Ein Adjektiv oder Eigenschaftswort ist ein Wort, das ohne weiteres ein Substantiv modifizieren, d. h. als Attribut fungieren kann, unbeschadet der Möglichkeit, dass es noch andere Funktionen im Satz wahrnehmen kann. Typische Adjektive bezeichnen Eigenschaften wie ‚gut‘ und Zustände wie ‚nass‘.

Den Adjektiven vieler Sprachen sind folgende Funktionen gemeinsam:

Sie verbinden sich definitionsgemäß mit einem appellativen Substantiv zu einer endozentrischen Konstruktion, wie in schneller Gepard. Das Adjektiv fungiert hier als Attribut. Sie bilden, oft mithilfe einer Kopula, das Prädikat eines Satzes, wie in der Gepard ist schnell. Das Adjektiv fungiert hier als Prädikatsnomen. Sie modifizieren ein Verb, wie in der Gepard läuft schnell. Das Adjektiv fungiert hier als adverbiale Bestimmung.Kürschner: Grammatisches Kompendium. 4. Auflage. 2003, ISBN 3-8252-1526-1, S. 135; ähnlich Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002.

In einer allgemeinen Systematik der Wortarten kann das Adjektiv in eine mittlere Position zwischen Substantiv und Verb eingeordnet werden. Im Japanischen gibt es zwei Arten von Adjektiven, ein mehr substantivartiges und ein mehr verbartiges (s. u.). In Sprachen wie dem Lateinischen, wo das Adjektiv die meisten grammatischen Eigenschaften mit dem Substantiv teilt, kann es mit diesem unter dem Oberbegriff des Nomens zusammengefasst werden. In solchen Sprachen kann das Adjektiv ähnlich wie ein Substantiv deklinieren.

Das Adjektiv kann mit dem Bezugsnomen in morphologischen Kategorien wie Genus, Numerus und Kasus kongruieren und tut das oft in der ersten, manchmal auch in der zweiten obigen Funktion. In der dritten Funktion wird es in einigen Sprachen zum Adverb abgeleitet. Z.B. tritt in der italienischen Fassung des ersten und des zweiten Beispiels das Adjektiv veloce „schnell“ auf, in der des dritten Beispiels jedoch das Adverb velocemente.

Eine Eigenschaft oder ein Zustand können in höherem oder geringerem Maße auf eine Entität zutreffen. Daher sind Adjektive im Allgemeinen durch Begriffe wie ‚mehr‘, ‚höchst‘ u. ä. modifizierbar. In einigen, insbesondere indogermanischen Sprachen ist diese Funktion in die morphologische Kategorie der Komparation umgesetzt: typische Adjektive sind steigerbar, wie schnell – schneller – am schnellsten.

Begriff und Terminus

Der Begriff des Adjektivs wurde zuerst für das Altgriechische geprägt. Der Terminus lautet bei Dionysius Thrax (2. Jh. v.Ch.; Tékhnē grammatikḗ § 14) „hinzugefügtes Nomen“. Das Adjektiv fällt hier unter einen weiten Begriff von ‚Nomen‘, der u. a. noch Substantive, Pronomina und Zahlwörter umfasst. Die römischen Grammatiker übernehmen diesen Begriff des Nomens für das Lateinische; allerdings betrachtet erst Priscian (um 500 n.Ch.; Institutio de arte grammatica, GL 2: 58) das [nomen] adiectivum, ebenfalls „beigefügtes [Nomen]“, als eine eigene Klasse von Nomen, genauer: als eine Art von nomen appellativum. Erst in Grammatiken moderner europäischer Sprachen gilt das Adjektiv als eigene Wortart neben dem Substantiv.

In der Schulgrammatik wird das Adjektiv auch Eigenschaftswort oder Beiwort genannt, in der Grundschule auch Wiewort („Wie ist etwas?“). Allerdings kann das Adjektiv nicht definiert werden als ein Wort, das eine Eigenschaft bezeichnet. Denn nicht nur Adjektive wie schön, sondern auch Substantive wie Schönheit bezeichnen eine Eigenschaft. Überdies gibt es Sprachen, in denen Eigenschaften ausschließlich durch Substantive oder durch Verben bezeichnet werden (s. u.).

In der eingangs gegebenen Definition ist die Bedingung „ohne weiteres“ wichtig. Wenn man sie fallen lässt, können Wörter vieler Wortarten als Attribut fungieren. Z.B. lässt sich von dem Verb laufen das Partizip laufend bilden, und dieses ist Attribut in laufendes Verfahren.

Adjektiv und Adverb

Nach der traditionellen Wortartenlehre werden die Wortarten Adjektiv und Adverb (Umstandswort) unterschieden. Adverbien werden nie flektiert, gelegentlich aber gesteigert. Vereinzelt werden Adverbien von Adjektiven nicht als Kategorie unterschieden, sondern als „Adjektive im weiteren Sinn“ zusammengefasst.Nach Ulrich: Linguistische Grundbegriffe. 5. Auflage. 2002; Wortart von Glinz, siehe aber hier Wortart.

Adjektive können in allen drei oben genannten Funktionen auftreten. Für Adverbien ist die dritte Funktion primär. Die erste und zweite Funktion können sie in vielen Sprachen gar nicht oder sonst unter anderen Bedingungen als Adjektive einnehmen. Z.B. steht in das Fest heute das attributive Adverb hinter dem Substantiv, in das heutige Fest das attributive Adjektiv jedoch vor dem Substantiv.

Das Adjektiv in der deutschen Sprache In der deutschen Grammatik lassen sich Adjektive durch folgende morphologische Eigenschaften von anderen Wortarten unterscheiden:

Adjektive haben kein festes Genus, sondern treten je nach Bezug mit unterschiedlichem Genus auf (Abgrenzung zu Substantiven). Adjektive werden dekliniert (Abgrenzung zu nicht-deklinierbaren Wortarten wie Adverbien usw.). Adjektive lassen sich steigern (Abgrenzung zu Pronomen).

Allerdings gibt es neben den typischen Adjektiven, die alle drei Eigenschaften haben, auch solche, die nicht dekliniert oder gesteigert werden; s. u. Diese sind nach syntaktischen Kriterien nichtsdestoweniger auch Adjektive.

Formenlehre Beugung (Flexion)

Adjektive können ihrer Form nach verändert (gebeugt, flektiert, d. h. hier dekliniert) werden. Sie flektieren nach Genus, Kasus, Numerus und Determiniertheit.

Die Flexion nach Determiniertheit ist typisch für viele germanische Sprachen. In der traditionellen Grammatik, die sich stark am Modell des Lateinischen orientiert, wurde sie oft vernachlässigt, denn das Lateinische kennt keine Determiniertheit. Die Flexion nach Determiniertheit äußert sich darin, dass Adjektive in bestimmten Nominalphrasen andere Endungen erhalten als in unbestimmten. Bei jedem Adjektiv gibt es also zwei Formen von Endungen, nämlich starke und schwache, wobei manche Grammatiken mit der gemischten Flexion ein zusätzliches, drittes Paradigma veranschlagen. Beispiel: (stark:) heißer Ofen; (gemischt:) ein heißer Ofen; (schwach:) der heiße Ofen

Steigerung (Komparation) Die meisten Adjektive der deutschen Sprache können gesteigert werden. Dieser Vorgang heißt Komparation:

Positiv: schön Komparativ: schöner Superlativ: am schönsten

Das geht auch mit substantivierten Adjektiven: der/die/das Schöne, Schönere, Schönste.

Es gibt auch Adjektive, bei denen zum Steigern der Wortstamm gewechselt wird: gut, besser, am besten; viel, mehr, am meisten.

Viele Fremdwörter und entlehnte Farbbezeichnungen, etwa rosa, können weder dekliniert noch gesteigert werden (unveränderliche Adjektive). Andere Adjektive, etwa Bezeichnungen absoluter Eigenschaften wie schwanger, tot (Absolutadjektive) können zwar dekliniert, jedoch nicht gesteigert werden. Hingegen können Farbbezeichnungen wie blau auch gesteigert werden, da sie keine absolute Eigenschaft beschreiben.

Abstufungen der Eigenschaften können manchmal auch mit Hilfswörtern erreicht werden (besonders häufig kommt das in Form der quasi-adverbialen Qualifizierung adjektivischer Partizipien vor). Außer einer Verstärkung der Eigenschaften lässt sich so auch eine Abschwächung erreichen: mehr offenbar, am meisten gehört, weniger bedeutsam, besonders nichtssagend, voller geformt, am weitesten oben, am stärksten verbrannt, stärker orange, schwächer grün, am wenigsten sauber.

In Dialekten und in der Umgangssprache werden auch sonst nicht komparierbare Wörter gesteigert oder Adverbien als Adjektive gebraucht: rosa – rosaner.

Andere Sprachen kennen auch den Elativ (auch „absoluter Superlativ“) als weitere Steigerungsstufe, der jedoch keinen Vergleich ausdrückt und im Deutschen mit „sehr“, „äußerst“, „höchst“ usw. umschrieben wird. Im Italienischen wird er, ebenso wie der Superlativ, mit dem Morphem -issim- gebildet. Z. B. bellissimo: Wenn als Superlativ verwendet ‚der schönste‘, wenn als Elativ verwendet ‚sehr schön‘, ‚am allerschönsten‘. Ob die Form als Superlativ oder als Elativ aufzufassen ist, erschließt sich nur durch den Kontext. Siehe dazu auch den Abschnitt Intensivierende Komposita.

Satzlehre Syntaktische Funktion Die Wortart Adjektiv ist unabhängig von ihrer syntaktischen Funktion.Kessel/Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 64. Das Adjektiv kann syntaktisch in vier Verwendungen vorkommen:

attributiv (Adjektivattribut) – Beifügung zu einem Substantiv oder Adjektiv: „Sie hatte braune Augen.“ prädikativ – in Verbindung mit sein, werden, bleiben und wenigen ähnlichen Verben: „Er war neugierig. Er blieb immer freundlich.“ als freie Prädikativa – zum Subjekt oder zum Objekt in Verbindung mit anderen Verben: „Italiener trinken den Kaffee schwarz“ (Der Kaffee ist schwarz), „Wir fahren fröhlich nach Hause“ (Wir sind fröhlich). modal-adverbial: „Sie singt schön.“ (Die Art und Weise, wie sie singt – schön bezieht sich auf singen.) satz-adverbial: „Er weint schnell.“ (Es kommt schnell dazu, dass er weint – schnell ist hier keine Angabe der Art und Weise zum Verb „weinen“.)

Satzstellung Im Deutschen können „nur Adjektive zwischen definitem Artikel und Substantiv stehen“Duden – Die Grammatik. 7. Auflage. 2005, ISBN 3-411-04047-5, Rn. 457. – sofern Grundzahl- und Ordnungszahlwörter als Adjektive angesehen werden.

Semantik Semantische Funktion Adjektive werden in semantischer HinsichtVgl. auch Manfred Bierwisch: Some semantic universals of German adjectives. In: Foundations of Language. Band 3, 1967, S. 1–36. unterschiedlich eingeteilt.

VerbreitetDuden: Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht. 2007, S. 166. Duden - Die Grammatik. 7. Auflage. 2005, ISBN 3-411-04047-5, Rn. 459. Ulrich: Linguistische Grundbegriffe. 5. Auflage. 2002; Adjektiv referiert eine andere Einteilung von Brinkmann in: Orientierungswörter (Raum, Zeit, Herkunft, Stoff); Eindruckswörter (silbrig); Eigenschaftswörter (mutig); Wertwörter (erstklassig); Eignungswörter (trinkbar); Verhaltenswörter (weinend). ist die Einteilung in

Eigenschaftswörter (im engeren Sinn) (auch: qualifizierende Adjektive); Beziehungsadjektive (auch: relationale Adjektive); Zahladjektive (auch: quantifizierende Adjektive). Expressive Adjektive wie z. B. verdammt oder verflixt.

Stellung im deutschen Wortschatz Adjektive machen etwa ein Sechstel des gesamten deutschen Wortschatzes aus. Die meisten leiten sich aus Substantiven (sprunghaft, fleißig, ruhig, geschickt, ekstatisch, arthritisch), Verben (kichernd, klebrig) und Präpositionen (äußer, hinter, inner, ober, unter, vorder) ab oder entstehen durch Zusammensetzungen von Adjektiv und … anderen Adjektiven (lautstark) Substantiven (schwungvoll, bildschön) Verben (laufstark) Suffixen wie -bar, -haft, -ig, -isch, -lich, -los, -sam, -en, -ern Präfixen (be-, ge-, un-).

Abgesehen von den Farben (blau, blond, braun, gelb, grau, grün, rot, schwarz, weiß) und verschiedenen Fremd- und Lehnwörtern (aktiv, beige, cool, fair, fidel, fix, fit, kaputt, krude, lax, lila, pink, prüde, pur, quitt, rosa, schick, simpel, super) gibt es nur etwa 250 „primäre“ (eigenständige) Adjektive im Deutschen, darunter: