wäre also eine isolierte Sprache, während alle anderen heutigen Sprachen Europas zu einer größeren Sprachfamilie gehören: entweder zu den indogermanischen, den uralischen, den Turksprachen oder – im Falle des Maltesischen – den semitischen Sprachen.

Die Baskische Sprachpolitik Spaniens gewährt dem Baskenland sprachliche Autonomie. Spanisch ist Nationalsprache, aber der baskischen Minderheit wird gesetzlich die Möglichkeit zu einer eigenständigen Sprachenpolitik gegeben.

Die baskische Grammatik kennzeichnet sich im Gegensatz zu den indogermanischen Sprachen durch Agglutinierung und den Ergativ.

Die Bezeichnung „Basken“ stammt vom Lateinischen vascones, einem Namen, der etymologisch mit der Wurzel eusk- in Zusammenhang steht und ursprünglich auch für keltiberische Gruppen benutzt wurde. Die Eigenbezeichnung der Basken ist euskaldunak, abgeleitet vom Sprachnamen Euskara und bedeutet wörtlich „die Baskisch habenden Menschen“ im Sinne „die Baskisch sprechenden Menschen“. Die eine andere Sprache sprechenden Menschen heißen auf Baskisch erdaldunak (erdara bedeutet „vom Baskischen verschiedene Sprache“).

Bezeichnungen Es wird davon ausgegangen, dass die heutige Eigenbezeichnung der baskischen Sprache – euskara [eus̺ˈkaɾa] – sich von den altbaskischen Wurzeln *enau(t)si (heutzutage esan, erran „sagen“) und -(k)ara (heutzutage era, „Weise“) ableitet.Alfonso Irigoien (1977). «Geure hizkuntzari euskaldunok deritzagun izenaz», Euskera, XII, 513—538 orrialdeak.Alfonso Irigoien (1990). «Etimología del nombre vasco del vascuence y las vocales nasales vascas descritas por Garibay», Fontes Linguae Vasconum, 56.

Die heutzutage in allen baskischen Gebieten verwendete Eigenbezeichnung ist euskara, aber in den baskischen Dialekten kommen auch folgende Eigenbezeichnungen vor: euskera (diese Bezeichnung ist am meisten im Spanischen verbreitet), euzkera, euskala, eskuara, eskuera, eskara, eskera, eskoara, euskiera, auskera, uskara, üskara, oskara, uskera, uskaa, uska.

Die Dialekte des Baskischen werden euskalkiak genannt.

Das spanische Wort vasco „Baske“ war anfänglich die Bezeichnung der Vaskonen – eines Volkes, das im heutigen Baskenland vor der Ankunft der Römer lebte. Die Bezeichnung „Baske“ leitet sich von dem altgriechischen Wort οὐασκώνους (ouaskōnous) ab.

Einordnung Das Baskische ist die einzige Sprache im westlichen Europa, die nicht zur indogermanischen Sprachfamilie gehört, und die einzige isolierte Sprache des gesamten europäischen Kontinents. Schon dadurch nimmt sie eine auffällige Sonderrolle ein. Baskisch konnte sich im westlichen Pyrenäengebiet Spaniens (in den Autonomen Gemeinschaften Baskenland und Navarra) und Frankreichs (französisches Baskenland) über Jahrtausende gegen verschiedene indogermanische Sprachen behaupten, darunter das Keltische, das Lateinische und die heutigen romanischen Sprachen. Es wird angenommen, dass das Baskische der letzte überlebende Vertreter einer alteuropäischen Sprachschicht ist, die vor dem Vordringen des Indogermanischen in weiten Teilen Westeuropas verbreitet war. Allerdings kann das Altbaskische oder Vaskonische – der antike Vorgänger der modernen Sprache – entgegen einer populären Auffassung kaum als eine Art alteuropäische Gemeinsprache angesehen werden, die vor der Indogermanisierung über ganz Süd-, West- und Mitteleuropa verbreitet gewesen sein soll. Sicherlich gab es in diesen umfangreichen Gebieten vorindogermanische Sprachen, von denen die eine oder andere mit dem Vorläufer des heutigen Baskischen verwandt gewesen sein mag. Trotzdem wird schon die Verwandtschaft zu den auf der iberischen Halbinsel vormals verbreiteten vorindogermanischen Sprachen Iberisch und Südlusitanisch von den meisten Forschern angezweifelt.

Als eine frühe Form des Baskischen kann in Südfrankreich das aus der Antike belegte Aquitanische gelten, das nur durch etwa 500 Personen- und Götternamen in auf Lateinisch geschriebenen Grab- und Weihinschriften überliefert ist. Sowohl das Namengut als auch die wenigen identifizierbaren morphologischen Partikeln weisen eine Verwandtschaft mit dem heutigen Baskischen auf (z. B. aquitanisch nesca „Wassernymphe“, baskisch neska „Mädchen“; aquitanisch cison „Mann“, baskisch gizon „Mensch, Mann“; -en(n) aquitanische und baskische Genitivendung).

Ethnolinguistische Daten zum Baskischen Sprecherzahlen, Sprachstatus mini|300px|Die Ausbreitung der Sprachen Südwesteuropas Das Baskische wird (Stand 2021) von etwa 809.000 Menschen vor allem in Nordspanien und Südwestfrankreich gesprochen, davon über 750.000 in Spanien. Der Anteil der Baskischsprechenden variiert dabei von ca. 30 % (in der Autonomen Region Baskenland) bis 14 % (In Navarra). Weitere ca. 430.000 Personen gelten als vascohablantes pasivos. Zuverlässige Sprecherzahlen für das Baskische außerhalb des Baskenlandes liegen nicht vor, aber rund 90.000 dürften die Sprache in anderen Teilen Europas und Amerikas sprechen oder wenigstens verstehen, so dass die Gesamtzahl der Sprecher auf fast 900.000 geschätzt werden kann (Encyclopædia Britannica 1998 liefert höhere Zahlen, Ethnologue 2006 – basierend auf Zählungen von 1991 – geht von insgesamt 650.000 Sprechern aus; der Zensus von 1994 ergab etwa 618.000 Muttersprachler; EUROSTAT, das statistische Jahrbuch der EU, gibt 1999 rund 690.000 Sprecher für Spanien an, für Frankreich rechnet das Instituto Cultural Vasco 1997 mit 56.000 Baskischsprechern über 15 Jahren).

Erwachsene Sprecher des Baskischen sind zwei- oder mehrsprachig und beherrschen die Nationalsprache ihres jeweiligen Landes. Im spanischen Baskenland (im engeren Sinne: Provinzen Guipúzcoa, Vizcaya und Álava) besitzt das Baskische seit 1978 den Status einer regionalen Amtssprache (dazu ausführlich der Artikel Baskische Sprachpolitik), in Navarra ist es seit 1986 kooffizielle Amtssprache in den überwiegend baskischsprachigen Gemeinden. In Frankreich hat auf dem gesamten Staatsgebiet alleine die französische Sprache den Status einer offiziellen (Amts-)Sprache. Baskisch gilt wie alle anderen traditionell in den verschiedenen Landesteilen gesprochenen Sprachen als regionale Sprache Frankreichs und besitzt als solche (nicht spezifisch genannt) seit der Verfassungsänderung vom 23. Juli 2008 Verfassungsrang als (schützenswertes) Kulturgut (patrimoine de la France). Hieraus leitet sich (bisher) keinerlei konkreter Rechtsanspruch ab. Die französische Sprachpolitik sieht nicht einmal eine offizielle Zählung der Sprecher vor. Baskische Verbände gehen teilweise von höheren Sprecherzahlen aus – bis zu zwei Millionen –, dabei werden aber kompetente aktive Sprecher und passive Sprecher (Personen, die das Baskische bis zu einem gewissen Grade zwar verstehen, aber es nicht kompetent sprechen können) nicht unterschieden. In Spanien tragen heute etwa 4,5 Mio. Menschen einen baskischen Nachnamen.

Geografische Verteilung Das Sprachgebiet liegt an der Küste im Südosten des Golfs von Biskaya von Bilbao in Spanien bis Bayonne in Frankreich. Es hat eine Ost-West-Ausdehnung von über 150 km, eine Nord-Süd-Ausdehnung von weniger als 100 km und umfasst eine Fläche von etwa 10.000 km². In Spanien sind das die Provinzen Guipúzcoa, Teile von Vizcaya und Navarra, und der Nordteil von Álava. Die Baskischsprecher konzentrieren sich vor allem in den hochindustrialisierten Regionen dieses Gebiets. Die höchsten Bevölkerungsanteile haben sie allerdings in ländlichen Gebirgstälern. Zahlreiche Sprecher des Baskischen leben auch in den Großstädten außerhalb des geschlossenen baskischen Sprachraums, insbesondere den Provinzhauptstädten Vitoria-Gasteiz und Pamplona/Iruña sowie in Madrid.

In Frankreich wird Baskisch vor allem im französischen Teil des Baskenlandes, dem westlichen Teil des Departments Pyrénées-Atlantiques mit den historischen baskischen Provinzen Labourd, Basse-Navarre und Soule gesprochen. An der Küste im Bereich der bevölkerungsreichen urbanen Zentren (Bayonne/Baiona, das seit dem 19. Jahrhundert mehrheitlich französischsprachig ist und Biarritz) ist der Anteil der Baskischsprecher auch hier niedriger als im ländlichen Inneren. Außerhalb des Baskenlandes gibt es größere Sprecherzahlen in den USA, den lateinamerikanischen Ländern, Australien, den Philippinen und in anderen Teilen Europas.

Dialekte, Euskara Batua mini|200px|Dialekte des Baskischen im spanischen und französischen Baskenland Die Sprachwissenschaft unterscheidet meist sieben Hauptdialekte des Baskischen (auf Baskisch euskalkiak genannt): in Spanien: die Dialekte von Bizkaia (Biskayisch, auch Vizcainisch), Gipuzkoa (Gipuzkoanisch), Araba (Álava) (heute †) und Nafarroa (Obernavarrisch) in Frankreich: die Dialekte von Lapurdi (Laburdinisch auch Labourdisch), Nafarroa Beherea (Niedernavarrisch) und Zuberoa (Suletinisch, auch Soulisch)

Diese Mundarten lassen sich aber noch einmal in mindestens 25 Subdialekte untergliedern. Die Dialekte werden nach den (ehemaligen) Provinzen eingeteilt. Die Dialektunterschiede sind nicht sehr groß, Nachbardialekte sind gegenseitig gut verständlich, am stärksten weicht der östlichste französische Dialekt, der Dialekt von Zuberoa (Suletinisch), ab.

Drei Hauptgruppen unterscheidet man:

Biskayisch, Gipuzcoanisch, Labourdisch und Obernavarresisch, Niedernavarresisch und Soulisch.

Eine Aufteilung der baskischen Dialekte in drei separate Sprachen – spanisches Baskisch, Navarro-Labourdin und Souletin, wie sie Ethnologue vornimmt – entspricht trotz der starken Abweichung des suletinischen Dialekts nicht der wissenschaftlichen Literatur.

Aus dem zentralen Dialekt von Gipuzkoa und auf der Basis früherer Standardisierungsprojekte hat die Baskische Akademie unter der Leitung von Koldo Mitxelena (Luís Michelena) seit 1968 einen Sprach- und Schriftstandard Euskara Batua („Geeintes Baskisch“) geschaffen. Seit 1980 sind mehr als 80 % aller baskischen Publikationen – immerhin rund 5000 Titel – in dieser standardisierten Sprache erschienen, die sich langsam auch als gesprochene Hochsprache durchzusetzen beginnt. (Dazu weitere Details im Artikel Baskische Sprachpolitik.)

Geschichte der baskischen Sprache Die Entwicklung des Baskischen mini|hochkant=1.7|Stämme und Sprachen etwa 300 Jahre v. Chr.; baskische Gruppe grün, iberisches Gebiet orange, keltisches Gebiet weiß Zu Beginn unserer Zeitrechnung wurde das Baskische nachweislich nördlich und südlich der Pyrenäen und in weiten Teilen Nordspaniens gesprochen. Nach der römischen Herrschaft dehnte sich das Sprachgebiet weiter nach Südwesten bis in die Provinz Rioja Alta aus, ein Gebiet innerhalb der heutigen Provinz La Rioja. Die östlichsten baskischen Dialekte (Aquitanisch) wurden früh von den romanischen Sprachen verdrängt. Im Mittelalter konnte sich das ländliche schriftlose Baskische nur schwer gegen die aufstrebenden romanischen Schrift- und Kultursprachen (z. B. Aragonesisch und Okzitanisch) behaupten. Im Süden verlor das Baskische seit dem 10. Jahrhundert kontinuierlich gegen das weiter vordringende Kastilische bzw. Spanische an Boden.

Schriftliche Überlieferung mini|Transkription der Worte auf der Hand von Irulegi in lateinische Buchstaben