mini|300px|Marktplatz mit Knochenhaueramtshaus, Bäckeramtshaus und Rolandbrunnen mini|hochkant|Tausendjähriger Rosenstock am Mariendom mini|Blick von der Andreaskirche nach Norden auf die Innenstadt; Mitte: St. Jakobi, rechts: Marktplatz
Hildesheim (, , ) ist eine Stadt und ein Oberzentrum in Niedersachsen. Die Stadt liegt rund 30 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Hannover.
Der Sitz des katholischen Bistums Hildesheim war bis 1974 kreisfreie Stadt. 1974 wurde Hildesheim mit der Gebietsreform in Niedersachsen zur großen selbständigen Stadt und zur Großstadt und bildet seitdem mit dem Gebiet des ehemaligen Landkreises Hildesheim-Marienburg, 1977 erweitert um den ehemaligen Landkreis Alfeld (Leine), den Landkreis Hildesheim, dessen Kreisstadt sie ist. Von 1885 bis 1978 gab es einen Regierungsbezirk Hildesheim. Der Regionalbeauftragte für das Leine-Weser-Gebiet, das den gesamten 2004 aufgelösten Regierungsbezirk Hannover abdeckt, ist seit 2014 in der Stadt ansässig.Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL)
Hildesheim ist Standort von drei Hochschulen: der Stiftung Universität Hildesheim, der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) sowie der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege.
Der Dom St. Mariä Himmelfahrt und die Klosterkirche St. Michaelis zählen zu den bedeutendsten Bauwerken der Frühromanik und sind seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe.
Geographie
mini|hochkant=1.2|Blick auf Hildesheim aus Westen in 600 Metern Höhe mini|Blick nach Südosten über die Stadt
Geographische Lage Hildesheim liegt an der Grenze von Innerstebergland und Hildesheimer Börde überwiegend am rechten Ufer des Flusses Innerste, einem östlichen Zufluss der Leine. Die Stadt befindet sich nördlich des Hildesheimer Walds und westnordwestlich des Höhenzugs Vorholz. An den nordwestlichen Stadtrand grenzen die Giesener Berge.
Die Stadtgrenze Hildesheims reicht im Norden und Osten bis auf weniger als 15 km an Hannover (Bockmerholz) und Salzgitter (Osterlinde) heran sowie bis auf weniger als 30 km an die Stadtgrenze Braunschweigs (Ellernbruch). Die Entfernungen zu den nächsten Großstädten im Süden und Westen liegen in der Größenordnung 50–100 km (Göttingen in Südniedersachsen sowie Paderborn und Bielefeld in Nordrhein-Westfalen).
* Entfernungen sind gerundete Straßenkilometer bis zum Ortszentrum.
Naturschutzgebiete Im Stadtgebiet von Hildesheim sind sieben Naturschutzgebiete ausgewiesen: Am roten Steine, Finkenberg/Lerchenberg, Gallberg, Giesener Teiche, Haseder Busch, Lange Dreisch und Osterberg und Mastberg und Innersteaue.
Nachbargemeinden Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Hildesheim. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören sämtlich zum Landkreis Hildesheim: Harsum, Schellerten, Bad Salzdetfurth, Diekholzen, Gronau, Nordstemmen und Giesen.
Stadtgliederung Die Stadt Hildesheim ist eine Einheitsgemeinde und besteht gemäß § 6 der Hauptsatzung der Stadt aus 14 Ortschaften/Stadtteilen gemäß § 90 Abs. 1 NKomVG:
Stadtmitte und Neustadt Marienburger Höhe mit dem Galgenberg Moritzberg mit den Siedlungen Waldquelle, Godehardikamp und Bockfeld Nordstadt mit Steuerwald Oststadt mitsamt dem Stadtfeld Achtum-Uppen Bavenstedt (einschließlich der zum früheren Stadtgebiet gehörenden Flächen ostwärts der A7) Drispenstedt Einum Himmelsthür (einschließlich der zum früheren Stadtgebiet gehörenden Flächen im Bereich der Sandstraße und der Straße Am Kupferstrange nördlich der B 1 und westlich der Innerste) Itzum-Marienburg Neuhof/Hildesheimer Wald/Marienrode Ochtersum Sorsum
Geschichte Frühe Geschichte Nördlich von Hildesheim, am Nordrand des Ortes Harsum, wurde eine der ältesten bäuerlichen Siedlungen Norddeutschlands entdeckt. Im Sommer 2017 begannen Ausgrabungsarbeiten, bei denen fünf ältest-linienbandkeramische Hausgrundrisse auf einer 78,5 m hohen Kuppe zutage kamen, die in die Zeit um 5700 v. Chr. datiert wurden. Die bis zu 30 mal 9 m messenden Häuser sind nordwest-südost-orientiert und bilden eine halbkreisförmige, weilerartige Ansiedlung, die nach Süden offen ist.S. Agostinetto: Älteste Linienbandkeramik in der Hildesheimer Börde? In: Archäologie in Deutschland. 03, 2018, S. 48 f.
An der Stelle, wo der West-Ost-Handelsweg Hellweg (heute etwa Bundesstraße 1) die Innerste querte, bestanden vermutlich schon in vorfränkischer Zeit eine Siedlung und ein Heiligtum.
Name Eine frühere Behauptung, Hildesheim habe 577 Bennopolis geheißen, ist nicht haltbar, da der Zusatz in einer Pariser Handschrift offensichtlich gefälscht ist. Der Handelsweg, die Benennung nach einem Gründer namens Hildwin,Möglich wäre die Benennung nach Abt Hilduin von Saint-Denis: In seinem Kommentar zur „Fundatio“ und in Ergänzung einer schon früher geäußerten Annahme hat sich Berges auch um den Nachweis bemüht, den Namen Hildesheim, der zweifellos auf die Form ‚Hilduinesheim‘ zurückgeht, auf den bekannten Abt Hilduin von St. Denis, den Berater und (seit 818) Erzkanzler Ludwigs des Frommen, zurückzuführen. In der Tat ist wohl der mit dem Stammwort -heim verbundene Personenname fränkisch, und W. Berges hat darüber hinaus eine Reihe von Beispielen fränkischer Ortsbenennungen nach noch lebenden Personen beibringen können. So hat sein Vorschlag einige Wahrscheinlichkeit für sich, zumal darüber hinaus die Möglichkeit bestände, dass auch die in der erwähnten Fraternitätsliste des Hildesheimer Domkapitelsgedenkbuchs (…) unmittelbar auf die mater Reims folgende Verbrüderung mit einer (ecclesia) Parisiensis in Francia auf die Verbindung mit Hilduin zurückgehen könnte. Und daß Hilduin und Gunthar möglicherweise miteinander verwandt waren, wird nicht völlig ausgeschlossen werden können. Hans Goetting: Germania Sacra, Neue Folge 20, Berlin 1984, S. 40. Berges gibt auch die Möglichkeit zu bedenken, dass der in der Gründungslegende erwähnte capellarius Ludwigs des Frommen dieser Hilduin gewesen sein könne (ebd., Anm. 22).; auch andere Thesen für den Ursprung des Namens werden genannt.
Der Brockhaus Multimedia 2002 schreibt: „Der Name Hildesheim (so seit Anfang des 13. Jahrhunderts) ist verkürzt aus Hildinisheim (12. Jahrhundert), Hildeneshem (1022) und Hiltenesheim (1004) hervorgegangen. Er enthält den alten deutschen Personennamen Hildin oder Hildini (zu althochdeutsch hiltia, Kampf)“.. Die Schreibung Hiltinesheim entspricht der althochdeutschen, die Form Hildeneshem der altsächsischen Form des Namens. Ursprünglicher Namensträger war möglicherweise die älteste Siedlung im heutigen Stadtgebiet, das Alte Dorf, von der die später gegründete Stadt den Namen übernahm.
Lateinisch wurde früher der Name Hildesia genannt. Lateinische Stadtnamen
Stadtgründung und Frühmittelalter mini|Mauerabschnitt und Turmfundament der Bernwardsmauer am Domhof (um 1000) mini|Stadtbild im 17. Jahrhundert nach Merian-Stich, Modell in der Fußgängerzone mini|Hildesheim 1729 mini|Stadtplan um 1750
Ausgrabungen, die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Hildesheimer Annenfriedhof durchgeführt wurden, weisen darauf hin, dass sich bereits im 8. Jahrhundert eine Missions- oder Taufkapelle auf dem späteren Hildesheimer Domhügel befand.Herbert Reyer: Kleine Geschichte der Stadt Hildesheim, Hildesheim 1999, S. 4.
Nach Beendigung der Sachsenkriege Karls des Großen um 800 versuchte Kaiser Karl der Große, die Sachsen unter Kontrolle zu bringen, indem er zunächst Massentaufen anordnete, die jedoch von der Kirche skeptisch gesehen wurden. Ferner betrieb er eine Umsiedlungspolitik, indem er Teilstämme der Sachsen ins Innere des Frankenreiches und fränkische Siedler ins nördliche Sachsenland bis hin zur Elbe verpflanzte.Deutsche Biographie Karl I. der Große, Umsiedlung der Sachsen ins Reichsinnere In jeweils neu eroberten Gebieten gründete er sogleich Grafschaften und Bistümer, um die im Frankenreich verankerte Grafschaftsverfassung auch ins nördliche und östliche Sachsenland zu bringen. Um 780 erfolgte die Gründung des Bistums Osnabrück, 788 des Bistums Bremen, 799 des Bistums Paderborn, 805 des Bistums Münster.
Im Zuge dessen erfolgte auch der Ausbau Elzes (etwa 19 km westlich von Hildesheim) als karolingischer Vorposten im ostfälischen Gebiet. Karl der Große hielt sich dort mehrfach in einem Heerlager auf. Womöglich war Elze von Karl dem Großen zunächst als Bischofssitz für Ostfalen vorgesehen gewesen.Alf Özen: Die Gründungslegende des Bistums Hildesheim nach der „Fundatio Ecclesiae Hildensemensis“. Göttingen 1998, S. 10 ff. Dafür spricht, dass Elze in Urkunden Aula Caesaris (aula regia des Kaisers, also Kaisersaal), kurz Aulica genannt wurde, woraus sich die Namen Aulze und Elze entwickelten.Hildesheim. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 8, Bibliographisches Institut, Leipzig 1887, S. 530. Die Bedeutung der dort errichteten Peter und Paul-Kirche des späten 8. Jahrhunderts, die zuerst nur St. Peter hieß, wurde durch dieses Patrozinium des „Apostelfürsten“ und ersten Papstes Petrus unterstrichen.Helmut von Jan: Geschichtlicher Überblick über die Bischofs- und Hansestadt Hildesheim. In: Alt-Hildesheim – Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim 42, 1971, S. 1. Es ist daher davon auszugehen, dass der Geistliche Gunthar, der angeblich aus Reims im fränkischen Kernland kam, in Elze seine Mission begann. Ob Elze auch bereits sein erster offizieller Bischofssitz war, ist nicht bekannt. Karls Sohn Ludwig der Fromme gründete jedoch 815 in Hildesheim einen Bischofssitz und Gunthar wird diese Neugründung umgesetzt haben, denn man nimmt an, dass er bis zur Erwähnung seines Nachfolgers Rembert im Jahr 834 amtierte.
Das Bistum Hildesheim hatte damit seinen Sitz nicht an der Leine, sondern an der Innerste erhalten. Die günstigere Lage des Ortes gab wohl den Ausschlag. Sie bot bessere Verbindung nach Osten, wo von Anfang an die Oker die Ostgrenze des Bistums bildete; an der Okerfurt entstand bald darauf Braunschweig. (Das jenseits gelegene Bistum Halberstadt wird aber erst mit der Domweihe 859 erstmals erwähnt.Theo Kölzer: Die Anfänge der sächsischen Diözesen in der Karolingerzeit. in: Archiv für Diplomatik, Band 61 (2015), S. 11–38, hier S. 15 Anmerkung 18 mit Angabe der entsprechenden Quellen.) Die Innerste verband Hildesheim mit dem 814 erstmals erwähnten Harzgau und gewährte über ihre Mündung in die Leine nach Nordwesten Zugang zum Flusssystem der Weser. Kaiser Ludwig stellte das Bistum jedoch unter das Patrozinium der Gottesmutter MariaAlf Özen: Die Gründungslegende des Bistums Hildesheim nach der „Fundatio Ecclesiae Hildensemensis“. Göttingen 1998, S. 10 ff. (siehe auch Gründungssage).
Als die ersten Bischöfe des neugegründeten Bistums gelten Gunthar und Rembert. Mit Ebodeutsche-biographie.de, siehe auch Wilhelm Berges: Ebo. In: Neue Deutsche Biographie. 4, 1959, S. 268f. bestieg 845 ein ehemaliger Erzbischof von Reims den Hildesheimer Bischofsstuhl.N.F., 20: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz – 3. Hans Goetting: Die Hildesheimer Bischöfe von 815 bis 1221 (1227). Berlin / New York 1984. Ebo war zwischen die Fronten innerfränkischer Konflikte geraten und muss seine Versetzung nach Hildesheim sicherlich als abwertend empfunden haben. Trotzdem erscheint es wahrscheinlich, dass das junge Hildesheimer Bistum in erheblichem Maß von seinen Kontakten zum fränkischen Reims profitierte. So bezeichnet ein Hildesheimer Verbrüderungsverzeichnis die Reimser Kirche als Mater in canonica institutione.Helmut von Jan: Geschichtlicher Überblick über die Bischofs- und Hansestadt Hildesheim. In: Alt-Hildesheim – Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim. 42, 1971, S. 2.