Niederdorfelden ist eine Gemeinde im südhessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografie Niederdorfelden liegt auf einer Höhe von 111 m über NN, 4 km nordöstlich der Stadtmitte von Bad Vilbel und 12 km nordöstlich der Stadtmitte von Frankfurt am Main.

Niederdorfelden umfasst nur eine Gemarkung (Gmk.-Nr. 60968) und besteht aus dem einzigen Ortsteil Niederdorfelden.

Niederdorfelden grenzt im Norden an die Stadt Karben (Wetteraukreis), im Osten an die Gemeinde Schöneck, im Süden an die Stadt Maintal, im Südwesten an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main sowie im Westen an die Stadt Bad Vilbel (Wetteraukreis).

Geschichte Urgeschichte Die Gemarkung von Niederdorfelden war auch in urgeschichtlicher Zeit besiedelt. Diese Wohnplätze lagen ein gutes Stück oberhalb der heutigen Ortschaft in Richtung der Großen und der Kleinen Lohe. Die römische Straße von Friedberg zum Kastell Salisberg bei Hanau-Kesselstadt überquerte bei Niederdorfelden die Nidder.

Mittelalter mini|hochkant=1.3|Ruine der mittelalterlichen Burg Dorfelden.

Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Niederdorfelden entstammt dem Lorscher Codex, einem Kopiar des Klosters Lorsch, und datiert auf das Jahr 784. Eine weitere Urkunde aus dem Jahr 792 ordnet es dem Niddagau zu.

Ab dem 12. Jahrhundert ist ein Adelsgeschlecht, die Herren von Dorfelden, nachweisbar. Ihnen gehörte die Burg Dorfelden, eine Wasserburg, von der heute nur noch wenige Mauer- und Turmreste zu sehen sind. Sie entstand im 13. Jahrhundert auf der längsgestreckten Insel zwischen Nidder und Mühlgraben in der Aue der Nidder. Der sie vollständig umgebende Wassergraben ist beinahe vollständig erhalten.

Nach dem Aussterben des Nachbargeschlechts der Herren von Buchen erbten die Herren von Dorfelden deren Besitz an der Kinzig in Hanau und verlegten auch das Schwergewicht ihrer Politik dorthin. Im 13. Jahrhundert tauschten sie ihren Familiennamen von Dorfelden gegen den neuen von Hanau.

1234 einigten sich Reinhard I. von Hanau und sein Onkel Heinrich II. von Dorfelden über die Teilung der Erbschaft des Vaters und Bruders. Reinhard I. erhielt die Burg Hanau mit den zu ihr gehörenden Besitzungen, Heinrich II. die Burg Dorfelden mit allem Zubehör. In der Folgezeit wechselte der Besitz an Dorfelden mehrmals. So besaßen die Herren von Hagen-Münzenberg und später die von Falkenstein Anteile an Dorfelden.

1266 wurde erstmals auch die zur Burg gehörende Mühle erwähnt, als der kaiserliche Hofkämmerer Philipp von Falkenstein seine Hälfte der Burg und der Mühle dem Kloster Fulda zu Lehen gab. Dies ist wohl die älteste Nennung einer Mühle im Main-Kinzig-Kreis.Die Ölmühle beim „Förderverein Ölmühle Niederdorfelden e. V.“ Die Wassermühle lag an einem von der Nidder abzweigenden Mühlgraben und wurde erst 1960 als Getreidemühle stillgelegt. Um 1288 konnte Ulrich I. von Hanau die entfremdeten Anteile an Dorfelden zurück erwerben.

Um 1300 erscheint wieder eine Familie Dorfelden, die zu den Dienstmannen der Herren und späteren Grafen von Hanau gehörte, mit ihnen aber nicht verwandt war.

1333 wurde die Burg dem Kurfürsten Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg zu Lehen aufgetragen, der sie sofort wieder an Ulrich II. von Hanau als Lehen vergab. Dies diente dazu, dem Kurfürsten einen sicheren „Trittstein“ vor den Toren von Frankfurt am Main zu schaffen, dem Ort der Kaiserwahl.

1368 erhielt Ulrich III. von Hanau von Kaiser Karl IV. eine Stadtrechtsurkunde für Dorfelden, in der er dem Ort die Freiheiten und Rechte von Hanau verlieh. Dies hatte aber auf die tatsächliche Entwicklung des Ortes offensichtlich keinen Einfluss. Im späten Mittelalter gehörte Niederdorfelden zum Amt Windecken der Herrschaft und ab 1429 Grafschaft Hanau, nach der Landesteilung von 1458 zur Grafschaft Hanau-Münzenberg.

Kirchengeschichte 1374 wird eine Kapelle erwähnt, die dem Patrozinium des Heiligen Georg unterstand. 1266 besaßen die von Falkenstein das halbe Patronatsrecht daran, 1497 die Familie derer von Dorfelden.

Historische Namensformen hochkant|mini|Die evangelische Kirche

In erhaltenen Urkunden wurde Niederdorfelden unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Dorfelden, in (784–803) Torvelden (um 850) Dorovelden (um 1130) Torvelde, de (1166) Dorenfelt (1234) Dorfelden (1266) Doroveldin inferior (1344) Großendorfelden

Durch den Namenszusatz wird der Ort vom benachbarten Oberdorfelden unterschieden.

Frühe Neuzeit mini|hochkant|Katholische Kirche St. Maria In der Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach und nach die Reformation eingeführt, zunächst im lutherischen Sinn. In einer „zweiten Reformation“ wurde die Konfession der Grafschaft erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft weitgehend als verbindlich durch.

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, fiel Niederdorfelden – zusammen mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg – an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen hervorging.

Neuzeit Während der napoleonischen Zeit stand Niederdorfelden ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. In der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, kam Niederdorfelden zum neu gebildeten Landkreis Hanau. 1866 wurde das Kurfürstentum Hessen – und damit auch Niederdorfelden – nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg vom Königreich Preußen annektiert und mit dem ebenfalls annektierten Herzogtum Nassau die Provinz Hessen-Nassau gebildet. Aus dem vormaligen Kurhessen entstand der preußische Regierungsbezirk Kassel. Zum 1. Juli 1944 wurde die preußische Provinz Hessen-Nassau in die neugebildeten Provinzen Kurhessen und Nassau aufgeteilt und dabei wurden die Kreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern sowie die kreisfreie Stadt Hanau vom Regierungsbezirk Kassel in den Regierungsbezirk Wiesbaden überführt.

In der Nachkriegszeit galt es die Lebensverhältnisse innerhalb der Gemeinde an die stark gestiegene Einwohnerzahl anzupassen. 1957 wurde mit dem Bau der Kanalisation begonnen, die 1959 abgeschlossen wurde. Sämtliche damals bestehenden Straßen mussten ausgebaut oder erneuert werden. Neue Baugebiete wurden erschlossen, zunächst an der Oberdorfelder Straße zwischen Bischofsheimer und Hanauer Straße, dann an der Siedlerstraße, der Brüder-Grimm-Straße, An der Gänsweide, der Feldberg- und Taunusstraße. Damit waren alle freien Flächen bis zur Niddertalbahn bebaut. Ein Gewerbegebiet wurde ausgewiesen und ein neuer Sportplatz angelegt. Zur Vervollständigung der Ortsentwässerung wurde eine Kläranlage errichtet. 2004 wurde mit der Bebauung des Neubaugebietes „Auf dem Hainspiel“ begonnen, das südlich der Niddertalbahn liegt und ca. 14 ha umfasst. Damit wurde Niederdorfelden, das zu dieser Zeit etwa 3.000 Einwohnern hatte, auf ca. 3.600 Einwohner erweitert. Ab 2017 wurde das Neubaugebiet „Im Bachgange“ entwickelt, welches südlich der Niddertalbahn die Lücke zwischen „Auf dem Hainspiel“ und dem Industriegebiet schließt. Es umfasst ca. 11,2 ha und wird 500–600 Einwohnern Platz bieten.

1964 wurde die zehnklassige Mittelpunktschule fertiggestellt, 1966 das Feuerwehrhaus und die Leichenhalle, 1971 das Bürgerhaus mit Rathaus und 1972 der Kindergarten.

Einwohnerentwicklung  Quelle: Historisches Ortslexikon

1587: 30 Schützen, 18 Spießer 1616: 53 Haushaltungen 1632: 31 FamilienIn den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein 1844: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung = Hanauer Geschichtsblätter 45 (2011), , S. 277–320 (289 ff.) 1707: 41 Familien 1754: 69 Familien mit 360 Personen 1812: 83 Feuerstellen, 588 Seelen

Während des Zweiten Weltkriegs mussten viele Ausgebombte aus der Stadt Hanau und ab 1945 Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufgenommen werden. Die Einwohnerzahl stieg dadurch stark an.

Religionszugehörigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon 1885: 724 evangelische (= 98,50 %), 11 katholische (= 1,50 %) Einwohner 1961: 1045 evangelische (= 79,05 %), 247 katholische (= 18,68 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Niederdorfelden erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Niederdorfelden 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 54,6 8 52,4 8 59,3 9 47,4 7 47,0 7 59,1 9 14,8 2 14,2 2 13,3 2 24,9 4 22,2 3 12,2 2 DL Dorfelder Liste 30,6 5 33,5 5 – – – – – – – – – – – – 27,4 4 27,8 4 30,8 5 28,7 4 Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 Wahlbeteiligung in % 55,0 55,5 57,6 55,8 66,6 61,6 mini|Das Bürgerhaus

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Niederdorfelden neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und vier weitere Beigeordnete angehören.Gremien der Gemeinde Bürgermeister ist seit dem 1. Februar 2012 Klaus Büttner (SPD). Sein Amtsvorgänger Mathias Zach (GRÜNE) wechselte am 1. November 2011 als hauptamtlicher Kreisbeigeordneter zum Main-Kinzig-Kreis. Danach leitete der Erste Beigeordnete Karl Markloff (SPD) die Gemeindeverwaltung kommissarisch und die Wahl eines neuen Bürgermeisters musste vorgezogen werden. Klaus Büttner erhielt am 20. November 2011 im ersten Wahlgang bei 68,7 Prozent Wahlbeteiligung 53,5 Prozent der Stimmen. Es folgten zwei Wiederwahlen, jeweils ohne Gegenkandidaten, zuletzt im Oktober 2023.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Niederdorfelden 2023

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2012–2030 Klaus Büttner (SPD)Bad Vilbeler Anzeiger, 26. Januar 2012: Büttner am Ruder! – Niederdorfeldens neuer Bürgermeister ins Amt eingeführt: „Dienstantritt am 1. Februar“ 2006–2011 Matthias Zach (GRÜNE)op online, 2019: Nach 31 Jahren verlässt Matthias Zach die Kommunalpolitik: „Im „roten Dorfelden“ wurde er direkt gewählter Bürgermeister. Nach ihm hat das kein Grünen-Politiker im Kreis erreicht. „Diese fünfeinhalb Jahre haben mir viel Spaß gemacht.““ - SPD Niederdorfelden, 2. Mai 2011: Gelungener Start in die neue Wahlzeit: „Erster Beigeordneter und damit Stellvertreter des Bürgermeisters ist somit Karl Markloff (SPD)“ 1982–2006 Wilfried Schneider (SPD)Städtepartnerschaft zwischen Niederdorfelden und Saint-Sever feiert 50. Geburtstag. 1982 war Wilfried Schneider neugewählter Bürgermeister.

Partnergemeinde Seit 1973 besteht mit Saint-Sever im Département Calvados (Region Normandie) eine Partnerschaft.

Wappen und Flagge mini|100px Wappen links|100px Blasonierung: „Blau/Gold geschacht, im Schildhaupt auf Gold das schwarze Gemerke D.“

Das Wappen wurde der Gemeinde Niederdorfelden im damaligen Landkreis Hanau am 31. Juli 1967 durch das Hessische Innenministerium genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Das „D“ ist die alte Ortsmarke von Niederdorfelden (siehe auch: Initialwappen).

Flagge