Der Eiger ist ein Berg in den Berner Alpen mit einer Höhe von Er ist dem Hauptkamm der Berner Alpen etwas nördlich vorgelagert und steht vollständig auf dem Territorium des Schweizer Kantons Bern auf der Grenze zwischen den Gemeinden Lauterbrunnen und Grindelwald. Zusammen mit Mönch und Jungfrau, deren Gipfel auf der Grenze zum Kanton Wallis liegen, dominiert der Eiger die Landschaft des zentralen Berner Oberlandes. Die etwa 3000 Meter über dem Tal aufragenden Nordflanken dieser Berge stellen die Schauseite einer der bekanntesten je als ein «Dreigestirn» bezeichneten Gipfel-Dreiergruppen in den Alpen dar.
Insbesondere die Nordwand des Eigers fasziniert sowohl Bergsteiger als auch Touristen. Durch dramatische Begehungsversuche und gelungene Begehungen der Nordwand wurde der Eiger immer wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt und weltweit bekannt. Sie ist von Grindelwald und dem gesamten Talkessel bis zur Kleinen Scheidegg gut einsehbar.
Die Jungfraubahn mit ihrem Tunnel durch den Eigerfels ist seit ihrer Eröffnung im Jahr 1912 ein Touristenmagnet.
Namensherkunft Die erste urkundliche Erwähnung des Eigers stammt aus dem Jahre 1252 – dies ist die zweitfrühesteStand 2008 nach: Daniel Anker (Hrsg.): Eiger – Die vertikale Arena. 4., überarb. Auflage. AS Verlag, Zürich 2008, S. 71. urkundliche Erwähnung eines Schweizer Bergs nach dem Bietschhorn (1233). Am 24. Juli 1252 wurde in einer Verkaufsurkunde zwischen Ita von Wädiswyl und der Propstei Interlaken ein Grundstück mit den Worten «ad montem qui nominatur Egere» (dt.: bis zum Berg, der Eiger genannt wird) abgegrenzt.Daniel Anker (Hrsg.): Eiger – Die vertikale Arena. 4., überarb. Auflage. AS Verlag, Zürich 2008, S. 71. Ein halbes Jahrhundert später wird der Eiger in einem Belehnungsbrief erstmals in deutscher Sprache erwähnt: «under Eigere».
Für die Herkunft des Namens gibt es drei gängige Erklärungen. Eine erste ist der althochdeutsche Name Agiger oder Aiger, wie der erste Siedler unterhalb des Eigers geheissen haben soll. Der Berg über dessen Weiden wurde deshalb Aigers Geissberg oder auch nur Geissberg genannt. Hieraus entwickelten sich dann im Laufe der Zeit die direkten Vorgänger der heutigen Bezeichnung. Die Herkunft des Namens könnte auch von dem lateinischen Wort acer kommen, woraus sich im Französischen aigu entwickelte. Beide Worte haben die Bedeutung scharf beziehungsweise spitz – in Anlehnung an die Form des Eigers. Die dritte Erklärung stammt von der früher gebräuchlichen Schreibweise Heiger, was sich aus dem Dialektausdruck «dr hej Ger» entwickelt haben könnte (hej bedeutet hoch, Ger war ein germanischer Wurfspiess). Wiederum wäre hier die Form des Eigers ausschlaggebend für seine Bezeichnung.
Im Zusammenhang mit dem Eiger wird auch des Öfteren die Namensähnlichkeit mit dem Oger, einem menschenähnlichen Unhold, genannt.Pointdexter, Joseph: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 144. In Anlehnung an das Dreigestirn «Eiger–Mönch–Jungfrau» gibt es die Erzählung, der Unhold Eiger wolle seine lüsternen Pranken auf die Jungfrau legen, woran er aber vom fröhlichen Mönch gehindert werde. Zu dieser Geschichte sind in Grindelwald alte Karikaturen und neuere Postkarten zu kaufen.John Harlin: Die Wand aller Wände – Der Eiger, mein Vater und ich. Piper, München 2007, ISBN 978-3-492-25264-5, S. 12 f.
Lage und Umgebung mini|links|Der Thunersee mit dem «Dreigestirn» Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund Der Eiger erhebt sich direkt südwestlich von Grindelwald (Amtsbezirk Interlaken). Die bekannte Nordwand ist genaugenommen eine Nordwestwand. Neben dieser existiert in der berühmten «Eiger-Nordansicht» auch noch die Nordostwand. Sie bildet die Basis für den scharfen Mittellegigrat, der vom Unteren Grindelwaldgletscher zum Gipfel zieht. Auf der gegenüberliegenden Seite begrenzt der Westgrat die Nordwand. Ihm folgt die Westflanke, in welcher sich der Eigergletscher und der Klein Eiger befinden. An diesen schliessen sich der Südwestgrat und noch ein Stück östlicher der Südgrat an, der wiederum die Südostwand begrenzt, welche bis zum Mittellegigrat reicht. Südöstlich des Eigers liegt der Grindelwald-Fieschergletscher.
In der Umgebung des Eigers befinden sich einige Viertausender des Aarmassivs. Im Osten ist er umgeben von Schreckhorn () und Lauteraarhorn (), im Südosten vom Grossen Fiescherhorn (), und im Südwesten ist der Mönch () durch das Nördliche und Südliche Eigerjoch vom Eiger getrennt. Zusammen mit dem Mönch und der Jungfrau () bildet der Eiger das «Dreigestirn», bei dem der Eiger den nordöstlichen und die Jungfrau den südwestlichen Endpunkt bildet. Entgegen der steil abfallenden Nordseite des Berges befindet sich im Süden des Eigers die Hochfläche und Gletscherwelt der Berner Alpen. Seit Ende 2001 gehört der Eiger zum Gebiet des UNESCO-Weltnaturerbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.
Geologie Der Eiger ist ein Teil des helvetischen Systems, das im Grossraum um den Thunersee die Decken des Alpennordrandes bildet. In einer späten Phase der alpidischen Gebirgsfaltung wurden die helvetischen Kalk-Sedimente von ihrer kristallinen Basis abgeschürft und in Form einer Abscherungsdecke nach Nordwesten verschoben. Während des Faltungsprozesses in der Alpenentstehung brachen die Kalkbänke auf und Kluft- sowie Faltensysteme entstanden, die später mit ausgefälltem Calcit geschlossen wurden. Wichtigste Bestandteile der helvetischen Sedimente sind der Schrattenkalk der Kreidezeit und der Malmkalk des Oberjura. Als Füll- und Schmiermaterial dienten Mergel und Tonschiefer.Toni P. Labhart: Geologie der Schweiz. 5., überarb. Auflage. Ott Verlag, Thun 2001, S. 78 ff.
Die klar erkennbare Faltung des Helvetikums mit seinen gebänderten, plattigen Kalkschichten zeigt sich auch am Eiger. Das Massiv des Eigers besteht komplett aus Kalk der helvetischen Zone und schliesst die Flyschschichten und die Molasse des Grindelwaldbeckens steil nach Süden hin ab. Weil der Talkessel von Grindelwald so reich gegliedert ist, finden hier die verschiedensten Tiere einen Lebensraum. In: cde.unibe.ch. Abgerufen am 20. Januar 2009. Südlich des Eigers schliesst sich das Aarmassiv mit seinem Innertkirchner-Lauterbrunner-Kristallin an. Teilweise hat sich dieses über die Sedimente des Eiger geschoben. Im Bereich des Mönchs treffen die Sedimente auf Altkristallin.Toni P. Labhart: Geologie der Schweiz. 5., überarb. Auflage. Ott Verlag, Thun 2001, S. 70 ff. Die typischen Gesteine des helvetischen Systems im Bereich des Eigers entstanden während des Jura, des mittleren Zeitabschnitts des Mesozoikums. Der vorherrschende Kalk wechselt dabei mit verschiedenen anderen Gesteinen ab. Es zeigen sich Mergel-Kalke und -Schiefer, Ton-Schiefer, Eisenoolith sowie kalkige Sandsteine.Martin A. Koenig: Kleine Geologie der Schweiz – Einführung in Bau und Werden der Schweizer Alpen. 3. Auflage. Ott, Thun 1978, S. 83.
mini|Blick auf Eigergletscher und Klein Eiger Die Kalkschichten des Eigers lagern auf Gneis und sind um 60–70° nach Norden geneigt.Johann G. Ebel: Anleitung, auf die nützlichste und genussvollste Art die Schweitz zu bereisen (Zweiter Abschnitt: G–O). 3. Auflage. Zürich 1810, S. 178. books.google.de (Abgerufen am 30. Dezember 2008). Geprägt wurde die heutige Form des Eigers durch die Eiszeiten.Eiszeit. In: wissen.de. Abgerufen am 9. September 2024. Während der Riss-Kaltzeit reichte die Vergletscherung bis an den Fuss der Nordwand. In der Würm-Kaltzeit war die Mächtigkeit des Eises um 200 Meter geringer. Durch die Bewegung der Gletscher wurde die Erdoberfläche umgestaltet. Vom Eis überlagerte Landschaften wurden abgeschliffen, wohingegen unbedeckte Bereiche durch Verwitterung und andere Formen der Erosion verändert wurden.Erbschaften der grossen und der kleinen Eiszeit – Eine geographische Bildpräsentation. (PDF); In: Swissfaces (2006); abgerufen am 31. März 2009. Mit dem Rückzug des Eises änderten sich auch die Druckverhältnisse im Gestein, was sich durch Entlastungsbewegungen formgebend auswirkte. Prägend für den Eiger und seine Form war die allseitige Umlagerung von Eismassen, welche für einen recht gleichmässigen und markanten Abrieb aller Wände sorgte. Darüber hinaus war die Nordwand durch ihre Exposition den Abtragungsprozessen wie Frostverwitterung mehr ausgesetzt.
Felssturz mini|Kleinerer Abbruch nach dem grossen Bergsturz an der Eiger-Ostflanke (21. Juli 2006) 2006 ereignete sich am Eiger ein grosser Bergsturz, der öffentliches Interesse auf sich zog. An der Ostseite des Berges, unterhalb des Mittellegigrates, war durch Felsbewegungen ein rund 250 Meter langer Spalt entstanden, der eine Breite von etwa 7 Metern erreichte.Joachim Hoelzgen: Am Eiger wackelt die Wand. auf: spiegel.de. 2006, abgerufen am 12. Januar 2009. Danach senkten sich die äusseren Teile mehrere Zentimeter pro Tag ab. Eine Ursache dieser Felsabspaltung könnte sowohl das massive Eindringen von Schmelzwasser in den Felsen gewesen sein als auch eine Instabilität des Gesteins durch den Rückgang des Gletschers unterhalb des Felsabbruchs infolge der globalen Erwärmung.Joachim Hoelzgen: Interview zum Eigerfelssturz mit Hans Rudolf Keusen. auf: spiegel.de. 2006, abgerufen am 3. März 2009. Am 13. Juli 2006 um 19:24 Uhr stürzten rund 500'000 Kubikmeter Felsbrocken auf den Unteren Grindelwaldgletscher. Über der Gemeinde Grindelwald schwebte stundenlang eine Staubwolke. Bereits am Nachmittag desselben Tages war die sogenannte «Madonna vom Eiger» zu Tal gestürzt. Hierbei handelte es sich um einen ungefähr 30 Meter hohen schlanken Felsturm mit rund 600 Kubikmeter Volumen.Eiger-Felsen stürzen auf Gletscher. In: Spiegel online. 14. Juli 2006, abgerufen am 12. Januar 2009.
Seit diesen Ereignissen wird die Felsnase (Gesamtvolumen: ungefähr eine Million Kubikmeter Gestein), aus der die Gesteinsmasse abbrach, von der Universität Lausanne beobachtet. Die Beobachtungen ergaben, dass sich die Nase von Juli 2007 bis August 2008 auf einer nach Osten geneigten Gleitfläche um 15 Meter talwärts bewegte. Zusätzlich kippte die Gesteinsmasse um zwei Grad nach Nordosten. Die Kluft zwischen Berg und Felsbrocken betrug im August 2008 50 Meter. Immer wieder brachen Gesteinsteile ab und stürzen zu Tal. Gebremst und stabilisiert wurde die Masse vom Gletschereis, in das die Felsnase glitt. Dies verhinderte, dass die Nase als kompakte Masse zu Tal stürzen konnte.Sarah Nowotny: Der Brocken gleitet weiter. In: Der Bund. 19. August 2008, S. 27. In den Folgejahren bildete sich ein schon 2005 nach dem Erdrutsch von der Stieregg aufgetauchter See auf dem Gletscher nun hinter noch mehr auf das Eis gestürztem Geröll, welcher sich absehbar unregelmässig entleerte. 2008 kam es zu einem Ausbruch von 800'000 Kubikmetern Wasser. Mit einem potenziellen Volumen von 2,6 Millionen Kubikmeter bedeutete diese Wassermasse eine Bedrohung für Teile Grindelwalds und des weiteren Flusslaufes. Es wurde beschlossen, für das Wasser einen Umgehungsstollen zu bauen, der die Wassermenge auf etwa eine halbe Million Kubikmeter Wasser reduzieren konnte und der 2010 in Betrieb genommen wurde. 2012 war der See leer.Entwässerungsstollen für den Gletschersee auf dem Unteren Grindelwaldgletscher (PDF; 0,2 MB)Als eine riesige Flutwelle das Gletscherdorf bedrohte, 11. April 2020
2017 wurden wieder Messgeräte an einem neuerlichen Riss angebrachtWieder Risse in Felswand an der Eiger Ostflanke entdeckt, Swissinfo, 31. August 2017 und auch 2020 wurden Risse bei der Schlossplatte beobachtet. Die riesigen Felsbrocken des Felssturzes verminderten auf der anderen Seite den Durchgang von grossen dahinter liegenden Geschiebemassen durch die Schlucht.
Martinsloch