280px|mini|Außenansicht der Werfthalle (2001)
Die Cargolifter AG (Eigenschreibweise: CargoLifter) war ein 1996 gegründetes börsennotiertes Unternehmen, das ein Lastenluftschiff für 160 Tonnen schwere Fracht entwickeln, konstruieren und operativ betreiben wollte. Als das Unternehmen nach wiederholten Kostensteigerungen in Zahlungsschwierigkeiten geriet, verloren die Eigentümer wegen ungenügender Entwicklungsfortschritte das Vertrauen und waren nicht mehr zu Investitionen bereit. Im Juni 2002 musste Cargolifter Insolvenz anmelden.
Bekanntheit erreichte das Unternehmen auch durch seine im November 2000 fertiggestellte Cargolifter-Luftschiffhalle – mit 360 Metern Länge, 210 Metern Breite und 107 Metern Höhe das größte freitragende Gebäude der Welt. Nach dem Verkauf aus der Insolvenzmasse an einen malaysischen Konzern befindet sich seit 2004 ein tropischer Freizeitpark namens Tropical Islands in der Halle.
Geschichte Vorgründungsphase Die Ursprünge des Unternehmens CargoLifter reichen bis in das Jahr 1994 zurück. Unter Federführung des VDMA wurde 1994 eine erste Marktanalyse erstellt. Die zehn größten Anlagenbauunternehmen in diesem Verband vergaben damals jährliche Transportaufträge im Wert von über 60 Millionen DM. Bei diesen Schwerlasttransporten wurden zumeist Anlagen und Bauteile mit mehr als 100 t Gewicht und rund 25 Metern Länge transportiert. Da die Unternehmen zudem berichteten, erhebliche Probleme mit Schwerlasttransporten in Länder mit schlecht entwickelter Verkehrsinfrastruktur zu haben, entstand die Geschäftsidee des CargoLifters: Mit einem zu entwickelnden und zu bauenden Lastenluftschiff sollten zukünftig schwere Güter kostengünstiger und schneller transportiert werden.Cargolifter: Schwebender Kran – Ein riesiges Luftschiff soll die Transportprobleme beim Bau von Großanlagen lösen. In: Wirtschaftswoche. 24. Oktober 1996.
Nach der ersten Studie wurde 1995 eine zweite Studie durchgeführt, welche die Möglichkeit von Schwerlasttransporten mittels Luftschiff in einen Vergleich zu herkömmlichen Transporttechnologien stellte und deren Nutzen herausarbeitete. Im Februar 1996 begannen kleinere Expertenteams damit, das Konzept des CargoLifters aus technischer, wirtschaftlicher sowie wissenschaftlicher Perspektive näher zu beschreiben. Im Sommer des gleichen Jahres begannen die Vorbereitungen zur Gründung eines Unternehmens, das ein Lastenluftschiff entwickeln und konstruieren sollte.Cargolifter – eine neue Luftschiffgeneration fuer den Grossraum- und Schwertransport. Schneller und günstiger als andere Verkehrsträger. In: Deutsche Verkehrszeitung. 9. November 1996.
1996 bis 1997 Das Unternehmen wurde am 1. September 1996 in Wiesbaden gegründet und CargoLifter als Aktiengesellschaft etabliert. 90 individuelle und institutionelle Aktionäre gehörten zum Gründungskreis. Carl-Heinrich von Gablenz, der in der Vorgründungsphase eine zentrale und treibende Kraft hinter dem Projekt des Lastenluftschiffs darstellte, wurde in der Gründungsversammlung zum alleinigen Vorstand der Gesellschaft berufen. Der Stuttgarter Luft- und Raumfahrtkonstrukteur Bernd Kröplin, der Logistiker und Spediteur Rolf Riedl sowie der damalige Vorstand der ABB Kraftwerke, Heinz Herrmann, wurden als Aufsichtsräte während der Gründungsversammlung gewählt. Der Aufsichtsrat bestimmte Herrmann zudem später als Aufsichtsratsvorsitzenden.
Das Jahr 1997 war zunächst von steigenden Aktienverkäufen gekennzeichnet. Neben einzelnen Individuen zeichneten auch vermehrt Unternehmen Aktien an CargoLifter. Zur ersten ordentlichen Hauptversammlung im November 1997Den Mythos vom Zeppelin wiederbelebt. Auf einem ehemaligen GUS-Flugplatz an der Spreewaldautobahn sollen Luftschiffe gebaut werden. In: Der Tagesspiegel. 22. Dezember 1997. wurde bekannt, dass zu den mittlerweile rund 600 Aktionären beispielsweise ABB, Siemens, Schenker und Danzas gehörten.Für Schwertransporte und Tourismus: Die Rückkehr der Zeppeline. In: Welt am Sonntag. 20. April 1997. Später gesellte sich zum institutionellen Investorenkreis auch Thyssen.Airship reborn as green jam-buster. Cargo now has another way to travel, reports Denis Staunton in Berlin. In: The Observer. 30. November 1997.Mit altem Luftschiff zurück in neue Transportzukunft. In: Frankfurter Rundschau. 24. November 1997.
1998 Anfang des Jahres 1998 war der Aktionärskreis auf 1.350 Aktionäre angewachsen, die über 15 Mio. DM Eigenkapital in das Unternehmen gegeben hatten.Cargolifter auf dem Weg zur Boerse; Neues Frachtluftschiff soll in Brandenburg gebaut werden. In: Börsen-Zeitung. 20. Januar 1998. 60 % der Unternehmensanteile hielten hierbei private Investoren, die großen Anlagenbauer kamen mit jeweils 5 % auf 15 %. Darüber hinaus hielten 20 Großspeditionen zusammen 25 %.Aktionärsinteresse an Cargolifter wächst. Logistik-Messe gegenüber Luftfahrtausstellung bevorzugt. In: FAZ, 20. Januar 1998, S. 23. Der Preis der nicht-börsennotierten Namensaktien wurde zudem von dem Unternehmen von 27,50 auf 32,50 DM angehoben.FAZ, 14. Januar 1998, S. 22. In der Folge wurden 2 Millionen Aktien an alte und neue Aktionäre emittiert.Risiko-Kapital für den Luftschiffbau dringend gesucht. Bei Cargolifter läuft inzwischen schon die vierte außerbörsliche Aktienplazierung. Verkauf soll bis Ende Juli dauern. In: Süddeutsche Zeitung. 25. Juli 1999.
Im Frühjahr des Jahres wurde durch den Aufsichtsrat der Vorstand um eine Person erweitert. Neben Carl von Gablenz wurde nun der Diplomingenieur und Absolvent eines MBA-Programmes, Karl Bangert, zum stellvertretenden Mitglied des Vorstandes berufen. Karl Bangert hatte schon als Mitglied des Expertenteams an der ersten Ausarbeitung der Idee des CargoLifters mitgearbeitet. Seit August 1997 war er auch schon Geschäftsführer der Cargolifter Network GmbH. Diese Geschäftsführertätigkeit nahm er auch weiterhin parallel zu der stellvertretenden Vorstandstätigkeit in Personalunion wahr.Geschäftsbericht 1997/1998 und Konzernabschluss (Bericht des Aufsichtsrates, Januar 1998). CargoLifter AG, S. 2.
Anfang Mai 1998 wurde auf dem Standort Brand (siehe Abschnitt Luftschiffhangar und dessen Standort) mit einem Fest der erste Spatenstich für die geplante Luftschiffwerft gefeiert.Tausend Spatenstiche. In: Lausitzer Rundschau. 30. April 1998, S. 13. Mit 500 Spaten wurden dabei mit 1000 Spatenstichen die Konturen des geplanten Gebäudes von Besuchern und Aktionären ausgehoben.Luftschiffe aus dem Spreewald: „Zeppelin-Werft“ soll Brandenburg beflügeln. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 3. Mai 1998, S. 33.
Nur wenige Tage später präsentierte sich das Unternehmen dem Fachpublikum im Rahmen der Logistikmesse in Leipzig. Erstmals wurde der Öffentlichkeit hier auch das Luftschiff Joey vorgestellt, das zu dieser Zeit jedoch noch nicht flugtauglich war. Dennoch wurde das Luftschiff zusammengebaut präsentiert, indem es an der Decke der Messehalle befestigt worden war. Gezeigt wurde außer dem Luftschiff auch ein verkleinerter Laderahmen, an dem das geplante Lastaustauschverfahren demonstriert werden sollte.Frachtluftschiff: Flugfähiges Großmodell. In: Wirtschaftswoche. 7. Mai 1998, S. 136.Cargolifter AG: Neue Einsatzgebiete in Sicht. Schon das Modell ist volle 32 Meter lang. In: Handelsblatt. 7. Mai 1998. Das einzig fliegende Luftschiff, das CargoLifter auf der Messe Leipzig zeigen konnte, war das Solarluftschiff Lotte 3, das ferngesteuert über dem Außengelände der Messe schwebte.
Mitte des Jahres 1998 war die Zahl der Aktionäre des Unternehmens bereits auf rund 2.800 angewachsen, die dem Unternehmen 50 Mio. DM an Eigenkapital zugeführt hatten.Luftschiffe erleben Wiedergeburt an der Nahtstelle von Ökonomie und Nostalgie. Über den Wolken wittern zwei Firmen grenzenlose Geschäfte. Cargolifter will Transport-Technik revolutionieren. Zeppelin-Erben wuchern mit Pfunden des Pioniers. In: Frankfurter Rundschau. 30. Mai 1998, S. 13. Weitere Bekanntheit in der Öffentlichkeit erhielt das Unternehmen bei einer Veranstaltung im Juli 1998. Es wurde vom Bundespräsidialamt eingeladen, sich auf dem „Tag der Innovation“ im Garten des Schloss Bellevue zu präsentieren. Neben CargoLifter präsentierten sich an diesem Tag noch weitere innovative deutsche Unternehmen. Initiiert wurde diese Veranstaltung von dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der sich schon 1997 durch seine Ruck-Rede für einen Wandel in Deutschland und mehr Zukunftsdenken ausgesprochen hatte.Ideen im „Ruck“-Spiegel der Gesellschaft. Zukunftsschmiede im Schloß Bellevue: Bundespräsident Herzog lud ein zum Tag der Innovationen. In: Der Tagesspiegel. 24. Juli 1998, S. 4.
Im August 1998 verkündete das Unternehmen, dass der Standort für die geplante Werft von der brandenburgischen Regierung soeben gekauft worden sei. Parallel wurde bekannt gegeben, die Aktionärszahl sei auf über 4000 angewachsen.Kaufvertrag fuer Werftgelände unterzeichnet. CargoLifter hat Kapital fuer die nächste Phase zusammen. In: Deutsche Verkehrszeitung. 18. August 1998.
Zum Ende des Jahres 1998 hielten 4200 Aktionäre Anteile an dem Unternehmen. Das Eigenkapital war damit auf rund 80 Mio. DM angestiegen.Der Tagesspiegel, 3. Dezember 1998, S. 25: Cargolifter im Aufschwung. Schon 4200 Aktionäre begleiten die Luftschiffpläne. Im Verlauf des Jahres hatte zudem auch die Linde AG Aktien im Wert von 120.000 DM erworben. Im Gegenzug sicherte CargoLifter zu, zukünftig mindestens 25 % jeder Heliumluftschifffüllung von Linde zu beziehen – bei damaligen Preisen hätte diese Kooperation einen Umsatz von 5 Mio. DM pro CL-160-Luftschiff für Linde bedeutet.Hans-Liudger Dienel: Die Linde AG: Geschichte eines Technologie-Konzerns, 1879–2004. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51484-7, S. 318.Ursprungsquelle: Protokoll der Vorstandssitzung am 6. Mai 1998, Linde-Archiv Wiesbaden (vgl. Hans-Liudger Dienel: Die Linde AG: Geschichte eines Technologie-Konzerns, 1879–2004. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51484-7, S. 449).
1999 Zum Jahreswechsel Anfang des Jahres 1999 erhielt CargoLifter eine 80-prozentige Ausfallbürgschaft durch den Deutschen Bundestag für die Kreditaufnahme zum Bau seiner Werfthalle.Bürgschaft für den schwebenden Kran. Cargolifter sammelt Fremd- und Eigenkapital – Börsengang. In: Börsen-Zeitung. 23. Januar 1999.
Zur Hauptversammlung des Unternehmens, die am 10. März in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst abgehalten wurde, beschlossen die Aktionäre einen Wechsel des Unternehmenssitzes von Wiesbaden in die Bundeshauptstadt Berlin. Zudem wurde während der Veranstaltung erfolgreich über die Verdopplung des bisherigen Grundkapitals abgestimmt.Menschen und Märkte. In: FAZ. 4. März 1999, S. 64. Auch genehmigten die Kapitaleigner eine Kapitalerhöhung auf dann 120 Mio. DM.Cargolifter will an die Börse gehen. Hauptversammlung genehmigt Kapitalerhöhung. In: FAZ. 11. März 1999, S. 22.
Mitte März 1999 wurde der Öffentlichkeit im Rahmen einer Tag-der-offenen-Tür-Veranstaltung erstmals das Airship Design Center präsentiert, innerhalb dessen ab dann Techniker und Ingenieure an der Entwicklung des Lasten-Luftschiffes arbeiten sollten. Dieses neu errichtete Zentrum bestand aus zwei Gebäuden und einer kleinen Halle, innerhalb derer zunächst der größen- und volumenmäßig verkleinerte Demonstrator Joey eines Kielluftschiffs fertig konstruiert werden sollte.Design Center für Luftschiffe eröffnet. In Brand fiel Startschuß für eine der größten freitragenden Hallen. In: Berliner Morgenpost. 13. März 1999. Rund 10.000 Besucher folgten dabei der Einladung CargoLifters und besuchten das Areal der zukünftigen Produktionsstätte.Die ungebrochene Faszination der „fliegenden Zigarren“. In: Berliner Morgenpost. 14. März 1999, S. 19.