Charlottenburg ist seit 2001 ein Ortsteil des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin.
Im Jahr 1705 als Stadt gegründet, wurde Charlottenburg 1893 zur Großstadt, die zeitweise die Gemeinde mit dem höchsten Steueraufkommen pro Kopf im Deutschen Reich gewesen war.Stephan Brandt: Die Charlottenburger Altstadt. Sutton, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-861-4, S. 8. Bei der Eingemeindung 1920 nach Groß-Berlin wurde daraus der Bezirk Charlottenburg. Nach der Fusion mit dem damaligen Bezirk Wilmersdorf zum neuen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bei der Verwaltungsreform 2001 wurde der Bezirk Charlottenburg zum Ortsteil herabgestuft. Eine Neuordnung der Ortsteile des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf erfolgte 2004, wodurch das Gebiet des ehemaligen Bezirks Charlottenburg in die heutigen Ortsteile Westend, Charlottenburg-Nord und Charlottenburg aufgeteilt wurde.
Charlottenburg besteht heute größtenteils aus Gründerzeitvierteln.
Geographie mini|Charlottenburger Tor an der Grenze zum Ortsteil Tiergarten
Der Ortsteil Charlottenburg liegt im Berliner Urstromtal, während Teile des westlich angrenzenden Ortsteils Westend (bis September 2004 zu Charlottenburg) auf der Hochfläche von Teltow (Landschaft) gelegen sind.
Grenzen Charlottenburg wird begrenzt westlich durch die Ringbahn (hier grenzt Westend an), nördlich durch die Spree bis zum Bahnhof Jungfernheide, von dort in östlicher Richtung durch den S-Bahn-Ring (hier grenzt Charlottenburg-Nord an), östlich zunächst weitgehend durch den Charlottenburger Verbindungskanal und anschließend durch die Spree bis Siegmunds Hof (hier grenzen Moabit und das Hansaviertel an), dann zickzackförmig am Zoologischen Garten entlang bis zum Olof-Palme-Platz (hier grenzt Tiergarten an), südöstlich durch die Nürnberger Straße (hier grenzt Schöneberg an), südlich durch den Verlauf Eislebener Straße – Rankestraße – Lietzenburger Straße – Olivaer Platz – Kurfürstendamm bis Lehniner Platz (hier grenzt Wilmersdorf an), dann Damaschkestraße – Holtzendorffstraße – S-Bahn-Trasse der Wetzlarer Bahn bis zum Bahnhof Westkreuz (hier grenzt Halensee an).
Ortslagen und Stadtquartiere mini|Ortsteil Charlottenburg mit ausgewählten Ortslagen
Unterhalb der amtlichen Gliederung, nach der der ehemalige Bezirk Charlottenburg laut Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom 30. September 2004 in die drei Ortsteile Charlottenburg, Westend und Charlottenburg-Nord aufgeteilt wurde, gibt es regionale Unterstrukturen bekannter Ortslagen und Stadtkieze innerhalb des Ortsteils Charlottenburg:
Altstadt Charlottenburg Die Altstadt Charlottenburg entstand als Siedlung ab 1695 in der Nähe des Dorfes Lietzow, in Folge des Schlossbaus, des damaligen Schlosses Lietzenburg, das als Sommerresidenz für die erste preußische Königin Sophie Charlotte von Hannover errichtet worden war. Nach deren Tod wurden Schloss und Ortslage nach ihr von Lietzenburg in Charlottenburg umbenannt. Die heutige Altstadt von Charlottenburg umfasst das Gebiet zwischen der Spree im Norden, der Nehringstraße im Westen und der Achse Zillestraße/Loschmidtstraße im Süden und Osten, was den Grenzen der damals eigenständigen Stadt Charlottenburg von 1720 bis 1855 entspricht, bis der Ort über seine Grenzen hinauswuchs. Die Altstadt Charlottenburg blieb im Zweiten Weltkrieg weitestgehend von Zerstörungen verschont und konnte so ihren kleinstädtischen Charakter bis heute erhalten.
Alt-Lietzow Die eigentliche Keimzelle des alten Charlottenburg war das Dorf Lietzow, nördlich des heutigen Rathauses. Besiedelt war die Gegend vermutlich seit der Jungsteinzeit, erstmals erwähnt wurde es 1239. Von der ursprünglichen Bebauung des Ortes ist infolge des Zweiten Weltkriegs kaum noch etwas erhalten. An das historische Dorf erinnert die Straße Alt-Lietzow an der Stelle des ehemaligen Ortskerns. Die Form des ehemaligen Angerdorfes ist bis heute im Straßenverlauf zu erkennen.
Klausenerplatz (Danckelmannkiez) mini|Wochenmarkt auf dem Klausenerplatz
Das Wohnquartier um den Klausenerplatz, mitunter auch Danckelmannkiez genannt, schließt sich westlich an die Altstadt von Charlottenburg an. Es entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als Kasernenviertel. Ursprünglich galt die Umgebung des Klausenerplatzes als Quartier der „einfachen Leute“ oder als typischer „Zillekiez“, was ihr auch den Spitznamen „Kleiner Wedding“ einbrachte. Tatsächlich lebte und arbeitete der Berliner Milljöhmaler Heinrich Zille viele Jahre in der Sophie-Charlotten-Straße 88. Ähnlich wie die Altstadt Charlottenburg blieb die Gegend im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört. Eine Mieterinitiative verhinderte 1973 eine Sanierung des Gebietes, die im Wesentlichen vorsah, die für diese Berliner Gegenden typischen Hinterhöfe aufzubrechen. Heute ist der Kiez eine eher ruhige Wohnlage zwischen dem Industriegebiet Charlottenburg-Nord und der City West.
Kalowswerder Eine weitere Wohnlage im Ortsteil ist Kalowswerder, im Norden Charlottenburgs, angrenzend an das industriell geprägte Charlottenburg-Nord. Die Bezeichnung Kalowswerder wird heute im allgemeinen Sprachgebrauch nur noch selten verwendet. Gebräuchlicher ist der Bezug auf den zentral gelegenen Mierendorffplatz, sodass meist vom Mierendorffkiez, gelegentlich auch von der Mierendorff-Insel die Rede ist.
Witzleben mini|Lietzensee in Witzleben
Die Gemeinde Witzleben entstand 1820 als Landsitz, benannt nach Job von Witzleben, der sich hier einen Park mit Landhaus an einem See errichten ließ. Der Park existiert heute noch als Lietzenseepark. Dort entstanden um die Wende zum 20. Jahrhundert vornehme Mietshäuser für die Oberschicht Berlins und Charlottenburgs. Von der einstigen Vorortatmosphäre ist heute nichts mehr zu erkennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Bombenlücken zum Teil mit großen Mietshäusern neubebaut und mehrere große Verkehrsadern, wie die Neue Kantstraße und der Kaiserdamm, durchziehen die Ortslage. Der Name Witzleben ist heute kaum noch geläufig und wird auch von den Berlinern selten verwendet, lediglich am Bahnhof Messe Nord/ICC ist der historische Name auf alten Schildern noch zu lesen.
Geschichte
Frühe Siedlungen Im ausgehenden Mittelalter sind auf Charlottenburger Grund drei Siedlungen nachgewiesen: die Höfe Lietzow, Casow und eine Ansiedlung namens Glienicke. Obwohl alle drei Namen slawischen Ursprungs sind, ist für diese Zeit von einer gemischten slawisch-deutschen Besiedelung auszugehen.
mini|Dorfaue in Alt-Lietzow
Lietzow (auch: Lietze, Lutze, Lutzen, Lützow, Lusze, Lütze und Lucene genannt) wurde zuerst 1239 urkundlich erwähnt. Es befand sich im Bereich der heute Alt-Lietzow genannten Straße hinter dem Rathaus Charlottenburg, Casow lag gegenüber auf der anderen Spreeseite auf dem Gebiet des heutigen Kalowswerder. 1315 wurden Lietzow und Casow dem Nonnenkloster St. Marien in Spandau zugesprochen. Dabei wurde möglicherweise der große Hof Lietzow zu einem Dorf erweitert. Im Zuge der Reformation wurde das Nonnenkloster geschlossen. Während der Bereich von Lietzow bis zum heutigen Tag durchgehend besiedelt war, wurde Casow, ebenso wie die dritte Ansiedlung Glienicke, irgendwann aufgegeben. Aufgrund alter Flurnamen vermutet man Glienicke im heute von Kantstraße, Fasanenstraße, Kurfürstendamm und Uhlandstraße eingeschlossenen Gebiet, an einem heute verlandeten See, dem Glienicker See, gelegen.
Die Entwicklung Lietzows ist gut dokumentiert. Über 400 Jahre hinweg hatte die Familie Berendt das Dorfschulzenamt inne und musste als Ausgleich für diese Tätigkeit geringere Abgaben leisten. Kirchlich wurde Lietzow vom Wilmersdorfer Pfarrer mitversorgt, der über den damaligen Priesterweg, heute die Achse Leibnizstraße – Konstanzer Straße – Brandenburgische Straße, zwischen Wilmersdorf und Lietzow pendelte.
Residenzstadt
mini|Bürgerhaus nach den Modellplanungen für Charlottenburg
Sophie Charlotte erhielt 1695 den Ort Lietzow und das Vorwerk Ruhleben von ihrem Mann Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg übereignet, im Austausch gegen ihre abgelegeneren Güter in Caputh und Langerwisch. Dort ließ sie das Sommerschloss Lützenburg errichten, das 1699 fertiggestellt wurde. Nach der Krönung von Sophie Charlotte zur Königin und Friedrich I. zum König in Preußen im Jahr 1701 wurde das kleine Lustschloss von verschiedenen Architekten bis zum Jahr 1740 zu einem repräsentativen Schloss ausgebaut. Kurz nach dem Tod Sophie Charlottes erhielt die Siedlung gegenüber dem Schloss Lützenburg am 5. April 1705 von Friedrich I. den Namen Charlottenburg und gleichzeitig das Stadtrecht. Das Schloss Lützenburg wurde ebenfalls in Schloss Charlottenburg umbenannt. Bis 1720 war der König zugleich Bürgermeister der Stadt. In dem Jahr wurde auch das Dorf Lietzow nach Charlottenburg eingemeindet. Damit hatte die Stadt Charlottenburg die Ausdehnung erreicht, die sie bis Mitte der 1850er Jahre behalten sollte, die heutige Altstadt Charlottenburg.
mini|Plan von der vermessenen Feldmark Lützow (Lietzow), 1777 mini|Schloss Charlottenburg von der Parkseite aus betrachtet
Friedrichs Nachfolger Friedrich Wilhelm I., bekannt als „Soldatenkönig“, hielt sich nur selten im Charlottenburger Schloss auf, was sich negativ auf die Entwicklung der noch sehr kleinen Residenzstadt auswirkte. Er versuchte sogar – erfolglos – Charlottenburg das Stadtrecht wieder zu entziehen. Erst mit dem Regierungsantritt seines Nachfolgers Friedrichs II. 1740, der im Schloss zumindest regelmäßig Hoffeste abhielt, rückte auch die Stadt Charlottenburg mehr ins Rampenlicht. Im Laufe seiner Regierungszeit bevorzugte er jedoch das teilweise von ihm selbst geplante Schloss Sanssouci nahe Potsdam als Sommersitz. Als jedoch nach seinem Tod im Jahr 1786 sein Neffe Friedrich Wilhelm II. die Regierungsgeschäfte übernahm, wurde das Schloss Charlottenburg zu dessen bevorzugtem Wohnsitz. Bereits 1777 hatte Friedrich Wilhelm seiner Geliebten und vielleicht einzigen Vertrauten Wilhelmine Enke, der späteren Gräfin von Lichtenau, ein Anwesen mit großem Park im Dreieck zwischen Berliner Straße (jetzt: Otto-Suhr-Allee), Spreestraße (jetzt: Wintersteinstraße) und der Spree geschenkt. Das Areal schloss sich direkt an den Schlosspark an. Auch sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm III. erkor das Schloss Charlottenburg zu seinem Lieblingswohnsitz. Er und seine Familie verkehrten regelmäßig in der noch kleinen Stadt Charlottenburg und kommunizierten dabei ganz selbstverständlich mit der lokalen Bevölkerung.
Nach der Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 wurde Charlottenburg für zwei Jahre von den Franzosen besetzt. Napoleon residierte selbst im Schloss Charlottenburg, während seine Truppen ein großes Heerlager jenseits der heutigen Ringbahn im Bereich der Königin-Elisabeth-Straße errichteten.
Sommerfrische Nicht nur die persönlichen Vorlieben der Regenten förderten die Entwicklung Charlottenburgs im ausgehenden 18. Jahrhundert. Die auf wenig fruchtbarem Grund errichtete kleine Stadt wurde auch als Naherholungsgebiet der aufstrebenden Stadt Berlin entdeckt. Nachdem in den 1770er Jahren der erste richtige Gasthof in der Berliner Straße (heute: Otto-Suhr-Allee) eröffnet worden war, folgten viele weitere Gaststätten und Biergärten, die vor allem am Wochenende gut frequentiert waren.