mini|hochkant=1.35|Altstadt und Halbinsel vom Fourvière-Hügel aus gesehen, mit dem Geschäftsviertel Quartier de la Part-Dieu im Hintergrund Lyon [] (, veraltet Lion, Leyden, Leiden, Welsch-Leyden oder Welsch-Leiden, ) ist eine Großstadt im Südosten Frankreichs. Sie ist Hauptort der Region Auvergne-Rhône-Alpes und der Gebietskörperschaft Métropole de Lyon, die seit dem 1. Januar 2015 existiert und die Aufgaben eines Départements ausübt. Lyon ist zudem Sitz der Präfektur des Départements Rhône, seit 2015 diesem jedoch nicht mehr zugehörig.

Mit Einwohnern () ist Lyon nach Paris und Marseille die drittgrößte Stadt des Landes. Lyon ist auch Zentrum der Métropole de Lyon, diese hat Einwohner (). Die gesamte Aire urbaine Lyon mit 2.323.221 Einwohnern ist nach Paris die zweitgrößte Frankreichs.

Die Altstadt Lyons und ein Teil der Halbinsel Lyon wurden 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Lyon ist Bischofssitz des Erzbistums Lyon der römisch-katholischen Kirche in Frankreich. Kathedralkirche ist die Kathedrale von Lyon in der Altstadt. Die Basilika Notre-Dame de Fourvière wurde in den Jahren 1872 bis 1884 auf dem Fourvière-Hügel errichtet. 2016 wurde Lyon als 61. Stadt der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Siehe das Stadtporträt des Projekts „Reformationsstädte Europas“: Reformationsstadt Lyon. Frankreich. Valdes und Viret. In: reformation-cities.org, abgerufen am 14. August 2017.

Die Lyoner Gastronomie genießt weltweiten Ruf. Die Vielfalt der traditionellen Küche findet in der seltenen Kombination aus Alpen-Nähe und schiffbarem Zugang zum Mittelmeer ihren Ursprung. Nördlich der Stadt liegt das Weinbaugebiet Beaujolais, südlich der Stadt schließen sich die Côtes du Rhône an. Historisch ist die Stadt eng mit den canuts, den Seidenwebern, verknüpft, deren Handwerk während der Industriellen Revolution die treibende Wirtschaftskraft war. Darüber hinaus ist Lyon als „Stadt des Lichtes“ bekannt, dem zu Ehren jährlich am 8. Dezember die Fête des Lumières gefeiert wird.

Lyon ist Sitz der internationalen Polizeibehörde Interpol und der Internationalen Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, kurz IARC). Lyon ist nach Paris die zweitbedeutendste Stadt Frankreichs und gemäß GaWC eine Weltstadt mit dem Rang Beta − (Beta Minus).

Geographie Lage Die Stadt liegt am Zusammenfluss der Rhône und der Saône zwischen Jura im Nordosten, Alpen im Osten und Zentralmassiv im Südwesten. Das Siedlungsgebiet der eigentlichen Stadt geht nahtlos in das Gebiet angrenzender Städte und Gemeinden über, sodass sich hier eine dichte Metropolregion herausgebildet hat. Der größte „Vorort“ Lyons ist die Industriestadt Villeurbanne im Osten mit Einwohnern (Stand: ).

Während das alte Stadtzentrum zwischen den Flüssen und die Stadtquartiere östlich der Rhône in der breiten Schwemmebene angelegt sind, liegen die Wohngebiete westlich der Saône auf dem erhöhten Hügelgebiet über der Saôneschlaufe.

Nachbargemeinden von Lyon sind Collonges-au-Mont-d’Or und Caluire-et-Cuire im Norden, Villeurbanne und Bron im Osten, Vénissieux im Südosten, Saint-Fons und Oullins-Pierre-Bénite im Süden, La Mulatière und Sainte-Foy-lès-Lyon im Südwesten, Francheville, Tassin-la-Demi-Lune und Écully im Westen sowie Champagne-au-Mont-d’Or, Saint-Didier-au-Mont-d’Or und Saint-Cyr-au-Mont-d’Or im Nordwesten.

Lyon liegt etwa 470 km südlich von Paris, 320 km nördlich von Marseille, 160 km westlich von Genf und 280 km von Turin entfernt.

Klima

Wappen

Geschichte Antike mini|Römisches Theater mini|Altstadt Die zuvor keltische Siedlung wurde im Jahr 43 v. Chr. von den Römern unter dem keltischen Namen Lugdunum („Festung des Lug“) als Verwaltungszentrum Galliens gegründet. Diese Rolle hatte die Stadt über drei Jahrhunderte inne, bevor ihre Bedeutung im Zuge des Untergangs des Römischen Reiches zurückging. Der Name der Stadt wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte sprachlich und hat folglich nichts mit dem Löwen () zu tun.

Im Jahr 177 wurde hier die Märtyrerin Blandina verbrannt, die später zur Stadtpatronin von Lyon erwählt wurde. Im 2. Jahrhundert lebte auch Irenäus von Lyon, der von 177 bis 202 Bischof war und als einer der bedeutendsten Kirchenväter und einer der ersten systematischen Theologen des Christentums gilt, in Lugdunum. Der spätere römische Kaiser Caracalla wurde am 4. April 188 im heutigen Lyon geboren, damals Verwaltungssitz der Provinz Gallia Lugdunensis, deren Statthalter sein Vater, Septimius Severus, war. Er erhielt den Namen Septimius Bassianus. Im Jahre 197 nach der Schlacht bei LugdunumGernot Kramper: Lugdunum – in der größten Schlacht Roms zerfleischten sich die Legionen gegenseitig. In: Stern. 9. September 2023, abgerufen am 31. Dezember 2023. fand eine Plünderung der Stadt Lyon statt, da sich die Stadt im Bürgerkrieg auf die Seite des Gegenkaisers Clodius Albinus gestellt hatte.Geschichte von Lyon, Frankreich. Lugdunum, Reichsstadt. In: hisour.com, abgerufen am 31. Dezember 2023.

In der Spätantike bestand hier eine Hochschule, an der unter anderem auch Sidonius Apollinaris studierte. Lyon erhielt im 2. Jahrhundert den Bistumssitz und wurde im 3. Jahrhundert Erzbistum. Im Jahr 461 fiel die Stadt an die Burgunden und blieb bis zur fränkischen Eroberung 534 deren Königsresidenz. Die Stadt wurde 725 von den Arabern verwüstet, die aus Spanien kommend ins Frankenreich einfielen.

Mittelalter Nach dem Tod Kaiser Ludwigs I. fiel der fränkische Reichsteil Burgund und damit auch Lyon bei der Teilung des Frankenreiches 843 an Kaiser Lothar I. bzw. dessen Mittelreich.

Als Kaiser Lothar I. kurz vor seinem Tod im September 855 in der Teilung von Prüm das Mittelreich unter seinen Söhnen aufteilte, erhielt Karl, der jüngste Sohn, die Provence sowie das südliche Burgund (Dukat Lyon).Lothar II. König des Mittelreiches (um 835–869). In: Portal Rheinische Geschichte. LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte/Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 10. März 2021. Aus diesen beiden Teilen ging später das hochmittelalterliche Königreich Burgund (Niederburgund oder auch Arelat genannt) hervor.

Karl starb jedoch bereits im Januar 863 ohne Nachkommen, und die beiden älteren Brüder teilten das Reich unter sich auf. Lothar II. erhielt den Dukat Lyon und Ludwig II. die Provence. Karl wurde im Nonnenkloster St. Petrus bei Lyon beigesetzt..

Als Lothar II. wenige Jahre später, 869, starb, wurde sein Reich 870 im Vertrag von Meerssen zwischen dem Westfrankenreich und Ostfrankenreich aufgeteilt. Lyon fiel damals an den westfränkischen König Karl den Kahlen. Als dieser sieben Jahre später starb, ergriff der burgundische Adlige Boso von Vienne die Gelegenheit, um ein eigenes Reich zu gründen. Er ließ sich mit päpstlicher Unterstützung 879 zum König von Burgund und der Provence ausrufen. Hauptstadt des Königreiches Niederburgund wurde jedoch nicht Lyon, sondern das weiter südlich gelegene Arles. Für Lyon resultierte daraus ein gewisser Bedeutungsverlust.

mini|hochkant|Kathedrale Saint-Jean

Erst im 11. Jahrhundert erlangte Lyon wieder größere überregionale Bedeutung, als Papst Gregor VII. am 20. April 1079 in der Päpstlichen Bulle Antiqua sanctorum patrum das Primat der Lyoner Kirche vor den Kirchen von Rouen, Tours, Sens und deren Suffraganen bestätigte und damit die Lyoner Kirche zur ersten unter allen Kirchen Galliens und damit zum Hauptsitz Galliens (), erklärte.Henri Hours: In: museedudiocesedelyon.com, 1996, abgerufen am 8. März 2021 (französisch). Während die drei oben genannten Bischofssitze in Frankreich lagen, war Lyon einige Jahre zuvor, im Jahre 1032, als Teil des Königreichs Burgund (Arelat) an das Heilige Römische Reich gefallen. Daher stützte und stärkte Kaiser Friedrich I. diese vorrangige Stellung der Kirche Lyons in der darauf folgenden Zeit, indem er beispielsweise 1184 dem Erzbischof Johannes von Lyon Freiheit und Immunität für die Besitzungen seiner Kirche gewährte und ihn zum Exarchen der burgundischen Pfalz und obersten Fürsten seines Rates ernannte.1184 Oktober 30, San Zeno bei Verona. (IIIo kal. novembr., in villa sancti Zenonis iuxta Veronam). [Nr.] 2800. In: Die Regesten des Kaiserreiches unter FRIEDRICH I. 1152 (1122)–1190. 4. Lieferung 1181–1190, nach Johann Friedrich Böhmer, neubearbeitet von Ferdinand Opll (= J. F. Böhmer: Regesta Imperii. Band IV: Lothar III. und ältere Staufer. 1125–1197. 2. Abteilung). Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2011, ISBN 978-3-205-78683-2, S. 95 (library.oapen.org [PDF; 3,1 MB]).

Im 12. Jahrhundert trat Petrus Valdes († 1205 oder 1218) in Lyon als Reformer der Kirche in Erscheinung. Er übersetzte die Evangelien in die regionale Volkssprache, verteilte einen beträchtlichen Teil seines Besitzes an die Armen und predigte auf den Plätzen der Stadt. Das Dritte Laterankonzil 1179 verweigerte ihm jedoch eine eigenständige offizielle Predigterlaubnis und machte diese von örtlichen Klerus abhängig;Albert Gasser, Nikolaus Kuster: Vom Urchristentum in die Gegenwart. Kirchengeschichte (= Studiengang Theologie. Band 3). 3. Auflage. Hrsg.: theologiekurse.ch. TVZ Theologischer Verlag, Zürich 2017, ISBN 978-3-290-20229-3, S. 173 (, ISBN 978-3-290-20104-3).Günter Frank: Die Waldenser. Spuren einer europäischen Glaubensbewegung. Begleitbuch zur Ausstellung in Bretten, 12. Mai – 1. August 1999. Hrsg.: Günter Frank, Albert de Lange, Gerhard Schwinge. WMV, Bretten 1999, ISBN 3-9806510-1-0, S. 19 (). nach Konflikten und einem bischöflichen Predigtverbot wurde er 1182 aus der Stadt ausgewiesen. Seine zahlreichen Anhänger, die Waldenser, wurden 1184 exkommuniziert, aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, und verstreuten sich in der Umgebung, in Südfrankreich und im Piemont.Gérard Collomb: Valdes und Viret. In: reformation-cities.eu, abgerufen am 2. Oktober 2025.

Der Erzbischof von Lyon, heute Philippe Barbarin, wird traditionell zum Kardinal erhoben und ist nach wie vor der Primas der katholischen Kirche in Frankreich. Im 13. Jahrhundert fanden zwei bedeutende Kirchenversammlungen statt, das erste (1245) und das zweite Konzil von Lyon (1274). Einer der Teilnehmer, der Kirchenlehrer Bonaventura, ist in der Église Saint-Bonaventure begraben. 1310 wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt; die Pest wütete 1348 in Lyon.

Das 15. Jahrhundert war geprägt von wirtschaftlichem Aufschwung durch Seidenproduktion und Handel mit vielen europäischen Städten. Italienische, deutsche und Schweizer Kaufleute bestimmten weitgehend das wirtschaftliche Geschehen in der Stadt und brachten auch neue, teilweise häretische Ideen mit. Das Konsulat, die weltliche Macht, verfolgte vorwiegend den eigenen Vorteil; und die geistlichen Führer wie Kardinäle und Erzbischöfe wechselten häufig, so dass sich eine eher antiklerikale Stimmung breit machen konnte.Lyon, vorübergehende Hauptstadt der Protestanten (1562–1563). In: museeprotestant.org, Musée virtuel du protestantisme, abgerufen am 2. Oktober 2025.

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