mini|Geschlechtsverkehr in der Reitstellung
Sex (Lehnwort aus der englischen Sprache, von lateinisch sexus „Geschlecht“) bezeichnet die praktische Ausübung von Sexualität. Im üblichen Sprachgebrauch bezieht sich Sex auf Erotik und sexuelle Handlungen zwischen zwei oder mehreren Sexualpartnern , insbesondere den Geschlechtsverkehr und vergleichbare Sexualpraktiken.
Im weiteren Sinne wird in der Umgangssprache gelegentlich auch die Masturbation mit eingeschlossen (Solosex mit sich selber), obwohl es sich hierbei nicht um eine Interaktion handelt.
Biologische Funktion mini|Begattung bei Elefanten
Als evolutionärer Grund für die sexuelle Reproduktion werden Fitnessvorteile gegenüber der ungeschlechtlichen Vermehrung als sehr wahrscheinlich angenommen. Die Durchmischung der Gene würde demnach zum Beispiel eine Reduktion des Risikos nachteiliger Mutationen sowie die Reduktion der Anfälligkeit für Infektionskrankheiten bewirken.Mark Ridley: Evolution. 3. Auflage. Wiley-Blackwell, Oxford (GB) / Malden (Mass) 2003, ISBN 1-4051-0345-0, S. 314–327 (Volltext als PDF).
Sexueller Kontakt unter Tieren wird für gewöhnlich Begattung genannt. Bei Säugetieren ist die häufigste beziehungsweise fast ausschließliche sexuelle Praktik der vaginale Geschlechtsverkehr – meist in der a-tergo- (von hinten) oder a fronte (von vorne). Auch oraler Kontakt mit den Geschlechtsteilen und dem Afterbereich des Partners sowie homosexuelle Praktiken kommen vor.
Psychosoziale Aspekte mini|hochkant|Beim Menschen erfüllt Sex wichtige Funktionen für Intimität und PartnerverbundenheitM. Del Giudice: Sex, attachment, and the development of reproductive strategies. In: Behavioral and Brain Sciences. 2009, Band 32, Nr. 1, doi:10.1017/S0140525X09000016.
Bei den meisten Tieren handelt es sich beim Sex um rein instinktgesteuertes Verhalten, das ausschließlich der Fortpflanzung dient. Bei einer Reihe von Arten, etwa den Bonobos und Delfinen, ist der Sex ähnlich wie beim Menschen auch Teil der sozialen Interaktion und spielt über die Fortpflanzungsfunktion hinaus eine wichtige Rolle für Intimität, Paarbindung und Wohlbefinden sowie auch körperliche und psychische Gesundheit.L. M. Diamond, D. M. Huebner: Is good sex good for you? Rethinking sexuality and health. In: Social and Personality Psychology Compass. 2012, Band 6, Nr. 1, S. 54–69, doi:10.1111/j.1751-9004.2011.00408.x.
Beim Menschen ist Sex kein reines Instinktverhalten mehr, sondern unterliegt auch bewussten Entscheidungsprozessen. Über einen Kinderwunsch hinaus liegt die direkte Motivation für sexuelle Interaktion meist in der Befriedigung eines – im Idealfall beiderseitig vorhandenem – sexuellen Verlangen und Appetenz: Sex befriedigt die Libido und wird von den meisten Menschen als lustvoll erlebt. Die Bereitschaft zur sexuellen Interaktion ist jedoch nicht ausschließlich durch inneres Verlangen getrieben: gerade beim Menschen spielen oftmals (vermeintliche) soziale und kulturelle Erwartungen und Wünsche des Partners bezüglich Häufigkeit und Ausgestaltung des Sex eine gewichtige RolleG. J. Fletcher, J. A. Simpson, L. Campbell, N. C. Overall: Pair-bonding, romantic love, and evolution: The curious case of Homo sapiens. In: Perspectives on Psychological Science. 2015, Band 10, Nr. 1, S. 20–36, doi:10.1177/1745691614561683.D. Klusmann: Sexual motivation and the duration of partnership. In: Archives of sexual behavior. 2002, Band 31, Nr. 3, S. 275-287, doi:10.1023/A:1015205020769..
Aus biochemischer Sicht entspricht dem mit dem Sex einhergehenden Lustgefühl die Freisetzung von Endorphinen, körpereigenen Opiaten und Dopamin. Der begleitende Zustand ist in der Regel von Erregung beziehungsweise Arousal gekennzeichnet und geht in eine angenehme Entspannung über, wobei der Grad der Ausprägung abhängig von der Person und der Situation ist. Darüber hinaus drückt Sex in der Regel als wichtige Form der sozialen Interaktion Gefühle der Zärtlichkeit, Zuneigung und Liebe aus. Besonders in Liebesbeziehungen kann das Sexualleben eine zentrale Rolle als Ausdruck der Verbundenheit der Partner spielen. Hierfür sind wiederum auf biopsychologischer Ebene die Neuropeptide Oxytocin und Vasopressin mit verantwortlich, welche beim Sex ausgeschüttet werden und die für die Ausformung zwischenmenschlicher Bindung wesentlich sind.F. Toates: An integrative theoretical framework for understanding sexual motivation, arousal, and behavior. In: Journal of sex research. 2009, Band 46, Nr. 2-3, S. 168-193, doi:10.1080/00224490902747768. Interessanterweise finden zahlreiche biochemische und physiologische Reaktionen auch primär beim partnerschaftlichen Sex statt und nicht, oder in weit geringerem Ausmaß, bei der Masturbation.S. Brody, R. M. Costa: Sexual satisfaction and health are positively associated with penile-vaginal intercourse but not other sexual activities. In: American journal of public health. 2012, Band 102, Nr. 1, S. 6. R. M. Costa, S. Brody: Greater resting heart rate variability is associated with orgasms through penile–vaginal intercourse, but not with orgasms from other sources. In: The journal of sexual medicine. 2012, Band 9, Nr. 1, S. 188-197, doi:10.1111/j.1743-6109.2011.02541.x.
Obgleich der Orgasmus oftmals als Ziel des Sex sowie als natürlicher Abschluss des Sexualaktes betrachtet wird,If Sex Has to Have a Goal, It Should Be Pleasure — Not Orgasm. Here’s Why. Auf: healthline.com; zuletzt abgerufen am 20. Mai 2023. ist er für das Erleben von Lust und Befriedigung bei beiden Geschlechtern keine notwendige Voraussetzung und kann für die Bindungsfunktion des Sex sogar abträglich sein, bei der Praktik des Karezza soll der Orgasmus beispielsweise aktiv vermieden werden.Susan Donaldson James / ABC News: Karezza: Men Say Best Sex Comes Without Orgasm - Orgasm causes elation, then honeymoon hangover in the brain. Auf: abcnews.go.com vom 9. Juli J2012; zuletzt abgerufen am 10. Mai 2023.Rebecca Horne / Society for Personality and Social Psychology: Do Women Enjoy Sex in the Absence of Orgasm? Auf: spsp.org vom 8. Februar 2019; zuletzt abgerufen am 10. Mai 2023.
Einer der wichtigsten Prädiktoren für die Zufriedenheit beider Partner mit Häufigkeit, Dauer und Ausgestaltung des Sex ist die offene Kommunikation über Wünsche und Bedürfnisse. Da Sex in vielen Kulturen mit zahlreichen Tabus belegt ist, ist für viele Menschen sowohl das Gefühl für die eigenen Vorlieben als auch Sprache und Kommunikation darüber eingeschränkt. Die Überwindung dieser Einschränkungen, wie beispielsweise im Rahmen einer Paartherapie durch Abbau von Ängsten und Einübung kommunikativer Fähigkeiten, ist eine wichtige Voraussetzung für ein erfüllendes Sexualleben.P. Schwartz, L. Young: Sexual satisfaction in committed relationships. In: Sexuality Research & Social Policy. 2009, Band 6, Nr. 1, S. 1–17, doi:10.1525/srsp.2009.6.1.1.
Sexualpraktiken
Eine Sexualpraktik ist jede Handlung, die subjektiv der sexuellen Befriedigung dient. Dies sind nicht nur Stimulationen der Geschlechtsorgane, sondern alles, was als erregend empfunden werden kann, etwa ein Zungenkuss oder auch sexuelle Handlungen ohne sexuelle Berührungen.
Da beim Menschen Sex durch die weitgehende Entkopplung von der Fortpflanzung einen eigenen Sinn und Zweck innehat, entwickelte dieser eine große Vielfalt von sexuellen Praktiken, die einerseits Ausdruck seiner Kreativität und der Freude am körperlichen Miteinander sind, andererseits auch ganz praktische Hintergründe haben, etwa wenn heterosexueller Analverkehr zur möglichen, wenn auch unsicheren, Empfängnisverhütung praktiziert wird.
Sexuelle Praktiken ohne Verkehr mini|Manuelle Stimulation der Genitalien (Petting) Sexuelle Praktiken, die nicht auf eine Person beschränkt sind, umfassen erotische Massagen, die Reizung der erogenen Zonen (unter anderem der Brustwarzen und Ohrläppchen) und des gesamten Körpers, das heißt Necking und Petting. Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine Reihe von Praktiken, die von der Gruppe der Beteiligten als sexuell stimulierend empfunden werden: Rollenspiele, Verkleidungen, Verzögerungen oder Beschleunigungen sexueller Handlungen, sexuelle Handlungen an einem bestimmten Ort, der gemeinsame Konsum erotischer oder pornografischer Materialien, aber auch stärkere Reize wie Schmerz (Sadomasochismus) oder Elektrostimulation. Fast alle Dinge oder Handlungen können sexuell aufgeladen werden.
Geschlechtsverkehr
mini|Geschlechtsverkehr in der Missionarsstellung mini|Homosexueller Geschlechtsverkehr zwischen zwei Männern in der Missionarsstellung
„Geschlechtsverkehr“ („Beischlaf“) bezeichnet die sexuelle Vereinigung zweier Sexualpartner, die in der Penetration oder intensiven Stimulation der Geschlechtsorgane bei sexuellen Kontakten – gleich welcher Art – besteht. Beim partnerschaftlichen Sex wird durch das zärtliche Vorspiel (siehe Petting), den intimen Austausch von Zärtlichkeiten die beiderseitige Lust gesteigert. Eine Penetration kann dabei im Eindringen von Penis, Hand, Fingern oder Sexspielzeug in eine Körperöffnung des Partners oder der Partnerin bestehen.
Unter „heterosexuellem Geschlechtsverkehr“ wird in der Regel das Einführen des Penis in die Vagina mit nachfolgendem Vor- und Zurückbewegen verstanden. Durch diese Gleitbewegung wird der Mann meist soweit stimuliert, dass er zum Orgasmus kommt und ejakuliert. Hingegen kann nur ein geringerer Prozentsatz der Frauen, auch wenn sie normalerweise hierbei ebenfalls erregt werden, ausschließlich durch Vaginalverkehr allein einen Höhepunkt erreichen (siehe dazu auch Orgasmus der Frau: Forschungsstand). Gewöhnlich ist sowohl beim Vorspiel als auch nach der Penetration eine zusätzliche – direkte oder indirekte – Stimulation der Klitoris erforderlich, die beispielsweise durch geeignete Körperbewegungen der Partner oder mit der Hand erfolgen kann. Diese Art von Sex kann in verschiedenen „Stellungen“ praktiziert werden, etwa der Missionarsstellung, Hündchenstellung, Reitstellung oder 69.
Beim ebenfalls als Geschlechtsverkehr betrachteten Oralverkehr findet die Stimulation mit Mund und Zunge statt, wobei die Kombination Mund-Penis als „Fellatio“, die Kombination Mund-Vulva als „Cunnilingus“ bezeichnet wird. Eine gleichzeitige gegenseitige orale Stimulierung wird bildlich auch „Neunundsechzig“ genannt. Auch anale Stimulation kann oral erfolgen, wenn der hoch empfindliche Damm oder der äußere Schließmuskel mit Mund und Zunge berührt werden (Anilingus).
Beim Analverkehr wird der Penis in den Anus der Partnerin oder des Partners eingeführt. Auch Analverkehr kann in verschiedenen Stellungen praktiziert werden; darüber hinaus wird er auch mit den Fingern oder mit dafür geeigneten Gegenständen ausgeübt.
Sonstige Praktiken mini|Eine Form der Tribadie als Möglichkeit von lesbischem Sex
Neben diesen Praktiken gibt es auch das gegenseitige Aneinanderreiben der Geschlechtsteile (Tribadie), das Einführen der ganzen Hand oder des Unterarms in eine Körperöffnung des Partners oder der Partnerin (Fisting), den Sex zwischen den Brüsten einer Frau (Mammalverkehr), den Verkehr zwischen den Schenkeln (Schenkelverkehr), den Pobacken oder in den Achselhöhlen. Besondere Formen des Geschlechtsverkehrs sind unter anderem BDSM, der schnelle Sex (Quickie), der Sex zu dritt (Triole: Flotter Dreier) oder in der Gruppe (Gruppensex, Gang Bang). Ohne körperlichen Kontakt (Sexualkontakt) kommt das sexuelle und obszöne Sprechen aus (Verbalerotik, Telefonsex, Cybersex), sowie das reine Beobachten der Sexualität anderer Menschen (Voyeurismus) und das Vorzeigen der eigenen Sexualität (Exhibitionismus).
Paraphilien und paraphile Störungen