mini|August der Starke, Gemälde von Louis de Silvestre, um 1720 rahmenlos|klasse=skin-invert-image
August der Starke (* 12. Mai 1670 in Dresden; † 1. Februar 1733 in Warschau) aus der albertinischen Linie des Hauses Wettin war von 1694 bis 1733 als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen sowie von 1697 bis 1706 und erneut von 1709 bis 1733 als August II. in Personalunion König von Polen und Großfürst von Litauen. Er gilt als eine der schillerndsten Figuren höfischer Prachtentfaltung des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts und begründete als Prototyp absolutistischer Selbstdarstellung durch seine ausgeprägte Kunst- und Bauleidenschaft den Ruf Dresdens als prunkvolle barocke Metropole, der bis heute nachwirkt. Unter ihm erlebte der Kurstaat eine enorme wirtschaftliche, infrastrukturelle und kulturelle Blüte. Gleichzeitig verwickelte er seine Länder in den Dritten Nordischen Krieg von 1700 bis 1721, in dessen Verlauf er, nachdem er vom protestantischen zum römisch-katholischen Glauben konvertiert war, die polnische Krone wieder für sich gewinnen konnte, was aber bald darauf zu weiteren Kriegen und zur Stärkung des russischen Einflusses in Polen führte.
Leben mini|hochkant|König August II. im Hofkostüm sowie mit der Schärpe des Ordens des Weißen Adlers
Friedrich August I. wurde am 12. Mai 1670, gegen 9 Uhr, als zweitältester Sohn des späteren sächsischen Herzogs Johann Georg III. und der Prinzessin Anna Sophie von Dänemark in Dresden geboren. Er wurde zeitweise in der Lichtenburg zu Prettin erzogen und verbrachte seine Kinderjahre bei seinem bis 1680 regierenden Großvater Johann Georg II., dessen pracht- und luxusliebende Hofhaltung den jungen Prinzen sehr beeindruckten.
Er genoss schon früh eine standesgemäße Ausbildung, zu der 1676 unter anderem die folgenden Erzieher berufen wurden: v. Knoch für Fremdsprachen (Italienisch, Französisch und Spanisch) Christoph Bernhard für Musik v. Klengel für Militärwesen, Zeichnen, Fortifikationswesen und Mathematik Darüber hinaus erhielt er Unterricht in Theologie und Geschichte, vor allem der regierenden Häuser Europas.
Das architektonische Umfeld (Dresdner Schloss, Stallhof, Reithaus, Palais im Großen Garten, Lusthaus auf der Jungfernbastei) sowie Lebensgewohnheiten und Festtraditionen des Hochadels vermittelten ihm das Bewusstsein, Teil eines der traditionsreichsten deutschen Fürstenhäuser zu sein. Eine dieser Festlichkeiten erlebte Friedrich August 1678 bei der Durchlauchtigsten Zusammenkunft, bei der alle Angehörigen des sächsischen Hauses zusammenkamen und neben Opern-, Schauspiel- und Ballettaufführungen auch Karussellrennen (Turnier, Ritterspiele) stattfanden. Weiterhin gab es viele Feste, die sich nicht nur auf das Schloss beschränkten, sondern die ganze Stadt oder die Umgebung mit einbezogen, die sich durch eine Vielzahl von Veranstaltungen auszeichneten, vor allem die opulenten Hoffeste um das Palais im Großen Garten, das der Großvater ab 1678 hatte erbauen lassen. Diese prachtvollen Ereignisse im Leben des Jungen dürften ihn stark beeinflusst haben.
Zunächst wuchsen August und sein älterer Bruder Johann Georg IV. gemeinsam auf; während aber dieser zum Thronfolger erzogen wurde, auf den zahlreiche Pflichten zukamen, konnte August sich relativ frei entwickeln und seinen Interessen nachgehen. Schon in frühen Jahren kam es immer häufiger zu Streitigkeiten zwischen den beiden Geschwistern, sodass August im Alter von 15 Jahren Christian August von Haxthausen als eigenen Hofmeister erhielt. Der Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel, erster bedeutender Dresdner Barockarchitekt, unterrichtete den heranwachsenden Prinzen Friedrich August in Festungsarchitektur und Zivilbaukunst; lebenslang zeichnete der König später an den Entwürfen seiner Architekten mit oder lieferte Erstentwürfe. Im Jahr 1686 hatte er sein erstes Liebeserlebnis mit der Hofdame Marie Elisabeth von Brockdorf, welche aus dem Schloss verwiesen wurde, als die Liebschaft an die Öffentlichkeit kam. Doch mit der Hilfe seines Vaters, der schönen Frauen nicht abgeneigt war, durfte diese wieder an den Hof zurückkehren. Im Herbst des gleichen Jahres unternahm August gemeinsam mit seiner Mutter seine erste große Reise zu seinem Onkel Christian V. von Dänemark.
Anschließend folgte dann die obligatorische Grand Tour, die zur Einführung des Prinzen August an den ausländischen Höfen diente. Er sollte auf dieser Reise Architektur und Kultur anderer Länder kennenlernen, seine Fremdsprachenkenntnisse erweitern, Umgangsformen sowie diplomatische Kenntnisse erlernen und Erfahrungen sammeln. Die Reise begann am 19. Mai 1687, wenige Tage nach seinem 17. Geburtstag, inkognito als Graf von Meißen. Es war eine geplante „Reise auf drey Jahr“, die von Dresden über Frankfurt am Main, Straßburg, Paris, Spanien, Portugal, England, Holland, Dänemark, Schweden, Nürnberg, Augsburg, München, Innsbruck, Mailand, Venedig (wo er auf den Grafen Königsmarck traf) und Wien zurück nach Dresden führte, wo er auf Befehl seines Vaters am 28. April 1689 wieder eintraf. Begleitet wurde August von seinem Hofmeister v. Haxthausen, der ihn auch im Reiten, Fechten und Schießen unterrichtete, dem Pfarrer Anton, dem Stallmeister von Einsiedel, dem Kammerjunker von Thielau sowie den Ärzten Pauli und Johann Jacob Bartholomaei, der 1708 zum Arkanisten wurde und dem August die Überwachung und Aufsicht der Böttgerschen Goldversuche und Porzellangewinnung mit übertrug.
1690 erkrankte er an den Blattern, welche zur damaligen Zeit oft tödlich endeten. Doch die starke Konstitution des Prinzen und ein glücklicher Verlauf der Krankheit führten dazu, dass sich der 20-Jährige schnell wieder erholte.
In den folgenden drei Jahren nahm er am Krieg gegen Frankreich am Oberrhein teil, hielt sich anschließend eine Zeit lang am Hof Kaiser Leopolds in Wien auf und beteiligte sich an einem Feldzug in den Spanischen Niederlanden und in Ungarn 1695 gegen die Türken nach entsprechenden Subsidienversprechen.Hans-Joachim Böttcher: August der Starke zieht in den Krieg nach Ungarn, Sachsen-Lesen
Am 20. Januar 1693 heiratete er in Bayreuth Christiane Eberhardine, Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth, um die sein Vater für seinen jüngeren, als etwas flatterhaft geltenden Sohn längere Zeit hatte werben müssen.
Regierung im sächsischen Kurstaat mini|hochkant=1.5|Das Kurfürstentum Sachsen im 18. Jahrhundert
Regierungsantritt
Während der Vorbereitungen eines weiteren Feldzuges gegen Frankreich im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) starb Augusts älterer Bruder Johann Georg IV. am 27. April 1694 an den Pocken. Er hatte sich am Totenbett seiner Mätresse Magdalena Sibylla von Neitschütz angesteckt. Da Johann Georg IV. wegen der Beziehung mit seiner Mätresse keinen legitimen Thronfolger gezeugt hatte, stieg nun sein jüngerer Bruder August unerwartet vom Titularherzog, auf den wohl eine militärische Karriere oder ein Leben am Hof des Bruders zugekommen wäre, zum regierenden Kurfürsten von Sachsen auf. Damit begann in Sachsen das sogenannte Augusteische Zeitalter (1694–1763), das die Regierungszeiten der beiden sächsischen Kurfürsten umfasst, die auch zu Königen von Polen aufsteigen sollten. Der Begriff bezieht sich auf Friedrich August I. (Regierungszeit: 1694–1733) und seinen Sohn Friedrich August II. (Regierungszeit: 1733–1763). Das wirtschaftlich und kulturell hochentwickelte Kurfürstentum Sachsen war Ende des 17. Jahrhunderts der viertgrößte Territorialstaat im Heiligen Römischen Reich und ging weit über den heutigen Freistaat Sachsen hinaus. Von den Verwüstungen und Entvölkerungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) hatte es sich schnell erholt. Dazu entscheidend beigetragen hatten die reichen Bodenschätze des Erzgebirges, die vielen hochentwickelten Manufakturen sowie der Handel, der in den vergleichsweise vielen Städten blühte und mit der Leipziger Messe, die sich seit dem Jahr 1165 aus zwei jährlichen Märkten entwickelt hatte, eine europäische Dimension besaß. Dazu kamen noch steigende landwirtschaftliche Erträge. Jedoch trat August sein Regierungsamt an, ohne darauf vorbereitet worden zu sein.
Als offizielle Zeremonien des Amtsantrittes dienten sogenannte Ständehuldigungen, bestehend aus Vertretern des Adels und der städtischen Bürgerschaft. In den wichtigsten Städten Sachsens (Dresden, Torgau, Wittenberg, Leipzig und Bautzen) leisteten sie feierlich einen Treueeid auf den neuen Kurfürsten.
Vom Juli 1695 bis September 1696 nahm August als Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres in Ungarn mit wechselndem Erfolg am Großen Türkenkrieg teil. In der Schlacht an der Bega 1696, die unentschieden ausging, erlitt die Kaiserliche Armee erhebliche Verluste, woran jedoch zum großen Teil der Widerstand des alten kaiserlichen Generals Donat Graf Heißler gegen das Oberkommando des jungen Herzogs und Kurfürsten schuld war.
Versuche zur Etablierung des Absolutismus In Sachsen drängte August den Einfluss des alteingesessenen Adels zurück und regierte mittels des 1706 geschaffenen Geheimen Kabinetts als zentraler Schaltstelle exekutiver Befugnisse, dessen bedeutendste Minister und Offiziere v. Beichlingen, v. Flemming, v. Zech, v. Schöning, A. M. G. v. Hoym, C. H. v. Hoym, H. F. v. Friesen, O. H. v. Friesen, v. Werthern, v. Löwendal, Wicardel, v. Wackerbarth, v. Manteuffel, A. F. v. Pflugk und O. H. v. Pflugk waren. Das Geheime Kabinett wurde durch beständige Erweiterung seiner Befugnisse zur obersten Zentralbehörde gemacht und der Beamtenapparat unter einem Kammerpräsidenten mit loyalen Bürgerlichen besetzt. Ein Bergratskollegium, ein Geheimer Kriegsrat und ein Generalkriegsgericht wurden errichtet. Zu einem wirklichen Absolutismus kam es aber nie. Dies wurde noch 1717 im Streit des Kurfürsten einerseits und des sächsischen Adels sowie des aufstrebenden Bürgertums andererseits deutlich, wobei Anlass der Revolte der Übertritt des Kurprinzen zum Katholizismus war. Der Sächsische Hofstaat hatte geringeren Umfang als etwa der kurbayerische.
Der 1724 erstmals in Leipzig gedruckte Codex Augusteus löste die Kursächsischen Konstitutionen ab, das bis dahin umfangreichste sächsische Werk für Gesetze, Verordnungen, Mandate und Landtagsabschiede. Die neue Landtagsordnung von 1728 führte zu einer weiteren Einschränkung der Rechte der Stände. Die Herausgabe eines Staatshandbuches in Gestalt des Hof- und Staatskalenders erfolgte erstmals 1728. Für die Zeit seiner Abwesenheit von Sachsen ernannte August, ohne Bestätigung durch die Stände, 1697 bis 1706 den schwäbischen, katholischen Reichsfürsten Anton Egon von Fürstenberg-Heiligenberg, seit 1698 auch Präsident des Generalrevisionskollegiums für die Abstellung von Missständen im Steuerwesen, zu seinem Statthalter. Seine einflussreichsten Minister, wie Flemming oder Wackerbarth, waren keine gebürtigen Sachsen und daher nicht mit den sächsischen Adelsfamilien verwandt oder von ihnen abhängig. August der Starke war es auch, der den Juden erstmals seit ihrer Vertreibung 1430 wieder die Ansiedlung in Sachsen gestattete; eine große Rolle spielte hierbei auch sein Hoffaktor Issachar Berend Lehmann, den er 1696 aus Halberstadt nach Dresden holte, wo in der Folge eine jüdische Gemeinde entstand.
mini|hochkant|König August II. im Harnisch und Hermelinmantel sowie mit der Schärpe des Ordens vom Weißen Adler und dem Orden vom Goldenen Vlies, dessen Ritter er seit 1697 war (Gemälde auf Burg Stolpen)
Finanzwesen und Wirtschaftspolitik