mini|hochkant=0.5|Wappen des ehemaligen Bezirks Prenzlauer Berg (1992–2000) mini|Blick über Prenzlauer Berg mit typischer urbaner Blockrandbebauung mini|Für Prenzlauer Berg typische Bebauung aus der Gründerzeit in der Stargarder Straße mini|Hufelandstraße im östlichen Prenzlauer Berg
Prenzlauer Berg ist ein Ortsteil des Bezirkes Pankow in Berlin, der weithin aus Gründerzeitvierteln besteht. Von seiner Gründung im Jahr 1920 bis zur Fusion mit den benachbarten Bezirken Weißensee und Pankow bei der Verwaltungsreform 2001 war er ein eigenständiger Bezirk (1952–1990: „Stadtbezirk“).
Geographie Der Ortsteil Prenzlauer Berg ist ein Teil des Bezirks Pankow im Nordosten Berlins und grenzt im Westen und Südwesten an den Bezirk Mitte, im Süden an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, im Osten an den Bezirk Lichtenberg und im Norden an die Ortsteile Weißensee und Pankow.
Geologisch liegt der Ortsteil vollständig auf der Grundmoränenfläche des Barnim und grenzt nach Südwesten (zum Bezirk Mitte) an das Berliner Urstromtal, das sich in der Eiszeit gebildet hat.
Der höchste Punkt des Ortsteils liegt mit 91 Metern über dem Meeresspiegel im Nordosten im Volkspark Prenzlauer Berg. Dieser Berg entstand nach dem Zweiten Weltkrieg als einer der Trümmerberge durch das Aufschütten von Trümmern aus der Berliner Innenstadt und anschließender Begrünung.
mini|Höhenprofil Prenzlauer Berg. Die 60–80 Meter hohen Erhebungen sind die nach 1945 aufgeschütteten Trümmerberge der Volksparke Friedrichshain (unten mittig) und Prenzlauer Berg (rechts)
Namensgebung Der Begriff Prenzlauer Berg bezieht sich auf das – von der Berliner Innenstadt aus gesehen – über die gesamte Breite ansteigende Plateau des Barnim. Da Berlin im Norden bis in das 19. Jahrhundert auf das ebene Berliner Urstromtal beschränkt blieb, wurde das Gebiet von den Berlinern schon immer als „Berg“ bezeichnet, insbesondere betrifft das den Windmühlenberg im Bereich des heutigen Wasserturms. Da der im Groß-Berlin-Gesetz 1920 festgelegte Bezirksname Prenzlauer Tor auf ein zu diesem Zeitpunkt schon seit 50 Jahren nicht mehr existierendes Bauwerk hinwies, wurde im Folgejahr der Name der Erhöhung am Beginn der Prenzlauer Allee, einer zentralen Ausfallstraße, die direkt in die rund 90 Kilometer nördlich gelegene uckermärkische Stadt Prenzlau führte, für den gesamten Bezirk übernommen. Erstmals dokumentiert ist der Name Prenzlauer Berg bereits in einem Schreiben vom Mai 1826.
Der zwischen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße (Neue Königstraße) liegende Teil der Friedenstraße wurde 1913 und als Prenzlauer Berg benannt. Dieser Abschnitt zwischen den Begräbnisplätzen der St.-Georgen-Kirchgemeinde und der St.-Marien-, Kloster- und St.-Nicolai-Kirchengemeinde führt über einen Berg (nahe dem Prenzlauer Tor): Prenzlauer Allee () – höchster Punkt () – Greifswalder Straße ().
Gliederung Der Ortsteil ist durch die großen Ausfall- und Ringstraßen leicht nachvollziehbar in Nachbarschaften „Quartiere“ gegliedert, die lokal „Kieze“ genannt werden. Diese Unterteilungen haben keine behördliche Relevanz.
mini|Stadtviertel von Prenzlauer Berg Südlich des Straßenzugs Danziger Straße 01 das eng mit der Rosenthaler Vorstadt verbundene Gebiet Teutoburger Platz mit der nördlichen Kastanienallee 02 der Kollwitzkiez um den Kollwitzplatz 03 das Winsviertel um die Winsstraße 04 das Bötzowviertel um die Bötzowstraße und den Arnswalder Platz Zwischen Danziger/Eberswalder Straße und Ringbahn 05 das Gleimviertel um die Gleimstraße und den Falkplatz sowie Jahn-Sportpark und Mauerpark 06 der Helmholtzkiez um den Helmholtzplatz und die Pappelallee, auch LSD-Viertel – nach der Lychener, Schliemann- und Dunckerstraße – benannt. 07 der Thälmannpark mit dem in den 1980er Jahren errichteten Wohngebiet 08 die Grüne Stadt mit dem in den 1930er Jahren gebauten Wohngebiet und dem Anton-Saefkow-Park, der nach dem Widerstandskämpfer Anton Saefkow benannt ist. 09 das Gebiet am Velodrom an der Conrad-Blenkle-Straße. Diese ist nach dem Widerstandskämpfer Conrad Blenkle benannt. 10 das Gebiet des Alten Schlachthofs, heute Entwicklungsgebiet Alter Schlachthof Nördlich der Ringbahn 11 das Nordische bzw. Skandinavische Viertel um den Arnimplatz 12 das Gebiet um den Humannplatz und die Stahlheimer Straße 13 das aus den 1920er bis 1950er Jahren stammende Wohngebiet Ostsee-/Grellstraße 14 die Großsiedlung an der Greifswalder/Michelangelostraße 15 das Blumenviertel um den Syringenplatz, das im westlichen Teil nahe dem Volkspark Prenzlauer Berg mit Einfamilienhäusern bebaut ist.
Stadtbild links|mini|Übersichtskarte des Prenzlauer Bergs
Prenzlauer Berg ist geprägt durch Altbauten, die größtenteils aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert (1889–1905) stammen. Über 80 Prozent aller Wohnungen des Gebiets entstanden vor 1948, das älteste noch vorhandene Gebäude Kastanienallee 77 ist von 1852/1853. Im Zweiten Weltkrieg wurden im Vergleich zu anderen Ortsteilen verhältnismäßig wenige Gebäude zerstört, das Gebiet wurde zu DDR-Zeiten allerdings vernachlässigt und die letzten Ruinen erst Anfang der 1970er Jahre abgetragen. Nach der politischen Wende wurde die marode Bausubstanz in großen Teilen saniert, Baulücken wurden bereits seit Mitte der 1980er Jahre geschlossen.
Prenzlauer Berg bildet heute ein fast homogenes Altbaugebiet. Über 300 Gebäude stehen unter Denkmalschutz, wie das Stadtbad Oderberger Straße, die Brauerei in der Milastraße oder die Brauerei in der Knaackstraße. Der innenstadtnahe Teil ist von Restaurants und Bars geprägt. Besonders in der Kastanienallee, um den Kollwitz- und um den Helmholtzplatz konzentriert sich die berlintypische Gastronomie. Mittelpunkt des Nachtlebens ist das Gebiet um den U-Bahnhof Eberswalder Straße, an dem sich Schönhauser Allee, Danziger-/Eberswalder Straße und Kastanien-/Pappelallee schneiden. Diese Kreuzung wird „Ecke Schönhauser“ genannt. Diese ältere berlinische Bezeichnung wurde als Titel für den gleichnamigen DEFA-Kultfilm von 1957 verwendet und auch dadurch bekannt.
mini|links|hochkant|Wasserturm an der Ryke-/Ecke Knaackstraße mini|„Ecke Schönhauser“ mit Hochbahnhof Eberswalder Straße an der Kreuzung Schönhauser Allee mit der Danziger und Eberswalder Straße
mini|hochkant|Immanuelkirche an der Prenzlauer Allee Ecke Immanuelkirchstraße mini|hochkant|Hauptschiff der Synagoge Rykestraße
Der Ortsteil bietet städtebaulich ein relativ einheitliches Bild, er ist überwiegend von fünfgeschossigen Wohngebäuden in geschlossener Blockbauweise geprägt. Die Blöcke sind in den meisten Fällen durch die großen Grundstückstiefen und zahlreichen Hinterhofnutzungen sehr groß, manche haben einen Umfang von mehr als einem Kilometer.
Herausragende Gebäude sind die großen Kirchen des Ortsteils, von denen die Gethsemanekirche von August Orth an der Stargarder Straße (erbaut: 1891–1893) die bekannteste ist. Ihr 66 Meter hoher Turm wird noch vom 79 Meter hohen Turm der Segenskirche an der Schönhauser Allee und dem 68 Meter hohen Turm der Immanuelkirche an der Prenzlauer Allee übertroffen. Auch repräsentative Schulbauten, überwiegend von Ludwig Hoffmann entworfen, heben sich von der Wohnbebauung ab.
In der Rykestraße befindet sich die größte Synagoge Deutschlands. Die Bauarbeiten begannen Ende 1903, geweiht wurde das Gebäude am 4. September 1904. In der Reichspogromnacht wurde es nicht völlig zerstört, da es dicht von Gebäuden umgeben war, die aus ideologischen Gründen verschont wurden. Hingegen wurde die Synagoge geschändet und im April 1940 enteignet. Am 30. August 1953 wurde sie erneut eingeweiht und nach der Wende denkmalgetreu nach der Erstfassung von 1904 saniert. Auf dem 1827 eröffneten Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee gibt es über 22.500 Gräber und 750 Familiengrüfte, unter anderem die Gräber von David Friedländer, Max Liebermann, Leopold Ullstein, Ludwig Bamberger, Eduard Lasker und Giacomo Meyerbeer.
Ein Wahrzeichen von Prenzlauer Berg ist der ehemalige Wasserturm („Dicker Hermann“) an der Ryke-/Ecke Knaackstraße aus dem Jahr 1877, der erste Wasserturm Berlins. Ein weiteres auffälliges Gebäude ist das 1987 eröffnete Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee.
Im Westen des Ortsteils westlich an den Jahn-Sportpark (siehe: Sport) schließt sich der Mauerpark an. Diese öffentliche Grünfläche verblieb, da durch den Mauerbau zwischen Nordkreuz und Bernauer Straße das Gebiet des vormaligen Güterbahnhofs belegt war und so eine andere Nutzung für 40 Jahre unterblieb.
Seit 2017 gehört auch das in den Mauerpark einbezogene Gelände des früheren Bahnhofs Berlin Eberswalder Straße vollständig zum Ortsteil Prenzlauer Berg,Berichterstattung. In: Berliner Woche.13. Verordnung zur Änderung der Bezirksgrenzen. gesetze.berlin.de sodass dieser nun auch bis 1990 zu West-Berlin gehörendes Gebiet umfasst.
Flora und Fauna mini|Ernst-Thälmann-Park
Von West nach Ost ist das von Gründerzeitbauten geprägte Prenzlauer Berg besonders in der südlichen Hälfte von zahlreichen Grünflächen durchsetzt. Der Mauerpark im Bereich der ehemaligen Grenze ist der jüngste Grünbereich, der Jüdische Friedhof an der Schönhauser Allee gehört dagegen zu den historischen Grünflächen. Der Zusammenhang aller Grünzonen, vom jüdischen Friedhof über das Wasserturmareal und den Ernst-Thälmann-Park bis hin zum Volkspark Prenzlauer Berg, bietet inzwischen zahlreichen Vogelarten, die ursprünglich keine Kulturfolger waren, einen dauerhaften sowie genügend großen und vielgestaltigen Lebensraum. Dieser ökologische Zusammenhang zwischen den größeren Flächen der Parks und Friedhöfe (z. B. Alter Friedhof vor dem Prenzlauer Tor) wird durch die inzwischen zu einem großen Teil begrünten Hinterhöfe der Wohn- und Geschäftsbauten hergestellt. Im Zuge der Sanierung nach 1990 wurden dabei im großen Maßstab mit Beton und Asphalt versiegelte Flächen aufgebrochen und wieder begrünt.
Zu den in den südlichen Kiezen heimischen Vögeln zählen unter anderem Buntspecht, Grasmücke, Kleiber, Nachtigall, Rotkehlchen, Schwanzmeise, Stieglitz, Mäusebussard, Habicht und Turmfalke. Während der Bestand dieser Arten teilweise weiterhin zunimmt, ist umgekehrt als Folge der Altbausanierung der Bestand der Tierarten, die in den Nischen und ungenutzten Räumen der maroden Altbauten gelebt haben, stark zurückgegangen. Zu diesen, hier inzwischen im Bestand bedrohten Arten, gehören die verschiedenen Fledermausarten und der Steinmarder, der noch bis 2005 auf den Dächern des Kollwitzkiezes gesichtet wurde. Der Mauersegler, dessen Bestände in den Jahren der Sanierung zurückgegangen waren, ist inzwischen (Stand: 2022) nicht mehr bedroht.Foto aus 2022, Mauersegler über dem jüdischen Friedhof Ein Grund für die Bestandserholung kann die zunehmende Zahl von installierten Nistkästen sein, wie sie u. a. die Grüne Liga anbietet.
Geschichte
Anfänge mini|Karte des Berliner Weichbildes im Nordosten,die dicke Linie kennzeichnet die Grenze
Prenzlauer Berg hat im Berliner Vergleich eine kurze Geschichte. Zwar rodeten Bauern die Wälder des Gebietes zum größten Teil schon im 13. Jahrhundert, doch über eine Nutzung als Landwirtschaftsfläche ging die Verwendung nicht hinaus. Beispielsweise war der Weinbau bis zum sehr kalten Winter 1740/1741 für die Region relativ bedeutend. Noch um 1800 befanden sich auf dem Gelände nur Äcker und wenige Windmühlen, die vor allem der König seit einigen Jahrzehnten vermehrt bauen ließ. Siedlungen entstanden aber nicht. Die einzige Bebauung des Geländes war das Königliche Vorwerk, auf Erlass des Königs vom 31. März 1708 entstanden. Erste Erweiterungen außerhalb der alten Zoll- und Akzisemauer waren Friedhöfe: 1802 legten die St.-Marien- und St.-Nicolai-Gemeinden den heutigen Alten Friedhof vor dem Prenzlauer Tor an. Die Stadtmauer erweiterte man zu dieser Zeit noch. Der 1814 vor dem Königstor angelegte Friedhof der Georgengemeinde blieb außerhalb der Mauern Berlins.